Donnerstag, 9. Juni 2011

Audio Note M1 Phono (neu) vs. Audio Note M2 Phono (15 Jahre alt)

Für mich sollte ein Röhrenvorverstärker stets einen Phonozweig mit integriert haben - natürlich auch "röhrig" ausgeführt und nicht als Alibivariante mit IC´s oder sonstigen Grausamkeiten. Im Laufe etlicher Jahre waren bei mir diverse Röhrenvorverstärker zu Hause, z.B. von Welter, Raphael Audio (Orthophonic) oder More Fidelity (Music Connection). Sie alle fanden ihren Meister irgendwann in einem gebrauchten Audio Note M2 Phono, der klanglich meinen Geschmack voll traf und auch heute noch in dieser Hinsicht grundsätzlich zu überzeugen vermag.

Der M2 schien mir zuletzt aber doch etwas in die Jahre gekommen zu sein, inzwischen hat er bereits 15 Lenze auf dem Buckel bzw. auf den Bauteilen. Kleine Zipperlein hier und da waren nicht mehr zu leugnen und der Gedanke lag nahe, den Vorverstärker bei Audio Note auf Herz und Nieren überprüfen und einer Revision unterziehen zu lassen. Die dafür avisierte Kostengröße ließ dieses Unterfangen jedoch als nicht sinnvoll erscheinen, stand es in keiner sinnvollen Relation mehr zum Kauf eines neuen Modells aus dem aktuellen Audio Note-Portfolio. 
 
 
  
 
Mein alter Audio Note M2 Phono: Die Schrift (Bild oben) verrät dem Kenner, dass es sich um ein älteres Semester handelt. Auf dem Bild unten ist gut zu erkennen, dass sich die Eingänge - anders als heute - noch an der Gehäuseseite befinden. Sinn und Zweck war eine möglichst große Entfernung zum Netztrafo; in den heutigen AN-Pres schirmt ein Trennblech den Trafo, was die Positionierung der Eingänge auf der Rückseite erlaubt.
Oben links die Phono-Stufe mit 4 x ECC83, unten links die Line-Stufe mit 2 x ECC83 und unten mittig die 6X5 Gleichrichterröhre. Klarer Fall also: Es handelt sich um SRPP-Stufen (Shunt Regulated Push Pull). Diese Gegentaktschaltung mit zwei Triodensystemen in Serie liefert eine hohe Verstärkung, einen (im Vergleich zu Anodenfolgern) geringen Ausgangswiderstand und einen sehr niedrigen Klirr - eine  Gegenkopplung ist hier nicht nötig. So weit so gut, doch der Haken: Die Röhren müssen sehr penibel gematcht und die SRPP-Stufen elektrisch extrem sauber designt sein. Ansonsten droht - wie bei meiner M2 - der "Motorboating-Effekt", für den SRPP-Stufen berühmt-berüchtigt sind: Selbst ohne Anliegen eines Phono-Signals - sogar bei abgezogenen Phono-Steckern - begannen die BB-Chassis ab Pegelreglerstellung "14 Uhr" extrem zu pumpen. Besorgnis erregende Hübe der Chassis, verbunden mit einem lauten "Bubb bubb bubb" mit gefühlten 25 Hz, ca. dreimal pro Sekunde... In der Praxis war das zwar irrelevant und alle Bauteile waren gem. Prüfung ok, aber für mich stand fest, dieser M2 wird ersetzt!
 
 
 
 
Der Blick in die aktuelle, nach oben offene Preisskala von Audio Note offenbart, dass der Vorverstärker Audio Note M2 Phono fast doppelt so teuer ist wie der M1 Phono, wobei letztgenannter preislich durchaus noch zur "auf-dem-Teppich-bleiben"-Kategorie gezählt werden darf. Wesentlichster Unterschied zwischen beiden Geräten ist das Röhrennetzteil des M2, wo der M1 "nur" über ein - gleichwohl sehr gutes - Standardnetzteil verfügt.

Sei´s drum, einige Hörvergleiche haben gezeigt, dass bereits der aktuelle M1 voll auf der Höhe und meinem altgedienten, "urigen" M2 klanglich mindestens ebenbürtig ist. Also habe ich meinen 15 Jahre alten M2 gegen den aktuellen M1 ersetzt - und höre mindestens genauso gut! Für mich gibt es in der 2.000 €-Klasse keinen besseren Vorverstärker als den Audio Note M1 Phono.
 
 
 
 
Was am M1 besonders gefällt: Er hat im Bass und im Grundton ebenfalls diesen wohligen, den Hörer vereinnahmenden "Audio Note-Punch", wie ich es gerne nenne. Ich gebe zu, dass ich vor längerer Zeit nach diversen Besprechungen von Audio Note-Komponenten durch Cai Brockmann in image hifi und hifi tunes nicht nur neugierig, sondern zu einem kleinen Audio Note Fan geworden bin, was auch zur Anschaffung des M2 geführt hat - zuvor stand Audio Note eher nicht so sehr in meinem Fokus.

