Dienstag, 23. September 2014

Der Abgesang...

...oder: Totgesagte leben länger. Es ist ja in der Tat schon ein paar Tage her, dass ich mich temporär abgemeldet habe, doch lässt sich dieser Begriff nach ca. eineinhalb Jahren Pause zugegeben kaum noch sinnvoll aufrecht erhalten. Treffender formuliert es da der von mir geschätzte Friedrich Hunold: "Sendepause? Letzteres z.B. von Carsten Bussler. Scheinbar ist mit seinem Blog >>2A3 Maniac<< aber Schicht im Schacht." Schicht im Schacht ist da wohl sehr treffend formuliert!


Auch Spekulationen an anderer Stelle und von anderen Personen ob der Hintergründe der (langen) Pause möchte ich gerne erhellen, so profan sie in der Tat auch sein mögen: Treffen permanenter Zeitmangel einerseits (Dauerzustand wie bei vielen von uns - faule Ausrede also) und fehlende Lust, Mangel an Motivation und Ideenlosigkeit andererseits (das war neu für mich) zeitgleich aufeinander, legt man besser eine Pause ein. Und ich will gar nicht verhehlen, dass mich Friedrichs Aussage "Irgendwie waren wir Brüder. Im Geiste." berührt hat - tatsächlich bin ich erst gestern mehr oder weniger zufällig im Netz auf seinen Beitrag gestoßen und dieser hat mich animiert, nun dieses Lebenszeichen von mir zu geben.

Wie also geht es weiter - geht es weiter?
Es haben sich in der Zwischenzeit natürlich viele neue Themen ergeben, über die es sich  m.E. zu berichten lohnt. Oder die mir unter den Nägeln brennen. Schließlich kann man machen, was man will, aber nicht wollen, was man will. Diese Ideen wollen raus - gut so! Allerdings in einem neuen Blog, in neuem Umfeld also, voraussichtlich ab Frühjahr nächsten Jahres. Die Seite "2A3 Maniac" werde ich bis dahin wieder in losen, unregelmäßigen Abständen aufleben lassen, quasi als "Warm-up", um das Laufen wieder zu lernen. Danach wird dieser Blog endgültig "in die Wüste geschickt" bzw. darf dann sein einsames Trabantendasein in den unendlichen Weiten des World Wide Web fristen.

Zwischenzeitlich habe ich mich allerdings schon gewundert, dass immer noch im Mittel knapp die Hälfte an Blogbesuchern zu verzeichnen war (bezogen auf die aktive Zeit des Blogs), obwohl keine neuen Posts erschienen. Der Flut der (nicht veröffentlichten) Spam-Kommentare zufolge müssen das jedoch viele Spy-Robots und andere Programme gewesen sein, die den Großteil ausmachten... Wie auch immer.

Allerdings: Das Layout und die Aufmachung dieses Blogs gefallen mir einfach nicht mehr, also muss für einen Neuanfang dann auch etwas Neues her. (Eine kleine erhellende Sofortmaßnahme ist allerdings das Entfernen der kaputten 2A3 aus dem Header, welche lange Zeit meine Motivationslage widerspiegelte...).
Also - stay tuned!

Donnerstag, 18. April 2013

Blog temporarily paused

Bis auf Weiteres geht dieses Blog in ein Sabbatical. Ob und wann es weitergeht, bleibt derzeit offen.
 
Until further notice this blog goes into a sabbatical. Currently I leave it open if and when I will continue this blog.
  
