Sonntag, 30. Januar 2011

Nachschlag: Open Baffle mit Ciare CH250

In meinem Post "Open Baffle mit Ciare CH250" habe ich die Verwendung einer relativ simplen Schallwand vorgestellt (http://2a3-maniac.blogspot.com/2011/01/open-baffle-mit-ciare-ch250.html). Eine kurze, interessante Ausführung bzw. Erläuterung zur Historie dieser Schallwand, die ich freundlicherweise von Herrn Keith Aschenbrenner / Auditorium 23 erhalten habe (http://www.auditorium23.de/), möchte ich Ihnen nicht vorenthalten:

Herr Isao Imamura (Roiene, Japan) hat dem Auditorium 23 vor etwa 20 Jahren (also ca. Anfang der 1990er Jahre) die Pläne zu dieser Schallwand geschickt, die später (ab etwa 1996) auch den PHY-Freunden beim Kauf des Salabert-Treibers PHY-HP H 21 LB 15 als Selbstbauvorschlag mit an die Hand gegeben wurden. Diese Pläne waren entweder aus MJ-Stereotechnik Japan oder Stereo Sound Japan, hatten Wechselrahmen und wurden damals seitens des Verlages zum Beurteilen von Lautsprechern unterschiedlicher Hersteller benutzt, so z.B. auch für die Treiber DX200 und RA160 von Isao Imamura.
  
  
  
Open Baffle mit Breitbänder Ciare CH250
  
  
    
Schallwand-Pläne aus dem Internet; aufgrund der weiten Verbreitung im Netz ist die ursprüngliche Quelle nicht mehr zuzuordnen
    
  
Auch heute findet man immer wieder in aktuellen Heften von Stereo Sound diese Schallwand, die durchs Internet schnell in aller Welt Verbreitung fand. Diese "Gehäuse"-Idee geht zurück auf Darstellungen in alten Büchern von Biggs, welche in abgewandelter Form in Stereo Sound wieder aufgegriffen wurden.

Samstag, 29. Januar 2011

Bericht von fairaudio.de über Ulf Moning / Dynamikks!

Tja, ich glaube es ist an der Zeit, dass ich mich als Fan von Ulf Monings Lautsprechern bekenne. Kürzlich erschien auf fairaudio.de ein toller, sehr lesenswerter Bericht ("Mit ordentlich Fleisch") über Ulf Moning / Dynamikks!, direkter Link: http://www.fairaudio.de/artikel/2010-interviews/interview-dynamikks-ulf-moning-1.html

Ich selbst habe in der Vergangenheit bereits die Moning´schen Lautsprecher Dynavox 2.0, Dynavox 2.1 und das UniQorn besessen (damals noch vertrieben via "MusicConnection") - und ärgere mich bis heute, die 2.1 verkauft zu haben...

In einigen Telefonaten habe ich Ulf Moning kennen gelernt als straighten "Überzeugungstäter", als jemanden, der durch die Umsetzung eigener Ansätze und durch das Verlassen ausgetretener Pfade wie kein anderer in der Lage ist, exzellente Lautsprecher zu bauen. Auch die Dynamikks! db8 und die Imperial habe ich vor einigen Jahren mit meinem damaligen Verstärker (More Fidelity Musiqa, siehe untere Bilder) hören dürfen und war schlichtweg begeistert. Ich bin überzeugt, dass Ulf Moning gar keine schlechten - nicht einmal mittelmäßige -  Lautsprecher bauen "kann". Er ist eigentlich der einzige Hersteller, von dem ich mir "blind", d.h. ohne vorheriges Hören, jeden Lautsprecher kaufen würde.




