Samstag, 28. Mai 2011

Review: Pointos Quanta

Vor gut zwei Wochen kam die Pointos Quanta zu mir zu Besuch (vgl. hier), schick in Raucheiche gekleidet. Optisch und haptisch hinterließ sie also gleich einen sehr guten Eindruck, die Verarbeitung war (und ist) einwandfrei - schön!
 
Aber was für einen Lautsprecher haben wir denn technisch gesehen eigentlich vor uns? Dem Kenner fällt sofort der 20cm-Vollbereichs-Breitbänder eines bekannten italienischen Herstellers ins Auge, daher halte ich die Wirkungsgradangabe von 92 dB eher für konservativ, hier können ruhigen Gewissens locker 2-3 dB hinzu addiert werden. Die Nennimpedanz von 4 Ohm haken wir als gegeben ab - die Ausgangsübertrager meiner Uchida laufen zwar auf der 8 Ohm-Anzapfung, aber das hat z.B. im Betrieb mit dem CH250-Chassis von Ciare - ebenfalls ein "4-Öhmer" - auch nie Probleme bereitet.
 
 
 
Schlanke Silhouette: Pointos Quanta in Rauchesche
 
 
Das gleichwohl erwachsene, aber nicht übergroße Gehäuse hat eine schlanke Silhouette von 29 cm Breite und wirkt in der Proportion zur Höhe von ca. 103 cm elegant - potenzielle Kunden, die auf einen hohen wife acceptance factor angewiesen sind, haben mit der Quanta gleich gute Karten. Dafür baut das Gehäuse - von vorne kaum auffällig - mit 46 cm recht tief, was seinem Transmissionline-Prinzip geschuldet ist. Das ist insofern bemerkenswert, als ich diesen Treibertyp bislang nur in Hörnern oder Bassreflex-Kisten erlebt habe. Ambitioniert erscheint mir die Angabe der unteren Grenzfrequenz von 35 Hz (-3dB-Punkt) - da ich bin sehr gespannt!
 
Der für mich persönlich wichtigste Aspekt ist jedoch, dass der Treiber völlig filterlos läuft: kein Sperr- oder Saugkreis, keine Impedanzlinearisierung - nichts! So soll es sein, kein weiteres Bauteil im Weg, welches Wirkungsgrad kostet und die Seele der Musik in Wärme umwandelt... Ein Entwicklungsansatz, den man übrigens viel zu selten erlebt: Man nehme ein anständiges Breitbandchassis, schneidere diesem ein passendes Gehäuse auf den Leib und verzichte auf jedwedes Filternetzwerk, welches den armen Lautsprecher doch nur zu Tode linearisiert und ihn wie einen billigen Abklatsch seiner selbst klingen lässt. Hauptsache, der Frequenzschrieb ist linealgerade, und dass die Phase eine Achterbahnfahrt macht, erscheint ja eh´ in keinem Prospekt... Sei´s drum, ich schweife ab - die Quanta rennt bei mir mit ihrem technischen Ansatz jedenfalls offene Türen ein.
 
Die Lautsprecheranschlüsse sitzen auf Chassis-Höhe im Ausgang der rückwärtigen, am oberen Ende des Gehäuses befindlichen Transmissionline; eine kürzere Innenverkabelung dürfte kaum möglich sein. Beste Voraussetzungen also für das Zusammenspiel mit meinem Röhren-Eintakter.
 
 
 
Master & Servant
 
 
Die Quanta hat solide Lautsprecheranschlüsse zur Aufnahme von Bananen-Steckern oder blanken Litzen. Vorsicht beim Lösen: Zu weit gedreht, fällt einem womöglich die "Mutter" des LS-Terminals in den TL-Kanal - dann hilft nur noch ein Teleskop-Arm oder das Auf-den-Kopf-Stellen der Box...
 
 

 
Vorsicht - nicht fallen lassen,...
 
 
   
...denn hier geht´s abwärts!
   

Und wie klingt sie nun? Zunächst bestätigte die Praxis, dass der angegebene Wirkungsgrad sehr konservativ ist. Die 3,5 Watt meiner Uchida (respektive 2,3 Watt mit Monoplates) reichten in meinem ca. 40 qm großen Raum für alle Lebenslagen aus, ohne dass jemals der Verdacht aufkam, hier wäre mehr Leistung von Nöten.

