Dienstag, 29. März 2011

Bezugsquellen für NOS-Röhren

Viele Röhren-Junkies teilen sicherlich das gleiche Schicksal, nämlich das der langwierigen Suche nach gut sortierten Röhren-Händlern. Diese sollten - neben neuen Röhren aus heutiger Produktion - idealerweise erstklassige NOS-Röhren im Portfolio haben, die den Zusatz NOS (New Old Stock) auch verdienen, über Parameter gem. Spezifikation verfügen und mechanisch einwandfrei sind. Dazu gehören selbstverständlich auch die Angabe der gemessenen Parameter und nicht zuletzt eine faire Preisgestaltung.



Schwer aufzutreiben: Marconi PX25; Bildquelle: The National Valve Museum
 
 
Im Laufe der Zeit habe ich diverse Tube-Dealer im Internet ausfindig gemacht, die ich hier gesammelt (ohne persönliche Wertung) in der linken Sidebar dieses Blogs aufgeführt habe - ich habe mir die Mühe gemacht, endlich mal alle Links sauber zu sortieren...

Manch einer scheint "seine" Röhren-Dealer nicht preisgeben zu wollen aus Angst, diese Quelle werde dann schneller versiegen. Ich hingegen glaube, dass eine umfassende Liste der (weltweiten) Röhren-Dealer der Transparenz dient und zu mehr "Durchblick" verhilft insbesondere bei der Bewertung der bisweilen obskuren Angebote in der "Bucht"... Daher ist diese Liste als kleiner Service zur Erleichterung der eigenen Suche zu verstehen.

Diese Liste möchte ich ständig erweitern und ergänzen. Daher bitte ich jeden, der weitere Bezugsquellen insbesondere für NOS-Röhren kennt, mir eine kurze Nachricht per Email an carsten.bussler@web.de zukommen zu lassen oder einfach einen Kommentar zu diesem Posting zu schreiben. Ich werde die Liste dann entsprechend ergänzen. Röhren-Händler, die sich in der linken Sidebar nicht wiederfinden, dürfen sich natürlich auch gerne direkt an mich wenden!

Sonntag, 27. März 2011

Video: Simon Yorke

Vermutlich hatte ich es bereits schon einmal erwähnt: Ich liebe Plattenspieler von Simon Yorke. Auf den Norddeutschen Hifi-Tagen in Hamburg war Herr Yorke persönlich vor Ort und die Ohren der Besucher konnten sich von seinem Können als Turntable-Designer überzeugen:
 



Daher hier nochmal ein schönes Video, in dem Simon Yorke seine Philosophie erläutert:


Samstag, 26. März 2011

Die Entwicklung der Triode

1883 experimentierte Thomas Alva Edison im Hinblick auf eine Verbesserung der elektrischen Glühbirne. Er schmolz dazu einen Metalldraht so in eine Glühbirne ein, dass dieser nahe dem Glühfaden endete. Edison stellte zu seiner Überraschung fest, dass elektrischer Strom vom heißen Glühfaden zum Metalldraht floss. Er maß diesem Phänomen jedoch zunächst keine weitere Bedeutung bei und beließ es bei Notizen zu seinen Beobachtungen.

Später, zwischen 1900 und 1903, wies der britische Physiker Owen R. Richardson nach, dass Metallfäden, die im Vakuum erhitzt werden, Elektronen emittieren. 1928 erhielt er für seine Arbeiten über dieses Phänomen den Physik-Nobelpreis.

1904 führte der englische Elektroingenieur John A. Fleming den sogenannten "Edison-Effekt" und die Erkenntnisse Richardsons zu folgender Anwendung zusammen: Er montierte im Inneren einer Glühbirne ein den Glühfaden umschließendes, zylindrisches Metallstück (Platte), welches mit einem nach außen geführten Draht verbunden war. War die Platte positiv geladen, zog sie die aus dem Glühfaden austretenden Elektronen an und Strom floss. Bei negativen Ladungen hingegen stieß sie die Elektronen ab und es floss kein Strom. Dieser Ableger der Glühbirne wurde im deutschen Sprachraum "Röhre" genannt, im Englischen bürgerte sich "valve" ein, was sinngemäß mit "Ventil" übersetzt sicherlich zutreffender ist. Die Wissenschaft bezeichnet es hingegen wegen der beiden Elektroden als "Diode" – in dieser einfachen Ausführung war damit der „Gleichrichter“ geboren.

1906 ergänzte der amerikanische Erfinder Lee De Forest die Röhre um eine dritte Elektrode, womit die „Diode“ zur „Triode“ wurde. Er montierte eine perforierte Platte - das sogenannte „Gitter“ – zwischen Glühfaden und Platte. Durch geringfügige Erhöhung der positiven Ladung des Gitters wurde eine erhebliche Verstärkung des Elektronenflusses vom Glühfaden zur Platte hervorgerufen. Die Triode fungierte damit als verstärkendes Element. Lee de Forest selbst bezeichnete diese Röhrentype als „Audion“ in Anlehnung an den Einsatzzweck als „Audionstufe“ (= Hochfrequenz-Detektor). Diese Audionröhre meldete er Ende 1906 zum Patent an.
 