Selige Zeiten (ca. 2007): Meine damalige Kette, bestehend aus Dynavox 2.0 und More Fidelity Musiqa No. 1, No. 2 und No. 3


Eine Besonderheit seiner Lautsprecher scheint zu sein, dass auch die größeren Modelle - damit meine ich z.B. die Imperial oder die Soundmaster - gut mit Trioden harmonieren. Das ist insofern erstaunlich, als zwar deren Wirkungsgrade zwischen 97 und 100 dB/W/m liegen und damit formal ideal für Trioden erscheinen, doch sowohl das Altec Lansing 604-L Duplex (Imperial) als auch das BMS 15CN682D (Soundmaster) haben 38er-Bässe mit entsprechenden Rückinduktionen über die Schwingspulen. Bei den mickrigen Dämpfungsfaktoren von SET müsste der Bass eigentlich "versumpfen" - tut er aber nicht! Wer solche Lautsprecher baut - erfrischend weit entfernt vom glattgebügelten Slimline-Mainstream - der hat einen Platz ganz oben in der Hall of Fame des Lautsprecherbaus verdient. Ich glaube, die Dynamikks! db8 wird doch noch mal ein Thema für mich... Oder kennen Sie in dieser Preisklasse einen besseren Lautsprecher? Eben, ich auch nicht. Oder einen anderen Hersteller, der cool genug wäre, eine 1,5 Watt SET an einen Lautsprecher wie den Monitor 10.15 zu hängen (siehe Bericht fairaudio.de)...?!
(Link zu Dynamikks!: http://www.dynamikks.com/)

30. Januar 2011: Nachschlag zu SET vs. 38er-Bässe
Wenn z.B. ein  20 cm Chassis einen gleich starken Antrieb wie ein 38er Chassis hat, dann macht der 38er bei gleicher Lautstärke weniger Hub als das kleinere Chassis und erzeugt damit weniger EMK. Daher liegt eigentlich auf der Hand, dass Trioden durch das 38er Chassis (bei ungefähr gleich starkem Chassis-Antrieb) weniger Belastungen durch Rückinduktionen erfahren und SET in einem solchen Umfeld ob ihres fast nicht erwähnenswerten Dämpfungsfaktors sogar bessere Arbeitsbedingungen vorfinden.

Bereits an anderer Stelle hatte ich behauptet, dass sogar die 2A3 durchaus Tiefbassfähigkeiten besitzt - dass aber, sagen wir mal, eine McIntosh 275 diesbezüglich im direkten Vergleich zur 2A3 SET wie ein Dampfhammer anmutet, dürfte auch klar sein.

Zeigt eine SET mit einem Lautsprecher trotz hohen Wirkungsgrades "sumpfige" Tendenzen, liegt das meistens am (zu) komplexen Weichenaufbau und an ungünstigen Impedanzverläufen.

Ich danke Ulf Moning an dieser Stelle für seine ergänzenden technischen Erläuterungen, die ich hier als "Nachschlag" mit eigenen Worten wiedergebe.

Donnerstag, 27. Januar 2011

Triodenpower: 82 Trioden-Watt mit der russischen Pentode GU-81M


Eher zufällig bin ich kürzlich über die Website http://www.triodenpower.de/ von Jörg (Yogi) Gerigk gestoßen. Was ich dort zu sehen bekam, hat mich, der zwischen 2,3 und 7 Trioden-Watt "unterwegs" ist, vor Neid erblassen lassen: Eine DIY-Endstufe mit der russischen Pentode GU-81M in "Pseudotriodenschaltung" mit (momentan noch) 82 Watt in Class A - nach der noch anstehenden Optimierung des Leistungstreibers sollten es ca. 100 Watt Class A sein.

Als Treiberstufe kommen zwei 6L6 WGC zum Einsatz, die ihrerseits von einer ECC84 in SRPP-Schaltung angefahren werden. Außerdem setzt er ein Schaltnetzteil ein.

