Mittwoch, 17. Dezember 2014

Record player freak show

Vinyl lebt! Es ist doch wirklich außerordentlich erstaunlich: Nachdem die Schallplatte bereits Ende der 1980er-Jahre totgesagt wurde, nehmen die Absatzzahlen nach Durchschreiten ihrer Talsohle in 2006 Jahr für Jahr wieder konstant zu. Zwar nicht gerade in Schritten mit Siebenmeilenstiefeln, aber immerhin. Gut so! Bedeutet es doch, dass in Zukunft mit zunehmend mehr Plattenneuerscheinungen gerechnet werden darf, die auch auf Vinyl erscheinen.

Die Industrie ist natürlich schon lange auf die seit Jahren anhaltende, allgegenwärtige "Retro-" oder "Vintage-Welle" aufgesprungen bzw. erhält diese am Leben. Auch in diesem Fall könnte man das verteufeln - man muss es aber nicht. Wenn es denn hilft, die Absatzzahlen für Vinyl hochzuschrauben...

Kruder Auswuchs in diesem Fall: Es gibt inzwischen eine Vielzahl in Asien produzierter Spielzeugplattenspieler, auf denen man tatsächlich Vinylscheiben abspielen kann. The Independent berichtete bereits im Sommer dieses Jahres darüber und stellte in einem entsprechenden Beitrag 10 best record players for £100 or less vor. Muss man ja nicht kaufen, eine Auswahl kann man aber mal zeigen:







Demnächst gibt´s die Dinger zum Zusammenstecken im Überraschungsei...

Montag, 15. Dezember 2014

Record player show

Ich weiß nicht wieso, aber dieses wenig elegante, kubisch-klobige Design einiger (vorwiegend japanischer) Plattenspieler-Boliden aus den 1980er-Jahren hat mich von je her angesprochen. Heute scheint es ja eher vorwiegend flache Bretter oder minimalistische skelettartige Chassis-Designs zu geben - außer bei den "Bohrinseln", klar. Zeit also, wieder einmal einige Suchergebnisse aus dem Netz zusammenzufassen (natürlich habe ich auch auf den Pinterest-Seiten von hb und rk gestöbert...):


Thorens TD 166 Spezial


Denon DP-A100 Anniversary


Yamaha


Sony PS-2250


Luxman PD444 / Micro Seiki MA505


Garrard 301


Technics SP10 MkII (by Artisan Fidelity)


Platine Verdier


Dual


Micro Seiki AP-M1


EMT 927F


Marantz T1000


Vestax CM-01


Ahmad Bittar (for Porsche)


Tourmaline


Kyocera PL-901


Thorens Prestige / SME 3012R


1940´s Western Electric Non-Sync Twin Turntable by Cinephonics


Western Electric

Samstag, 13. Dezember 2014

"c86" - die Geburtsstunde des Independent-Pop

"Der steht voll auf Indie" höre ich meine Tochter manchmal sagen. Sie meint damit letztlich, dass ´der´ gerne Musik hört, die für sich in Anspruch nehmen will, sich von der Masse, dem Mainstream, abzuheben. Das tut sie zwar in der Regel nicht, denn heuer ist das meistens nur vordergründiger Etikettenschwindel. Vielmehr ist es ein Phänomen aus den Anfängen der 1980er-Jahre, als richtig, richtig gute Musik unabhängig von den so genannten Major Labels auf kleinen, unabhängigen Labels erschien. Die Musiker hatten weitgehend freie Hand, wie es denn zu klingen hatte - kein Produzent, der nach den Aufnahmesessions die Ecken und Kanten weggeschliffen hätte, um mit einem glattgebügelten "Produkt" den breiigen Einheitsgeschmack der Masse treffen zu wollen. Das war genau die Geisteshaltung, die in großen Teilen eben dem damaligen Zeitgeist entsprach.

Ich erinnere mich jedenfalls noch gut an die Zeit, als ich fast blind Platten gekauft habe, nur weil sie auf 4AD, Rough Trade, Blast First oder SST Records erschienen sind (und enttäuscht wurde ich selten)... Aber wie fing das Ganze eigentlich an? Hierzu ist mir beim Aufräumen ein Artikel von Tobias Rüther aus der Frankfurter Allgemeinen (ausgerechnet!) vom 05. März 2006 in die Hände gefallen, der nicht nur sehr lesenswert ist, sondern viele Hintergründe und Entwicklungen der damaligen Zeit beleuchtet. So spielten u.a. die Mixkassetten "c81" und "c86", die 1981 respektive 1986 dem englischen "New Musical Express" beilagen, eine wesentliche Rolle.