  
Abschließend möchte ich an dieser Stelle kurz die Gelegenheit zum Rückblick nutzen und (zeitlich chronologisch) meine persönlichen zehn Lieblingsposts nennen:

Sonntag, 14. April 2013

Die perfekte HiFi-Komponente - oder: auf der Suche nach dem Heiligen Gral

Wer hätte sie nicht gern, die perfekte HiFi-Komponente? Oder besser noch gleich eine ganze Kette perfekter Geräte - von der Quelle bis zum Lautsprecher -, ebenso perfekt aufeinander abgestimmt und geeignet, den geneigten Hörer in höchste emotionale Sphären zu katapultieren! Glaubt man den markigen Versprechungen (oder Lügen) einiger Werbestrategen, dann sind solche Komponenten selbstredend längst verfügbar. Leider gleicht das Unterfangen des Strebens nach Perfektion auch in diesem Fall der Suche nach dem Heiligen Gral und ist von Vornherein zum Scheitern verurteilt. Den perfekten Verstärker, Lautsprecher, Plattenspieler, Musik-Server oder was auch immer (geschweige denn die perfekte Musikanlage) gibt es nicht. Punkt. Übrigens auch nicht das perfekte Kabel, das nur mal so am Rande.
  
Rumms! Nach diesem Schlag mitten in Ihr hifideles Gemüt könnte der Artikel an dieser Stelle schon enden, bevor er eigentlich begonnen hat - doch keine Sorge, so einfach wollen wir es uns nicht machen, nicht wahr? Schließlich glauben wir, also Sie und ich, ja ganz fest an die perfekte, na ja, wenigstens NAHEZU perfekte Reproduktion konservierter Musik. Diese Sichtweise hat sich nämlich über die Jahre und Jahrzehnte klammheimlich in unser Unterbewusstsein eingeschlichen und es sich dort bequem gemacht. Wir wurden wider Willen konditioniert: von der HiFi-Presse, der die Superlative ausgingen und die ab gewissen Preisklassen automatisch beim Wörtchen "perfekt" landete, den skrupellosen Händlern, die für die "perfekte" Anlage horrende Margen einzustreichen suchen, von pathetischen Werbebotschafte(r)n, oder - bei Weitem am schlimmsten - sogar von schrägen Beiträgen in HiFi-Foren. Steter Tropfen höhlt eben doch den Stein... Und heute macht Ihnen das Musikhören nicht mehr so recht viel Freude, stimmt´s? Obwohl Sie doch Zeug im Gegenwert eines Kleinwagens in der guten Stube rumstehen haben - da ist was faul.
   
    
Manch einer behauptet, sich alle zwei Jahre beim HNO-Arzt die Ohren durchspülen zu lassen. So gereinigt und körperlich geläutert könne er anschließend viel besser hören und er habe danach wieder mächtig Spaß an seiner Musikanlage. Aha. Ein anderer driftet in die spirituelle Ecke ab und schleppt Schwingungsharmonizer in sein Wohnzimmer oder stellt komische Holzklötzchen unter seine Geräte. Natürlich klingt es jetzt viel - eben - harmonischer (muss es ja auch, bei dem Vermögen, das der Kram gekostet hat; das nennt man übrigens Autosuggestion). Und der Kabel-Nerd hat mal wieder sein (vorläufig) letztes Lautsprecherkabel gefunden, mit dem er alt werden möchte (es soll ja auch Männer geben, die statt mit einer HiFi-Komponente mit ihrer Frau alt werden wollen, aber auch das wieder nur so am Rande). Etwas weniger Silberanteil im Kabel, sagt er, nun kämen die Sibilanten noch seidiger. Liebe Leute, mal ganz jovial und ehrlich: Seid Ihr noch ganz dicht?!
  
Sie erinnern sich bestimmt noch ebenso gut wie ich an Ihre Teenagerzeit, als Sie einen Höllenspaß am Musikhören hatten, und zwar mit einem "Equipment", das nach Ihrer heutigen Bewertung nicht mal mehr zum Fußballhören in der Gartenlaube taugte. Und erstaunlicherweise konnte auch der gepfefferte Sound der Boxen mit Horntröten und Blubberbass damals in der Dorfdisko nicht verhindern, dass Sie mächtig das Tanzbein schwangen, richtig? Und ist es nicht so, dass Sie damals bei Ihren Lieblingssongs das Autoradio ordentlich aufdrehten und lauthals mitsangen?
  