Nach kurzer Kontaktaufnahme mit "Yogi" freue ich mich, von ihm die Freigabe zur Präsentation in meinem Blog bekommen zu haben und stelle hier und in der Bildergalerie nun einige Bilder der – für meinen Geschmack wunderschönen und beeindruckenden - Endstufe vor:







Außerdem betreibt er ein nicht weniger beeindruckendes "Sato-Horn":




Weitere (technische) Informationen und natürlich noch mehr Bilder gibt´s auf seiner vorzüglich gestalteten, übersichtlichen Website (Link oben im Text und in meiner Linkliste in der Sidebar). Danke nochmal, Jörg, und viel Erfolg beim Feintuning der GU-81M!

Triodenpower ist durch nichts zu ersetzen - außer durch noch mehr Triodenpower…

Mittwoch, 26. Januar 2011

2A3 Vacuum Tube Review: Ergänzungen – 2A3W, 2A3H und andere Monoplates

Da es für den Leser sicherlich ermüdend wird, weitere 2A3 vorgestellt zu bekommen, im Folgenden noch einmal das Gesamt-Ranking der vorgestellten Röhren mit ergänzenden Anmerkungen.

2A3-Ranking:
Fivre 2A3 Monoplate ..................................................................100/100
Fivre 2A3 Black Plate ................................................................. 98/100
KenRad 2A3 Dual Monoplate .......................................................... 97/100
Raytheon 2A3 Doppelbox-Anode ..................................................... 96/100
Sylvania 2A3 Dual Monoplate ......................................................... 96/100
Sylvania 2A3 Black Plate .............................................................. 93/100
RCA Radiotron CRC 2A3 Black Plate ................................................. 92/100
Marconi 2A3 Black Plate .............................................................. 88/100
Sovtek 2A3 ............................................................................. 84/100

Es fällt auf, dass die Dual Monoplates klanglich sehr nahe an die Monoplates heranreichen. Hingegen ist der "Sprung" zwischen (Dual) Monoplates und den "Standard"-2A3 etwas deutlicher. Als Ausnahme ist die Fivre 2A3 Black Plate zu nennen. Diese Einordnung von mir ist natürlich höchst subjektiv – ich warte schon wieder auf die Unkenrufe, bei den genannten Röhren könne man keine Unterschiede hören… Und in der Tat geht es hier ja auch nicht um Welten, sondern um Nuancen.

Deshalb ordne ich noch schnell ein paar andere gängige Typen dem o.g. Ranking zu, um endlich einen Deckel auf dieses Thema zu setzen. 2A3 von National Union beispielsweise tendieren in Richtung KenRad, Tung-Sols sind dem Charakter nach ähnlich den Sylvanias, eine 2A3 von Westinghouse ist vergleichbar mit Marconi.

2A3W und 2A3H
Es gibt noch einige 2A3-Exoten, die ich hier kurz vorstellen möchte. Zunächst einmal die recht rare 2A3W von National oder Sylvania:




Oder die 2A3H von Raytheon:
 


 
 
Um die Raytheon 2A3H ("H" wie "high power") findet momentan ein ziemlicher Hype statt (jetzt weiß ich auch, wofür das "H" wirklich steht), es scheint fast, als würde hier die nächste Sau durch´s Dorf getrieben… Die 2A3H hat drei parallele Kathoden, die alle separat von einem Anodenblech umschlossen werden. Klanglich angeblich eine Offenbarung, gehen solche Pärchen in der Bucht (USA) derzeit zwischen 1.400 und 2.000 $ über die Ladentheke. Puh!

2A3 Monoplates
2A3 Monoplates wurden originär von RCA, Tung-Sol, Sylvania, Arcturus, National Union, KenRad und Fivre hergestellt. Marken wie Philco, Silvertone, Lafayette, Triad, Canadian GE oder UX sind "rebranded".



