Donnerstag, 2. Juni 2011

Micro Discharge Interface - der Effekt von MDI-Verzerrungen

"Jetzt dreht der völlig ab!" werden einige vielleicht denken. Mag sein. Dennoch möchte ich hier das Phänomen der Micro Discharge Interfaces (MDI) und dessen Einfluss auf Musikwiedergabe thematisieren, ohne es voll umfänglich erklären zu können. Vielmehr möchte ich anregen zu entdecken, was es links und rechts des Mainstreams an Dingen gibt, über die es sich zumindest zu diskutieren lohnt.

Im Rahmen eines von Frankreich finanzierten Forschungsprojekts Mitte der 1990er Jahre entwickelte Monsieur Pierre Jouhanet eine Theorie, wonach "sich bewegende Elektronen" (also stromdurchflossene Leiter) insbesondere im Wechselspiel mit synthetischen Materialien so genannte MDI-Verzerrungen produzieren - im Hifi-Bereich wären hier z.B. Lautsprecherkabel, NF-Kabel, aber auch viele weitere elektrische Bauteile in den Geräten zu nennen. Im Prinzip handelt es sich bei MDI um durch das Audiosignal modulierte, hochfrequente, hörbare Verzerrungen, ähnlich Intermodulationsverzerrungen. Dabei haben sowohl das Leitermaterial als auch das Dielektrikum (Mantel) einen wesentlichen Einfluss. Erstmals in Zusammenhang mit Hifi wurde darüber im Magazin DIAPASON berichtet.
 
Doch damit nicht genug: Durch den MDI-Effekt werden Langevin-Ionen produziert, welche die Schalleigenschaften der Luft verändern:
 
 
 
Ionisierung um einen durchflossenen elektrischen Leiter; Bildquelle: thf.fr


Die ionisierte Luft verschlechtert die "Schallleitfähigkeit" der Luft und führt daher zu einer Klangverschlechterung:
  
 
 
 
Veränderung der Schalleigenschaften ionisierter Luft; Bildquelle: thf.fr
   
 
Der leider kürzlich verstorbene Bernard Salabert trug diesen Effekten als erster so konsequent wie sonst niemand Rechnung und setzte bei Kabeln, Kondensatoren und Steckern auf natürliche Materialen wie Holz oder Baumwolle als Dielektrikum. Durch Verwendung natürlicher Materialien lässt sich der MDI-Effekt (angeblich) minimieren.
 
 
 
Holzisolierte Stecker von PHY-HP; Bildquelle: 6moons


Ocellia hat diesen Weg konsequent weiter beschritten und eine Anti-MDI-Kabelserie entwickelt - siehe Artikel auf 6moons.
 
Ob sich die oben genannten Effekte und Sachverhalte klanglich wirklich signifikant auswirken und in der Praxis tatsächlich so darstellen wie beschrieben, vermag ich nicht zu sagen - ich habe noch nie "Anti-MDI-Kabel" gehört. Das Ergebnis ist sicherlich auch maßgeblich von der eigenen Kette abhängig. Sollte jemand diesbezüglich bereits über Erfahrungen verfügen - Kommentare sind herzlich willkommen.
  
Ich möchte zu diesem Thema mangels eigener Erfahrungen einerseits und fehlender tiefgreifender Beschäftigung mit den Theorien von MDI andererseits keine konkrete Position beziehen. Allerdings fand´ ich Kabel früher total langweilig, seit den Erfahrungen mit dem Flachleiterkabel von bFly-audio betrachte ich diese Einstellung zumindest als überdenkenswürdig - und nun habe ich ein wenig Blut geleckt... Wer sich bemüßigt  fühlt: Auch Gastbeiträge zu diesem Thema sind natürlich sehr willkommen!

1 Kommentar:

  1. Hallo Carsten,

    der erste Kabelhersteller war die französische Firma OSH die sich mit dem Thema befast hat, es endete in der Entwicklung von Teflon Anti-MIS. Ich hatte die Kabel besessen, bin aber später auf Audio Consulting mit Baumwoll- Isolation umgestiegen was nach meinem Dafürhalten schwer zu toppen ist.Mittlerweile verzichte Ich im Signalweg auf Kabel mit Teflonisolation.Die besten Kabel die Ich bis jetzt gehört habe sind von Solidcoreaudio in Nürnberg.Hier sind sogar die Chinchstecker aus Holz gefertigt

    Gruß Toni

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