Letzten Endes geht es doch um den Spaß am Musikhören, und der korreliert offenbar nicht unbedingt mit dem Wert oder der Technik einer Anlage oder einer Komponente. Ist die "perfekte Musikreproduktion" gar eine Frage der inneren Einstellung? Womöglich.
  
Falls Sie den einen oder anderen Musiker kennen, dann versuchen Sie einmal, sich mit denen über "high-endige" Musikreproduktion zu unterhalten. Sie werden in den meisten Fällen scheitern und Blicke in der Bandbreite zwischen mitleidig und irritiert ernten, bei humorlosen Vertretern gar bis hin zu böse  oder beleidigt. Wenn ein Musiker Musik will, dann haut er selbst in die Saiten. Und er hat Spaß daran. Fertig. Selbst zart besaitete musische Gemüter, die mit E-Gitarre und Schlagzeug nix am Hut haben sondern eher kammermusikalisch orientiert sind werden womöglich zugestehen, dass sie zu Hause mit einer kompakten Minianlage für neunundachtzigfuffzich Musik hören. Ungeheuerlich, oder? Allerdings wollte mir im Gegensatz zu durchgeknallten High-Endern noch kein Musiker erzählen, er könne hören, wie viel Kolophonium die Geigerin auf ihren Bogen gestrichen hat – muss wohl doch an der Anlage liegen… All diese kruden Auswüchse des Sich-selbst-Belügens sind Symptome einer inneren Rastlosigkeit auf der Suche nach einer Perfektion, die es nicht gibt.
  
Spätestens jetzt dünkt Ihnen: Es muss sich etwas ändern! Gönnen Sie sich einmal eine Auszeit vom verkrampften Umgang mit Ihren High-End-Geschützen daheim, schließlich haben Sie doch durch selbst auferlegte Abstinenz auch Ihre drohende Internetsucht in den Griff bekommen. Besuchen Sie endlich mal wieder ein Konzert, wie früher! Genießen Sie die Dynamik und den „unperfekten“ Sound in der Konzerthalle; treffen mit Glück einen Künstler, zum Beispiel Udo Lindenberg (in Hamburg stehen die Chancen manchmal gar nicht schlecht, wenn er an diesem Abend nicht selbst auf der Bühne steht). Dann geben Sie ihm einen Eierlikör aus und erden sich bei nettem Smalltalk mit einem authentischen Musiker, anstatt dem neuesten Mk III-Upgrade Ihres Plattenspielers hinterher zu hecheln. Oder Sie bauen sich selbst mal eine Box - einfach so, ohne high-endige Ambitionen und erfreuen sich am „unperfekten“ Ergebnis. Für den Anfang reicht ja ein günstiger, fertiger Bausatz. Irgendwann kommt dann auch wieder der Spaß am Musikhören, versprochen.
  
Ich will damit sagen: Egal, ob analog oder digital, Röhre, Transistor oder Class D, vielleicht haben Sie schon eine perfekte Anlage zu Hause stehen, relativ gesehen natürlich. Nur wissen Sie es noch nicht.

Dienstag, 9. April 2013

Psychoakustik: Registerverblendung

In meeinm Bolg hbean Fleehr in der Rcehtchreibsung eienigtlch nitchs vleroern, deahr wedren sie acuh gnaldenos ausgmeerzt. Aebr hetue woelln wir uns deisbeziglüch eingie Friehetien gweähren! Und zawr alelin, um Inhen ein kognitievs Phemonän in Beuzg auf das Lesveerstheen neähr zu breingn, wechles scih grundtsäzlcih auf das Musökhiren übartrgeen lsäst.
  