Im Zusammenspiel mit der Audio Note M1 Phono und dem Funk Firm Vector III musste sich der Lautsprecher bei mir zunächst noch etwas "freispielen"; meiner Erfahrung nach benötigt ein solcher 20cm-Breitbänder nämlich locker 80 bis 100 Stunden, um so richtig zu Potte zu kommen - die dürfte er nach vorheriger zweiwöchiger Einspielzeit wohl noch nicht auf der Uhr gehabt haben. Danach aber verschwanden auch die zuvor noch vernommenen kleinen Härten im Mittel- und Hochtonbereich.

Jetzt erst machte es Sinn, die Feinjustierung der Aufstellung vorzunehmen: Gegenüber der ursprünglichen Aufstellung (2,50 m Basisabstand, Abstand zur Rückwand 40 cm, Einwinkeln auf den Hörplatz so weit, dass von dort die seitlichen Innenflächen des LS so gerade eben zu sehen waren) drehte ich die LS wieder etwas weiter nach außen, so dass sich die Achsen deutlich hinter dem ca. 3 m entfernten Hörplatz kreuzten. Außerdem rückte ich die LS noch etwas weiter von der Rückwand ab (Abstand ca. 50 - 60 cm). Sie standen nun recht frei und die Absorber wichen für die weiteren Hör-Sessions den mitgelieferten Spikes. Mein "Hörraum" ist eher schwach bis mittelmäßig bedämpft, in anderen Räumen können sich natürlich ganz andere Aufstellungen als optimal erweisen.
 


20cm-Breitbänder mit Schwirrkonus
 

Auf den Plattenteller kam Rockiges bis Poppiges von Queen, R.E.M., U2 oder Coldplay, aber auch von den Shout Out Louds, The Smiths, Tracy Chapman, The Pogues, Warsaw (Joy Division), ebenso wie Klassisches (Vivaldis Vier Jahreszeiten (Yehudi Menuhin)) - ein ziemlich bunter Mix also.
 
Schnell war klar, dass dieser substanzielle, tiefe und gleichzeitig saubere Bass die Herstellerangabe zur unteren Grenzfrequenz keinesfalls Lügen strafte. Diese Wucht und Autorität hatte ich von einem solch kleinen Chassis - zumal einem Breitbänder! - nicht erwartet. Die Abstimmung der Transmissionline ist hier ohrenscheinlich sehr gut gelungen.

Der Tiefton war jedoch nicht überdominant oder vordergründig, sondern fügte sich harmonisch in das bruchlose Gesamtbild. Stimmen kamen sehr plastisch und sauber artikuliert; mit zunehmender Spieldauer schien der eine oder andere Sänger auch das Rauchen aufgegeben zu haben. Gerade im Stimmenbereich ließ sich sehr gut nachvollziehen, dass ein Breitbänder eine Weile braucht, bis er voll auf der Höhe ist.
 
Obertonreiche Instrumente hatten eine großzügige Strahlkraft und leuchteten eher silbrig als gülden - hier ist das richtige Einwinkeln der LS auf den Hörplatz wichtig, um die dem persönlichen Hörempfinden nach richtige Hochtondosis "abzuschmecken". Oder umgekehrt ausgedrückt: Ein solcher Breitband-Lautsprecher bietet im Gegensatz zu herkömmlichen Mehrwegekonzepten die Option, hier seine Experimentierfreude auszuleben, ohne dass es eines Pegelstellers für den "Tweeter" bedürfte. Paradoxerweise führt also gerade das häufig monierte Bündelungsverhalten von Fullrange-Breitbändern im Hochtonbereich zu einer gewissen Flexibilität. Das funktioniert natürlich nur, wenn beim "Ein- und Auswinkeln" der LS die Bühne nicht zusammenbricht respektive auseinanderreißt - und genau das ist bei der Quanta nicht der Fall.
 
Richtig aufgestellt, bietet die Quanta ein hohes Auflösungsvermögen, das - anders, als es der Schwirrkonus und das Fehlen eines Filternetzwerks vielleicht erwarten ließen - gerade in Verbindung mit Röhrenverstärkern über ein sehr schönes Hochton-Roll-Off verfügt.