 
 
Triode von Lee de Forest aus dem Jahr 1906 – Bildquelle: en.wikipedia.org
  
  
  
Triode von Lee de Forest aus dem Jahr 1907 – Bildquelle: makingthemodernworld.org.uk 
  
  
    
Die Funktionsweise der Triode – Bildquelle: Asimov - Die exakten Geheimnisse unserer Welt, Droemer Knaur, 1. Auflage 1985, S. 404
  
  
Unabhängig von Lee de Forest entwickelte der österreichische Physiker Robert von Lieben eine quecksilberdampfgefüllte Verstärkerröhre mit zwei Elektroden – die sogenannte Liebenröhre – und meldete diese bereits am 4. März 1906 beim Kaiserlichen Patentamt des Deutschen Reiches als Kathodenstrahlrelais zum Patent an. Später gab es daher einen jahrelangen Rechtsstreit zwischen Lieben und de Forest.

Weiterführende Infos zu diesem Thema:
Die Triode 2A3

Mittwoch, 23. März 2011

Neues Klang + Ton-Forum!

Brauchen wir wirklich noch ein Forum?! Aber ja, weil es das DIY-Forum von Klang + Ton ist! Gerade neu ins Leben gerufen, verspricht es die Möglichkeit des konzentrierten Informationsaustauschs zu den verschiedensten K+T-Projekten. Hier und da tauchen während des (Nach-)Baus manchmal eben doch Fragen auf, wie ich selbst bereits festgestellt habe. Und das nicht etwa, weil die Beschreibung im Heft lückenhaft wäre, sondern weil es schlicht unmöglich ist, wirklich alle Aspekt eines DIY-Projekts in entsprechender Tiefe in einem Heft unterzubringen, in dem eben eine Vielzahl von Bauvorschlägen behandelt wird - gerade, wenn es besonders komplexe Projekte sind.
    
   

Also, liebes K+T-Team, alles Gute und viel Erfolg für Euer neues DIY-Forum, ich werde mich jedenfalls sofort anmelden! Und hier hatte ich ja bereits dargestellt, welche(s) Projekt(e) für mich besonders interessant sind...

Dienstag, 22. März 2011

Schräge Sache(n): SABA Greencone in Papp-Wänden, Papp-Cello und RIAA mit C3g

Tja, da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich, was man (nicht nur) mit Röhren denn so alles anstellen kann bzw. welche doch eher ungewöhnlichen Setups möglich sind. Björn hat mir freundlicherweise weitere Bilder seiner Werke übersandt (vgl. auch dieses Posting), die ich hier kurz vorstellen möchte:
 


Kopfhörerverstärker mit 6AS7



Innenansichten 6C33C-Amp



RIAA mit C3g



Greencones in Pappwänden



Der "Ursprungs-Amp"



Die ersten Cellos



Cello im Bau



Versuch mit "Papp-Cello"



JCM 800 Chassis



JCM 800 Front

Sonntag, 20. März 2011

Röhren messen mit Neuberger RPM 375 und TV-7D/U

Jeder, der sich hin und wieder NOS-Röhren kauft, kennt das Gefühl: Haben die Röhren auch noch volle Emission oder sind sie schon „ausgelutscht“? Schließlich ist die Verstärkerschaltung darauf „angewiesen“, dass die Röhren in der Lage sind, ihre spezifizierten Parameter zu erreichen.

Gerade zu vielen Röhren, die in der Bucht angeboten werden (aber teilweise auch professionelle Tube-Dealer mit eigenen Shops!), machen die Verkäufer bisweilen jedoch recht zweifelhafte oder gar keine Angaben, was mich persönlich zunächst einmal misstrauisch macht. „Ich habe sie als NOS gekauft…“, „…sie sind nur ca. 200 h gelaufen…“, „Dachbodenfund, alle NOS/NIB…“, „…alle im GUT-Bereich…“, „…funktionieren gut in meinem Dampfradio…“ – das alles ist als Angabe nicht zufrieden stellend. Aber was nützt es, wenn die Röhre sehr selten bzw. kaum beschaffbar ist und es eben genau diese Hersteller-Type oder jene Mesh-Variante sein soll?! Man schlägt beim (vermeintlichen) Schnäppchen trotzdem zu…

Zu Hause angekommen heißt es dann: messen und hoffentlich keine böse Überraschung erleben! Es gibt unzählige Röhrenmessgeräte, vom Laien (der solch ein Gerät ja auch nicht hat - sonst wär´ er ja kein Laie...) nur schwer zu bedienen; zuvor müssen i.d.R. etliche Einstellungen vorgenommen werden – da braucht´s schon ein wenig Erfahrung (und Liebe) im Umgang mit den Technik-Dinos. Hier möchte ich folgende zwei Röhren-Messgeräte vorstellen: das Neuberger RPM 375 und den TV-7D/U.


  
  
Neuberger RPM 375


Zum Neuberger gibt´s übrigens viele weitere Bilder, Infos sowie die Bedienungsanleitung in "Jogis Röhrenbude"Mit dem Neuberger lässt sich sehr gut die statische Emission messen; diese gibt ein erstes Indiz für den Zustand der Emissionsfähigkeit der Kathode. Nach Aufstecken der Karte für die entsprechende Röhren-Type und einigen Einstellungen sollte der Röhre eine Aufheizzeit von 5-10 min gegönnt werden, dann wird der Wert abgelesen; eine 2A3 z.B. ist mit einem Sollwert von 60 mA für den Emissionsstrom Ia spezifiziert. Dieser Wert ist für sich genommen jedoch noch nicht voll aussagekräftig: Einige gute NOS-Röhren erreichen ihre Sollwerte sogar erst nach einer Einbrennzeit zwischen 50 und 200 Betriebsstunden.

