Samstag, 9. April 2011

Die Triode 211 / VT4C

Außer der 2A3 oder der 300B - sicherlich die Leistungs-Trioden mit der größten Verbreitung in Hifi-Verstärkern - gibt es natürlich eine Vielzahl weiterer interessanter Trioden. In einer lockeren Serie werde ich etliche davon kurz vorstellen - diesmal geht es um die 211 (VT4C).

Die 211 ist originär eine HF-Senderöhre, die heuer für Audio-Anwendungen lediglich "mißbraucht" wird. Sie ist eine direkt geheizte Triode - wie z.B. auch die 2A3 oder die 300B. Ihr Brumm ist subjektiv - vor allem direkt nach dem Einschalten - stärker ausgeprägt als bei 2A3 oder 300B. Das Anodenmaterial (zumindest bei den älteren Typen) ist Graphit; Kenner sprechen diesem Material klanglich exzellente Eigenschaften zu. Der Heizfaden ist ein thoriumbeschichteter Wolframdraht und garantiert damit eine Elektronenemission bereits bei niedrigeren Temperaturen als bei anderen Röhren. Thorium sorgt auch für das charakteristische gelblich-weiße Licht der Röhre. Die Lebensdauer dieser Röhre liegt bei ca. 5.000 h - dann sind mit Thorium beschichteter Wolframdraht und Getter verbraucht.
   
 
   
Western Electric 211E, Bildquelle: jacmusic.com
 

Die 211 bietet - je nach Beschaltung - moderate 12 Watt bis maximal fette 20 Watt Class A (die technischen Daten gibt´s hier bzw. in der linken Sidebar des Blogs unter Downloads). Damit herrschen im Vergleich zu einer 2A3 oder 45 schon ziemlich brutal-inflationäre Leistungs-Verhältnisse vor, liegt man leistungsmäßig doch bereits im Bereich kleiner Class A Transistor-Amps. Da ein Trioden-Watt jedoch subjektiv nach (mindestens) fünf Transistor-Watt klingt, lassen sich hier also schon ziemliche Gewalten entfesseln. Diese Röhre an einen 96-dB-Lautsprecher geklemmt bedeutet, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen!

 
  
 GE 211, Bildquelle: tubeworld.com
  
  
Die 211 wird in einigen sehr interessanten Verstärkern verwendet, z.B. im Vollverstärker Audio Note Ongaku bzw. dem annähernd baugleichen Kondo KSL Ongaku Classic 211 SE (die Historie zwischen diesen beiden sehr ähnlichen Verstärkern aufzuklären erspare ich uns an dieser Stelle), den Air Tight ATM-211 Mono-Endstufen oder den mindestens genauso spannenden 211 Monos von Thomas Mayer (VinylSavor).
 
       
  
Schöner geht´s kaum: Mono-Endstufen mit der 211 von Thomas Mayer (VinylSavor)
   
   
Leider konnte ich diese tollen Endstufen bisher noch nicht hören; Näheres darüber berichtet Thomas aber in seinem eigenen Blog in einem Dreiteiler über Entwicklung, Bau und Klang dieser 211er. Neben Thomas´ 211ern nehmen sich der Ongaku bzw. die Air Tights fast wie Spielzeug aus...

Da ist Dir wirklich ein großer Wurf gelungen, Thomas, und nochmals danke von mir an dieser Stelle, Dein Bild zur Illustration einbinden zu dürfen!

Kommentare:

  1. Hallo Carsten,

    schöner Beitrag! Danke für Dein Kompliment zu meinen Verstärkern. Da ich bereits viel Erfahrung mit der 211 habe, erlaube ich mir ein paar Anmerkungen:

    Die Röhre war ursprünglich neben dem Einsatz für HF durchaus auch für NF Anwendungen gedacht, wie das Datenblatt zeigt. Z.B. Für die Modulatorstufe in Mittelwellensendern. Aber auch für reine NF-Verstärker.

    Bei thorierten Wolfram-Kathoden erfolgt die Emission erst bei viel höheren Temperaturen als bei Oxyd-Kathoden wie sie z.B. 2A3 und 300B haben. Das zeigt sich ja auch in dem gelb-weissen Glühen des Heizfadens. Die Temperatur ist weit über 1000 Grad. Nur reine Wolfram-Kathoden brauchen eine noch höhere Temperatur.

    Mit einer geeigneten Treiberstufe, welche einen Class A2 Betrieb ermöglicht, sind sogar noch höhere Leistungen als 20W aus einer 211 zu holen. Class A2 unterscheidet sich zu Class A1 darin, dass das Steuergitter im Betrieb über 0V also auch in den positiven Bereich ausgesteuert wird. Das erfordert einen Treiber mit niedriger Ausgangsimpedanz, der den erforderlichen Gitterstrom im positiven Bereich liefern kann. Meine auf dem Foto gezeigten Endstufen erreichen so bis ca 25W.

    Viele Grüße

    Thomas

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  2. Noch ein Kommentar zum Brumm: Aufgrund der hohen Heizspannung von 10V gegenüber 5V bei 300B oder 2,5V bei 2A3 ist dieser bei der 211 schwieriger zu minimieren. Für mich ist hier der beste Weg eine Gleichstromheizung. Um klangliche Nachteile zu vermeiden erfordert dies ziemlichen Aufwand. Die Größe meiner Endstufen ist unter anderm auch durch die aufwändige Heizversorgung bedingt.

    Viele Grüße

    Thomas

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  3. Hallo Thomas,

    vielen Dank für Deine ergänzenden Kommentare!

    Gruß,
    Carsten

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