Der so genannte "Sweet Spot" ist übrigens weit weniger ausgeprägt, als Breitbändern aufgrund ihrer Richtwirkung im Hochtonbereich Prinzip bedingt üblicherweise zugesprochen. Auch zwei oder drei Hörer nebeneinander kommen bei ca. 3 m Abstand in den vollen Klanggenuss, ohne dass es an Obertonglanz fehlt.
  
  
 
Ausgewachsener Allrounder: Pointos Quanta
 
 
Die Pointos Quanta ist ein sehr harmonisch abgestimmter, alltagstauglicher Allrounder, der im wahrsten Sinne des Wortes verdammt viel Lautsprecher für den aufgerufenen Kurs bietet. Ich täte mich schwer damit, auf die Schnelle eine Hand voll preisgleicher Alternativen aufzuzählen, die den gleichen (handwerklichen) Gegenwert bieten und klanglich derart röhrenkompatibel sind - was nicht heißen soll, dass dieser LS nicht auch mit transistorisierten Verstärkern klar käme (gleichwohl ich dies nicht ausprobiert habe). Wer - wie ich - dem Charme von Breitbändern erlegen ist, budgetmäßig aber nicht unbedingt einen Salabert-Treiber oder ein Seas Exotic "stemmen" möchte, dem möchte ich diesen Lautsprecher unbedingt ans Herz legen. Chapeau!

Weitere Infos und technische Daten gibt es auf der Website von Pointos.

...und noch mehr Bilder von der High End 2011 in München

Augenscheinlich gab es in München jede Menge spannende Pretiosen... Eine kleine Bilder-Auswahl habe ich hier "herausgezogen" - unten ist wieder eine Slideshow mit insgesamt 104 neuen Bildern (zusätzlich zu den bereits hier eingestellten). Viel Spaß und danke, Christian!


 
Ausgefallene Hörner von Färber Acoustic Art
 
 
 
Fette Teile von G.I.P. Laboratory
 
 
 
Röhren- und Lautsprecher-Guru Ulf Moning auf neuen Pfaden mit NuForce...
 
 
 
Edles von Silbatone
 
 
 
Historisches: WE16B
     
    

Freitag, 27. Mai 2011

Fehlende Manuals zu alten Geräten

Auf dem Gebrauchtmarkt (in der "Bucht", audio-markt, etc.) werden immer wieder interessante (ältere) Geräte angeboten. Oftmals fehlen jedoch die originalen Manuals oder Produktinfos und die wenigsten Hersteller bieten auf ihren Webseiten Infos zu früheren Geräten - oder es gibt den entsprechenden Hersteller gar nicht mehr.

Schön, dass es die Seite hifi-manuals.com gibt - eine gigantische Datenbank mit (nach Angaben auf der Seite) über 65.000 Manuals von über 750 Herstellern. Die Anmeldung sowie die Dokumente sind kostenlos; einzige Einschränkung: Es können nur bis zu drei Dateien pro Tag heruntergeladen werden. Damit kann ich leben...

Mittwoch, 25. Mai 2011

12B4 Line Stage Kit von Old Stock Audio

Der Markt ernsthafter und dennoch günstiger Röhrenvorverstärker, sagen wir einmal bis ca. 2.500 € (mit Röhren-Phonostufe), ist relativ übersichtlich. Mir fällt da zunächst nur die Audio Note M1 Phono ein (demnächst mehr zu ihr in diesem Blog). Zwischen 2003 und 2007 gab es die schnuckelige, wunderschöne und verdammt gut klingende Dynavox DynaGroove (damaliger NP: 1.500 €) - wer sie irgendwo gebraucht in gutem Zustand angeboten bekommt: zuschlagen! Und dem Vernehmen nach soll demnächst ein Röhrenvorverstärker von Kraut Audio mit Röhren-Phonoteil und Röhren-Gleichrichter für ca. 2.500 € auf den Markt kommen. Und sonst...?! Für einen MFE Tube One SE, einen J.C. Verdier Control B Evolution (mit anständigem Netzteil) oder einen Audio Note M2 Phono stellt man sich gleich (mindestens) an der 4k-€-Kasse an.
 
