Freitag, 14. Januar 2011

Review 2/9: Marconi 2A3 Black Plate

Tja, jetzt muss ich gleich zu Beginn die Hosen runter lassen: Diese Marconis sind gar keine, sondern (umgelabelte) Lizenzproduktionen. Design und Aufbau entsprechen exakt den 2A3-Röhren von RCA (Radiotron) Anfang der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts - dieser Hinweis findet sich sogar auf dem Sockel der einen Röhre wieder. RCA hat die 2A3 lange Zeit für viele andere Anbieter produziert - so z.B. auch für GE -, die Röhren wurden dann umgelabelt und einfach unter anderem Namen Angeboten.

Ehrlich gesagt bin ich gar nicht sicher, ob Marconi die 2A3 überhaupt jemals selbst produziert hat. Ich bin eher durch Zufall auf dieses Pärchen gestoßen. Marconi war mir noch in sehr guter Erinnerung durch ein tolles (und toll teures) Pärchen PX25 für meine inzwischen veräußerten SET-Monos. Diese wurden mit PX25 von KR Audio ausgeliefert. Der PX25 von Marconi eilte jedoch ein sagenhafter Ruf voraus, ich wurde neugierig und besorgte mir ein Pärchen. Ganz klar: Das war ein signifikanter Schritt nach vorn gegenüber den Röhren von KR Audio und hatte sich wirklich gelohnt. Warum ich die PX25-Monos verkauft habe: Diese Entscheidung fiel sofort, nachdem ich in meinem Setup die von Robert Graetke/Analog Tube Audio ausgeliehene Sun Audio Uchida SV-2A3 mit Fivre Monoplates zum Vergleich hören durfte, aber das ist eine andere Geschichte (vgl. mein Post von Dezember 2010).

Das soll übrigens nicht heißen, dass die PX25 der 2A3 unterlegen wäre - die PX25 ist meine Lieblings-Triode nach der 2A3, aber noch vor der 300B - sondern ist auf das gegenüber der Uchida so deutlich unterlegende Schaltungs- und Bauteildesign meiner "Ex"-PX25-Monos zurückzuführen, daher nenne ich das Fabrikat auch nicht. (Wen´s interessiert: Gute PX4 und PX25 von Marconi oder Osram findet man regelmäßig hier: http://www.altofidelity.com/link5.asp).

(Bevor ich jetzt in Verdacht gerate, für Hr. Graetke/ATA Werbung zu betreiben: Wir kennen uns persönlich und ich schätze seinen Kontakt - seit einigen Jahren kann ich mich mit jedem vermeintlich noch so exotischen "Röhrenproblem" an ihn wenden und erfahre immer einen super "support". That´s all, folks. Thank you, Robert.)

Jetzt aber endlich zurück zu den "Marconis". Hier einige Bilder, die zeigen, dass die beiden Röhren nicht ganz identisch sind - wer mag, sucht die Unterschiede so wie bei zwei (nur fast gleichen) Bildern im Rätselheft...












Der Klang
Der Klang, ja... , nun... , hm, also, das ist jetzt ein wenig wie Eulen nach Athen zu tragen. Jeder Trioden-Fan kennt die RCA 2A3, ist sie doch eigentlich die Standard-NOS-2A3, die überall leicht beschaffbar ist; insbesondere in den USA werden sie einem ja förmlich nachgeschmissen. Die Uchida 2A3-Kits wurden Mitte bis Ende der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts ebenfalls noch mit der RCA 2A3 ausgeliefert (heute "nur" noch mit Sovteks).

Ich oute mich jetzt mal: diese RCA/Marconi 2A3 ist nicht so ganz mein Ding. Klar, sie ist besser als alle "neuen", heute produzierten 2A3-Typen. Sie klingt - für sich genommen - auch sehr gut, löst insbesondere den Präsenzbereich gut auf und kommt auch recht kraftvoll daher. Aber im Vergleich zur tänzerischen Leichtigkeit und Anmut einer Fivre 2A3 (Double Plates reichen da schon...) oder zum "straighten Marschieren" der Raytheon 2A3 Dual-Mono Kasten-Anoden wirken die Marconis manchmal so, als würden sie gleich stolpern. Dem bisweilen "crispen" Präsenzbereich (fast ein Widerspruch in sich: Eine 2A3 ist im Vergleich zu anderen Trioden nie "crisp" im Präsenzbereich - diese Aussage ist relativ zu anderen 2A3-Röhren zu sehen) mit seinen silbrig-harten Klavieranschlägen oder sehr realistisch angerissenen Gitarren-Saiten steht außerdem ein etwas grobkörnigerer Stimmenbereich gegenüber.
 
Durch diese von mir ungewollt vorgenommene Unterscheidung in "Präsenzbereich", "Stimmenbereich" und "Grund-/Tieftonbereich" - gerade wie die "Höhen", "Mitten" und "Tiefen" bei den deutschen Mainstream-Schmierblättern - wird deutlich: Die Marconi/RCA seziert und bleibt eher vordergründig-effekthaschend. Die ganz große Geste, den inneren Kontext der Musik transportiert sie nicht.
 
Nein, ein RCA-Fan war ich irgendwie noch nie - dennoch möchte ich deutlich hervorheben, dass die vorgenannten Charakteristika und Unterschiede z.B. zu den Fivres oder Raytheons keine Welten sind, sondern sich eher im Bereich von Nuancen abspielen. Ja ja, wir zählen hier schön Erbsen... Für den "Kenner" ist das aber essenziell, nicht wahr?!
 
Ohne einem zukünftigen Post vorzugreifen, darf ich zur Ehrenrettung der Marconis/RCAs aber jetzt schon sagen, dass es ja auch noch die Variante für´s Militär gibt (CRC, U.S. Navy) - die kann Einiges besser, warum auch immer (enger toleriert, höhere Qualitätsanforderungen?!). Diese beiden Marconi 2A3 Black Plates bekommen von mir 88/100 Punkten.


Marconi 2A3 Black Plate

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