Donnerstag, 24. Februar 2011

2A3 vs. 300B: Review Electro-Harmonix 300B Gold

Gerade bei der Kult-Röhre 300B sieht´s auf dem NOS-Markt inzwischen recht mager aus: Wenn überhaupt noch NOS-Typen aufzufinden sind, dann werden z.B. für ein gematchtes "altes" Western Electric Pärchen aus den 1950ern aktuell locker um die 3.900 US$ aufgerufen - gnädigerweise ist da schon weltweiter Versand inklusive... Aber auch Western Electric Re-Issues (ab den späten 1980ern) oder Cetrons sind inzwischen sehr rar - und teuer, wenngleich hier noch nicht der Vogel so abgeschossen wird wie bei den alten WE. Da bleibt oft keine andere Möglichkeit, als sich neue Nachbauten zu besorgen, die heuer ja üblicherweise schon mit vielen aktuellen Verstärkern ausgeliefert werden.
 
Die Electro-Harmonics 300B stellt mit ca. 124 € für ein gematchtes Pärchen den wohl günstigsten Einstieg in die 300B-Welt dar; die hier vorgestellte "Gold"-Version gibt´s für ca. 148 €.




Und auf den Norddeutschen Hifitagen in Hamburg wurde jüngst die Voxativ Ampeggio mit Trafomatic-Verstärkern vorgeführt, wobei die Line-Vorstufe (!) Trafomatic Line One (Kostenpunkt immerhin 2.670 €) sogar 300B-Röhren ("Gold"-Version) von Electro-Harmonix gesteckt hatte... Da ist man wohl offenbar von den Qualitäten dieser Röhre überzeugt:
 

 
Ok, probieren wie das gute Stück also mal selbst. Mechanisch ist die Röhre recht gut gemacht, beim "Finger-Schnipps-Test" rasselt´s zwar minimal; die Röhre ist im Betrieb allerdings dennoch nicht besonders mikrophonieempfindlich. Der Sockel ist robust, insgesamt macht die Röhre einen durchweg vernünftigen Eindruck. Einzig die Sockel-Stifte scheinen ein Gegenklopfen bis in die Röhre hinein zu übertragen.
 





Der Klang
Die Electro-Harmonix 300B "Gold" läuft sauber und störgeräuschfrei hoch, allerdings habe ich sie trotz "intensiver Fummelei" an den Brummabgleichpotis nicht so brummfrei hinbekommen wie z.B. die Cetron 300B. Fürderhin empfand ich den geringen Restbrumm nicht als störend - aber hier bin ich zugegebenermaßen eh´ recht großzügig. (Es soll ja empfindsame Gemüter geben, die wegen ein wenig Restbrumm ihrer Triode gleich die Krise kriegen und sich ernsthaft die Frage stellen, ob ein Sand-Verstärker nicht doch die bessere Wahl wäre... unglaublich, aber ich habe kürzlich tatsächlich so jemanden kennen gelernt - aber das glaubt mir ja sowieso niemand.)

Die Electro-Harmonix verfügt weitgehend über alle typischen 300B-Tugenden wie Wucht, einen vollmundigen Grundton und ein (recht) gutes Auflösungsvermögen. Allerdings "atmet" sie nicht so frei wie z.B. die Full Music 300B: Einige Details gerade im Stimmenbereich wirken ein wenig stumpfer und weniger farbig. Im Vergleich zur Cetron 300B fällt auf, dass der Präsenzbereich etwas härter und nicht so seidig-weich klingt; zudem gelingt der Electro-Harmonix nicht so eine weiträumige, großzügige Staffelung der Bühne - sie klingt ein wenig "enger", irgendwie "gepresster".

Trotzdem ist die Electro-Harmonix 300B "Gold" ihr Geld absolut wert und ideal, um ein neues Gerät mit eben dieser ausgelieferten Röhre zunächst einmal kennen zu lernen. (Immerhin kann man sich für das Geld eines alten WE 300B-Pärchen mehr als 20 Pärchen Electro-Harmonix 300B kaufen.)  Später wird dann aber doch der Wunsch nach einer 300B NOS-Type aufkeimen - allein, diese aufzutreiben dürfte zunehmend schwieriger bis unmöglich werden und irgendwo muss man sich schon auch fragen, ob es wirklich sinnvoll ist, für eine NOS 300B nochmal das gleiche Bündel Scheine hinzublättern wie für das eigentliche Gerät... Dennoch möchte ich klar betonen, dass m.E. die Electro-Harmonix 300B ("Gold") als Einstiegslösung zur Schonung des Budgets durchaus akzeptabel ist, aber als langfristige Lösung werden richtige SET-Maniacs mit dieser Röhre dann doch nicht leben wollen.

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