Wer hingegen verletzungsfrei einen Lötkolben halten kann, jedoch eher nicht so der "Entwicklerfuchs" ist, der sollte sich einmal das neue 12B4 Line Stage Kit von Old Stock Audio (USA) ansehen.
 
 
  
Röhrenvorstufe von Old Stock Audio mit der 12B4
 
 
Es kostet als Basis-Kit 1.200 US$ und kann auf Wunsch gegen Aufpreis vormontiert oder mit zusätzlichen Optionen bestellt werden. Und keine Sorge wegen der Netzspannung - das Kit ist so ausgelegt, dass der Verstärker an alle Netzspannungen weltweit angepasst werden kann.
 
Das Besondere ist, dass der Röhren-Pre weitgehend aus NOS-Bauteilen besteht (nicht nur die Röhren - der Name "Old Stock Audio" ist hier Programm!) und zudem für meinen Geschmack optisch sehr gelungen ist. Zwar verfügt er von Haus aus leider nicht über einen Phonozweig. Wer jedoch die Variante mit externem Netzteil ordert, der hat im Gehäuse genug Platz, einen eigenen Phonozweig zu integrieren. Weitere Infos hier auf der Seite von Old Stock Audio.

Montag, 23. Mai 2011

Impressionen von der High End 2011 in München

     
 
 
Hier sind einige Bilder von der High End 2011 in München - viel Spaß beim Stöbern und vielen Dank für die Bilder, Peter!
 
Hier gibt es ein follow up zur High End und unten mal was "Amtliches" von der High End: WE16B...
 
 

Samstag, 21. Mai 2011

Die Triode 45

Die Triode ´45 ist eine sehr verbreitete, bekannte direkt geheizte Triode und ihre Vorstellung damit obligatorisch. Sie erblickte 1928 das Licht der Welt (als UX245, aber auch unter UN245, 345, etc. bekannt) und liefert 1,6 bis maximal 2 Watt. Sie ist auch heute noch recht leicht zu beschaffen, schließlich war sie gerade in den USA Anfang der 1930er Jahre die Standardröhre für Radiogeräte. Ihre direkte Nachfolgerin ist übrigens die 2A3 - diese verfügt schlicht über zwei Systeme der 45er in einem Kolben (außer natürlich 2A3 Monoplates).
 
  
  
Triode 45 von RCA Cunningham; Bildquelle: tubeworld.com
  
  
Die technischen Daten der 45 gibt´s übrigens - wie zu fast allen Röhren - auf der tollen Seite von Frank Pocnet. Die 45 klingt sehr feinsinnig und musikalisch, einer 2A3 nicht unähnlich - wen wundert´s. Allerdings ist sie im Bass nicht gerade ein Haudrauf, im Zweifelsfall scheint ihr ob ihrer limitierten Leistung dann doch schon mal die Puste auszugehen. HOCHwirkungsgradlautsprecher sind also unabdingbar, unter 96 dB/W/m läuft hier nicht viel zusammen.

Es gibt eine ganze Reihe interessanter Endverstärker mit der 45 - als erstes möchte ich den Audio Note Paladin nennen, der mit ca. 2.600 € (ohne Röhren) ja schon fast als Sonderangebot im AN-Portfolio gelten darf. Über diesen Verstärker gibt es übrigens einen sehr schönen (Online-)Artikel von Cai Brockmann im Röhrenbuch 2 von hifi tunes, der frei lesbar ist!

Ein weiterer toller Verstärker kommt von Yamamoto Sound Craft, nämlich der A-08S:



Yamamoto A-08S mit der Triode 45; Bildquelle: Website von Yamamoto Sound Craft
 
 
Mir persönlich gefällt diese "Altar-Bauweise", wie sie z.B. auch typisch für viele Shindo- oder Sun Audio-Geräte ist, sehr gut - hier wird die Endröhre in den Mittelpunkt gestellt und ein Verstärker "drumherum" gebaut. Einen interessanten Bericht über den Yamamoto A-08S gibt es auf 6moons. In Deutschland kann der Bausatz des A-08S übrigens bei Jac-Music erworben werden.
  
