Samstag, 23. Juli 2011

Viva Vinyl II: Funk Firm Vector 3 + F.XR II + OM 40 Super - lieber die Taube in der Hand als den Spatz auf dem Dach

Zunächst einmal möchte ich mich an dieser Stelle bei Volker Kühn von Black Forest Audio bedanken. Jeder in Deutschland vertriebene Funk Firm geht durch seine Hände: Arm und Tonabnehmer werden von ihm fachmännisch und penibel (vor)montiert und justiert. Außerdem legt er dem Paket einen Brief bei, in dem er empfiehlt, bzgl. der Lagerölgabe unbedingt mit ihm telefonisch Rücksprache zu halten, bevor der Spieler in Betrieb geht. Dieser Empfehlung bin ich vor einiger Zeit gerne gefolgt und unser Gespräch entwickelte sich zu einer längeren, sehr interessanten Fachsimpelei - und zwar nicht nur über den Funk Firm und dessen Besonderheiten bei der Lagerbuchse, dem Vector Drive und dem zähen Lageröl. Ein sehr kundenorientiertes Verhalten, das Lob und Anerkennung verdient!
 
So bestätigte mir Herr Kühn, dass mein Plattenspieler-Wandrack mit 12 mm Birkenmultiplex schon ziemlich ideal sei und 12 mm besser als 15 mm klängen (das entspricht auch genau meiner Erfahrung). Weiterhin empfahl er, die Spikes zwischen den beiden Ebenen zur Vermeidung von Resonanzen nicht auf Untersetzplättchen zu setzen, sondern direkt an die untere Holzplatte zu koppeln - was ich ebenfalls bereits seit geraumer Zeit so betreibe, weil es mich klanglich mehr überzeugt. Unter dem Strich ein beruhigendes Gefühl, sich nicht nur aufgrund eigener Ohren, sondern auch aufgrund ähnlicher Erfahrungen anderer auf dem richtigen Weg wähnen zu dürfen.

 
Jetzt aber zum eigentlichen Gegenstand dieses Posts. Dabei will ich gar nicht zu weit ausholen, über den Vector 3 von Funk Firm wurde schon viel geschrieben, z.B. hier im Magazin lp. Herr Arthur Khoubesserian - der Entwickler - ist ja nun ein durchaus streitbarer Zeitgenosse, dem einige sogar eine gesunde Portion Arroganz nachsagen; ich tue das nicht, denn ich kenne ihn ja gar nicht. Ich kenne nur seine Plattenspieler. Und seit ich sie kenne, gibt es für mich zu ihnen bis auf Simon Yorke keine Alternative. Vor vielen Jahren hatte ich erstmals im Hamburger Musikzimmer den Basis-Spieler Funk Firm "The Funk" mit einem Almarro 318B (an die Phonostufe erinnere ich mich nicht mehr) an einer Auditorium 23 SoloVox gehört und war total platt, wie gut der Funk Firm war. Und damit meine ich so richtig, richtig gut - so gut, dass er mein bis dato fest geordnetes Plattenspieler-Weltbild in seine Grundfesten erschütterte. Wie konnte ein so günstiger Spieler so fantastisch musikalisch klingen? Das hatte ich für 1,x k€ noch nie erlebt. Seitdem gingen mir die "Funks" nicht mehr aus dem Sinn, bis dieser hier schließlich bei mir einziehen durfte.
   
 
  
Der Funk Firm Vector 3 mit dem F.XR II-Tonarm und dem Ortofon OM 40 Super ist ein totales Fliegengewicht und im Prinzip den "Brettern" zuzuordnen, der aber im Bass derart kontrolliert, dabei dennoch extrem tief und ansatzlos-schnell agiert (mindestens so schnell wie der berühmt-berüchtigte "geölte Blitz"), dass alle mir bekannten Masselaufwerke (und das sind inzwischen schon einige) blass werden vor Neid. Ich muss dann immer an eingeschlafene Füße denken, wo andere von "Souveränität" und "Hintergrundschwärze" faseln - zum Gähnen langweilig. Der Funk hingegen ist sauschnell, schneller als alle mir bekannten Spieler und spielt dabei so extrem sauber und homogen - ohne das Klangbild zu zerfasern! - einfach "integrativ" und hochmusikalisch. So musikalisch ist kein mir bekanntes Masselaufwerk. Und diese wieselflinke Agilität erkauft er sich beileibe nicht durch vordergründige Hektik - er ist dabei einfach ganz locker und souverän.
 
 
Und der Arm? Der ist einfach genial und führt man sich seine Performance vor Augen Ohren, so muss man ihn einfach als Schnäppchen bezeichnen. Ich würde zwar nicht so weit gehen zu sagen, der F.XR II sei der beste Tonarm der Welt; mit Superlativen sollte man vorsichtig umgehen. Aber ich würde nicht widersprechen, wenn es jemand anderes behauptete. Starker Tobak, fürwahr, zumal er eigentlich "nur" auf einem 301er Rega-Arm basiert, mit diesem aber kaum noch etwas gemein hat. Weitere interessante, wirklich aufschlussreiche Infos über diesen Arm gibt es hier auf der Website von Funk Firm (klar, nicht wirklich objektiv, aber trotzdem sehr lesenswert).
 