Im Röhrenbuch von hifi tunes wurde 2006 der Vollverstärker Audio Note Oto SE besprochen. Das ist insofern interessant, als dieser quasi einen M1 als Vorverstärkerzweig integriert hat. Cai Brockmann schrieb damals:
"Der hier vorgestellte Oto SE Phono bietet serienmäßig ein zweifellos sehr hohes Klangniveau, was auch für die optionale, perfekt abgeschirmte und mechanisch entkoppelte MM-Phonostage gilt. In jedem Fall – ob mit privater, nahezu unbezahlbarer Edelbestückung oder nicht – besitzt der Verstärker einen klanglichen Grundcharakter, den ich als „typisch Audio Note“ erkenne: Hier paart sich musikalische Integrität mit emotionaler Ansprache, der Verstärker lässt einfach niemanden kalt."
Das möchte ich für den M1 Phono in gleicher Weise so stehen lassen und vielleicht noch ergänzen, dass er hin und wieder ebenfalls "vor lauter Begeisterung die Bassbacken aufbläst" (Brockmann) - damit ergänzt er meine Uchida schon kongenial, steht die 2A3 doch nicht eben in dem Ruf, ein gnadenloses Bassmonster zu sein.

Ein sehr praktisches Feature besitzt der M1 zudem mit seinem Feedback-Schalter auf der Rückseite, welcher die Verstärkung im Phono-Betrieb zwischen 54 und 60 dB umzuschalten erlaubt. Das ist z.B. bei nächtlichem Leisehören interessant, um die Pegelsteller an der Endstufe nicht zu weit zurückdrehen zu müssen (damit der Charakter der Endstufe im Klang auch noch erkennbar bleibt) und dennoch einen vernünftigen Regelbereich am Vorverstärker zu haben.
 
Demnächst werde ich im Zusammenhang mit der Audio Note M1 Phono noch einige Gedanken über die Röhren verlieren sowie über sternförmige Erdung zum Vorverstärker und das Kurzschließen ungenutzter Eingänge.
 
Crosslinks:
Audio Note M1 Phono: Die Röhren

Kommentare:

  1. Hallo,
    Ich war ebenfalls i Besitz einer Audio Note M2. Der Preamp hatte aber ECC82 in der Linestage.Die Phonosektion hat mir eigentlich nie Probleme bereitet hingegen war die Line sehr instabil, selbst mit selektierten Röhren.Der damalige Vetrieb Audioplan hat die Line auf Kathodenbasischaltung umgebaut.Die Stabilitätsprobleme waren damit beseitigt.
    Gruß Toni

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  2. Hallo Carsten,

    hast Du wegen der Kontrolle/Reparatur beim Deutschlandvertrieb angefragt? Mir würden als mögliche Problemlöser Reinhard Hoffmann von Innovative Audio oder der Röhrenprofessor Uli Apel einfallen und fragen kostet ja nichts.
    Ansonsten freue ich mich schon auf weitere Informationen zu Deinem Neuerwerb und den von Dir zum Schluß angesprochenen technischen bzw. hörtechnischen Details. Mit diesen Fragen beschäftige ich mich momentan nämlich ebenfalls.

    Analoge Grüße,
    Mathias

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  3. Hallo Mathias,

    klar, ich habe bei Alexander Voigt angefragt. Er war auch sehr hilfsbereit und hat mir eine Indikation für einen Check/eine Reparatur gegeben (es ging auch nicht nur um das "Motorboating"). Diese Kostengröße war durchaus plausibel, stand dennoch in keiner sinnvollen Relation zu einem Neuerwerb. Inzwischen besitze ich den M2 nicht mehr.

    Gruß,
    Carsten

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  4. Oh, schade, denn der M2 hätte mich schon mal interessiert. Ich habe da noch ein Eisen im Feuer das Dich eventuell interessieren könnte? Ich komme die Tage mal durch, denn erst möchte ich das noch heißere Eisen mit neuen Abschlußwiderständen bestücken. Um die Spannung nicht zu sehr steigen zu lassen... es geht um eine meiner Phonovorstufen die ich Dir gerne mal für ein paar Wochen zum Test überlassen würde. Ich bin an einem objektiven Urteil interessiert.

    Analoge Grüße aus Wiesbaden,
    Mathias

    p.s. gerade läuft die Quadrophenia von LP, aber leider ist meine Kopie total abgenudelt :-(

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  5. Phonovorstufe zum Test? You´re welcome!

    Gruß,
    Carsten

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  6. Das ist die absolut richtige Einstellung *Daumen hoch*. Die Details kommen dann per Mail und bis dahin...

    Analoge Grüße,
    Mathias

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