Die Seite war leider zu groß zum Scannen, also habe ich den Artikel fotografiert - die Auflösung müsste reichen, um ihn auf einem nicht zu kleinen Bildschirm gut lesen zu können (am besten lokal speichern und z.B. mit IrfanView oder so vergrößern). Ich habe die FAZ übrigens nicht um Erlaubnis für die Veröffentlichung gefragt - wenn das Bild unten also nicht mehr vorhanden sein sollte, hat sich jemand bei mir gemeldet...


Donnerstag, 11. Dezember 2014

Kleiner Nachschlag zu ´Open Baffle - keine Angst vorm akustischen Kurzschluss´

Der hohen Klickrate beim Post "Open Baffle - keine Angst vorm akustischen Kurzschluss" zufolge macht Bildergucken Spaß. Also folgt hier ein kleiner Nachschlag; es ergeben sich ja oft nachlaufende Infos, die ebenfalls noch veröffentlicht werden wollen. Von Felix bekam ich z.B. ein Bild seiner Open Baffle Schallwände mit Jensen 15" Fullrange Breitbändern:


Das Bemerkenswerte ist, dass genau diese Schallwände auf dem diesjährigen ETF (European Triode Festival) zu sehen und hören waren. Dort traten sie quasi gegen Altec 604-Klassiker an; dem Vernehmen nach schlugen sie sich sehr wacker. Die folgenden Bilder vom 2014er-ETF mit Felix´ OB-Wänden im Hintergrund und den (roten) Open Baffle Wänden mit den Altecs vorne habe ich von Thomas Mayers Blog (VinylSavor) geklaut - ich hoffe, das geht in Ordnung, Thomas... Danke schon einmal im Voraus.
  



Ok, die Altec 604 sind - zumal in gutem Zustand - nicht nur sehr selten, sondern wenn, dann auch teuer. Sprich: Es ist mehr als herausfordernd, die Dinger aufzutreiben. Wer den Einstieg in die OB-Welt sucht, muss sich also anderweitig orientieren. Da fiel mir zufällig wieder das Titelblatt der K+T 5/2014 auf, welches von OB-Wänden mit TT von Omnes Audio und BB von Tang Band geziert wird. Zwar keine Wirkungsgradwunder, dennoch ein interessanter möglicher Einstieg für Neulinge, da es die Chassis inkl. Zubehör (Frequenzweichenbauteile etc.) als Bausatz "Dipol 12 5" für unter 200 € gibt:


Oder wie wäre es mit dem Zusammensteck-Dipol aus der aktuellen K+T Ausgabe 1/2015:


Wen jetzt immer noch nicht das Open Baffle Fieber gepackt hat, dem ist nicht zu helfen... Hier also noch ein paar weitere Appetithappen:
   

Supravox Breitbänder


auch ein schöner Rücken...


mit Fostex FE 108E BB


mit Tang Band BB in D´Appolito-Anordnung


kleine Fostexe - mal wieder...


mit beweglichen Seitenflügeln


flach wie Flunder

Sonntag, 7. Dezember 2014

Lexikon der Klangbeschreibung

Die deutsche Sprache bietet einen enormen Wortschatz, je nach Zählweise gibt es zwischen einigen hunderttausend und über fünf Millionen Wörter (Hintergründe zu dieser Unschärfe hier). Doch egal, wie viele es genau sind - es sind wahnsinnig viele. Sehr viel mehr als die meisten anderen Sprachen bieten können und jedenfalls mehr als genug für alle Lebenslagen. Sollte man meinen.
 
Der gemeine Hifi-Redakteur, der Hifi-Junkie, der Hifi-Jünger oder der Hifi-was-auch-immer versuchen nun in schöner Regelmäßigkeit, sich verbaler Krücken aus diesem reichen Fundus zu bedienen, um subjektive akustische Sinnes- bzw. Höreindrücke sprachlich zu beschreiben (warum eigentlich?!). Ein trotz der Fülle an Wörtern so gut wie zum Scheitern verurteiltes Unterfangen; leider bleibt dieser Versuch denn auch fast immer erfolglos und endet oft genug in Quacksalberei.
 