Wenn Sie den einführenden Absatz trotz der vielen Fehler weitgehend ohne Probleme lesen konnten - und das konnten Sie, stimmt´s? -, haben Sie bereits einen wesentlichen Aspekt des im Folgenden behandelten Phänomens erfasst. Wichtig ist dabei nur, dass der erste und der letzte Buchstabe eines Wortes an der korrekten Position stehen und die das Wort bildenden Buchstaben dazwischen lediglich zum "Buchstabensalat" vertauscht sein dürfen. Der Mensch liest die Buchstaben nämlich nicht einzeln, sondern die Wörter als Ganzes, wobei das Lesen eines solchen Textes umso besser funktioniert, je gebräuchlicher – oder besser: je geläufiger Ihnen – die darin vorkommenden Wörter sind. Übertragen auf das Musikhören korrespondiert dies mit häufig gehörten Musikinstrumenten, deren charakteristische Klangfarben Sie sich im Laufe der Zeit eingeprägt haben (Besuche von Live-Konzerten schulen das Ohr übrigens ungemein). Sie haben nämlich durch die erfolgreiche Entschlüsselung des obigen Textes ganz nebenbei den Beweis erbracht, dass sich das menschliche Gehirn oft Wiederholtes gut einprägen kann, obwohl Sie schon eingestehen werden, dass sich korrekt geschriebene Texte entspannter lesen lassen und damit weit weniger anstrengend sind – genauso, wie sich „korrekt“ wiedergegebene Töne und Geräusche von Instrumenten und Stimmen besser genießen lassen (was auch immer „korrekt“ in diesem Zusammenhang bedeuten mag, aber dazu später mehr).
  
Ähnlich verhält es sich beim psychoakustischen Phänomen der "Registerverblendung" (an dieser Stelle hatte ich mir bereits zuvor einige Gedanken zum Thema gemacht). Dieser Begriff entstammt eigentlich dem Gesang beziehungsweise der Gesangsausbildung. Ein Register ist dabei ein Stimmlagenbereich, bei dem alle Töne über das gleiche Timbre verfügen, also so klingen, als seien sie auf die gleiche Weise entstanden. Die verschiedenen Stimmlagenbereiche erfordern beim Gesang individuelle körperliche Einstellungen (Brust, Lippen, Zunge, Kehlkopf, Muskelanspannungen). Bei weniger geübten Sängern - wie zum Beispiel bei mir, wenn ich Bon Scotts Gesang zu AC/DC-Songs nachahme - werden die Übergänge zwischen diesen einzelnen Bereichen in Form von stimmlichen Brüchen deutlich. Unterschiedliche Tonhöhen - also unterschiedliche Register - so singen zu können, dass keine Übergänge wahrnehmbar sind, gilt als ein Ideal der Gesangskunst und wird als Registerverblendung bezeichnet.
     
  
Übertragen auf die Musikwiedergabe bedeutet Registerverblendung, dass ein Mehrweglautsprecher durchaus in der Lage sein kann, die Tatsache zu verschleiern, dass bestimmte Töne im Bereich von Übergangsfrequenzen zwischen zwei Treibern von beiden gleichzeitig wiedergegeben werden. Um dies zu kaschieren, können beide Treiber beispielsweise möglichst eng aneinander auf die Schallwand montiert werden, um dem Ideal der punktförmigen Schallquelle möglichst nahe zu kommen - aber das allein wird nicht reichen. Na und, werden Sie vielleicht sagen, ist das schlimm?
  
Nun, jeder Ton setzt sich aus einem Grundton (k1) und seinen Obertönen (k2, k3, k4,...) zusammen. Wird also über ein Zweiwegesystem mit einer Trennfrequenz von einem Kilohertz der Kammerton A (440 Hz) wiedergegeben, so gibt der Tiefmitteltöner die Grundfrequenz (k1) und den ersten Oberton (k2, 880 Hz; 2. Harmonische) wieder. Der Mittelhochtöner dagegen spielt alle Harmonischen ab dem zweiten Oberton (k3, 1.320 Hz; k4, 1.760 Hz; usw.). Das Ohr registriert die unterschiedlichen Richtungen der ankommenden Frequenzen, die ja erst in ihrer Gesamtheit die charakteristische Klangfarbe dieses Tons ergeben. Darüber hinaus bedeutet eine Trennfrequenz bei einem Kilohertz ja nicht, dass der Tiefmitteltöner Töne über einem Kilohertz beziehungsweise der Mittelhochtöner Töne unterhalb von einem Kilohertz nicht mehr wiedergeben - sie tun das nur, je nach Flankensteilheit der Frequenzweiche, entsprechend leiser, so dass in unserem Fallbeispiel selbst k3 noch vom Tiefmitteltöner beziehungsweise k2 vom Mittelhochtöner wiedergegeben werden.
  
