Montag, 24. Januar 2011

Review 8/9: RCA Radiotron CRC 2A3 Black Plate

Nachdem ich mich zuvor ja geoutet habe als jemand, der nicht unbedingt RCA-Fan ist (vgl. Review 2/9: Marconi 2A3 Black Plate), möchte ich diese Aussage nun etwas gerade rücken. Nein, keine Rolle rückwärts nach dem Motto ´Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern…´. Sondern es folgt schlichtweg die Vorstellung einer besonders guten RCA 2A3 – schließlich gibt es eine fast kaum überschaubare Anzahl verschiedener 2A3-Varianten von RCA, dem "Erfinder" der 2A3 bzw. dem "2A3-Original", wenn Sie so wollen.
 
 
RCA Radiotron CRC 2A3 Black Plate
   
Diese 2A3 wurde von RCA Ende 1941 für die U.S. Navy produziert, also ungefähr zur Zeit des Eintritts der USA in den 2. Weltkrieg. Sie zeichnet sich durch besondere Robustheit und Langlebigkeit aus – damalige Kernforderungen des Militärs (nicht nur) an Röhren; dem guten Klang sicherlich nicht unbedingt abträgliche Eigenschaften.
  




 
Auf den folgenden Bildern sehr schön zu erkennen: Kathodendrähte und Kathodenheizung.
 




  
Die auf dem Bild sehr kräftige blaue Illumination ist tatsächlich sehr schwach und lediglich der langen Belichtungszeit des Fotos geschuldet.
Nach dem Einschalten der Endstufe fällt auf, dass die RCA selbst in der ca. viertelstündigen Aufwärmphase keine der bei Röhren häufig vorkommenden Nebengeräusche wie "Rasseln", "Spratzeln", "Klingeln" oder "Knacken" produziert – sie scheint quasi wie ein übermotivierter Sportler ohne Gymnastik und Dehnübungen auszukommen und gleich loslegen zu wollen. Wir wissen es natürlich besser und beginnen aus Rücksicht auf Verschleiß der Emissionsschicht erst nach ca. 20 Minuten, Musik zu hören.
  
   
Der Klang
"Oma RCA", die ja nun immerhin fast 70 Lenze auf der Kathode hat, marschiert auch gleich munter vorwärts. Diese RCA spielt stramm, straff und präzise "nach vorne", d.h., sie bildet die Bühne sehr weit vorne ab, der Zuhörer sitzt praktisch in der ersten Reihe. Sie bietet einen für eine 2A3 tiefen, grollenden Bass, ohne jedoch übertrieben aufgedickt zu erscheinen – fast, als wollte sie sagen ´Ich wäre gerne eine 300B´. Auch der Präsenzbereich kommt extrem gut aufgelöst daher mit einer Fülle feinster Details, jedoch ohne die Seidigkeit z.B. einer Sylvania oder einer Tung-Sol.
  
Detailverliebtheit und Präzision der RCA ziehen sich durch das gesamte Frequenzband – auch durch den Stimmenbereich. Dadurch wirkt sie manchmal nicht so "flüssig", sondern etwas "grobkörnig" – wie bei einem Digitalbild, bei dem man den Kontrast hochsetzt auf Kosten weicher Farbübergänge. Keine wirkliche Kritik, sondern nur der Versuch des Gebrauchs sprachlicher Krücken für diese Höreindrücke. Insgesamt ist diese RCA eine erstklassige Röhre, die tendenziell "hifi-mäßiger" klingt als z.B. Fivre-Röhren mit ihrer spielerisch-ätherischen Atmosphäre und die damit dem einen oder anderen 2A3-Einsteiger besonders gut gefallen dürfte. Insgesamt bekommt diese RCA Radiotron CRC 2A3 Black Plate von mir 92/100 Punkten.

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