Freitag, 11. März 2011

Review: Cinch-Kabel “FC1” von bFly-audio

Ein NF-Kabel. Wie langweilig – dachte ich! Es gibt ja Zeitgenossen, die billigen Kabeln sogar Komponentenstatus zu und sehen kein Problem darin, dass eine Strippe mehr kostet als die Komponenten, die es verbindet. Tja, mir geht es anders, ich fand das Thema Kabel bisher immer recht „unsexy“ (daran konnte selbst das unbenommen hervorragend aufgemachte „Kabelbuch“ von hifi tunes nichts ändern) und ich habe zwar auch den einen oder anderen Verbinder für immerhin einige hundert Euro, habe das Geld dafür aber stets nur recht widerwillig hergegeben. Und ohne die Qualitäten der Produkte per se in Zweifel ziehen zu wollen: Beim Blick in die Preisliste des Herstellers meines Vorverstärkers unter der Rubrik "Kabel" klappen sich bei mir ob der mehr als ambitionierten Preise bisweilen dann doch die Fußnägel hoch...

Und nun bekam ich von Herrn Schäffer von bFly-audio dessen NF-Kabel „FC1“ zum Testen zur Verfügung gestellt. Das Kabel wurde von ihm zuvor eine Woche lang eingespielt und hat eine vorgegebene Orientierung, d.h. die Laufrichtung des Kabels ist festgelegt. Augenfälligstes Merkmal ist die besondere Form des Leiters: ein Flachleiter, der von einem Textilmantel umhüllt ist.



FC1 von bFly-audio

 
Der Ansatz von bFly-audio für die Wahl eines Kupferflachleiters ist die Berücksichtigung des sogenannten „Skin-Effekts“. Demzufolge werden hohe Frequenzen an Leiteroberflächen übertragen, während sich tiefere Frequenzen durch den Leiterkern mühen müssen – dort hindurch, wo ein größerer Widerstand vorherrscht als an der Oberfläche. Dies führt zu Laufzeitunterschieden zwischen höheren und tieferen Frequenzen. Bei Flachleitern ist der „Skin-Effekt“ im Vergleich zu runden Leitern signifikant geringer ausgeprägt und sollte daher zu besserem Timing und in der Folge zu mehr Natürlichkeit und besserer Räumlichkeit insbesondere im Stimmenbereich führen.

Nach dreijähriger Entwicklungszeit mit insgesamt ca. 15 Prototypen ist das Kabel nun also so, wie es sich Herr Schäffer vorstellt: bis auf Stecker und Ummantelung komplett handgefertigt, mit Baumwolle und Natur-Kautschuk als Dielektrikum. Die Kupferbahnen werden dreimal manuell gereinigt, poliert und anschließend vor Korrosion geschützt (über 90% des Kabelmaterials liegen „an der Luft“), beim Übergang vom Flachleiter auf den Stecker – dem kritischen Übergang -  wurde auf einen optimalen Masseübergang geachtet. Dass sich ein solches Kabel nicht automatisiert herstellen lässt, dürfte inzwischen klar sein, insofern ist es umso erstaunlicher, zu welchem Preis dieses Kabel angeboten wird!



Gewebetextur des Mantels

 
Ich habe meinen Audio Note M2 Phono und die Uchida-Endstufe mit dem FC1 verbunden und war nun also auf das Ergebnis gespannt, insbesondere darauf, ob ich überhaupt irgendwelche Effekte oder Unterschiede ausmachen würde. Tatsächlich habe ich nach einiger Zeit des „Hineinhörens“ deutliche Unterschiede zu meinen anderen Kabeln wahrgenommen, die sich zwar auf einer sehr subtilen Ebene abspielen - deren Beschreibung mir daher aber auch umso schwerer fällt. Das Klangbild wirkt insgesamt irgendwie schlackenloser und heller, als ob jemand einen leichten Grauschleier-Vorhang bei Seite gezogen hätte. Damit ist jedoch nicht gemeint, dass das Klangbild nun ins Helle zu Lasten des Bass- und Grundtonbereichs kippen würde, sondern es ist einfach detailreicher und feiner nuancierend. Außerdem klingt es nun, hm, schneller (?!) und man gewinnt den Eindruck, als würde sich dem Signal einfach weniger „in den Weg stellen“. Diese verbalen Krücken können den persönlichen Höreindruck kaum ersetzen und ich kann nur jedem ans Herz Legen, dieses Kabel selbst auszuprobieren.



Flach wie Flunder: Der Mantel passt sich dem Flachleiter an
 

Nach ca. drei Wochen tauschte ich das FC1 wieder gegen „mein“ bisheriges Kabel und die Unterschiede wurden nun viel deutlicher, offenbar ist der Mensch doch ein Gewöhnungstier. Plötzlich klang es wesentlich muffiger und gebremst, geradezu gehemmt, als ob man einen schnellen Hund wieder an die Leine nimmt. Dieser Effekt beim Wechsel zurück auf das alte Kabel  - also die Wahrnehmung dessen, was nun "fehlte" - war übrigens ausgeprägter als das Erkennen der Qualitäten des neuen Kabels zu Beginn. Sehr schnell wuchs der Wunsch, wieder mit dem FC1 zu hören. Ich fürchte, Herr Schäffer bekommt nun erneut einen Anruf von mir, dass ich ihm sein Produkt nicht zurück schicken werde – genau wie bei den Absorbern von bFly-audio. Kabel sind doch gar nicht so langweilig wie ich dachte!

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