Interessanter ist die sogenannte „Steilheit“ („Empfindlichkeit“) einer Röhre, die den Zusammenhang zwischen anliegender Spannung und Stromlieferfähigkeit herstellt. Sie lässt sich z.B. sehr schön mit dem TV-7D/U ermitteln:

  
  

  
Röhrenmessgerät TV-7D/U
 
 
    
Test einer Sylvania 2A3
 
 
  
Nach ca. 10 min wird klar: da ändert sich nichts mehr...

  
Ein absolut vorbildlicher Röhren-Händler ist m.E. Damon Coffman/Old Stock Audio. Er führt extrem zuverlässige Messungen durch, gibt diese Werte unverblümt an, matched Röhrenpärchen mit extrem geringen Toleranzen und gestaltet die Preise entsprechend transparent in Abhängigkeit der ermittelten Werte. Wären doch nur alle so…

Freitag, 18. März 2011

Blog for Music Lovers: Music for Maniacs!!

This is a German blog but notwithstanding from that fact it´s time for an English posting: It´s time to talk about Music for Maniacs!! from LA.

I really love Mr Fab´s blog about music that is pleasantly faraway from mainstream. And to be honest I really am a maniac – a 2A3 Maniac as some of you might know – so it seems that he has made his blog especially for me… Due to the blog header he deals with outsider, experimental, strange and unique music and yes, indeed I really love Jim Shaw´s Pink Poodle with Hydrant and Text as background picture, too:

  
 

  
Jim Shaw is an absolutely great artist, isn´t he?!


Well, I love Mr Fab´s sense of homour. I just like to give you an example by showing you the Sarah Palin Battle Hymn Video – you all know that stupid woman from Alaska telling bullshit all day long, I assume (it´s not the young girl in the video…). I don´t wanna become political in a hifi blog but hey – she really sucks…

If you are open minded enough for alternative music – just visit Music for Maniacs!! Furthermore there are even very interesting record covers from the hifi maniac´s point of view:



Dienstag, 15. März 2011

Brummabgleich bei der Sun Audio Uchida

Der Wechsel der direkt geheizten Triode 2A3 macht einen Brummabgleich erforderlich, um durch Symmetrierung der Wechselspannung den Restbrumm zu minimieren. Das ist bei der Uchida leider nicht so besonders komfortabel möglich, daher möchte ich hier meine Erfahrungen weitergeben.
  
 
   

Zum Glück lässt sich die Uchida bequem auf die linke Seite stellen, um an das Bodenblech zu gelangen. Das Symmetrierpoti für den rechten Kanal ist durch das Bodenblech zwar gut zugänglich, das für den linken Kanal hingegen nicht:
  



Der geübte und bequeme Uchida-Besitzer steckt einfach seine Finger durch die beiden entsprechenden Löcher im Bodendeckel und dreht das Poti auf diese Weise. Zu empfehlen ist das jedoch nicht: Einerseits besteht die Gefahr, an irgendwelche Spannung führenden Bauteile zu gelangen; das könnte bisweilen recht unangenehm werden... Andererseits ist die Poti-Oberfläche glatt und das Poti selbst einigermaßen schwergängig, daher lässt es sich auf diese Weise nur mit ganz trockenen Fingern und selbst dann nur mühselig in die richtige Position bringen. Mit dem Schraubendreher geht´s halt doch einfacher und ist sicherer!
 
Doch zuvor müssen noch die Kurzschlussstecker auf die Endstufeneingänge gesteckt und natürlich das Bodenbleck entfernt werden. Schließlich wollen wir den Brummabgleich nur für die Endstufe durchführen und nicht den verfälschenden Einfluss der (ggf. selbst leichten Brumm produzierenden) Vorstufe mit abgleichen - der Brumm muss grundsätzlich für jedes Gerät separat minimiert werden. Außerdem funktionieren gesteckte NF-Kabel als Antenne und können die "Brummsituation" verfälschen; auch die Kabel haben also einen Einfluss.
  


 
Kurzschlussstecker dürfen übrigens niemals auf Geräteausgänge, sondern stets nur auf Geräteeingänge gesteckt werden! Man kann sich einfach selbst Kurzschlussstecker basteln: Eine alte Beipackstrippe hervorkramen, Stecker abknipsen, beide Leiter abisolieren und mit einen Lötpunkt verbinden, Schrumpfschlauch drüber, fertig. Oder man kauft sie sich für wenig Geld schon fertig (siehe links im Bild), z.B. bei "Die Nadel" im Onlineshop zu finden unter "Blind Connect".
 
  


Natürlich wird auch noch das Erdungskabel zur Vorstufe entfernt (das ist nicht etwa das Erdungskabel des Plattenspielers - es werden stets alle Geräte "sternförmig" zur Vorstufe geerdet).
  