Unser archaisches, in Jahrtausende langer Evolution durch die Umwelt geprägtes Gehirn ist durch die unterschiedlichen Richtungen der Grund- und Obertöne ein- und desselben Tons irritiert (genauso, wie er bei schlechter Registerverblendung eines Sängers die Übergänge zwischen verschiedenen Tonhöhen als Bruch oder Inkohärenz wahrnimmt). Das menschliche Gehirn investiert sehr viel Rechenleistung, um diesen Makel zu kompensieren. Das gelingt zwar auch, allerdings nur um den Preis angestrengteren bzw. anstrengenderen Hörens - ebenso wie der fehlerbehaftete erste Absatz dieses Artikels zwar verständlich, aber anstrengend zu lesen war, weil die "Fehlerkorrektur" unseres Gehirns alle Hände voll zu tun hatte, den Buchstabensalat zu ordnen. Multitasking und genussvolle Entspannung schließen sich hier also gegenseitig aus, ebenso wie in anderen Lebensbereichen auch – oder würden Sie Ihren Lieblingsroman bei laufendem Fernseher lesen wollen?
  
Wenn Ihnen also jemand vorschwärmt, sein neuer Vollbereichsbreitbandlautsprecher klinge trotz seiner objektiven Bandbreitenlimitierung wie aus einem Guss und das Wort Kohärenz habe für ihn eine völlig neue Bedeutung bekommen, dann wissen Sie, was er meint. Aber auch Koaxialchassis können (mit kleinen Einschränkungen) im Prinzip dafür sorgen, dass sich das Gehirn nicht mehr mit dem Problem der Registerverblendung plagen muss. Sicherlich kein Grund, Mehrwegesysteme grundsätzlich zu verteufeln und auch nur einer unter vielen Aspekten bei der Musikwiedergabe mittels gängiger „HiFi-Boxen“ - aebr in meienn Aguen ein gnaz weslentciher, üebr den es scih eaniml ncahzdeunekn lonht.

Donnerstag, 4. April 2013

ONEDOF™ Turntable

Im Folgenden geht es um den Plattenspieler ONEDOF™ des Entwicklers Aleks Bakman. Schmucke Plattenspieler gibt es zwar viele, aber dieses feinmechanische Maschinchen ist im Vergleich zu manch anderem Spieler nicht teuer, sondern ziemlich teuer: In der Basisausführung kostet es derzeit 175.000 US$. Ohne Pick-up.
 
Aleks Bakman kommt eigentlich aus der Luft- und Raumfahrtindustrie - dies dokumentiert er auch auf seiner oben verlinkten Website und übt sich dabei in typisch amerikanischer Zurückhaltung... Klappern gehört halt zum Geschäft, jedes (teure) Geschäft braucht außerdem eine gute Story (Leute lieben gute Stories, vor allem an der Aktienbörse) und nun baut Aleksandr eben Plattenspieler. Also, im Moment diesen einen. Sogleich drängt sich mir die Frage auf: Wer braucht einen solch teuren Plattenspieler? Kann ein Luft- und Raumfahrtingenieur besser(e) Plattenspieler entwickeln als andere Tüftler und Manufakturen? Und ist der Klang entsprechend, vielmehr: Ist das der beste Plattenspieler der Welt? Ist er besser als der beste Simon Yorke? Ist dieser Plattenspieler im Gegenwert eines Einfamilienhauses sein Geld wert, obwohl das Ding nicht viel mehr kann als eine Platte auf einem Teller zu drehen? Ich weiß es nicht und ich bin mir ziemlich sicher, dass sich die avisierte Klientel mit derlei profanen Oberflächlichkeiten gar nicht erst befasst. Zielgruppe dürfte insbesondere eine außerordentlich solvente Fraktion sein, die sonst eher z.B. bei Transrotor einkauft. Ganz abgesehen vom Preis ist mir der Spieler persönlich aber einfach nicht schwarz genug.
 
