Dienstag, 13. September 2011

Hochwirkungsgradlautsprecher: Offenes Gehäuse mit Seas FA22RCZ - Messungen

Zur Weiterentwicklung der "Breezer" aus K+T hatte ich ja bereits Einiges auf meinem Blog geschrieben. Allerdings bin ich bislang noch Messungen schuldig geblieben welche darlegen, wie sich die diversen Änderungen gegenüber dem Ursprungsdesign auswirken.
 
Nun ist mir Christian zuvorgekommen, der - nachdem wir uns im Vorwege intensiv ausgetauscht hatten - die meisten der von mir empfohlenen Änderungen umgesetzt, seinen Lautsprecher in seinem Hörraum gemessen und mir die Ergebnisse zur Verfügung gestellt hat (danke!).
 
 
  

Wie auf den Bildern oben gut zu erkennen ist, hat Christian seine Lautsprecher auf Möbelfüße gestellt und auf Gehrung gesägtes Birkenmultiplex (anstatt Fichte) bei einer Gehäusebreite von 38 cm verwendet. Dadurch ist das Innenvolumen etwas geringer als bei mir (bei gleicher Gehäusehöhe von 115 cm).
   
Viel wichtiger als geringe bauliche Unterschiede hier und da ist eine kurze Beschreibung der Hörraum- bzw. Messsituation: 3,90 m Raumtiefe, 3,13 m Raumbreite, Position der LS an der kürzeren Seite unter einer Dachschräge. Abstand des auf Ohrhöhe befindlichen Mikrophons Behringer ECM8000 (unkalibriert, Standard-Korrekturkurve in Carma) auf der Hörposition ca. 2,90 m von den LS entfernt. Die Seitenabstände der Boxen zu den Wänden sind aufgrund der Möblierung unterschiedlich.
     
 
Frequenzschrieb oben: Abstand zur Rückwand 10 cm; blau = linke Box, rosa = rechte Box (Boxen noch ohne innere Bedämpfung)

 
Frequenzschrieb oben: Abstand zur Rückwand 23 cm; blau = linke Box, rosa = rechte Box; gelb = auf 13 cm korrigierter Abstand der rechten Box zur Rückwand (Boxen mit innerer Bedämpfung durch Bondum 800, Boxenposition im Vergleich zur ersten Messung insgesamt ca. 15 cm weiter rechts)
    
Wesentliche Erkenntnisse aus den Frequenzgangmessungen oben sind, dass der Hörraum sowie die Aufstellung der Lautsprecher einen riesigen Einfluss auf das Gesamtergebnis haben. Das ist keine neue Erkenntnis, fürwahr - dennoch wird deutlich, dass das letzte Quäntchen Frequenzganglinearität bei Lautsprechern völlig irrelevant ist und "zu Tode linearisierte" Lautsprecher Unfug sind. Ein im sterilen Messraum auf das letzte Dezibelchen glattgebügelter Frequenzgang nützt mir in "freier Wildbahn" im Hörraum ggf. gar nichts.
 
Weiterhin finde ich die untere Grenzfrequenz von um und bei 40 Hz außerordentlich bemerkenswert, selbst wenn hier angeregte Raumresonanzen eine Rolle spielen mögen. Schließlich bleibt festzuhalten, dass sich der gemäß Messschrieb des Treibers und für Breitbänder typische zu erwartende Anstieg im Hochton in der Praxis nicht einstellt. Etwas außerhalb der direkten Treiberachsen laufen gerade 20cm-BB oft erstaunlich linear.

Kommentare:

  1. Hmm, interessantes Design :) Komplimente für die tolle Arbeit!
    LG, Lina

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  2. Hallo Lina,

    Ehre, wem Ehre gebührt: diesen LS habe ich nicht gebaut, sondern Christian!

    Gruß,
    Carsten

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  3. Hallo Carsten,

    nachdem jetzt doch schon ein paar Jahre ins Land zogen, würde mich doch ein Fazit interessieren:

    1. Du hast ja mit Weicholz gearbeitet und Chiristian mit Hartholz. Gab is da hörbare Unterschiede?

    2. Abweichend vom Original-Bauplan hattest du die Gehäuse 10 cm (?) höher geplant. Hat sich das hörbar gelohnt?

    3. Was habt Ihr sonst noch für Änderungen über die Jahre einfließen lassen?


    Schon mal vielen Dank und Gruß

    Harald

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    1. Moin Harald,
      nimm´ Birke Multiplex, das funktioniert am besten. Und ja, 10cm zusätzliche Höhe "lohnen" sich (wenn auch nur minimal). Ich habe das Gehäuse so wie hier beschrieben gebaut und auch in Birke MPX in Originalabmessungen, wechselweise mit dem Seas FA22RCZ und dem Seas Exotic F8 X1-08 in Betrieb.
      Optimal wäre demnach tatsächlich das höhere Gehäuse in MPX.
      Man muss da aber keine Wissenschaft draus machen. Weitere Änderungen habe ich nicht mehr ausprobiert.

      Gruß
      Carsten

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  4. Hallo Carsten,

    die Gehäusegrößen der Breezer-Bauvorschläge irritieren mich.
    Wenn ich mir die Gehäuse von Christian anschaue (die Draufsicht),dann hat er doch offensichtlich ein gleichschenkliges Dreieck als Bauform genommen.
    Wenn dem so ist, dann beträgt die Gehäusetiefe ja nur 19 cm und das Innenvolumen liegt weit unter 40 Liter. Der Messschrieb bei 40 Hz ist dann noch mehr
    erstaunlicher. Täusche ich mich hier ?

    Gruß Roman

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  5. Hallo Roman,

    Gehäuse sollte gleichseitig sein - muss er aber selber beantworten. Messschrieb um 40 Hz werden angeregte Raummoden sein.

    Gruß, Carsten

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    1. Danke für die Info, Christian

      Werde die Breezer mit 37cm gleichen Seiten in Birke Multiplex bauen.
      Mein letztes Bauprojekt(Cobra-Hörner)kann ich in meinem "Musikzimmer" im Dachgeschoss an meiner SE 300B-Anlage nicht nutzen, da durch die Bassabstrahlung der Holzbalken-Fußboden mitschwingt und es zu Dröhneffekten kommt - soviel zu angeregten Raummoden. Hoffe, das ich dieses Problem mit den Breezern nicht bekomme.

      Gruß Roman

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    2. Hallo Roman,

      ich habe mir im Mai 16 die Breezer mit den Seas gebaut. Bei den Gehäusen hatte ich mich - dank Carstens Rat - einfach an die Originalmasse gehalten. Auf Dämmung / Dämmversuche und Sperrkreise wurde verzichtet, weil ich die Dinger so wie sie sind sehr gerne höre. Seit die Breezer vor sich hin dudeln, sind unsere anderen Lautsprecherpaare nicht mehr zum Einsatz gekommen (immer mal wieder kurz zum Vergleich und dann sofort zurück), aber - und deswegen antworte ich hier - sei vorsichtig mit dem Baß. Die Kisten wummern ordentlich und es kann bereits auf normalem Parket zu Dröhneffekten kommen. Das bekommt man z. B. mit jeweils einem Kissen gut in den Griff, aber wissen sollte man es vor dem Bau. Unter dem Strich kann ich Dir diese Boxen nur wärmstes ans Herz legen.

      Gruß Harald

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