Sonntag, 14. August 2011

Audio Note M1 Phono: Die Röhren

Kürzlich habe ich hier bereits in etwas allgemeinerer Form über meinen Audio Note M1 Phono berichtet, jetzt soll es um die Röhren bzw. den Röhrentausch gehen. Der M1 verfügt im Phonozweig über einen Anodenfolger mit der obligatorischen ECC83 und einer 6DJ8 (bzw. ECC88 oder 6922). Dabei fungieren die beiden Triodensysteme innerhalb einer Röhre jeweils für den linken und den rechten Kanal. Es ist also wichtig, unbedingt Röhren mit Symmetrie-Matching zu verwenden, d.h., beide Systeme sollten elektrisch identisch sein (gleiche Emissionswerte, gleiche Steilheit), um die gleichen Bedingungen im linken und rechten Kanal zu generieren. Gute Röhrenlieferanten messen die Emissionswerte und bieten ein Symmetrie-Matching für einen geringen Aufpreis an (=> "Tube-Dealer" in der linken Sidebar dieses Blogs).
    
    
 
Saubere Sache: Trennung des Netzteils von den restlichen Baugruppen durch ein Blech
   
      
 
Phono-Board des M1 mit ECC83 und 6DJ8 als Anodenfolger - hier noch "verkappt"...
 
 
  
...und hier "befreit" - Auslieferzustand mit JAN Philips 6DJ8 und Ei ECC83
 
 
Das Phono-Board sieht zwar nach einer bestückten Platine aus, dennoch handelt es sich - wie im gesamten Verstärker - um Freiverdrahtung (ich glaube, seit 2010 hat AN die M1 freiverdrahtet, früher wurden Platinen eingesetzt). Die Platine hat keine Leiterbahnen, sondern dient nur als Bauteilträger; unterhalb der Platine verlaufen die Käbelchen. Das "aufgestelzte" Phonoboard ist über kleine Gummidämpfer entkoppelt, außerdem werden die Röhren mit kleinen gefederten Alukappen vor Mikrophonieeinflüssen geschützt. Sehr schön, wirken sich doch insbesondere in der empfindlichen Phonosektion Störungen besonders gravierend aus.
 

  
 
Ersetzt: ECC83 von Telefunken statt von Ei (hintere Röhre)
 
   
Bei den Röhren selbst wird gleich deutlich, dass der Vorverstärker ein knallhart kalkuliertes Gerät ist: Zwar ist die 6DJ8 von JAN Philips eine anständige NOS-Type und darf daher bleiben; sie ist auch immer noch sehr gut für unter 30 € beschaffbar. Aber die ECC83 von Ei (Kostenpunkt unter 20 € beim Röhren-Dealer) fliegt raus und wird durch eine Telefunken ersetzt. Leider ist die ECC83 eine derart verbreitete Röhre und wird in so vielen Geräten verwendet, dass die NOS-Ressourcen langsam knapp werden. Daher sind die Preise in den letzten Jahren extrem gestiegen. Für eine Telefunken ECC83 in Top-Qualität zahlt man inzwischen Preise zwischen 60 und 90 € pro Röhre; rational begründbar ist das beispielsweise im Vergleich zur Telefunken ECC82, die es für unter 30 € gibt, kaum. Fairerweise bleibt zu ergänzen, dass es sich bei der ECC82 um einen "NOS-Jungspund" mit Produktionsdatum 1986 handelt (AEG-Telefunken Werk Ulm).
 
 
  
Ausgangs- bzw. Linestufe mit einer Ei ECC82
 
 
 
Jetzt mit Telefunken NOS anstatt der Ei
 
 
Die Ausgangsstufe verfügt nur über eine Röhre; im Auslieferzustand ist es eine Ei ECC82. Diese ist leider nicht wie die beiden Röhren in der Phonosektion mit einer Schutzhülse versehen - das ist unverständlich, würde es doch kaum mehr kosten und wäre nur stringent. Die Telefunken ECC82 kostet beim professionellen Händler gegenüber der Ei ECC82 übrigens keine 10 € mehr - hier wird deutlich, mit welch spitzem Stift kalkuliert wurde. Symmetrierte Systeme sind selbstverständlich auch für die ECC82 der Ausgangsstufe Pflicht.
 
   
   
Das Trio bei der Arbeit
 
 
Unter dem Strich bedeutet der Austausch der ECC82 und ECC83 von Ei gegen NOS-Typen von Telefunken eine Investion von ca. 100 €. Diese macht sich klanglich unbedingt bezahlt! Das Klangbild wird insgesamt kräftiger, erdiger, einfach substanzieller insbesondere im Grundton. Stimmen werden feiner aufgelöst und wirken nicht mehr wie mit den Ei-Röhren tendenziell grobkörnig. Auch feine Becken-Anschläge kommen jetzt feiner aufgelöst und silbriger daher, Details werden einfach deutlicher herausgearbeitet und nuancierter gestuft. Wer also die Anschaffung eines Audio Note M1 Phono ins Auge fast, der sollte gleich ca. 5% zusätzliches Budget für anständige NOS-Röhren einplanen. Der M1 hat die Qualitäten, die Unterschiede deutlich hörbar werden zu lassen und belohnt den Hörer überproportional für diese Investition. Ok, im Zweifelsfall ist nach dem Röhrentausch die Garantie futsch, darauf sollte man sich einstellen.
     
   

Für dieses Quartett kann man sich locker einen Audio Note M1 Phono kaufen...
 
 
Und wer zufällig irgendwo noch eine Telefunken ECC803S rumfliegen hat, darf die natürlich auch gerne in die Phonosektion stöpseln, auch wenn deren Kurswert im Verhältnis zum Preis für den M1 Phono etwas abenteuerlich anmutet...
 
Weitaus günstiger zu haben, aber allemal einen Versuch wert: die 5751 von GE als Ersatz für die Telefunken ECC83 in der Phonostufe. Sie hat zwar nur ca. 70% Gain der ECC83, funktioniert aber prima; der Klang ist nicht ganz so griffig druckvoll, dafür aber etwas feiner und farbiger. Geschmackssache!
 
 

 
GE 5751 als Ersatz für die ECC83
  
Crosslinks:

1 Kommentar:

  1. Hi,

    der Unterschied im Klang für die 5751 könnte auch daher rühren, dass oft in der Schaltung der Ausgangswiderstand Bestandteil der RIAA ist. Ich weiss nicht, ob das bei der M1 auch der Fall ist. Die 5751 hat nämlich ein geringes Ra als die ECC83.

    Gruß,
    Bernd

    AntwortenLöschen