Dienstag, 21. Juni 2011

Cheap Trick: DIY Gerätebasen mit Sorbothane-Absorbern

Insbesondere Röhrengeräte gewinnen deutlich an Klangqualität, wenn sie durch Gerätebasen "ruhig gestellt" werden, da z.B. durch Trittschall hervorgerufene Mikrophonieeffekte bei den Röhren minimiert werden (können). Es gibt etliche Hersteller am Markt, die entsprechendes Zubehör anbieten und ihren Gerätebasen oft wahre Wunderdinge zubilligen (es wird bisweilen kolportiert, sogar Schnittblumen hielten sich länger, wenn die Vase auf einer Gerätebasis stehe) - um im gleichen Atemzug Preise hierfür aufzurufen, die dem einen oder anderen die Kinnlade runterklappen lassen.

Bevor ich aber für ein - gleichwohl handwerklich hervorragend gefertigtes - "Brett" 500 € oder noch viel mehr(!) ausgebe, lohnt es, sich ein paar eigene Gedanken zu dem Thema zu machen. Grundsätzliches Ziel ist es, mechanische Schwingungsenergie durch eine Gerätebasis vom darauf beherbergten Gerät fernzuhalten. Da sich Schwingungen nicht aufhalten lassen und auch auf Stoppschilder wohl kaum reagieren würden, müssen diese mikrokinetischen in thermische Energien umgewandelt werden. Einige Hersteller füllen dafür die in ihren Basen integrierten Kammern z.B. mit Bleischrot oder Sand - diese "lose" Masse wandelt Schwingungsbewegungen durch Reibung in Wärme um. Andere Hersteller wiederum verwenden einfach einen Mix aus unterschiedlichen Materialien zur Herstellung einer Sandwich-Basis - das ist alles; wie ein solcher Sandwich allein ohne jede weitere Maßnahme wirklich wirksam funktionieren soll, ist mir ehrlich gesagt nicht ganz klar.

Grundsätzlich gilt: Je weniger Masse, desto weniger Energie kann gespeichert werden (welche bei "viel" Masse zeitverzögert ja doch wieder abgegeben würde; irgendwo muss sie ja bleiben). Daher sollte das Material einer Gerätebasis möglichst leicht und steif sein. Weiterhin eignet sich Sorbothane hervorragend zur Schwingungsdämpfung - was liegt also näher, als eine Gerätebasis z.B. aus 15 mm starkem Birkenmultiplex mit Sorbothane-Füßen zu verwenden? Bereits in einem anderen Posting hatte ich über die positiven Effekte von Sorbothane-Absorbern berichtet.
 
Für meine Uchida und die Audio Note M1 Phono ist das in Größe der Gehäusegrundflächen zugeschnittene Holz im Baumarkt inkl. OSMO Dekorwachs und Pinsel eine 15 €-Angelegenheit; für die Absorber HK2 (für Audio Note) und P2+ (für Uchida) von bFly-audio sind ca. 50 € zu addieren - in Summe also überschaubare Kosten für zwei Gerätebasen. Wichtig: Die Absorber sollten auf die Geräte abgestimmt sein. Zu weiche Absorber werden von schweren Endstufen "platt gemacht" oder lassen das Gerät bei asymmetrischer Gewichtsverteilung im Gerät (wie meistens der Fall) in Schieflage geraten und sind damit wirkungslos - nicht ganz so schlimm, aber dennoch nicht ideal sind zu harte Absorber, die nur ein leichtgewichtiges Gerät tragen.
 
 
 
 
Jede Seite 2x streichen bei je 12 h Trockenzeit
 
 
Das Schöne am OSMO Dekorwachs ist, dass bei dünnem Auftragen von zwei Schichten trotz Deckung die Holzmaserung sichtbar bleibt. Nach dem (optionalen) Anstrich werden die Absorber auf die Oberflächen geklebt. Wichtig ist dabei, die Absorber so zu positionieren, dass sie sich direkt unter den Gerätefüßen befinden, mit diesen also quasi eine Achse bilden. Grund dafür ist, dass vermieden werden sollte, durch einen etwaigen Hebel zwischen Sorbothane-Fuß und Gerätefuß Restschwingungen in die Holzplatte einzuleiten. Durch den direkten Kraftfluss arbeitet die Sorbathane effektiver. That´s it!
 
  


 
   
 
Ich werde jetzt nicht runterbeten, dass diese einfachen Konstrukte die denkbar besten sind, man seine Anlage nicht wieder erkennt, der Klang dramatisch besser wird und ein Leben ohne sie fortan nicht mehr denkbar ist. Vielmehr habe ich inzwischen einfach gute Erfahrungen damit gemacht und festgestellt, dass insbesondere bei mikrophonieempfindlichen Röhren ein besonders positiver Effekt auftritt und sich partielles "Klingeln" nachvollziehbar deutlich reduziert (gegen Direktschall als Anregung sind die Basen natürlich wirkungslos).
  
Ohne einen direkten Vergleich durchgeführt zu haben, keimt bei mir zumindest nicht der Wunsch auf, Custom-made-Gerätebasen auszuprobieren. Die Investition von 65 € für zwei Gerätebasen dürfte sich kostenmäßig damit (in den meisten Fällen) im deutlich einstelligen Prozentbereich dessen bewegen, was für "Profi-Basen" fällig wäre. Die DIY-Lösung ist zudem individuell gestaltbar und durch die oben genannte ideale Positionierung der Absorber direkt unterhalb der Gerätefüße und die Anpassung des Absorbertyps an das jeweilige Komponentengewicht womöglich sogar effektiver als eine gekaufte Standardbasis.

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