Von links oben nach rechts unten: Arcturus, Canadian GE, Fivre, Sylvania, Silvertone, UX, RCA Cunningham, Tung-Sol


Und bevor mich jetzt niemand mehr ernst nimmt und glaubt, ich würde meinerseits ein Riesen-Bohei um die 2A3 machen, insbesondere um die Monoplates, dem möchte ich folgenden gut gemeinten Rat geben:

Kaufen Sie sich ein Pärchen "Standard" NOS 2A3 in erstklassiger Qualität für ca. 250 – 300 € und investieren das gegenüber einer Monoplate virtuell gesparte Geld in Tonarm oder Tonabnehmer. Das bringt klanglich (abhängig von Ihrem derzeitigen System natürlich) einen Riesenschritt, während der Benefit 2A3 Monoplate versus 2A3 Standard im Vergleich dazu eher marginal ausfällt…

Dienstag, 25. Januar 2011

Review 9/9: Fivre 2A3 Monoplate - die Königin

Monoplate...?
      

Monoplate!
   

Fivre 2A3 Monoplate



Die Fivre 2A3 Monoplate ist - im Gegensatz zu anderen 2A3 Monoplates wie z.B. von RCA, Arcturs, Silvertone, etc. - fast unmöglich zu beschaffen. In den USA werden, wenn überhaupt einmal angeboten, absolute Fantasiepreise aufgerufen. Selbst in Italien muss man schon lange und intensiv suchen, um mal ein Pärchen aufzustöbern; Preise zwischen 800 und 1.200 € gelten als fairer Deal für ein gutes Pärchen.


Das Daum des Prüflabels (21.9.1939) indiziert das Produktionsdatum.


Recht gut zu erkennen: der Aufbau der Triode.




Der Klang
Der Klang ist pure Magie. Diese Fivre fördert eine Flut feinster Details und Nuancen ans Tageslicht wie keine andere mir bekannte 2A3; als Vergleich ziehe ich hier die mir bekannten (aber leider nicht im Besitz befindlichen) Monoplates von RCA und Sylvania heran. Wäre die Fivre eine Frau, sie wäre unerhört elegant, romantisch, wunderschön und hätte einen atemberaubenden Augenaufschlag. Mit spielerischer Anmut öffnet sie das Tor zum Wesen der Musik und dem Hörer das Herz. By the way: Gegen so viel Feinsinn wirkt jede 300B wie ein wütender Schmied mit Thors Hammer...

Die Fivre Monoplate besitzt die mit Abstand beste Feindynamik aller mir bekannten Trioden; eine vereinnahmende Feinstofflichkeit, die fesselnd ist! Sie ist einfach eine süchtig machende Droge. Ich glaube, über eine so profane Betrachtung wie Bass, Mitten, Höhen etc. als Kriterien wollen wir an dieser Stelle keine Worte verlieren...



Sie schafft eine dichte, ätherische Atmosphäre, in der Töne genug Raum zu farbigem Leuchten haben. Dem "Hintergrund" gibt sie eine rabenschwarze Präsenz - nicht dunkelgrau, wie manch andere Röhren(-verstärker) - vor dem es den Klangfarben erst möglich wird, sich in der richtigen Koloration darzustellen.

Hat sie Schwächen? Nein, aber die vermeintlich rein akademische und von mir zunächst als untergeordnet bewertete Frage zur Leistung stellte sich nach intensivem Vergleich zu 2A3 Dual-Plates doch als bemerkenswert heraus. (Die 2A3 Monoplate - so auch die Fivre - hat nicht etwa die Hälfte der Leistung einer Dual-Plate oder Doppel-Monoplate (3,5 Watt : 2 = 1,75 Watt), sondern ca. 2,3 Watt.) Auch wenn die Fivre einen völlig schlackenlosen, straffen, ansatzlos schnellen, fein federnden Bass hat, so fehlt ihr in extremen (grobdynamischen) Situationen einfach ein wenig "headroom" im Vergleich zur Dual-Plate. Manch einer mag lachen ob dieser Tatsache, da sowohl 2,3 Watt als auch 3,5 Watt mickrig sind. Allerdings hat die Dual-Plate gegenüber der Monoplate gute 50% mehr Leistung - und darauf kommt es an. Wir sind uns ja einig, dass wir sowieso nur Lautsprecher mit mindestens 96 dB/W/m an die Monoplates hängen, nicht wahr?!