Meistens gewährt der Beschreibende nämlich Einblicke in seine Gefühlswelt - das ist gar nicht hilfreich, da jeder Mensch eben anders empfindet. Manch einer versucht tatsächlich, sachlich-objektiv zu bleiben - das klingt dann nicht nur hölzern, sondern sinnfrei. Was dabei herauskommt, lässt mich in (genauso) schöner Regelmäßigkeit ratlos zurück.
 

Ein Erklärungsversuch.
...
 
FULL STOP. Was jetzt eigentlich folgen sollte war der Versuch, Begriffe zu erklären, quasi zu "übersetzen" wie z.B. stupende Räumlichkeit, Ortungsschärfe, Randschärfe, Konturenschärfe, saubere Durchzeichnung, Ortungspräzision, holografische Raumausleuchtung, staubtrocken definierter Grundton, schlackenfreier Grundton, Gesamtbalance auf der schlanken/warmen Seite, Transparenz, Luftigkeit, Präsenz, schwerelose Kraftentfaltung, freies Durchatmen im Klangbild.
  
Ich habe es sein gelassen. Den Erklärungsversuch meine ich. Mich einfach nicht getraut. Das Lesen von Hifi-Zeitschriften über einen Zeitraum von mittlerweile knapp drei Jahrzehnten hat bei mir eindeutig Spuren hinterlassen - mehr, als gesund für mich ist. Zeit also, sich davon zu distanzieren anstatt sich weiter "hineinzuwühlen". 
 
Da gibt es ätherische Räume, breite Bühnen, tiefe Bühnen, hohe Bühnen, nach vorne kippende Klangbilder, nach hinten, seitwärts, sonstwohin... Mann - ich bin jetzt schon völlig gaga! Die Bühne ist Sache des Raums, nicht des Lautsprechers. Und um welchen Raum geht es eigentlich bei reinen Studioproduktionen von U-Musik - um den Aufnahmeraum?!
  
Oder wie wäre es mit Klangbildern, die sich von der Mitte her aufbauen, klinisch-reiner Neutralität, Klangbildern auf der "knochigen Seite", feingeistigen Höhen, Spielwitz, Spielfreude, sauber-analytisch leuchtenden oder seidig-transparenten Klangfarben, reichhaltigem Klangfarbenreichtum, feinem Röhrenschmelz, Höhen mit Zuckerguß, substanzieller Körperhaftigkeit, Bass mit honigartigem Durchzug...
 
Insbesondere bei Lautsprechern reichen im Grunde folgende drei Kriterien zur Beschreibung der Klangqualität vollkommen aus: Dynamik, Präzision und Verfärbungsarmut. In technischer Hinsicht vielleicht auch noch Wirkungsgrad und Bandbreite. Alles andere ist doch - sorry - Rumgesülze. Machen wir uns nichts vor: Mehr als die Hälfte des klanglichen Gesamtergebnisses wird ohnehin durch den Hörraum und die Aufstellung der Lautsprecher (=Interaktion mit dem Raum) bestimmt.
 
Auch ein sechsstelliger Eurobetrag für eine Hifi-Kette kann Mängel im Hörraum nicht kompensieren. Es mutet zum Teil sogar irrsinnig an, wenn jemand (und dieser jemand ist mir gut bekannt, streng genommen sind es sogar mehrere jemande) z.B. Lautsprecher vom Typ "ausgewachsene Kommode" in sein Wohnzimmer vom Typ "Besenkammer" wuchtet. ´Boooah Alter, die ham so ´n fetten Bass ey, voll mein Ding für meine Mucke, so welche wollte ich schon immer haam! Habbich mir jetz endlich ma gegönnt!´ Der Gute föhnt sich jetzt also täglich mit 35 Watt EL34-Push-Pull an 97dB-15-Zoll-Hörnern in 12 qm seine schütteren Haare. Mit bereits hunderte (tausende?) Male abgespielten Scheiben von Abwärts, Rio Reiser, Ramones und Hüsker Dü. Wenn so ein herber Altpunk also kann wie er will, weißt Du, was die Stunde geschlagen hat... Herzensguter Mensch, aber eben nicht wirklich an gutem Klang interessiert, jedenfalls ist meine Vorstellung davon marginal different.
 