  
  
  
Dann endlich kann also kanalweise der Brummabgleich nach Gehör durchgeführt werden  - einfach das Symmetrier-Poti drehen bis der Brumm minimal ist, fertig.  Ggf. muss der Lautsprecher etwas in Richtung Verstärker- bzw. Ohrposition ausgerichtet werden; das Ausgangspoti für den anderen Kanal (auf der Frontplatte) wird während des Abgleichs jeweils "zu" gedreht. => Cross-Link: Artikel Sun Audio Uchida SV-2A3
  
Nachtrag vom 07.07.2011:
Cross-Link zum Artikel Update: Brummabgleich bei der Sun Audio Uchida

Freitag, 11. März 2011

Review: Cinch-Kabel “FC1” von bFly-audio

Ein NF-Kabel. Wie langweilig – dachte ich! Es gibt ja Zeitgenossen, die billigen Kabeln sogar Komponentenstatus zu und sehen kein Problem darin, dass eine Strippe mehr kostet als die Komponenten, die es verbindet. Tja, mir geht es anders, ich fand das Thema Kabel bisher immer recht „unsexy“ (daran konnte selbst das unbenommen hervorragend aufgemachte „Kabelbuch“ von hifi tunes nichts ändern) und ich habe zwar auch den einen oder anderen Verbinder für immerhin einige hundert Euro, habe das Geld dafür aber stets nur recht widerwillig hergegeben. Und ohne die Qualitäten der Produkte per se in Zweifel ziehen zu wollen: Beim Blick in die Preisliste des Herstellers meines Vorverstärkers unter der Rubrik "Kabel" klappen sich bei mir ob der mehr als ambitionierten Preise bisweilen dann doch die Fußnägel hoch...

Und nun bekam ich von Herrn Schäffer von bFly-audio dessen NF-Kabel „FC1“ zum Testen zur Verfügung gestellt. Das Kabel wurde von ihm zuvor eine Woche lang eingespielt und hat eine vorgegebene Orientierung, d.h. die Laufrichtung des Kabels ist festgelegt. Augenfälligstes Merkmal ist die besondere Form des Leiters: ein Flachleiter, der von einem Textilmantel umhüllt ist.



FC1 von bFly-audio

 
Der Ansatz von bFly-audio für die Wahl eines Kupferflachleiters ist die Berücksichtigung des sogenannten „Skin-Effekts“. Demzufolge werden hohe Frequenzen an Leiteroberflächen übertragen, während sich tiefere Frequenzen durch den Leiterkern mühen müssen – dort hindurch, wo ein größerer Widerstand vorherrscht als an der Oberfläche. Dies führt zu Laufzeitunterschieden zwischen höheren und tieferen Frequenzen. Bei Flachleitern ist der „Skin-Effekt“ im Vergleich zu runden Leitern signifikant geringer ausgeprägt und sollte daher zu besserem Timing und in der Folge zu mehr Natürlichkeit und besserer Räumlichkeit insbesondere im Stimmenbereich führen.

Nach dreijähriger Entwicklungszeit mit insgesamt ca. 15 Prototypen ist das Kabel nun also so, wie es sich Herr Schäffer vorstellt: bis auf Stecker und Ummantelung komplett handgefertigt, mit Baumwolle und Natur-Kautschuk als Dielektrikum. Die Kupferbahnen werden dreimal manuell gereinigt, poliert und anschließend vor Korrosion geschützt (über 90% des Kabelmaterials liegen „an der Luft“), beim Übergang vom Flachleiter auf den Stecker – dem kritischen Übergang -  wurde auf einen optimalen Masseübergang geachtet. Dass sich ein solches Kabel nicht automatisiert herstellen lässt, dürfte inzwischen klar sein, insofern ist es umso erstaunlicher, zu welchem Preis dieses Kabel angeboten wird!



Gewebetextur des Mantels

 
Ich habe meinen Audio Note M2 Phono und die Uchida-Endstufe mit dem FC1 verbunden und war nun also auf das Ergebnis gespannt, insbesondere darauf, ob ich überhaupt irgendwelche Effekte oder Unterschiede ausmachen würde. Tatsächlich habe ich nach einiger Zeit des „Hineinhörens“ deutliche Unterschiede zu meinen anderen Kabeln wahrgenommen, die sich zwar auf einer sehr subtilen Ebene abspielen - deren Beschreibung mir daher aber auch umso schwerer fällt. Das Klangbild wirkt insgesamt irgendwie schlackenloser und heller, als ob jemand einen leichten Grauschleier-Vorhang bei Seite gezogen hätte. Damit ist jedoch nicht gemeint, dass das Klangbild nun ins Helle zu Lasten des Bass- und Grundtonbereichs kippen würde, sondern es ist einfach detailreicher und feiner nuancierend. Außerdem klingt es nun, hm, schneller (?!) und man gewinnt den Eindruck, als würde sich dem Signal einfach weniger „in den Weg stellen“. Diese verbalen Krücken können den persönlichen Höreindruck kaum ersetzen und ich kann nur jedem ans Herz Legen, dieses Kabel selbst auszuprobieren.



Flach wie Flunder: Der Mantel passt sich dem Flachleiter an
 

Nach ca. drei Wochen tauschte ich das FC1 wieder gegen „mein“ bisheriges Kabel und die Unterschiede wurden nun viel deutlicher, offenbar ist der Mensch doch ein Gewöhnungstier. Plötzlich klang es wesentlich muffiger und gebremst, geradezu gehemmt, als ob man einen schnellen Hund wieder an die Leine nimmt. Dieser Effekt beim Wechsel zurück auf das alte Kabel  - also die Wahrnehmung dessen, was nun "fehlte" - war übrigens ausgeprägter als das Erkennen der Qualitäten des neuen Kabels zu Beginn. Sehr schnell wuchs der Wunsch, wieder mit dem FC1 zu hören. Ich fürchte, Herr Schäffer bekommt nun erneut einen Anruf von mir, dass ich ihm sein Produkt nicht zurück schicken werde – genau wie bei den Absorbern von bFly-audio. Kabel sind doch gar nicht so langweilig wie ich dachte!

