Mittwoch, 26. Oktober 2011

Raytheon 2A3H Monoplate - primus inter pares

Es hat mich viel Zeit gekostet, endlich ein gematchtes Pärchen der Raytheon 2A3H Monoplate zu ergattern - schließlich musste ich mich in Ermangelung eines adäquaten Angebots am Markt auf die Suche nach zwei einzelnen Röhren machen (eine davon fand ich bei einem kleinen, feinen Röhrenhändler in einer längst vergessenen Ecke dieser Welt in einer verschollen geglaubten Röhren-Kiste in einer jahrelang unberührten Ecke seines Lagers...). Im Vergleich zur 2A3H gibt es die "normalen" 2A3 Monoplates wie Sand am Meer!



Links gut sichtbar die drei einzelnen "Röhrchen", welche die Anodenblechhälften formen; rechts gut zu erkennen, dass eine der beiden Röhren zusätzliche Kühllamellen auf dem Anodenblech besitzt
 
Das besondere an der 2A3H ist, dass sie die einzige indirekt geheizte 2A3 ist - alle anderen 2A3, ob als Monoplate oder Dualplate, sind direkt geheizte Trioden. Bei der 2A3 ist die Wechselstromheizung die Regel -  das hat einerseits zur Folge, dass die Temperatur der kathodischen Emissionsschicht marginal im Takt der Wechselspannung schwankt und damit schwankt auch ihre Emissionsfähigkeit. Andererseits schwanken auch Anodenspannung bzw. Anodenstrom. Folge ist das typische 50Hz-Brummen, welches sich durch oft bei 2A3-Verstärkern vorhandene Symmetrierpotis (Symmetrierung der Heizspannung) reduzieren lässt. Ganz weg bekommt man es allerdings nie, und je höher der Wirkungsgrad eines Lautsprechers ist, desto deutlicher ist das Brummen ohne Musiksignal zu hören. Mich hat es nie gestört; gleichwohl gibt es deutliche Unterschiede bzgl. der Ausprägung des Brumms zwischen den unterschiedlichen 2A3-Derivaten.

Bei indirekt geheizten Trioden - wie der 2A3H - ist die Kathode im Prinzip als metallisches Röhrchen ausgeführt. Die Heizung ist hier von der Kathode entkoppelt - damit entfallen die vorgenannten Nachteile der direkten Heizung. Kehrseite der Medaille: ein etwas geringerer Wirkungsgrad - was soll´s.
 

Die Raytheon 2A3H wurde nur einige Jahre lang in den 1930er Jahren gebaut, daher ist diese Röhre so extrem selten. Sowohl Raytheon als auch National Union (NU) haben diesen Röhrentyp gebaut, wobei bei den 2A3H von NU im Unterschied zu denen von Raytheon eine Seite des Anodenblechs als Kreisbogenausschnitt geformt ist. Eine "Standard"-2A3 kann durch eine 2A3H substituiert werden und hat grundsätzlich identische elektrische Spezifikationen.


Leider ist die Garantie schon 75 Jahre abgelaufen...
Garantie-Label als Indiz für eine Produktion vor Mai 1936

   
Gerüchten zu Folge werden dieser Röhre ja geradezu sagenhafte, magische Klangeigenschaften nachgesagt - ich räume ein, dass mich das neugierig gemacht hat; einen echten Maniac lässt sowas natürlich nicht kalt.

Im Betrieb produzieren die Raytheon 2A3H tatsächlich - wie durch die indirekte Heizung zu erwarten war - signifikant weniger Brumm und Störgeräusche als jede andere mir bekannte 2A3. Dadurch hat sie eine extrem niedrige "Störgeräusch-Grasnabe", welche potenziell feinste Klangstrukturen verdeckt bzw. überlagert. Die 2A3H spielt locker auf allerhöchstem 2A3 Monoplate-Niveau verbunden mit dem Vorteil, ganz leise Signale wie Anblasgeräusche oder das Wischen von Fingern über Gitarrensaiten noch besser zu artikulieren. Zudem scheint diese Röhre vor Kraft nur so zu strotzen, jeder Ton scheint eine Extraportion Energie mit auf den Weg zu bekommen; ein Charakterzug, der meiner Erfahrung nach typisch für alle Raytheon 2A3 ist, insbesondere auch für die Raytheon 2A3 mit Doppelkasten-Anode. Alle weiteren Ausführungen zum Klang erspare ich mir, da die Suche nach geeigneten Superlativen doch ermüdend wird. Es sind schlicht die besten 2A3, die ich je gehört bzw. in meine Uchida gesteckt habe.
 



Auf dem Sockel der rechten Röhre fehlt das "H" - womöglich ein Indiz für das Produktionsjahr(?)

Ich lasse diese Röhren jetzt also in den Sockeln meiner Endstufe festkorrodieren und werde sie, bis die Kathoden ihr letztes Elektron "ausgehaucht" (emittiert) haben, laufen lassen; Tube Rolling finde ich ab jetzt langweilig, habe ich beschlossen.
 
Wird dieser Blogbeitrag nun dazu beitragen, den Kultstatus dieser Röhre zu mehren und die Preise weiter in die Höhe zu treiben? Womöglich. Wäre es daher nicht klüger gewesen zu schweigen, diese Röhre einfach nur zu geniessen und unbehelligt weitere 2A3H aufzutreiben? Bestimmt. Andererseits - vielleicht fühlt sich der eine oder andere Leser ja bemüßigt, mir seine 2A3H zum Kauf anzubieten - zum Freundschaftspreis, versteht sich. Im Impressum finden sich meine Kontaktdaten...

1 Kommentar:

  1. Hallo Carsten,

    Schöner Artikel! Jetzt wäre es natürlich interessant herauszufinden, welcher Apsekt den besseren Klang der 2A3H in Deiner Endstufe ausmacht.

    Ist es der geringere Brumm? Oder die veränderten Eigenschaften da die Röhre indirekt geheizt ist?

    Falls ersteres, wäre ein Vergleich zu einer DC geheizten 2A3 interessant, richtig ausgeführt hat diese keine klanglichen Nachteile. DC geheizt kann man eine 2A3 absolut brummfrei bekommen. Allerdings bedeutet das ziemlichen Aufwand in Form drosselgesiebter Heizspannungen, was kaum jemand macht.

    Bei der 2a3H ist die Kathode intern mit dem Mittelpunkt des Heizfadens verbunden. D.h. das Signal muss nach wie vor durch die mit der 50Hz Wechselspannung überlagerten Heizfäden und durch das Entbrummpoti und/oder den Heiztrafo zum Kathodenwiderstand und nach Masse. Das schöne bei indirekt geheizten Röhren ist aber, dass man das Signal direkt an den Kathodenwiderstand leiten kann. Geht leider bei der 2A3H nicht.

    Da wäre eine günstig zu bekommende Alternative die 6A5, das ist eine indirekt geheizte 6A3. Hier ist der Heizfaden intern zwar auch noch mit der Kathode verbunden. Die ist aber zusätzlich zu einem Sockelpin rausgeführt. Die 6a5 hat einen Oktalsockel. Hier könnte also auf das Entbrummpoti im Signalweg gänzlich verzichtet werden. Die höhere Heizspannung von 6,3V macht nichts aus, die kann man absolut brummfrei haben, ohne Entbrummpoti. Die 6A5 erfordert allerding entsprechende Modifikationen am amp.

    Interessant wäre auch wie die Kennlinien so einer 2A3H im Vergleich zu einer herkömmlichen 2A3 aussehen.

    Viele Grüße

    Thomas

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