Ok, kommen wir zur Einstufung, und ich will es mir ganz einfach machen. Die Fivre 2A3 Monoplate ist die beste Triode, die ich kenne und mit Sicherheit die beste 2A3 überhaupt - die gekrönte Königin. Sie bekommt daher 100/100 Punkten.

Ich bin mir sicher, dass eine Vielzahl ernsthafter Musiker, würde sie die eigene Musik mit den Fivre 2A3 Monoplates hören, sagen würde: So klingt meine Musik wie sie soll, so ist sie richtig interpretiert.

(In den USA schwören ja alle auf die ebenfalls hervorragenden, m.E. jedoch nicht ganz an die Fivres heranreichenden RCA Monoplates - aber für den Hype um die RCAs gibt es auch handfeste Gründe: 1. Sie kommt aus den USA und ist ja quasi das "Original", und 2. ist sie noch einigermaßen gut verfügbar - die Röhrendealer wollen schließlich auch noch verdienen und die "Beste" lässt sich schließlich leichter teuer verkaufen als die Zweit- oder Drittbeste...)

Ich wäre jedoch schon mal daran interessiert, die Fivre 2A3 Monoplates im Vergleich zu einer "alten" Western Electric 300B (kein Reissue) zu hören; die Vorgängerin der 2A3 - eine 45er - kann ich ja leider nicht in meine Uchida stecken...

Montag, 24. Januar 2011

Review 8/9: RCA Radiotron CRC 2A3 Black Plate

Nachdem ich mich zuvor ja geoutet habe als jemand, der nicht unbedingt RCA-Fan ist (vgl. Review 2/9: Marconi 2A3 Black Plate), möchte ich diese Aussage nun etwas gerade rücken. Nein, keine Rolle rückwärts nach dem Motto ´Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern…´. Sondern es folgt schlichtweg die Vorstellung einer besonders guten RCA 2A3 – schließlich gibt es eine fast kaum überschaubare Anzahl verschiedener 2A3-Varianten von RCA, dem "Erfinder" der 2A3 bzw. dem "2A3-Original", wenn Sie so wollen.
 
 
RCA Radiotron CRC 2A3 Black Plate
   
Diese 2A3 wurde von RCA Ende 1941 für die U.S. Navy produziert, also ungefähr zur Zeit des Eintritts der USA in den 2. Weltkrieg. Sie zeichnet sich durch besondere Robustheit und Langlebigkeit aus – damalige Kernforderungen des Militärs (nicht nur) an Röhren; dem guten Klang sicherlich nicht unbedingt abträgliche Eigenschaften.
  




 
Auf den folgenden Bildern sehr schön zu erkennen: Kathodendrähte und Kathodenheizung.
 




  
Die auf dem Bild sehr kräftige blaue Illumination ist tatsächlich sehr schwach und lediglich der langen Belichtungszeit des Fotos geschuldet.
Nach dem Einschalten der Endstufe fällt auf, dass die RCA selbst in der ca. viertelstündigen Aufwärmphase keine der bei Röhren häufig vorkommenden Nebengeräusche wie "Rasseln", "Spratzeln", "Klingeln" oder "Knacken" produziert – sie scheint quasi wie ein übermotivierter Sportler ohne Gymnastik und Dehnübungen auszukommen und gleich loslegen zu wollen. Wir wissen es natürlich besser und beginnen aus Rücksicht auf Verschleiß der Emissionsschicht erst nach ca. 20 Minuten, Musik zu hören.
  