Von Tubelover Indonesia gibt es Doppel-Monos mit der 45 als Endtriode, die von der seltenen Telefunken RE134 als Treiber angesteuert werden:



Doppel-Monos mit 45 und RE134-Treiber von Tubelover Indonesia
  
   
Und natürlich verbaut auch Thomas Mayer (VinylSavor) die 45 in seinen Verstärkern, wie z.B. in diesem:
  
  
  
Stereo-Endstufe mit der 45 von Thomas Mayer
 
 
Einzig überraschend finde ich, dass Ken Shindo meines Wissens nie eine 45er-Endstufe gebaut hat - sollte ich mich irren, straft mich gerne Lügen und nennt mir das Modell, gerne mit Bild.

Mittwoch, 18. Mai 2011

Frisch eingetroffen: Hochwirkungsgradlautsprecher Pointos Quanta

Ah ja, da sind sie also - die beiden soeben von der Spedition angelieferten Holzkisten aus Berlin. So groß und schwer, dass man sie gerade eben noch einigermaßen bequem allein bewegen kann. Absender ist Norman Schur, der Inhaber der in Berlin ansässigen, noch recht jungen Lautsprechermanufaktur Pointos Audiosysteme.
   
   
Dem aufmerksamen Blog-Leser ist nicht entgangen, dass sich bereits seit geraumer Zeit in der linken Sidebar ein direkter Link zur Pointos-Website befindet. Hintergrund ist, dass ich eher zufällig auf Pointos gestoßen bin. Und da es insbesondere kleine, junge Manufakturen sehr schwer haben, mangels einnahmeträchtiger Großanzeigen in den jeweiligen Publikationen der Fachpresse überhaupt von dieser wahr genommen zu werden und auf eine Produktvorstellung hoffen zu dürfen, ist es mir ein persönliches Anliegen, so vielversprechenden Geräten in meinem Blog ein entsprechendes Forum zu geben.
  
   
Deckel ab: Zunächst musste ich 30 Schrauben mit dem Akku-Schrauber entfernen, bis ich die Deckel abnehmen konnte...
 
Nach der ersten Kontaktaufnahme vor wenigen Wochen fragte ich Norman Schur, ob er Interesse habe, mir für Testzwecke ein Lautsprecherpärchen zur Verfügung zu stellen - er hatte. Ein Pärchen seines größten Modells - der Quanta - befand sich gerade in der Fertigung und nach weiteren zwei Wochen Einspielzeit "zu Hause" in Berlin gingen die Lautsprecher anschließend auf die Reise zu mir.
 
In etlichen Telefonaten und durch regen Email-Austausch wurde mir alsbald klar, dass Herr Schur in Sachen Lautsprecherbau ein Durchblicker ersten Ranges ist und wir "philosophisch voll auf einer Welle" sind: Fullrange-Breitbänder, möglichst hoher Wirkungsgrad, kein Filternetzwerk.
   
 
Also flugs die Lautsprecher ausgepackt und zunächst einmal grob positioniert: ca. 2,50 m Basisabstand zueinander, Abstand zur Rückwand ca. 40 cm, und - der Empfehlung von Norman Schur folgend - soweit auf den Hörplatz eingewinkelt, dass die jeweiligen inneren Seitenwände von dort aus gerade eben noch zu sehen sind. Der Abstand zum Hörplatz beträgt ca. 3 - 3,50 m.
 
"Aufgebockt" habe ich die Lautsprecher zunächst auf die bereits in meinem Blog vorgestellten Sorbothane-Absorber P2+ von bFly-Audio. Einerseits bin ich von deren Eignung auch für Lautsprecher überzeugt, andererseits ist so das anfängliche Umpositionieren der Lautsprecher komfortabler zu bewerkstelligen als mit Spikes. Natürlich werde ich die mitgelieferten Spikes später auch noch ausprobieren.
 
 
Lautsprecher-Untersetzer: Sorbothane-Absorber von bFly-Audio
 
 
Die Pointos Quanta ist nun also für zwei Wochen in mein Wohnzimmer eingezogen und darf mit meiner Uchida eine temporäre Liaison eingehen - vielleicht wird es ja eine aufregende Affäre für beide. Sie wird auch in den Genuss verschiedener 2A3-Derivate kommen - ich bin sehr gespannt! In ca. drei Wochen werde ich in einem Posting über meine Eindrücke zu diesem Lautsprecher berichten.

