Samstag, 3. Dezember 2011

Follow-up: Röhrenvorverstärker Wall Audio Opus 88

Nach dem "Warm-up" jetzt das "Follow-up": Nachdem der Opus 88 von Wall Audio einige Zeit in meiner Kette gelaufen ist, gibt es hier nun weitere Infos. Das Gerät kostet 3.600 € und hat eine Lieferfrist von zwei bis drei Wochen. Das Schöne: Auf Anfrage bietet Wall Audio auch NOS-Röhrensätze für das Gerät an. Da ich persönlich an dem mir zur Verfügung gestellten Gerät nicht "rumfummeln" wollte, habe ich auf das Einstöpseln eigener NOS-Röhren verzichtet und es mit dem ausgelieferten Röhrensatz betrieben (EH, JJ, Tesla).
  
Der bereits zuvor erwähnte Hi-Z Output, der eine Anpassung an die Eingangsempfindlichkeit der Endstufe erlaubt (vor allem bei SET interessant), wird über das Lautstärkenpoti geregelt. Ich habe allerdings den (nicht regelbaren) Lo-Z Output genutzt und die Anpassung über die Potis an meiner Uchida vorgenommen.
   
   
Phonoboard:
Die MM-Eingangsimpedanz beträgt praxisgerechte 47 kOhm bei 2,5 mV max. Output. Wall Audio bietet aber Stecker für die "Load"-Buchsen mit verschiedenen Widerständen zur Anpassung des MM-Eingangs an. Ich habe meinen Funk Firm Vector 3 mit dem Ortofon OM 40 Super problemlos ohne weitere Anpassung direkt an den MM-Eingang angeschlossen.
 
Der MC-Gain beträgt 0,25 mV max. Output bei einer Eingangsimpedanz ab 3 Ohm. Die im MC-Zweig vorhandenen Übertragerdosen haben ein Verhältnis von 1:10.
 
  
Glühendes Quartett, von links nach rechts: Gleichrichter EZ80, nachfolgend DC-Stabilisator mit 6C19P (Leistungstriode), EF80 (Gleichspannungsverstärker), ECC83 (Referenzspannung, Fehlerkorrektur).
 
 
Schön: EF80
 
Nach dem Einschalten sind die Ausgänge zunächst noch stumm, ein Lämpchen auf der Front signalisiert das ca. 30 Sekunden dauernde "Muting", in der sich die Röhren zuerst "akklimatisieren" und ihre Kathoden in Ruhe vorheizen dürfen - Röhren schonend!
 
Das ausgelagerte Netzteil macht sich positiv bemerkbar, es gibt nicht das geringste Trafobrummen, alles ist mucksmäuschenstill - sehr gut! Im Leerlauf ist weiterhin zu konstatieren, dass das Rauschniveau sehr niedrig ist.
   
     
Röhren-Romantik...   
 
     
...aber bei Licht sieht man besser!
   
   
Hochwertige Bauteile: 1:10 MC-Übertrager, Mundorf Caps, Oil Caps
 
Nach ca. 20 Stunden war das frisch gefertigte Gerät einigermaßen eingespielt und die Röhren eingebrannt. Hauptcharaktereigenschaft des Opus 88 ist nach meinem Eindruck eine stark ausgeprägte Neutralität. Das gesamte Frequenzspektrum wird homogen beackert, gleichwohl ist es tendenziell etwas heller ausgeleuchtet als beispielsweise bei Audio Note-Vorverstärkern (M1, M2), die dafür einen latent etwas fett(er)en Oberbass bieten. Geschmackssache!
 
Feinste klangliche Verästelungen und Details werden sehr präzise wiedergegeben, ohne überanalytisch daherzukommen. Dabei baut der Opus 88 das Klangbild nicht unbedingt aus der Mitte heraus auf. Im Keller überzeugt ein substanzieller, dennoch klarer und präziser Bassbereich. Rhythmusgefühl, Tempo - alles passt! Stimmen kommen gut durchhörbar und fein aufgelöst, dabei ohne klebrigen Zuckerguß. Weiter möchte ich meine Klangbeschreibungen gar nicht ausführen: Sie sind grundsätzlich stets subjektiv und stark von der eigenen Kette, dem Hörraum und der gespielten Musik geprägt bzw. abhängig. Mir hat der Opus 88 jedenfalls außerordentlich gut gefallen.
 
Mit dem Opus 88 kommt endlich einmal wieder ein "richtiger" Vorverstärker daher - nämlich einer mit (klasse) Phonoteil. Ich kann reinen Hochpegelvorverstärkern rein gar nichts abgewinnen und nicht verstehen, warum manche Hersteller überhaupt auf ein Phonoteil verzichten. Zudem tummelt sich der Opus in einer preislich attraktiven Klasse, in dem es nicht viele vergleichbare Geräte gibt.
  
Von mir gibt´s für den Opus 88 jedenfalls eine dicke Empfehlung. Jeder, der auf der Suche nach einem Vorverstärker bis ca. 5.000 € ist, für den ist die Inaugenscheinnahme des Opus 88 Pflicht! Herr Andreas Wall ist übrigens ein sehr freundlicher, rühriger Durchblicker seines Fachs, der mir viele interessante Infos und Einblicke in sein Gerät gewährte und dem ich dafür an dieser Stelle besonders danken möchte.

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