   
Der Klang
"Oma RCA", die ja nun immerhin fast 70 Lenze auf der Kathode hat, marschiert auch gleich munter vorwärts. Diese RCA spielt stramm, straff und präzise "nach vorne", d.h., sie bildet die Bühne sehr weit vorne ab, der Zuhörer sitzt praktisch in der ersten Reihe. Sie bietet einen für eine 2A3 tiefen, grollenden Bass, ohne jedoch übertrieben aufgedickt zu erscheinen – fast, als wollte sie sagen ´Ich wäre gerne eine 300B´. Auch der Präsenzbereich kommt extrem gut aufgelöst daher mit einer Fülle feinster Details, jedoch ohne die Seidigkeit z.B. einer Sylvania oder einer Tung-Sol.
  
Detailverliebtheit und Präzision der RCA ziehen sich durch das gesamte Frequenzband – auch durch den Stimmenbereich. Dadurch wirkt sie manchmal nicht so "flüssig", sondern etwas "grobkörnig" – wie bei einem Digitalbild, bei dem man den Kontrast hochsetzt auf Kosten weicher Farbübergänge. Keine wirkliche Kritik, sondern nur der Versuch des Gebrauchs sprachlicher Krücken für diese Höreindrücke. Insgesamt ist diese RCA eine erstklassige Röhre, die tendenziell "hifi-mäßiger" klingt als z.B. Fivre-Röhren mit ihrer spielerisch-ätherischen Atmosphäre und die damit dem einen oder anderen 2A3-Einsteiger besonders gut gefallen dürfte. Insgesamt bekommt diese RCA Radiotron CRC 2A3 Black Plate von mir 92/100 Punkten.

Samstag, 22. Januar 2011

Review 7/9: Sovtek 2A3

Die Sovtek 2A3 ist wohl "die" Nicht-NOS-Standard-2A3 schlechthin. Inzwischen wird sie sogar zusammen mit der Sun Audio Uchida ausgeliefert, aber auch andere Hersteller liefern ihre Endstufen damit aus. NOS 2A3 lassen sie sich dann als "Upgrade" teuer bezahlen (z.B. Audio Note...). Ein gematchtes Pärchen kostet ca. 70 € - also ungefähr ein Viertel einer NOS-2A3 in sehr guter Qualität.


Sovtek 2A3
 
 
Die Sovtek 2A3 ist übrigens etwas größer als "alte" 2A3 Röhren. Sie überzeugt zunächst durch einen sehr guten mechanischen Aufbau: Beim "Schnippsen" mit dem Finger gegen das Glas rasselt und klingelt nichts und auch das Vakuum scheint gut zu sein. Beim Betrieb ist keine blaue Illumination erkennbar - Anzeichen für signifikante Gaseinschlüsse gibt es nicht. Nach dem Brummabgleich mithilfe der Symmetrierpotis ist das Restbrummen auf einem Niveau, das die meisten NOS-Röhren vor Neid platzen ließe. Lediglich die elektrischen Parameter scheinen meiner Erfahrung nach größeren Streuungen zu unterliegen: Die spezifizierten 60 mA Emission werden bei neuen Röhren nicht immer unbedingt erreicht...



Der Klang
Soviel vorweg: Die Sovteks würde ich jeder China-Röhre vorziehen. Nach einer Einbrennzeit von ca. 50 Stunden hat sie ihr volles Klangpotenzial praktisch erreicht. Sie spielt sehr direkt und löst auch gut auf, freilich nicht so transparent und detailliert wie eine gute 2A3 NOS. Es fehlt im Vergleich ein wenig an Schmelz, Glanz, Seidigkeit im Präsenzbereich. Der Grundton hingegen ist schön kräftig und grollend und bildet die Basis für ein gutes räumliches Abbildungsvermögen. Fürderhin lotet sie den Raum zwar nicht bis in den letzten Winkel aus - aber berücksichtigt man den für ein gematchtes Pärchen aufgerufenen Kurs, so finde ich die Leistung der Sovtek 2A3 insgesamt mehr als anständig. Sie bietet in meinen Augen von allen Nicht-NOS-2A3 das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Sovtek 2A3 bekommt von mir 84/100 Punkten.

