Donnerstag, 13. Januar 2011

Review 1/9: Raytheon 2A3 Dual Monoplate (Doppelkasten-Anode)

Ok, nun also wie versprochen - leider ein wenig später als erhofft - der erste von neun Berichten über einige meiner 2A3 Röhren. Heute geht´s um die Raytheon 2A3 mit einem Dual-Monoplate-Aufbau in Form von zwei parallelen Kasten- oder Box-Anoden pro Röhre. Diese Bauform ist relativ selten, da sie nur in einer kurzen Übergangsphase nach der "Monoplate-Ära" und vor der Produktionszeit der bis heute als Standard vorherrschenden Bauform mit zwei Kathodensystemen und einem gemeinsamen Anodenblech hergestellt wurde.

Leider kann ich nicht genau einschätzen, von wann die Röhren tatsächlich sind; auf dem Sockel der einen Röhre findet sich der Code "C8", auf dem der anderen "L8". Wenn mir jemand einen Hinweis zum ungefähren Produktionszeitraum geben kann: herzlich gern!

Hier zunächst einige Bilder:


Raytheon 2A3 Dual Monoplate (Doppelkasten-Anode)
 
 





Der Klang
Nun wird sich der eine oder andere möglicherweise fragen: Was um alles in der Welt macht der Kerl eigentlich für einen Hype um seine "ollen" 2A3 Röhren?

Nun, ich bin ein Junkie, ein süchtiger Sammler - dafür kann ich nix. Andere sammeln Briefmarken, Schlümpfe oder die Höschen ihrer Eroberungen - ich sammele eben 2A3 NOS Trioden. Basta. Ich behaupte einfach mal, dass wenigstens Herr R. Kraft mein "Problem" bzw. meine Sucht versteht.

Nun kann man - im Gegensatz zu den vorgenannten Sammlerobjekten - jedoch mit diesen NOS-Röhren noch mehr anstellen als sie nur anzusehen: nämlich Musik hören. Und zwar verdammt gut und - bezogen auf die 2A3 - viel besser als ausnahmslos jede Röhre "neuer" Produktion. Die Nennung konkreter Typen "neuer(er)" Produktion unterbleibt an dieser Stelle, weil ich es für unlauter halte und es zudem möglicherweise despektierlich klänge; ich versichere jedoch, alle Typen/Fabrikate zu kennen und intensiv gehört zu haben und behaupte auch nicht, dass neue Röhren grundsätzlich schlecht sind. Worin diese (Klang-)Qualitätsunterschiede jedoch im Einzelnen begründet liegen oder liegen könnten, werde ich ggf. näher nach Abschluss dieser ersten neun 2A3-Besprechungen zu beleuchten versuchen.

Ich will es kurz machen: Die hier vorgestellten Raytheons gehören mit zu meinen absoluten Lieblingen. Sie spielen ungemein kraftvoll und insbesondere im Grund- und Tieftonbereich ungeheuer wuchtig. Dabei klingen sie aber niemals "fett" oder "aufgedickt" (wie m.E. einige 300B-Röhren), sondern eher trocken und klar durchhörbar. Gut, einige Monoplates leuchten den Raum noch etwas großzügiger und "atmosphärischer" aus als die Raytheons.

Aber wogegen keine andere 2A3 einen Stich gegen bekommt, ist die "Geschwindigkeit" der Raytheons, mit der sie die Beats raushauen. Vielleicht klingt es irgendwie albern, aber subjektiv sind diese beiden Raytheons die "schnellsten" Röhren, die ich habe. Rapp zapp, raus den Groove! Jeder Musiker scheint einige Energy-Drinks genommen zu haben, alles klingt sehr "straight", "tough" und auf den Punkt konzentriert; dabei eher drahtig-durchtrainiert als elegant wie eine Ballerina. Der Song "Big Balls" von AC/DC z.B. klingt nicht mehr tendenziell etwas verschleppt im Tempo, sondern energiegeladen und "schiebend". Hammer!

Ok, genug Quacksalberei, kommen wir zur Einstufung. Erlauben Sie mir eine kurze einführende Erläuterung zur Spannweite der bereits zuvor geposteten max. möglichen 100 Punkte. Die Bereiche 0-20 Punkte gehören Transistorverstärkern (einzige Ausnahme: Verstärker von Nelson Pass; die einzigen Verstärker, die ich akzeptieren könnte, gäbe es keine SET mehr), 21-40 Punkte ordne ich Tetroden und Pentoden zu (egal in welcher Schaltungs-Topologie), 41-60 Punkte gehören den Push-Pull-Trioden (PP), 61-80 Punkte den Parallel-Single-Ended-Trioden (PSE) und 81-100 Punkte den Single-Ended-Trioden (gegenkopplungsfrei, Röhrengleichrichtung).
Die Raytheon 2A3 Dual Monoplate (Doppelkasten-Anode) bekommt 96/100 Punkten. Schon ein ziemliches Brett für eine "Nicht-Monoplate" – aber sie hat es sich verdient!

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