Donnerstag, 10. März 2011

Alte "Sünden": Einstein "The Amp", mbl 301 & Thorens TD 146 Mk V

Bereits in der Rubrik "Über mich" habe ich angedeutet, dass der Weg zu meinem heutigen Verständnis von guter Musikwiedergabe nicht eben geradlinig verlief und von einigen teilweise sehr ernüchternden Rückschlägen geprägt war. Andererseits gab es auch durchaus "Etappen", die als Zwischenhoch gewertet werden dürfen. Eines davon möchte ich hier vorstellen - eher zufällig bin nämlich ich vor kurzem in den längst vergessenen Welten und der Ödnis alter Festplatten per Suchbegriff "*.jpg" auf viele alte Bilder gestoßen, unter anderem auch auf die folgenden, die meine Musikkette irgendwann in der ersten Hälfte der letzten Dekade bildeten...

Einstein "The Amp"
Das Herz der Anlage war Einsteins "The Amp", der diesen Namen offiziell glaube ich gar nicht hatte, der sich aber eingebürgert zu haben scheint. Auch auf die Gefahr hin, Besitzern von Cost-no-Object Transistorvollverstärkern üblicher Provenienz fürchterlich auf den Schlips zu treten: Dieser Einstein ist der beste Transistorvollverstärker, der jemals gebaut wurde. Ich kenne bestimmt nicht alle, vor allem nicht die neueren der letzten 10 Jahre - aber mal ehrlich, in  dem Bereich tut sich doch auch nichts. Aber ich kenne viele, sogar sehr viele  Transistorverstärker und keiner war so blitzschnell und zupackend, dabei dennoch die Balance wahrend zur Feinsinnigkeit und voller Spielfreude - feine Seidigkeit und fester Punch sind beim Einstein kein Widerspruch. Einziges Ärgernis, an das ich mich entsinne, war die grobe Rasterung des Potis in 2dB-Schritten. Bereits in der ersten Stufe nach "lautlos" war es recht laut, selbst mit wenig empfindlichen Lautsprechern wie den mbl 301. Nächtliches Leisehören mit Rücksicht auf die Familie war damit unmöglich... 

Sowohl MM als auch MC sind hervorragend (von Haus aus an Bord), mit Load-Buchsen zum Anpassen der MC´s via Kapazitäten. Und das Design ist einmalig, einzigartig, einfach genial - bei diesem Namen aber auch schon fast Pflicht... Kennen Sie einen schöneren Vollverstärker? Ich nicht. Und wenn ich wegen eines Verbrechens auf eine einsame Insel verbannt und mir lediglich die Mitnahme eines beliebigen Transistorverstärkers erlaubt würde - ich würde natürlich den Einstein mitnehmen.



Einstein - mit der schönsten jemals bei einem Hifi-Gerät verbauten Frontplatte


Doppelmonoaufbau auf zwei Ebenen, Frontplatte und eine rückwärtige Stütze als Gerätefüße, enges Anschlussfeld: Einsteins charismatische Charakteristika


mbl 301
An die mbl 301 bin ich eher durch eine zufällige Gelegenheit geraten - hässliche, schwarze, monolithische Skulpturen, die aber ziemlich anständig klangen, deren kleine Tieftönerchen jedoch für fundamentalen Bass bei gehobenen Lautstärken so sehr schuften, sprich "Hub" machen mussten, dass ich fürchtete, die mbl rülpst (sorry) mir jeden Augenblick ihre Tönerchen vor die Füße.


Schmale, schlanke Silhouette: mbl 301


like a monolith...

Thorens TD 146 Mk V
Der Thorens hat Spaß gemacht.  Klar, er war kein Überflieger, aber grundsolide gemacht, hochanständiger Klang für´s Geld und für mich damals der ideale Wiedereinstieg in die Vinyl-Welt, nachdem ich mich von der digitalen losgesagt und abgewandt hatte. Auch heute noch wecken die Thorens-Bilder bei mir durchweg positive Assoziationen...



Thorens TD 146 Mk V


Irgendein Standard-Audio Technica

Mittwoch, 9. März 2011

Abhörkette von Björn aus H.

Björn ist nach eigenem Bekunden mit dem Vintage-Hifi-Virus infiziert - offenbar handelt es sich um eine recht hartnäckige Variante... ;-) Daher möchte ich in diesem Posting von den mir per Email übersandten Bildern kurz die m.E. interessantesten Komponenten vorstellen; die Bilder der gesamten Kette finden sich in der Bilder-Galerie.

In den letzten fünf Jahren hat er mehrere Single-Ended-Trioden sowie Pentoden in Pseudo-Triodenschaltung gebaut, außerdem weitere Vorstufen und RIAA-Stufen in Röhrentechnik. Dazu kommen ein SABA Cello nach eigenem Entwurf, ein Stand-Alone-DAC mit dem TDA1541 und Röhrenausgangsstufe sowie ein stark umgebauter Plattenspieler (Lager, Motor, etc.) inkl. alter Studiotechnik (M15, V69, V73, EMT-929+TSD15,...) - Chapeau!