Die Sovtek ist eine Röhre, mit der man auch bei höherwertigeren 2A3-Verstärkern - zumindest eine Weile - gut leben kann. Es braucht schon einen 2A3-Verstärker mindestens ab der Qualität z.B. einer Raphael Audio Workshop Tambour (sehr zu empfehlende "Einsteiger-2A3", wie ich finde), die auch in der Lage ist, die Qualitätsunterschiede zwischen NOS und "NEU" deutlich werden zu lassen, um die Mehrkosten einer 2A3 NOS gegenüber den Sovteks zu rechtfertigen. Ich denke, dass Zusatzkosten von ca. 15% für NOS-Röhren bezogen auf den Gerätepreis des vorgenannten Verstärkers in einem sinnvollen Verhältnis stehen. An einen 2A3-Chinesen für 1.000 € hingegen würde ich keine 2A3 NOS verschwenden.

Freitag, 21. Januar 2011

In eigener Sache: Bilder-Galerie

So, endlich sind die ersten Bilder in der Bilder-Galerie online (siehe Menüleiste oben). Natürlich sollen es möglichst bald viel mehr Bilder werden - aber dafür bin ich auf Sie angewiesen.

Jeder, der z.B. einen alten Röhrenverstärker - ob Shindo, Marantz, Quad, McIntosh, etc. - freakige Lautsprecher oder mühevoll restaurierte bzw. (wieder-) aufgebaute Plattenspieler (Stichwort "Garrard"...) betreibt - gerne auch aus dem DIY-Bereich! - kann mir seine Bilder (min. Auflösung 800 x 600, max. 1 MB pro Bild) mit einer kurzen Beschreibung an carsten.bussler@web.de schicken. Auch geplante Projekte, Bilder einzelner seltener und/oder besonderer Röhren sind willkommen - genauso wie "konventionellere" Geräte (aber keine "Sand"-Verstärker und keine CD-Spieler/Netzwerkspieler). Ich werde diese Bilder inkl. kurzer Beschreibung anonymisiert in die Bilder-Galerie einstellen. Wenn gewünscht, kann aber auch der volle Name erscheinen.

Review 6/9: Sylvania 2A3 Dual Monoplate

Monoplate...?!


...nein, doch Dual Monoplate:


Sylvania 2A3 Dual Monoplate
 
 
Ja, diese beiden Sylvanias sehen wirklich hübsch aus, finde ich. Und sie zeigen ihre beiden separaten Systeme so offenherzig! Die Sylvania 2A3 Dual Monoplate ist gar nicht unbedingt sooo selten; mit etwas Glück kann man sie hier oder da noch auftreiben (siehe meine Favoriten-Links in der rechten Sidebar).

Auch in Betrieb machen sie eine gute Figur, obwohl konstruktionsbedingt die Triodensysteme von oben leider nicht so gut einsehbar sind:


Und hier nochmal beide:


Der Klang
Diese Sylvania 2A3 Dual Monoplates spielen sehr locker und unangestrengt, im Präsenzbereich eher seidig, jedoch ohne Details zu unterschlagen oder gar zu verschleifen. Sylvania-typisch beweisen auch diese beiden Allrounder-Qualitäten: Sie haben keinerlei Schwächen und sind sehr ausgeglichen. In gewisser Weise sind sie spektakulär unspektakulär: Spielfreude, großzügige Räumlichkeit, alles da - nur eben nicht so "aufdringlich". Dabei sind sie keinesfalls Mauerblümchen, im Gegenteil. Sie umhüllen die Musik mit einer luftig-leichten Aura und erinnern tendenziell an einen frischen Frühlingsmorgen. Die Sylvania 2A3 Dual Monoplate ist eine hervorragende Röhre und erhält von mir 96/100 Punkten.

