Montag, 3. Januar 2011

Open Baffle mit Ciare CH250

Vor einiger Zeit packte mich – mal wieder – die Bastelwut und ich war auf der Suche nach einem preiswerten Lautsprecher-Projekt mit Breitbändern, welches selbstverständlich SET-kompatibel sein sollte. Fündig wurde ich in der Klang und Ton, Ausgabe 5/09: Der Cheap Trick 244 mit dem Ciare CH250 Breitbänder in einem kleinen TQWT-Gehäuse war sehr vielversprechend. 95 dB Kennschalldruck waren ok, der Impedanzverlauf (mit entsprechender Impedanz-Korrektur) einigermaßen gutmütig, wenn auch mit 4 Ohm Nennimpedanz etwas niedrig; meine Uchida mag 8 – 16 Ohm lieber. Aber das war kein Beinbruch.
  
Also frohen Mutes den Bausatz bestellt, Holz aus dem Baumarkt besorgt und losgelegt. Nach dem Zusammenbau klemmte ich die fertigen Lautsprecher – noch mit "fliegender" Frequenzweiche – erwartungsvoll an meine Uchida und war enttäuscht. Gut, ein Bassmonster hatte ich nicht erwartet, aber das Gebotene war doch sehr mager. Ausgemergelter Grundton, reichlich tonale Verfärbungen und ein deutlich übertriebener Präsenzbereich – das war nix. Also überprüfte ich noch einmal die Frequenzweichen, aber die waren korrekt geschaltet. Auch die Veränderungen einiger Werte durch Bauteilwechsel vermochten das Blatt nicht zu wenden - und das trotz "anständiger" Backlack-Luftspulen und MKP-Kondensatoren von Mundorf. Auch Veränderungen von Position des Noppenschaums bzw. von Menge und Position der Dämmwatte brachten zwar Veränderungen, aber keine Verbesserungen. Wahrscheinlich mussten sich die Chassis doch erst einmal "freispielen". Daher beschränkte ich mich über eine Woche auf "Radio-Nebenhergedudel", bevor ich mir die Lautsprecher wieder genauer anhörte. Aber ich musste mir schließlich eingestehen: Diese Lautsprecher und ich, wir werden keine Freunde mehr. Also schlachtete ich die Gehäuse wieder aus und machte mir bereits Gedanken über deren weitere Verwertbarkeit, z.B. für die Kaninchen…?! Nein, da passen die dicken Viecher nicht durch (TQWT-Brett zu eng...), also fristen sie nun zunächst ein eher undankbares Dasein im Schuppen.
 
 
Trauriges Zeugnis einer Fehlkonstruktion...
 
Aber ich erinnerte mich an den Artikel "Mono? Mono!" von Roland Kraft aus dem hifi tunes Analogbuch 2, in dem er eine simple, verschraubte Schallwand vorstellte. Nach meinen Informationen (Telefonat mit Keith Aschenbrenner/Auditorium 23) geht diese Konstruktion auf das Auditorium 23 zurück und wurde ursprünglich für den hervorragenden Salabert-Treiber PHY-HP H 21 LB 15 "ausbaldowert" (meiner bescheidenen Meinung nach der beste jemals gebaute dynamische Treiber überhaupt, aber das ist eine andere Geschichte). Insbesondere in asiatischen DIY-Kreisen ist diese Schallwand eine inzwischen außerordentlich beliebte Konstruktion, die handwerklich/fertigungstechnisch von einigen Freaks mit schon beinahe unglaublichem Aufwand auf die Spitze getrieben wird… Sowohl im Netz (siehe nächstes Bild) als auch in der o.g. hifi tunes finden sich Skizzen mit Bemaßungen.
 
 
Ich habe diese Schallwand aus 18 mm Birkenmultiplex aufgebaut (geschraubt, nicht geleimt!). Mit einer Gesamtgüte (Qts) von 1,36 drängte sich der Einsatz der Ciare CH250 in einer Open Baffle Schallwand doch geradezu auf! Die Ciare-Treiber habe ich von jeglichem Netzwerk "befreit" und lasse sie in der Schallwand filterlos laufen.
 
Und siehe da: Sobald keine Energie und kein Klang mehr in Filterbauteilen vernichtet werden (können), scheint der Ciare förmlich durchzuatmen! Durch die Bodennähe des Treibers gelingt eine hervorragende Grundton-Ankopplung, außerdem sind sogar relativ nahe Abstände zur Rückwand zwischen 60 und 100 cm möglich. Auf Veränderungen reagiert die Schallwand recht deutlich und nach ein wenig Probieren hinsichtlich Einwinkeln auf den Hörplatz und Abstand zur Rückwand stellt sich ein ungemein luftig-lockerer, entspannter Klang mit schön sonorem Grundton ein. Leicht außerhalb der Achse verschwinden auch die durch den Schwirrkonus verursachten, Prinzip bedingt zu hohen, mit leichten Verzerrungen einher gehenden Pegel im Präsenzbereich. Bei mir lieferten Aufstellungen mit vor dem Hörplatz gekreuzten Achsen übrigens besonders gute Ergebnisse. Gut, auch hier drückt kein Bass in die Magengrube – aber ich persönlich muss das auch nicht haben.
 
 
 
 
Jedem, der schon immer einmal mit Open Baffle Konstruktionen liebäugelte, sich bislang jedoch noch nicht aus den Fesseln üblicher Konventionen befreien konnte, dem sei ein Experiment mit dem Ciare CH250 in einer solchen Schallwand ans Herz gelegt. Für ein solches Treiber-Pärchen werden ca. 100 € aufgerufen; inklusive Birkenmultiplex bleibt man in Summe immer noch locker unter 200 €. Erweiterung des eigenen (Hör-)Horizonts und jede Menge Spaß sind dabei inklusive. Und auch wenn sich der Vergleich ob der deutlich unterschiedlichen Qualitäten zugegebenermaßen eigentlich verbietet: Ggf. eignet sich dieses Projekt sogar als kleine Entscheidungs(mit)hilfe, ob z.B. eine Rondo oder eine SoloVox mit den fantastischen Treibern von Bernard Salabert nicht sogar der Lautsprecher für Sie sein könnte…
 
Viel Spaß!
 
P.S.:
Sollte mir eine pfiffige Idee einfallen und der Umbau der TQWT-Gehäuse zu Kaninchen-Lauftunneln doch noch gelingen, werde ich es posten. Vorschläge sind herzlich willkommen...
  
Crosslinks:
Hochwirkungsgradlautsprecher: Offenes Gehäuse mit Seas FA22RCZ - Simulation
Hochwirkungsgradlautsprecher: Offenes Gehäuse mit Seas FA22RCZ - Messungen

1 Kommentar:

  1. Hallo,

    danke für die Umbauanleitung, denn mich konnte die TQWT auch nicht überzeugen. Jetzt im "Brett" (80x80cm bei mir) laufen die Treiber tatsächlich zu einer gewissen Größe und Musikalität auf.
    Also danke nochmals....
    MfG enno

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