6C33C Stereo-Endstufe



modifizierter Plattenspieler mit alter Studiotechnik



Röhren-Vorverstärker



Obwohl ich selbst mit "Digital" schon vor langer Zeit abgeschlossen habe, so tolerant will ich dann doch mal sein: DIY-DAC mit TDA1541 und Röhrenausgangsstufe


Nachtrag vom 22.03.2011: Hier ist ein Follow-up!

Montag, 7. März 2011

Frequenzweichen und Frequenzgangentzerrung - Sinn und Unsinn

Für mich persönlich sind Fullrange-Breitbänder (BB) als Open Baffle oder als Horn bzw. Koax-Hörner die Favoriten unter den vielen Lautsprecherkonzepten. Zudem ist für den Betrieb mit kleinen Eintaktern ein Wirkungsgrad von mindestens 94 dB/W/m wünschenswert.


Umrechnungstabelle zwischen Kennschalldruck in dB und Wirkungsgrad in %,
Quelle: Wikipedia


Bei Koaxen sind selbstredend die beiden Treiber - schlimm genug, aber leider unvermeidlich - mittels (möglichst einfach zu haltender) Frequenzweiche zu trennen, bei BB hingegen sollte auf jedwedes Filternetzwerk verzichtet werden. In einigen Selbstbaumagazinen ist hin und wieder zu beobachten, dass z.B. Bauvorschläge für ein Backloaded-Fullrange-Horn für den Breitbänder eine Frequenzganglinearisierung vorsehen. Eine katastrophale Maßnahme, die nicht nur den Wirkungsgrad reduziert, sondern auch noch den guten Klang rausfiltert! Meiner Erfahrung nach bleibt in Frequenzweichen, Saugkreisen, Impedanzlinearisierungen etc. extrem viel Klangqualität auf der Strecke; selbst bei Verwendung allerfeinster Bauteile bleibt dieser Effekt erhalten. Warum also nicht gleich einen vernünftigen BB wählen, der keinen Achterbahn-Frequenzgang aufweist? Oder - noch besser - sich eine etwas gelassenere Sichtweise der Dinge zu Eigen zu machen... So wird z.B. für die "Breezer" aus der K+T 2/2011 explizit der Betrieb ohne Frequenzganglinearisierung empfohlen, gleichwohl alternativ eine solche vorgestellt wird - sehr gut!
  
 
Wir gehören nicht in einen Lautsprecher, weil wir den guten Klang rausfiltern...


Häufig sind Aussagen zu hören, dass der Frequenzgang hochwertiger Lautsprecher nur innerhalb einer Bandbreite von 3dB schwanken dürfe und anderer seltsamer Quatsch. Diese Aussagen von Messwerte-Fetischisten können Sie getrost vergessen. Dazu möchte ich folgende Gedankenanstöße geben.

Raumakustik
Jeder "Hörraum" hat seine akustischen Eigenarten, sozusagen seinen "Fingerprint". Verhältnis von Breite zu Höhe zu Tiefe, rechteckig oder "ums Eck", Teppich oder Parkett, Holzdecke oder Betondecke, Einrichtung, Glasflächen, schwere Sofa-Garnituren... all das beeinflusst den Hörraumfrequenzgang und bestimmt teilweise die Frequenzen der so genannten Raummoden. Was also der Hörraum mit dem Frequenzgang des Lautsprechers veranstaltet, brauche ich Ihnen wohl nicht näher zu erläutern...

Gehörfrequenzgang
Nicht nur, dass sich der Frequenzgang des Lautsprechers mit dem des Hörraums überlagert ("Superposition"), jetzt kommt´s noch schlimmer: Wie verläuft denn überhaupt Ihr persönlicher Gehörfrequenzgang? Ich empfehle hierzu, beim HNO-Arzt Ihres Vertrauens ein Tonaudiogramm (Audiometrie) durchzuführen um sich selbst einmal vor Augen zu führen, was für eine Frequenzgang-Achterbahn Ihr Gehirn aus den bereits durch Raumeinflüsse "verbogenen", vom Ohr gelieferten Informationen für Ihr Bewusstsein zusammenbaut...


Beispiel für ein relativ "lineares" Tonaudiogramm; wie sieht Ihrs aus?
Quelle: Wikipedia


Es wird also Zeit, etwas relaxter mit kleinen "Dellen" im Lautsprecherfrequenzgang umzugehen und endlich aufzuhören mit der Unart, die Frequenzgänge tot zu linearisieren. Der schön zu messende "Linealstrich" lässt den Messwertefreak ruhig schlafen, klingt vielleicht sogar schön "neutral" - wie es sich aus Sicht vieler gehört, wenngleich um den Preis eines Wirkungsgrades von 0,5% oder noch niedriger - und ist damit garantiert zum Sterben langweilig... Denn jedes Filterelement filtert nicht nur Frequenzen, sondern den Klang gleich mit.


Empfindlichkeit des menschlichen Gehörs,
Quelle: Wikipedia

Freitag, 4. März 2011

Tipp für Tuberoller: Isopropyl-Alkohol-Schachteln für Röhren

Häufig sind NOS-Röhren leider nicht mehr mit den Original-Schachteln zu bekommen ("NIB" = New in Box), sondern werden in neutralen weißen Schachteln geliefert - oder sogar ganz ohne Schachteln, für den Versand dick eingerollt in Luftpolsterfolie. Zu Hause angekommen, wandern die Schätzchen ja nicht unbedingt gleich immer in den Röhrensockel des Verstärkers und "fliegen" dann in der Gegend rum, denn wir sind natürlich zu bequem, uns stets genug neutrale leere Schachteln auf Vorrat zu halten, nicht wahr?!