Aleks spricht seinem Plattenspieler einen sehr hohen Wife Acceptance Factor zu, was dem einen oder anderen natürlich nicht ganz unwichtig ist. Das macht er womöglich auch am vielen Gold fest, immerhin ist der Dreher mit 24 Karat Gold überzogen und wiegt ca. 50 kg, wobei allein 27 kg auf den Plattenteller entfallen. Man muss also kein Prophet sein, um hier ein Masselaufwerk zu mutmaßen. Das eigentlich Besondere sei aber, dass sich der Plattenteller in alle Richtungen selbst korrekt zentriert und nur noch den einen Freiheitsgrad für die axiale Drehung erlaubt: ONEDOF = ONE Degree Of Freedom. Wie er das technisch genau bewerkstelligt und was er dabei besser als andere Plattenspieler macht, wird leider nicht näher beschrieben.
 
Weitere Features sind... ach, machen Sie sich doch einfach ein eigenes Bild auf seiner Website. Ein Interview von Marc Phillips (The Vinyl Anachronist) mit Aleksandr Bakman gibt es hier.
 
 
 
 
 
 
 
Bildquellen: Website ONEDOF™

Montag, 1. April 2013

Audiokabel - Voodoo oder Wissenschaft? Eine etwas andere Sicht der Dinge zum Thema Kabelklang


Ob in Internetforen, Zeitschriften, Prospekten oder gar am HiFi-Stammtisch: Kaum etwas wird im HiFi-Sektor so kontrovers diskutiert wie das Thema "Kabelklang", hier scheiden sich offenbar die Geister so sehr wie sonst nirgends. Die eine Fraktion negiert den Einfluss von NF-Kabeln, Lautsprecherkabeln & Co. auf das klangliche Ergebnis völlig; Beipackstrippe oder 2,5 mm2 Kupferlitze aus dem Baumarkt stehen hier recht hoch im Kurs. Andererseits gibt es nicht wenige, die Kabeln sogar Komponentenstatus zubilligen, man stelle sich das einmal vor!
 
Für mich persönlich ist die Beschäftigung mit Kabeln und deren "Klang" seit nunmehr über zwei Jahrzehnten gezwungenermaßen eine Art Hassliebe. Gezwungenermaßen, weil alle Komponenten nun einmal mit diesen vermaledeiten Strippen verbunden werden wollen und Hassliebe deshalb, weil im Gegensatz zu "echten" Komponenten kaum eine halbwegs zuverlässige Vorhersage möglich erscheint, ob ein Kabel in der eigenen Kette funktionieren wird oder nicht. Außerdem langweilen Kabel mich schlichtweg (laut Aussage meines HiFi-Psychiaters vermutlich eine Form der Verdrängung, um sich nicht mit einem komplexen Sachverhalt auseinander setzen zu müssen), gute Voraussetzungen für diesen Artikel also...
    
 
Nun kommt der Autor dieser Zeilen ausgerechnet aus der Energieseekabellegung im Mittel- und Hochspannungsbereich, gleichwohl ist der Kabelaufbau dort wesentlich komplexer als im Audiobereich. Sicher, bei Seekabeln geht es nicht um den guten Klang, sondern um die möglichst verlustfreie Übertragung von (viel) Energie - eine gewisse Affinität zu diesem Thema ist dennoch wohl kaum von der Hand zu weisen. Zeit also, sich der Sache einmal ganz pragmatisch aus dem Blickwinkel eines Ingenieurs zu nähern, um Fakten und Mythen voneinander zu separieren. Oder zumindest den Versuch zu unternehmen. Oder es vielleicht doch besser sein zu lassen.
 