Auf jeden Fall sieht er cool aus mit seinem dunkelroten Armrohr. Und die neuen Lager mit noch engeren Toleranzen gegenüber den originalen Lagern des 301er machen ihre Aufgabe ohrenscheinlich verdammt gut.
 
 
Der Tonabnehmer Ortofon OM 40 Super, der "von Haus aus" vormontiert ist, ergänzt den Arm kongenial. Ich bin übrigens ein MM-Fan. Viele High-Ender mögen die Nase rümpfen ob eines vermeintlich zu profanen, "billigen" MM-Systems - bei denen geht unter einem MC im vierstelligen Euro-Bereich nix. Quatsch, sage ich - ich spare mir nämlich den für MC notwendigen Step-up Transformer, den meine Röhren-Phonostufe zwingend braucht (sowie ein zusätzliches Kabel gleich mit). Und dass MC´s ob ihrer vermeintlich geringeren bewegten Masse (Spule) besser auflösen als MM´s (Magnet), halte ich für ein Gerücht. Wer einmal den Aufbau zwischen typischen MM´s und MC´s vergleicht, wird feststellen, dass sich die Mär von den größeren bewegten Massen der MM-Magnete gegenüber den MC-Spulen in den wenigsten Fällen aufrecht erhalten lässt. Die meisten MC´s klingen mir einfach zu dünn und "fisselig" (ich würde in 95% aller Fälle einem MC wohl stets ein Goldring G1042 (Reference) vorziehen, und wenn schon MC, dann das Denon DL-103). Beim Funk Firm kommt hingegen das Ortofon OM 40 Super zum Zuge: Der FritzGyger70-Schliff sorgt hier für eine extreme Auflösung bei grandioser Verzerrungsarmut - und zwar im Ergebnis nur deshalb, weil der Tonarm dieses Abtastvermögen des Pick-ups auch zu transportieren im Stande ist, sonst nützt das alles nämlich nichts.
 
 
Wirkt sehr effektiv und gehört zum Entkopplungskonzept des Funk Firm: Ein O-Ring aus Gummi, in dem ein Sorbothane-Element positioniert wird, auf dem wiederum der Kugelfuß der Plattenspielers ruht. Die Meinung, dass Sorbothane grundsätzlich zum Entkoppeln nicht soo schlecht ist, hatte ich ja u.a. schon hier vertreten.
 
 
Um es kurz zu machen: Dieser Spieler ist zwar nicht mehr ganz "billig", für mich aber völlig alternativlos - ein ganz klarer Fall von "Most-Bang-for-the-Buck". Und nur mal so nebenbei bemerkt: Das Design ist für meinen Geschmack einfach der Oberhammer - wie langweilig nehmen sich dagegen die Chrom- und Acryl-Trutzburgen aus, die sich Neureichs Sohn zum Protzen hinstellt! Fünf Kilogramm Gewicht pro 1.000 € sollten es bei Plattenspielern schon sein, nicht wahr; wie hätten Sie´s denn gern - geschnitten oder am Stück?! Wir wissen es besser und stellen uns eine der coolsten Musikmaschinen hin, die man für Geld und gute Worte kaufen kann... für mich ist der Funk Firm die Taube in der Hand. Ach ja: ein hervorragendes Phonokabel mit Erdungskabel ist fest montiert - keine Experimente möglich, macht nix. Diese Maschine, so viel steht jedenfalls fest, verlässt mein Haus nur noch über meine Leiche. Punkt. Äh, oder doch auch im Tausch gegen den Funk Firm Saffire II ?! Bestimmt! Und wie war das noch mit Simon Yorke...?!

P.S.: Wer sich übrigens einen Rega Planar 3-24 bzw. den neuen RP3 anschaffen möchte, der sollte sich vorher unbedingt das Basismodell von Funk Firm, den kleinen "The Funk" als potenzielle Alternative anhören. Interessantes Duell - dachte ich. Aber das auch nur mal so am Rande.

P.P.S.: Sollte bei mir wider erwarten dieses "Da-geht-doch-noch-mehr"-Gefühl aufkeimen, werde ich mir den Saffire II anhören. Womöglich wäre das das schnelle Ende meines Sparschweins und eine ebenbürtige Alternative zum Simon Yorke...

