Freitag, 15. Juli 2011

Viva Vinyl: Von Schwabblern, Brettern und Bohrinseln - (m)eine kleine Historie

Ganz klar: Das Thema "Turntable" ist bislang in meinem Blog eindeutig unterrepräsentiert. Nicht, dass ich an Plattenspielern keine Freude hätte - im Gegenteil (ich besitze seit vielen Jahren - oder ist das Jahrzehnt schon voll? - auch keinen CD-Spieler mehr und bin diesbezüglich in der Tat starrsinnig, borniert und belehrungsresistent)! Es ist nur so, dass ich mit meinem Spieler derart zufrieden bin, dass mir auf Jahre, vielleicht sogar auf Jahrzehnte nicht der Gedanke an einen "Aufstieg" kommen wird. Denn nach meinem Funk Firm Vector 3 kommt für mich eigentlich nur noch ein Simon Yorke in Betracht, gegen den sich mein Sparschwein aber (noch) heftig zur Wehr setzt...

Aber der Reihe nach, ich möchte zunächst mit einem kleinen Ausflug in einige Stationen meiner Turntable-Historie starten, bevor es im übernächsten Post um meinen Funk Firm geht.
 
Im Grunde lässt sich die Plattenspielerwelt ganz grob in drei Grundtypen gliedern: Es gibt die ziemlich aus der Mode gekommenen "Schwabbler", weiterhin natürlich die schlanken "Bretter" und schließlich die gravitätischen "Sumos", oder auch "Bohrinseln" genannt - letztere häufig derart chromblitzend, als sei die primäre Intention des Entwicklers das Blenden des Besitzers gewesen...

"Schwabbler" z.B. sind irgendwie cool. Mein alter Thorens TD146 Mk V war so einer. Spießiges, aber damals gängiges Design, einfach, robust, solide und im besten Sinne preiswert - er war seinen Preis einfach (mehr) als Wert. Klanglich gut, ohne dass man je die Chance hatte, durch Tweaks, Pick-ups oder sonstwas irgendwie so richtig in den Klanghimmel zu gelangen, dorthin, wo die Glocken hängen. Aber er war einfach okay und hat Spaß gemacht. Gerade (Wieder-)Einsteigern sind solche Spieler m.E. sehr zu empfehlen - robust, einfach in der Handhabung, weitgehend aufstellungsunkritisch - man kann einfach (fast) nichts falsch machen.
  
     
     
Thorens TD 146 Mk V
     
     
"Schwabbler" sind technisch gesehen aber doch limitiert - sehr viel weiter kommt man in meinem Augen Ohren mit "Brettern" - obwohl diese auch nicht mehr als "Schwabbler" kosten (müssen). Meine Bretter-Ära begann gefühlt vor Äonen mit einem Linn Basik mit Akito-Arm und K9 Pick-up. Folierte Zarge, technisch simpel, drei dicke Gummifüße, ziemlich cooler Arm und ein richtig gutes MM-System: Ich habe ihn geliebt und bereue bis heute, ihn jemals verkauft zu haben...
 
 
  
Linn Basik + Akito + K9
 
 
Zurück ins Hier und Jetzt: In der Klasse bis ca. 400 € ist für mich heuer ganz klar der Pro-Ject Debut III Esprit der Spieler schlechthin und den Einstiegsofferten von Rega sogar vorzuziehen. Er hat mir in meiner Test-, Werkstatt- und Probieranlage stets treue Dienste geleistet:
   
   
   
Pro-Ject Debut III mit Ortofon VinylMaster Red
   
   
Bereits an anderer Stelle in diesem Blog habe ich mich darüber ausgelassen, was mit dem Pro-Ject Debut III Esprit geht, daher möche ich mich jetzt nicht wiederholen. Und in der Klasse bis ca. 1.000 € + X ging für mich bisher nichts über einen Rega Planar 3-24.
 
Bei meinem alten RPM6 von Pro-Ject, wenngleich kein richtiges "Brett", muss ich im Nachhinein zugestehen, dass das eher nicht so der tolle Spieler war; vielleicht lag´s aber auch mit am Sumiko. Unruhiger Lauf, Motorgeräusche, spitze Höhen - auf Dauer war das nix und er kam in Sachen Homogenität auch nicht an den kleinen Debut III Esprit heran, den ich mir erst später für meine "Bastel- und Testanlage" zugelegt hatte! Aber das nur mal so am Rande.
   
   
   
Pro-Ject RPM6 mit Sumiko Blue Point No. 2
   
   
Tja, jetzt kämen also schließlich noch Masselaufwerke. "Sumos" bzw. "Bohrinseln" habe ich aber nie besessen - aus gutem Grund: Ich mag sie einfach nicht, weil sie so träge sind. Platine Verdier ist noch ok, kann mich aber auch nicht restlos in Sachen Tempo und Anschlagsdynamik überzeugen und meinen absoluten Lieblingsspieler möchte ich eigentlich nicht den klassischen Masselaufwerken zurechnen, obwohl er diesen streng genommen wohl hinzugerechnet werden müsste: Simon Yorke ist für mich einfach der klangliche Gipfel und damit absolut unantastbar, aber das ist ein anderes Thema. Wesentlich ist für mich die Erkenntnis, dass die Natur, müsste sie einen Plattenspieler "bauen", keinesfalls ein Masselaufwerk am Ende des darwin´schen Evolutionsprozesses hervorbrächte - das wird jedem, der sich einmal eingehender mit dem Wissenschaftszweig Bionik befasst hat, augenblicklich klar werden. Masselaufwerke wären - wie die Dinosaurier - längst ausgestorben. Masse speichert Schallenergie und gibt diese zeitverzögert wieder ab - Garant für verwaschene Impulswiedergabe, genau wie bei Lautsprechern übrigens auch.
  
Nein, die Natur - da bin ich mir völlig sicher - würde es so lösen wie Funk Firm. Eigentlich hatte ich vor einiger Zeit mit einem Rega Planar 7 geliebäugelt. Und Rega steht bzw. stand für mich in der Klasse bis, sagen wir einmal ca. 4.000 oder 5.000 € mit seinem großen, herrlich unspektakulären Understatement-Spieler Planar 9 völlig konkurrenzlos da. Und auch der "7er" braucht(e) in seiner Preisklasse niemanden zu fürchten - bis der Funk Firm Vector 3 kam. Aber um den geht´s ja erst in meinem übernächsten Post.

1 Kommentar:

  1. Hallo guter Beitrag, hat mir gut gefallen diesen hier zu lesen. Ich persönlich habe auch noch den Thorens TD146 Mk V. Bin immer noch sehr zurfrieden damit. Zwar ein spießiges Gerät, aber war damals ein gängiges Design.

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