Womöglich habe ich jetzt nämlich eine gewisse Erwartungshaltung hinsichtlich einer trockenen wissenschaftlichen Abhandlung bei Ihnen geschürt. Weit gefehlt - dafür bin ich nicht Ihr Mann. Vielmehr möchte ich auf meine Weise einen Beitrag leisten, die Dinge etwas unaufgeregter und sachlicher zu betrachten.
 
Zu Beginn sollten wir uns auf eine gemeinsame Ausgangsbasis darüber verständigen, wie das ideale Kabel denn überhaupt aussehen sollte. Im Verstärkerbereich spricht man häufig vom "verstärkenden Stück Draht", welches hier das Ideal darstelle (meines Erachtens wird diese Anforderung von einigen State-of-the-Art Class D-Amps bereits erfüllt, dennoch gefallen mir Röhren-Eintakter mit ihrem relativ hohen, harmonischen und geradzahlig geprägten Klirrverhalten deutlich besser, aber das soll jetzt nicht das Thema sein). Daraus ließe sich suggestiv ableiten, dass unser "Stück Draht" - das Kabel, das ja tatsächlich viel mehr ist als nur ein Draht - nichts weiter tun soll, als das Signal völlig unverändert und unverfälscht von einem zum anderen Gerät zu transportieren. Dabei ist es in unserer Betrachtung völlig unerheblich, welche Komponenten miteinander verbunden werden: Quelle und Verstärker, Verstärker und Lautsprecher, Plattenspieler und MC-Übertrager, symmetrisch, asymmetrisch, analog, digital... Das, was das ideale Kabel mit dem Signal anstellen darf, ist sonnenklar: nichts!
 
Wenn Sie mit dieser Sichtweise einverstanden sind, dürfen wir den so genannten "Kabelklang" auch gleich in die Wüste schicken. Kabel klingen nicht. Ganz wesentlich scheint mir dabei folgende relative Sicht auf die Dinge zu sein: Ein Kabel kann den Klang nicht verbessern, sondern unterlässt es im Idealfall, das Signal zu verändern und damit den Klang zu verschlechtern. Wenn ich hier und da lese, dass das Kabel A gegenüber Kabel B den Klang einer Anlage verbessert, heißt das nichts anderes, als dass der spezifische Parametersatz des Kabels A elektrotechnisch besser zu den mit ihm verbundenen Geräten passt als jener von Kabel B. Klemmen Sie einmal ein NF-Kabel, das zwischen Röhrenvorstufe und Eintakt-Röhrenendstufe hervorragend funktioniert, zwischen eine Vor-/Endstufenkombi von Spectral, dann wissen Sie, was ich meine. Aussagen, ein Kabel klinge "kühl", "analytisch" oder "warm", halte ich für absurd weil generell nicht allgemein gültig. Quelle, Verstärker und Lautsprecher können meinetwegen "klingen"; die Quelle klingt als "Signalgenerator", der Verstärker mit seinen aktiven Bauelementen prägt dem Signal mehr oder weniger ungewollt ebenfalls seinen "Fingerprint" auf und der Lautsprecher als kritischste Komponente fungiert quasi als "Instrument". Ein Kabel hingegen klingt nicht. Es kann aufgrund seiner Parameter allerdings in der Lage sein, zwei Komponenten (nahezu) optimal zu verbinden und damit die Qualitäten der verbundenen Geräte bestmöglich zur Geltung kommen zu lassen, ohne sich dem Signal jedoch als Bremse "in den Weg zu stellen". Ein Pferdefuß dabei: Anders als im Studio- und Profibereich gibt es im HiFi-Bereich leider keine Standards für die Ein- und Ausgänge von Geräten, was die optimale Auslegung eines Kabels sowie dessen Anpassung an die zu verbindenden Komponenten fürderhin schlicht unmöglich macht.
 
