Donnerstag, 10. Februar 2011

2A3 vs. 300B: Review National/Cetron 300B


Gerne möchte ich an dieser Stelle die Cetron 300B vorstellen – für viele, die sich nach der "originalen" 300B von Western Electric oder nach deren späterem "Re-Issue" sehnen, diese jedoch nicht auftreiben können oder konnten, eine durchaus sehr zufriedenstellende Alternative. Leider ist aber auch die Cetron 300B inzwischen nur noch schwer aufzutreiben…
 







Die beiden auf den Fotos abgebildeten Röhren sind technisch völlig identisch, jedoch ist die eine auf dem Sockel mit "National Electronics" (Geneva, Illinois/USA) belabelt. Hintergrund: Diese 300B wurde ursprünglich von National gefertigt, später hat Cetron das Werk gekauft bzw. die Fertigung übernommen – ab diesem Zeitpunkt waren es halt "Cetrons". Beide Röhren bilden jedoch ein schönes Pärchen, wobei die Röhren zwar nicht aus einer Produktions-Charge kommen – aber das soll uns im Folgenden nicht weiter stören.
 








Der Klang
Die Röhren laufen sehr schön hoch, ohne irgendwelche Störgeräusche von sich zu geben. Außerdem sehr positiv: kaum wahrnehmbarer Brumm und ein sehr geringes Rausch-Niveau, gleichwohl ich nach dem ca. 20-minütigen "Warm-up" an den Potis für den Brummabgleich noch einmal etwas nachjustieren musste. Auch sind sie wenig mikrophonieempfindlich: Selbst ein Schnipsen gegen die Röhre im Betrieb führt so gut wie gar nicht zu entsprechenden "Antworten" aus den Lautsprechern.

Im direkten Vergleich zur Full Music 300B/n machen diese Cetrons schnell klar, dass sie auf höherem klanglichen Niveau unterwegs sind. Der Tieftonbereich spielt griffiger, präziser und "verschludert" keine noch so feinen Ausschwinggeräusche – hier ist die Full Music etwas "großzügiger". Wucht, Timing, Timbre, Tiefgang – hier stimmt alles, das macht sie zugegeben auch besser als eine Raytheon 2A3 Dual-Monoplate oder als eine Fivre 2A3 Monoplate.




Die Cetrons sezieren das Klangbild (in der subjektiven Wahrnehmung) auch weniger als die Full Musics in Bass- bzw. Grundtonbereich, Stimmenbereich und Präsenzbereich – sie spielen integrativer, lenken nicht so sehr ab sondern richten den Fokus auf die Musik selbst. Sie lassen die Kohärenz musikalischer Strukturen intakt.

Wunderschön weiträumig positioniert die Cetron die Musiker auf der imaginären Bühne hinter den Lautsprechern, Klavieranschläge oder das "Wischen" von Fingern über Gitarrensaiten werden sehr detailliert und farbig dargeboten. Insbesondere Frauenstimmen machen viel Spaß – in Sachen Raumausleuchtung und Stimmenwiedergabe kommen sie damit sogar sehr nahe an eine Fivre 2A3 Monoplate heran.

Der Präsenzbereich ist weniger offensiv als bei einer Full Music 300B/n, sondern wiederum mehr eingebunden und unter den Scheffel der Musik gestellt. Fast seidig-weich, ohne jedoch Details zu verschleifen – sehr schön!

Wer also irgendwo eine Cetron 300B in anständiger Qualität auftreiben kann, sollte sich glücklich schätzen und zugreifen. Nicht ohne Grund wurde "damals", als Geräte von Ken Shindo noch in Deutschland vertrieben werden durften, die "Concertino" mit dem Western Electric Re-Issue der 300B angeboten oder alternativ mit der Cetron 300B.

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