Mittwoch, 19. Januar 2011

Review 5/9: Fivre 2A3 Black Plate

Fivre! Schon der Name klingt viel eleganter als "Tung-Sol" oder "KenRad"! Ich muss gestehen, dass allein der Anblick einer Fivre-Schachtel genügt, um bei mir einen "Haben-Wollen-Reflex" auszulösen. Dieses Gefühl können wohl nur Japaner beim Anblick einer AD 1 von Telefunken nachempfinden...

Diese beiden Fivres sind typische "Standard"-2A3 späterer Bauart; die Datums-Codes der Label deuten auf einen Jahrgang 1953 hin. Überhaupt finde ich die Label chic...

Hier einige Bilder:


Fivre 2A3 Black Plate









Der Klang
Diese Fivre 2A3 sind so ganz anders als beispielsweise die akkuraten KenRads (vgl. Review 3/9) oder die kräftigen Raytheons (vgl. Review 1/9). Diese 2A3 spielt unglaublich elegant und hochmusikalisch. Sie lenkt die Konzentration sofort auf die Musik, aber nicht, weil sie sich aus Allem raushielte oder neutral im Hintergrund bliebe: Sie mischt sich ein, sie spinnt eine goldene Aura um jeden Ton und umhüllt ihn mit einer Portion Extra-Energie, die sich erst wieder im Ohr des Hörers entfaltet. Diese Röhre lässt niemanden kalt, die Fivre hinterlässt ein derart hohes Maß an Zufriedenheit, dass niemand fragen würde, ob hier immer alles mit rechten (neutralen) Dingen zugeht... Eher scheint es diese Italienerin mit einem Schuss augenzwinkernder Koketterie darauf anzulegen, den Hörer vollends verführen zu wollen - wohl wissend, wie sexy sie ist. Diese Fivre 2A3 Black Plates bekommen 98/100 Punkten. Diese Einstufung ist natürlich höchst subjektiv und wäre für den einen oder anderen im Vergleich zu einer Monoplate von, sagen wir einmal National Union, - selbst im Vergleich zur KenRad Dual Monoplate - nicht objektiv. Für mich ist aber das "Wohlfühlen" beim Musikhören, das Vermögen dieser Röhre, den Hörer einzulullen und gar nicht mehr anders zu können, als weiter Platte um Platte Musik zu hören, das essentielle Kriterium.

Montag, 17. Januar 2011

Review 4/9: Sylvania 2A3

Ich mag Sylvania. Sylvanias sind robust, zuverlässig und langlebig. Diese beiden kommen recht unspektakulär daher und Typen wie diese sind selbst in Europa noch recht gut beschaffbar. Hätte ich einen neuen 2A3-Verstärker, ausgeliefert mit neueren osteuropäischen oder chinesischen Röhren, ich würde sie im Sinne eines bestmöglichen "Most-Bang-for-the-Buck"-Faktors sofort gegen Sylvanias tauschen.

Fotostrecke:


Sylvania 2A3
 
 





Der Klang

Diese Sylvania 2A3-Röhren lassen die Musik fließen und klingen tendenziell eher fein und elegant. Sie sind keine "Haudraufs", sind im Grund- und Tieftonbereich aber auch nicht unterbelichtet. Gute Allrounder ohne Allüren, sehr ausgeglichen, ohne Schwächen. Sie lassen den inneren Zusammenhang der Musik intakt. Insgesamt eine tolle Röhre, die sich zum Langzeithören eignet und stante pede zum günstigen Kurs das Niveau eines Amps gegenüber den zuvor gestöpselten China-Krachern oder osteuropäischen Röhren signifikant anhebt. (Einschub: Vielerorts ist zu vernehmen, dass die Chinesen in den letzten Jahren sehr viel langzeitstabiler/zuverlässiger geworden sind; ich möchte ihnen hier kein Unrecht antun). Diese Sylvania 2A3 bekommen 93/100 Punkten.