Dienstag, 22. Februar 2011

Cheap Trick: Pro-Ject Debut III Esprit mit Ortofon VinylMaster Red und DIY-Wandhalterung

Ok, ok, ich kann mir schon das müde Lächeln der Jungs mit ihren Garrards, Simon Yorkes und Platine Verdiers vorstellen, die verschnupft schnell weiterklicken - sei´s drum, jetzt sind wir Interessierten unter uns.

Die Situation, in der ich selbst vor etlichen Jahren steckte - nach zwischenzeitlich kompletter Aufgabe des Hobbys Hifi aus Frust (das war auf dem Höhepunkt meiner von der verlogenen Presse gehypten Transistor-Compact Disc-Polypropylen-Mehrwege-Testsieger-Schrott-Multi-vielzuviel-k€-Anlage) - war folgende:

Irgendwie "juckte" es mich nach 2-3 Jahren  dann doch wieder in den Ohren und ich wollte nicht glauben, dass man nicht gut Musik hören konnte; eine neue Anlage sollte her. Transen, CD und Blubber-Gummi-Chassis schieden jedoch kategorisch aus - dass man damit keine Musik hören konnte, war mir ja durch teure Fehler schmerzhaft bewusst geworden. Wahrscheinlich war ich bis dato einfach zu mainstreamig und borniert in meiner Sichtweise gewesen, einfach nicht offen für bestimmte Konzepte. Völlig unvoreingenommen hörte ich mir Röhren-Amps an und war recht angetan und spätestens bei Trioden wusste ich: das isses! Klar, bei Trioden geht nur ganz oder gar nicht und das kostet halt ein paar Scheine. Die Lautsprecherfrage war relativ unproblematisch - eine für Trioden-Amps geeignete DIY-Lösung aus einem Selbstbaumagazin sollte es für den Wiedereinstieg sein - für einen Nicht-Fünfdäumling kein Problem, aber das Thema Plattenspieler als Ex-CD-Jünger war für mich doch komplex: viele Modelle, noch mehr Philosophien und etliche davon nicht eben aus dem Billig-Regal. Hier sollte es zunächst eine "auf Nummer Sicher" Einsteiger-Lösung sein, die - auch mit Blick auf einen späteren Wiederverkauf - keine finanziellen Löcher riss.

PhonoPhono aus Berlin war mir da in meiner Entscheidungsfindung übrigens extrem hilfreich und es wurde dann der Pro-Ject Debut III Esprit mit Ortofon VinylMaster Red für knapp 400 €.




Ich will hier jetzt gar nicht bekehrend darlegen, was der Plattenspieler gut oder nicht so gut, besser oder schlechter als seine Preisklassenkollegen kann und wie nah er möglicherweise an diesen oder jenen teureren Spieler heranreicht. Meines Erachtens ist diese Kombination einfach eine hochanständige fürs Geld; sicher bekommt man z.B. bei Rega, um nur einen anderen Hersteller zu nennen, vergleichbare Qualität.

Worauf es mir jedoch ankommt ist aufzuzeigen, dass trotz überschaubaren finanziellen Einsatzes beim Plattenspieler sehr gutes Musikhören möglich ist. Aus meiner Sicht sollte - wenn denn an einer Stelle beim (Wieder-)Aufbau einer hochwertigen Kette gespart werden muss - auf keinen Fall der Amp dran glauben müssen. Der Verstärker ist das Herzstück der Anlage und wird zuerst festgelegt, um dann den entsprechenden Lautsprecher für den Amp zu suchen. Findet man ihn nicht, muss man halt selbst bauen, bis es passt. Aber am ehesten lässt sich jedoch eine anfängliche Einsparung beim Plattenspieler verschmerzen. Der Unterschied zwischen einem Plattenspieler für 400 € und einem für 2.000 € ist im Endergebnis nicht so groß wie der Unterschied zwischen einem Röhren-Amp für 1.000 € und einem für 2.600 €...

Das schöne ist, dass man beim Plattenspieler so viele Tweaks und Tuning-Tricks ausprobieren kann. Masselaufwerk-Maniacs werden möglicherweise widersprechen, aber für mich gehört ein Plattenspieler an die Wand auf eine entsprechende Vorrichtung, um den empfindlichen Trittschall zu minimieren. Einige Plattenspieler-Hersteller bieten diese direkt an, aber man kann sie sich für den Einsatz von deutlich weniger als 50 € auch selbst bauen. Einschlagmuttern, Messing-Spikes, Kontermuttern, Plättchen/Aufnahmen für die Spikes, 12mm-Birkenmultiplex und zwei Halterungen mit Schrauben - Löcher für Einschlagmuttern vorbohren und Kabeldurchführungen aussägen - that´s it.





Durch diese Maßnahme gewinnt die Wiedergabequalität nochmal deutlich - wenn man diese Halterung absolut in Waage montiert hat, versteht sich...

Bis heute bereitet mir der Pro-Ject als Test- und Zweitanlagenspieler viel Freude und ganz ehrlich - auf diese Weise macht Musikhören einfach viel mehr Spass als mit irgendeinem Zig-Tausend-Euro-CD-Spieler. Ob da die Haptik, psychoakustische Effekte oder das verklärte Ohr des stolzen Bastlers eine Rolle spielen und diesem hier ein Schnippchen schlagen: Interessiert das wirklich jemanden?! Eben. Wichtiger ist, dass sich die Zeit bis zu den dicken Garrards & Co. erstaunlich lange zufrieden überbrücken lässt und ich den Pro-Ject bis heute nicht wieder verkauft habe...

1 Kommentar:

  1. Hallo Carsten,

    wie sich die Beweggründe doch ähneln können und was für ein Zufall das ich dann letztendlich auch bei einem ProJect (2.9 mit Sumiko Blue Point No. 2)gelandet bin.
    Fürs Geld sind die Teile auf jeden Fall echte Schnapper. Ein Tipp für angehende Neu- oder Wieder-Vinylisten ist es öfter mal beim deutschen Vertrieb für ProJect nachzusehen, denn teilweise gibt es ältere Modelle mit Zubehör schon für relativ kleines Geld zu kaufen. So bin ich durch meinen Händler dann auch zu meinem 2.9-er gekommen und auch ich werde den in Ehren halten sobald mein neuer Dreher eingetroffen ist.

    Viele Grüße,
    Mathias

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