Die Aufbewahrung in einer Vitrine scheidet aus - für so viel Vitrinen wie benötigt wäre gar kein Platz, vom Veto der besseren Hälfte mal ganz zu schweigen ("Willst du deine Glühbirnen jetzt auch noch in einer Vitrine zur Schau stellen?!")... Also ab in die Kiste damit, und nach einigen Tuberolling-Sessions sieht´s dann oft so aus:



Das geht natürlich gar nicht, die Gefahr, dass eine Röhre kaputt geht, wächst mit der Anzahl "loser" Röhren... Aber jeder gute Hifi-Haushalt verfügt natürlich stets über Isopropyl bzw. Isopropanol zum Mixen von Schallplattenreinigungslösung (2/3 dest. Wasser, 1/3 Isopropyl, 1 Tropfen Spülmittel) - und in der Größe "N2" (200 ml) erhält man gleich die Schachtel mit idealer Größe für 300B, 2A3 oder AZ12 mit!




Also, ordentlich Schachteln sammeln - raus mit der Flasche, rein mit der Röhre - Bruchgefahr gebannt! Meine Frau wundert sich inzwischen, warum so viele lose Isopropyl-Flaschen in der Abstellkammer stehen und wer die denn wohl brauche... ;-)

Dienstag, 1. März 2011

Auszüge aus "High Fidelity - Hommage an die Musik"

Kennt sie noch jemand, die Zeitschrift "High Fidelity - Hommage an die Musik"? Eine außerordentlich liebenswert aufgemachte Zeitschrift, von der 1996/97 in Deutschland leider nur 5 Ausgaben erschienen sind. Die Besonderheit an dieser Zeitschrift war, dass das französische Original ins Deutsche übersetzt wurde, so dass die Texte ihren ganz eigenen Charme hatten. Das Layout war, nun, innovativ und erforderte die ganze Aufmerksamkeit des Lesers.
 
Ich habe Kontakt mit dem damaligen Chefredakteur, Jean-Frédéric Reeb, aufgenommen und von ihm freundlicherweise die Freigabe erhalten, hier Auszüge aus der Zeitschrift präsentieren zu dürfen. Dafür möchte ich ihm an dieser Stelle ganz besonders danken!

Der Grund, weshalb ich in diesem Posting einige Artikel zusammengetragen habe, ist ganz einfach: Es wurden viele außerordentlich interessante Röhrenverstärker vorgestellt, die damals zumindest in dieser Konzentration nirgendwo anders besprochen wurden. Es waren auch einige Geräte von kleineren Herstellern dabei, die nicht unbedingt so sehr im Fokus standen. Insbesondere das Röhrenspezial in Ausgabe 4 verdient besondere Erwähnung.

Ich habe die Doppelseiten als jpg-Dateien eingescannt und der Einfachheit halber als Slideshow bereitgestellt. Über das Menü kann die Slideshow angehalten oder vorwärts bzw. rückwärts geblättert werden. Durch Klicken auf ein Bild gelangt man in das Picasa-Webalbum und kann sich die Bilder zum Lesen größer zoomen. Viel Spaß!
  

Tuberoller´s Guide to the Galaxy

Die Anlehung des Posting-Titels an Douglas Adams´ Bestseller "The Hitchhiker´s Guide to the Galaxy" ist dem Fan natürlich nicht entgangen. Zum Tuberolling im Allgemeinen und den (vermeintlichen) Klangunterschieden verschiedener Röhren - insbesondere zwischen NOS und NEU - im Besonderen gibt es wohl mehr Meinungen als NOS-Röhren, die die Bezeichnung auch verdienen... Ein Thema mit viel Zündstoff und Raum für Mythen, fast chaosgleich - genau wie die Abenteuer, die der Protagonist Arthur Dent in vorgenannter Romanserie durchlebt.

Die eine Fraktion, ich nenne sie einfach mal die "technikgläubige Fraktion", steht auf dem Standpunkt, dass jede Röhre, die die gleichen Spezifikationen erfüllt bzw. aufweist, in gleicher Schaltungsumgebung auch gleich klingt. Klangliche Unterschiede verschiedener Röhren (NOS oder NEU bzw. Unterschiede zwischen verschiedenen Marken/Herstellern), bei denen exakt gleiche Parameter gemessen werden, werden negiert. Die Röhre als profanes Bauteil - was sich gleich misst, klingt auch gleich. Dass sich längst nicht alle Parameter messen bzw. erfassen lassen, wird dabei außer acht gelassen. Ohne das despektierlich zu meinen, scheinen zu dieser Fraktion häufig altvordere Radio- und Fernsehtechniker zu gehören - fürderhin unbestritten in der Lage, nicht nur verletzungsfrei sondern gar virtuos mit einem Lötkolben umzugehen - die aber über wenig bis keine Erfahrung mit High-End-Audio verfügen und eine 500 €-EL34 Push-Pull-China-Gurke für eine große Errungenschaft halten.