Was ist letztlich sagen will: Es ist also im Grunde längst an der Zeit, sich mit dem Thema "Raum" viel mehr zu beschäftigen als mit den Hifi-Komponenten selbst. Das musste jetzt mal raus.
  
Lösungsansatz
Vielleicht könnte man sich in diesem unseren Fall darauf verständigen, in Hifi-Printmedien einfach viel mehr Bilder einer Komponente zu zeigen und die Technik noch ausführlicher zu beschreiben - so richtig ausführlich, meine ich -, oder man erstellt gleich ein reines Bilderbuch; Bilder sagen doch sowieso mehr als 1.000 Worte. Für die Klangbewertung dagegen beschränkt man sich ausschließlich auf die Vergabe von Klangpunkten und Ohren (back to the roots!); einige Audio-Gazetten sind hier ja bereits seit Jahrzehnten Vorreiter. Und verbal beschränken wir uns auf lediglich zwei (quasi digitale) Zustände: klingt geil oder klingt scheiße. Das reicht. Bei Interesse hören wir uns ein Gerät nämlich ohnehin selbst an, nicht wahr? Und wenn es in der Besenkammer ist.

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Open Baffle - keine Angst vorm akustischen Kurzschluss

Unsere heutige Hifi-Gesellschaft ist in Sachen Lautsprecher m.E. immer noch weitgehend Boxen-konditioniert. Alle haben sich so sehr an die (mehr oder weniger) geschlossenen Gehäuse gewöhnt, dass insbesondere Mitmenschen mit eher geringer Hifi-Affinität verwundert staunen beim Anblick von offenen "Brettern mit Chassis drin".

Selbst Hifi-Interessierte und "Leute vom Fach" (oder die, die sich dafür halten) werden nicht müde zu erklären, Open Baffle Lautsprecher könnten keinen vernünftigen Bass wiedergeben, um im gleichen Atemzug bedeutungsschwanger  Akustischer Kurzschluss, weißt Du... hinterherzuraunen.

Pustekuchen. Natürlich gibt es das Phänomen des akustischen Kurzschlusses, welches sich z.T. jedoch abschwächen lässt (Anzahl und Größe (Fläche!) des/der Bass-Chassis, Größe der Schallwand, Aufstellung (Abstand zur Rückwand) und, und, und...). Die Vorteile von Open Baffle Lösungen liegen jedoch klar auf der Hand: Der rückwärtig abgestrahlte Schallanteil wird voll genutzt, was den Wirkungsgrad erhöht. Das führt zudem im wahrsten Sinne des Wortes zu einer offenen, freien und unangestrengten Wiedergabe, zu der "eingesperrte" Chassis einfach nicht im Stande sind.

Prädestiniert für den Einsatz in einer offenen Schallwand sind ohnehin Vollbereichsbreitbänder, idealerweise ohne jede Frequenzweiche oder Filterung. Auf diese Weise lässt sich übrigens die Qualität eines jeden Chassis (auch testhalber) sehr schnell feststellen. Single Ended Triode, Kabel, Chassis, kein Gehäuse, kein Filter - that´s it, Folks! Man hat quasi das Gefühl, der Triode beim "Atmen" lauschen zu können...

Lang genug geredet, die technischen Hintergründe kann man bei Interesse sehr schön auf der Seite Dipol+ von Rudolf Finke nachlesen, der hier bereits unheimlich viel Wissen zusammengetragen und erklärt hat. Im Folgenden geht es nur noch um Bildergucken und Inspirationen sammeln, was ich in den letzten Tagen auf Pinterest & Co. getan habe. Hier eine kleine Auswahl!
  
  

Reminiszenz an die Fender Stratocaster mit Visaton B200



Donkey Kong Baffles (Flea Watt)


Inspired by Mondrian


einfach ein schönes, großes Brett


...mit hohem WAF (Wife Acceptance Factor)



einfach schön gemacht



mit tollem L.CAO-Breitbänder


Fostex...


...und SABA - hier einmal eine Interpretation aus Pappe


von Joachim Gerhardt


die Lösung des Musikers


mit Tang Band BB


Historisches Vorbild: Lösung mit 604-8K (Altec Lansing)


von Michael Methe


schmale Sache


FAST-Lösung mit Fostex und mal richtig Fläche im Bass


klassisch


PHY-HP/Salabert einmal anders


professionell in handwerklicher Vollendung


Einen kleinen Nachschlag zum Thema gibt es hier.