Nun wissen wir beide aus (bisweilen leidiger) Erfahrung, dass in der Praxis nahezu alle Kabel den Klang einer Kette verändern, manche nur in Nuancen, andere stärker. Offenbar gibt es tatsächlich Kabel, die in (m)einer Kette besser "klingen" als andere (ok, ok, erwischt: Kabel klingen ja nicht) - das hängt ganz wesentlich von den mit dem Kabel verbundenen Geräten selbst ab. Ein und dasselbe Kabel kann sich in einem Setup hervorragend schlagen, im anderen Umfeld hingegen als Totalausfall entpuppen, diese so profane wie wahre Erkenntnis haben die meisten von uns wohl bereits selbst gemacht. Was aber unterscheidet Kabel voneinander und, viel wichtiger, welche Parameter wirken sich auf den "Klang" - besser: auf das Signal - aus bzw. welche nicht?
 
Impedanz, Induktivität, Kapazität, Wellenwiderstand, Scheinwiderstand, ohmscher Widerstand, Dämpfung, Schirmung, Mantel, Dielektrizitätskonstante, dielektrische Absorption, piezoelektrischer Effekt, Skin-Effekt, (sauerstofffreies) Kupfer oder Silber, Massivdraht oder Litze, Länge, Durchmesser, Wirbelströme, Mikrophonie, Laufrichtung, Einbrennen, Besprechen bei Vollmond, MDI-Verzerrungen... Haben Sie wirklich Lust, sich mit all diesem Kram intensiv zu befassen?! Na also. Außerdem gibt es nicht den einen, allein selig machenden - ergo: richtigen - Königsweg beim Engineering von Kabeln. Und schließlich ist alle Theorie sowieso grau...
 
Wir machen es uns einfach und gehen die Sache folgendermaßen an: So lange es noch "echte" HiFi-Händler mit "echtem" Laden an der Ecke gibt (die sie zunehmend verdrängenden, reinen Internethändler bieten diesen Service meines Wissens nämlich nicht), leihen wir uns möglichst viele Kabelsätze aus und probieren, probieren, probieren.... Und wenn´s funktioniert: Hurra! Und es wird funktionieren - dann kaufen wir das Kabel bitteschön auch bei diesem Händler und nicht im Internet, nur um 10 Euro zu sparen.
 
Um schlussendlich die in der Artikelüberschrift aufgeworfene Frage zu beantworten: Die gekonnte Herstellung von Audiokabeln ist Wissenschaft und kein Voodoo. Eine (empirische) Wissenschaft für sich, bei der Ihnen als Konsument viel Mühe durch Ausprobieren abverlangt wird - und Sie am Ende reichlich belohnt werden (können), Sie aber auch nur so das gesamte Potenzial Ihrer Komponenten wirklich "heben" können. Lassen Sie sich doch einmal auf das Abenteuer Kabel ein und testen Sie völlig unvoreingenommen verschiedene Verbinder in Ihrer Kette, völlig egal, ob "Ihre" Idealstrippe am Ende - je nach Gusto und Geldbeutel - 50, 500, 5.000 Euro oder noch mehr kostet. Vielmehr möchte ich sogar behaupten, Sie sind es sich und Ihrer Anlage schuldig!
 
Für mich nehmen Kabel daher auch völlig unzweifelhaft den Status einer Komponente ein. Und wer diese Aussage mit Blick auf das heutige Kalenderblatt als Aprilscherz entlarvt, der liegt goldrichtig: April, April!
 
Es gibt durchaus Spezialisten, die für die Verkabelung einer kompletten Kette eine Summe aufrufen, für die manch einer sich lieber eine Oberklasse-Limousine anschafft... Kabel weisen einen besonderen Unterschied zu allen "anderen Geräten" auf: Nirgendwo ist die Korrelation zwischen Preis und Leistung so wenig ausgeprägt wie bei Kabeln. Wobei es zugegeben durchaus sauteure Kabel gibt, die auch famos "klingen" (Autsch!).