Gruppenbild mit Dame: ECC40 von Valvo, Siemens und Philips - gibt es wirklich Klangunterschiede?


Andere wiederum, fassen wir sie zusammen als Fraktion der "kompromisslosen Freaks", negieren zwar nicht den grundsätzlichen klanglichen Einfluss von Röhren, finden Tuberolling aber langweilig. Der kompromisslose Freak vertritt die Auffassung, dass der Klang einer Komponente in erster Linie vom schaltungstechnischen Design bestimmt werde und darüber hinaus von der Qualität der verwendeten Bauteile. Ölpapierkondensatoren, Übertrager-Kopplung, Silberinnenverdrahtung - da geht schon was. Wenn das schaltungstechnische Design nicht stimme, könne man mit einer guten Röhre auch nichts mehr retten - da stimme ich übrigens uneingeschränkt zu. Weiterhin deuteten signifikante klangliche Unterschiede verschiedener Röhren eher auf ein schlechtes schaltungstechnisches Design hin. Nun, diese Sichtweise teile ich nicht ganz, da ich sehr wohl bisweilen deutliche Klangunterschiede zwischen verschiedenen Röhrenderivaten gleichen Typs auszumachen meine, bislang aber noch nicht der Auffassung war, bei meiner Sun Audio Uchida oder meiner Audio Note M2 Phono - gleichwohl gewiss nicht "State of the Art" - handele es sich um schaltungstechnische Gurken, die ihr Licht unter den Scheffel stellen müssten...

Es gibt sicherlich noch weitere Fraktionen; diese voll umfänglich darstellen zu wollen wird jedoch nicht nur für den Leser ermüdend, sondern es erscheint mir ob ihrer Anzahl gar unmöglich. Daher folgt nun ein Erklärungsversuch, warum es insbesondere zwischen NOS-Röhren und Röhren neuer Produktion m.E. klangliche Unterschiede gibt.

  1. Bis zum breiten technischen Durchbruch des Transistors in den 1960er Jahren war die Röhre "Stand der Technik" - ein Massenprodukt, welches fertigungstechnisch ausgereift in großen Stückzahlen produziert wurde. Verwendete Materialien  und Produktionsprozesse sind über viele Jahrzehnte optimiert worden - das Wissen um den Bau einer guten, stabilen und langlebigen Röhre war allgemein bekannt in den vielen unterschiedlichen Produktionsstätten.
    Heute hingegen produzieren nur noch wenige Manufakturen (Hifi-)Röhren; viel des Expertenwissens ist verloren gegangen, weil es nicht mehr verlangt war - es ist buchstäblich "ausgestorben" und einige wenige, spezialisierte kleine Manufakturen sind bestrebt, es sich wieder anzueignen, um Röhren in gleichwertiger Qualität wie vor einigen Jahrzehnten zu produzieren. Produktionsanlagen wurden damals verschrottet oder nach Asien verschifft, wo sie im Laufe der Jahrzehnte - sofern heute noch in Betrieb - gewiss nicht besser geworden sind.
      
  2. Durch Umweltschutzauflagen und - zumindest für die Nische High-End-Hifi - zum Teil völlig schwachsinnige, sinnentleerte und bürokratische Regularien wie die europäische RoHS-Richtlinie  dürfen bestimmte Stoffe nicht mehr oder nur noch in bestimmten Mengen verarbeitet werden. Das bedeutet, dass bestimmte Stoffe im Herstellungsprozess einer Röhre substituiert werden müssen, was nicht immer unbedingt ohne weiteres möglich ist.
      
  3. Alterungsprozesse der Metalle führen dazu, dass Spannungen an Korngrenzen der Metalle abgebaut werden und dem Elektronenfluss geringere Widerstände entgegengesetzt werden. Ein Effekt, den auch bestimmte Verstärker-Hersteller durchaus erkannt haben: So lagern einige Manufakturen z.B. ihre Ausgangsübertrager aus Kupfer- oder Silberdrähten über viele Jahre ab, bevor sie verbaut werden - genau aus vorgenanntem Grund.
Gewiss gibt es noch weitere Gründe, die sich mir jedoch nicht alle in Gänze erschlossen haben und ich habe auch gewiss nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen. Aber ich habe Ohren zum Hören und bilde mir ein, sehr genau klangliche Facetten unterschiedlicher Röhren differenzieren zu können. Worin diese nun genau begründet liegen ist mir - und hier möchte ich den Sachverhalt einfach mal mit einer Plattitüde auf den Punkt bringen - völlig Banane. Ich unterstelle einfach mal, dass mich zumindest ein bis zwei Herren aus dem Raum Gröbenzell bzw. Puchheim verstehen...

Tube-Rolling macht mir einfach Spaß, und wem das zu langweilig ist, der hat meinen Segen. Ich beneide diejenigen sogar um ihre Gelassenheit. Und jedem, den regelmäßig dieses (mir durchaus bekannte) unruhige Gefühl beschleicht, ob die Röhre Y nicht eventuell doch noch besser klingen könnte als die Röhre X oder Z, die man ja schon besitzt und man sich nächtelang das Gehirn zermartert, welcher Dealer diese Röhre für mich denn wohl bereithält... dem möchte ich raten, es mit Ford Prefect zu halten, der auch schon Arthur Dent riet: "Don´t Panic!" - sich seine Sucht einzugestehen ist der erste Schritt auf dem Weg, mit ihr leben zu können...