P.P.P.S.: Wer glaubt, ich bekäme für diese Lobhudelei auf Funk Firm von irgendwem auch nur einen müden Cent, der irrt (genausowenig übrigens wie für die "Werbung" hier im Blog (Billboard)).
Ich finde die Funk Firms wirklich einfach so gut. Meines Erachtens führt der sicherlich nicht gänzlich verkehrte Ansatz vieler Hersteller nach dem Motto "Maschinenbau goes Plattenspieler" irgendwann nicht mehr weiter. Präzisionsmechanik hin oder her - noch engere Toleranzen, noch mehr Masse... wo soll das hinführen?! Der Audiophile hat das gute Gefühl, viel für sein Geld bekommen zu haben - viel Masse zum Speichern von Schwingungsenergie, gleich einem Energiereservoir, welches diese Energien unkontrolliert zeitverzögert wieder freisetzt. Und auch die engsten Lagertoleranzen führen zu Resonanzen aufgrund von Mikroreibung - wie genial nimmt sich dagegen das Funk Firm-Konzept des kreiselnden Plattentellers aus!

Kommentare:

  1. Hallo,
    Den Regas wird zB nachgesagt, dass ihre Dynamik u.a. mit den minimal zu schnell laufenden Motoren zusammenhängt. Hast Du mal die Geschwindigkeit Deines Drehers mit einer Stroboscheibe überprüft?

    VG,
    Bernd

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  2. Hallo Bernd,

    ja, die Drehzahl wird exakt eingehalten, ansonsten hätte ich die Drehzahl bereits justiert (neben dem Knebelschalter des Funk befinden sich zwei Kappen, darunter sitzen die Potis für das "fine speed adjustment").

    Gruß,
    Carsten

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  3. Hallo Carsten,
    Ich kann Deine Auffassung zu Masselaufwerken bzw. Zur Wirkung von viel Masse nur eingeschränkt teilen. Habe z.B. Einen Wilson Benesch Circle, der ka auch als Leichtgewicht zu bezeichnen ist. Ein signifikant schwererer Teller hat den Circle deutlich verbessert ohne Verlust an Dynamik. Ich würde sagen, es kommt auf die Wirkung der jeweiligen Masse im Gesamtkonzept an.

    VG,
    Bernd

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  4. Hallo Carsten,

    so langsam werde ich neugierig, auch wenn ich gerade erst wenige Wochen mein endgültiges Masselaufwerk hier stehen habe. Was mir zum Glück an dem Dreher von the Funk Firm fehlt ist der 12"-Tonarm, denn ohne einen solchen mag ich keinen neuen Spieler mehr haben.

    Analoge Grüße,
    Mathias

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  5. Hallo Bernd,

    klar, es kommt immer auf das Gesamtkonzept an - außerdem kenne ich selbst auch einige gute Masselaufwerke und von allen existierenden Masselaufwerken wiederum nur einen kleinen Bruchteil.

    Ich will ja auch niemanden bekehren, sondern mit frech-provokanten Aussagen eher ein wenig unterhalten, zumal sie stets mit einem Augenzwinkern versehen sind - ich hoffe jedenfalls, dass das so rüberkommt.

    Gruß,
    Carsten

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  6. Hallo Mathias,

    welcher Masse-Dreher ist´s denn?

    Gruß,
    Carsten

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  7. Hallo Carsten,

    das ist ein DIY-Projekt eines Freundes der den Bau von Plattenspielern aufgeben musste. Er hatte noch die komplette Mechanik rumstehen und da ich die passende Elektronik ordern konnte wurde das UFO (Unbelieveable HiFi Object) doch noch wahr. Ich habe das Teil gekauft ohne zu wissen um was es sich handelt nachdem ich seine Top Notch Ware gesehen hatte. Diese kam mit Plattentellern aus Edelstahl die alleine mehr wiegen als mein Traum aus POM und Kupfer.
    Lager, Motor und Classic MK2 TA von Scheu Analog mit einem Denon DL103 und dem von mir gepimpten Phono MKIIb von Reinhard Hoffmann (Innovative Audio) so kann man Musik geniessen!

    Analoge Grüße,
    Mathias

    p.s. suche einen günstigen 1:5 Übertrager für mein DL103 :-)

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  8. Hallo Matthias,

    gute und günstige Übertrager für DIY bekommst Du bei Lundahl bzw. SAC Silk.

    VG,
    Bernd

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  9. Noch besser wurde der Funk durch mein selbstgebautes Netzteil. Das ist deutlich zu hören und nciht nur mit meinen Ohren.

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  10. Hallo rw,

    Du kannst mir gerne Infos & Bilder per E-Mail senden, dann würde ich Dein Netzteil mal in einem Blog-Post vorstellen!

    Gruß,
    Carsten

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  11. Das Netzteil ist in einem ganz normalen Conrad Alu-Gehäuse untergebracht. Ein paar Bauteile, schnelle Dioden und einen 35 VA Trafo sowie Festspannungsregler LM 317. Ist zwar nicht ganz billig, aber sofort hörbar. Herr Volker Kühn wollte davon übrigens nichts wissen...

    Einen Schalter habe ich keinen eingebaut, ist aber machbar.

    Verkauft habe ich das Ding schon drei mal für 130 + Versand.
    Woin soll ich da Bild senden?

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  12. E-Mailadresse ist im Impressum dieses Blogs.
    Bilder gerne auch von innen, wenn möglich.

    Gruß,
    Carsten

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