Samstag, 27. August 2011

Kleine Helferlein von Ortofon: Wasser-Libelle und Tonarmwaage

Das mit der Plattenspieler-Justage und mir ist so eine Art Hass-Liebe: Untergrund "ins Wasser" bringen, Plattenspieler waagerecht aufstellen, Tonarmhöhe einstellen, Arm ausbalancieren, Tonabnehmer-Justage (zig verschiedene Schablonen - ganz furchtbar!), Azimut, VTA, Auflagekraft, Drehzahl prüfen, und, und, und,... Mal ganz ehrlich: Wer sich das alles freiwillig antut, der sollte über viel Geduld, Langmut und Leidensfähigkeit verfügen. Allein - was nützt es? Musik-Server, CD-Spieler & Co. sind zwar bequem und komfortabel, klanglich für mich aber keine adäquate Alternative zu Vinyl.
 
Heutzutage werden Plattenspieler glücklicherweise i.d.R. vom Werk aus mit einem vormontierten und (hoffentlich) genau justierten Pick-up ausgeliefert, so dass diese "Quasi-Plug-and-Play-Pakete" nur noch eines vergleichsweise geringen Justageaufwands bedürfen.
     
 
Wasser-Libelle und Tonarmwaage von Ortofon
     
Essentiell ist die waagerechte Aufstellung des Plattenspielers. Für die Kontrolle eignet sich die kleine Wasser-Libelle von Ortofon aus transparentem Acryl, welche zur Nivellierung des Plattenspielers auf dem Chassis positioniert wird, auf welchem der Tonarm montiert ist (nicht auf dem Plattenteller!). Diese gibt es in diversen Online-Shops bereits für ca. 8 €. Es gibt auch Wasser-Libellen anderer Hersteller für deutlich über 50 € - diese mögen aus Edelstahl, vergoldet und sonstwas sein, genauer messen sie aber auch nicht.
 
Die Messung auf dem Plattenteller kann gerade bei Funk Firm schnell zu einer völlig falschen Justage führen - der "taumelnde" Plattenteller stabilisiert sich in der Horizontalen durch sein Kreiselprinzip erst im Betrieb, außerdem soll ja die Tonarmachse lotrecht ausgerichtet werden.
     
   
Alles im Lot
    
Für die Kontrolle der Auflagekraft verwende ich eine ziemlich simple Waage von Ortofon (ca. 9 € im Online-Shop), die nicht mehr darstellt eine eine Kunststoffwippe mit Gegengewicht und logarithmischer Skalierung. Die Auflagekraft wird ja sowieso über die Skala am Tonarm voreingestellt - bei Rega-Armen z.B. stimmt diese nach meiner Erfahrung ziemlich genau.
  
 
Waage und Tonabnehmer bilden "eine Flucht"
   
Die empfohlene Auflagekraft des Herstellers umfasst meistens eine Spanne, deren mittlerer Wert die Ausgangsgröße für die Justage bildet. Die Waage dient lediglich der Kontrolle dieses Wertes, indem der Tonarm gesenkt und die Nadel in eine kleine Nut geführt wird. Danach wird der Plattenteller minimal so lange bewegt, bis die "Wippe" waagerecht ausgerichtet ist. Der dann abgelesene Wert entspricht der Auflagekraft, wobei die Skalierung in Fünfer-Schritten natürlich etwas grob ist. Klar, das ist nicht super-genau, aber auf +/- 1 mN genau lässt sich die Auflagekraft schon einstellen - völlig ausreichend. Schließlich wird die finale Auflagekraft sowieso nach Gehör eingestellt.
   
   
"Schätzeisen" von Ortofon
   
Diese simple Tonarmwaage ist also eher eine Art "Schätzeisen" - aber lassen wir die Kirche im Dorf: Wer, um Himmels Willen, braucht eine digitale High-End-Tonarmwaage für 300 € mit einer Einstellgenauigkeit von 0,2 mN, wenn die exakte Auflagekraft doch sowieso nach Gehör eingestellt wird?!
 
Diese beiden Helferlein von Ortofon kosten zusammen keine 20 € und reichen - zumindest für mich - für (fast) alle Plattenspieler-Lebenslagen.

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