Dienstag, 17. Mai 2011

In memoriam: Bernard Salabert

Am Samstag, den 14. Mai 2011 verstarb Bernard Salabert, Kopf von PHY-HP (Haut parleurs)®. Der Hifi-Szene geht mit ihm einer seiner kreativsten und genialsten Köpfe verloren; er war für viele Inspirateur und ließ längst verloren geglaubtes Wissen um die Kunst des Lautsprecherbaus wieder aufleben.
 
  
  
In memoriam: Bernard Salabert

Samstag, 14. Mai 2011

Hochwirkungsgradlautsprecher: Variante der "Breezer" aus K+T 2/2011

Der Beitrag zur ursprünglich hier gezeigten Variante der Breezer wurde von mir auf Wunsch des Erbauers bzw. des Herstellers des alternativ zum Seas FA22RCZ verwendeten Chassis wieder entfernt.
 
 
 
 
Demnächst werde ich wieder über das Seas FA22RCZ und über weitere Breezer-Varianten berichten.

Dienstag, 10. Mai 2011

Die Triode RE604

Mehr als ein Mal habe ich mir das Gejammer inzwischen anhören dürfen und bin gescholten worden, warum ich denn nicht endlich mal über eine "anständige" Röhre berichte - nämlich über die RE604, die doch z.B. gegenüber der 2A3 eine mindestens ebenbürtige Alternative sei! Also beuge ich mich dem Druck und stelle ich sie nun kurz vor... ;-)

Die RE604 ist eine deutsche Triode mit 10 Watt Anodenverlustleistung, was unter dem Strich zu einer Ausgangsleistung von ca. 2,6 Watt führt. Diese Röhre ist inzwischen sehr schwer zu finden und gehört(e) stets mit zu den bevorzugten Typen von Jean Hiraga. Sie gilt als sehr detailfreudig und obertonreich - Freaks verwenden sie z.B. gern in Verbindung mit Mittel-Hochton-Hörnern mit Druckkammertreiber.

 
 
RE604 von Telefunken; Bildquelle: Tube-Audiodesign-Kassel
 
 
 
RE604 von Telefunken; Bildquelle: Radio Studio X
   
    
Für technisch Interessierte finden sich in der folgenden Darstellung einige Daten, die einen Vergleich zwischen der AD1 und der RE604 (und der RE614) herstellen. Die RE604 ist eine Vorgängerin der AD1; bei der letztgenannten Röhre wurden gegenüber der RE604 etliche Verbesserungen vorgenommen wie z.B. eine höhere Anodenbelastbarkeit (= höhere Leistungsabgabe), Verminderung der Verzerrungen oder ein verbesserter mechanischer Aufbau.
 
 
 
  
Besonders viele Verstärker mit der RE604 finden sich nicht im Netz. Allerdings bin ich auf die mir bislang unbekannte, sehr interessante indonesische Seite von Tubelover Indonesia gestoßen, wo ich folgenden schönen RE604-Verstärker entdeckt habe. Treiberröhre ist hier die 10Y (= VT-25A), Gleichrichter eine RGN2504.
 
 
 
Verstärker mit der RE604 von Tubelover; Bildquelle: ebenda
 
 
Folgender Verstärker von Tubelover hat einen komplexeren Schaltungsaufbau: Wieder eine Telefunken RGN2504 als Gleichrichter, eine Marconi L63 als Eingang und die Telefunken RE604 als Treiber für eine Telefunken RS241...
    
 
         
Verstärker von Tubelover mit der RE604 als Treiber; Bildquelle: ebenda
      
   
Das historische Radio Körting "Ultramar" mit einer RE604 Gegentaktendstufe gibt es im technikum29 zu sehen. Wer Japanisch beherrscht, ist sicherlich auf der Seite von biglobe gut aufgehoben, hier gibt es folgenden schönen Verstärker mit der RE604 zu sehen sowie eine Vielzahl weiterer Bilder der RE604.
   
   


   
Endstufe mit der RE604; Bildquelle: www5b.biglobe.ne.jp

Montag, 9. Mai 2011

Vorschau: High End Messe in München vom 19. bis 22. Mai 2011


Nun ist es bald also wieder so weit: Europas größte und bedeutendste Veranstaltung in Sachen Hifi steht wieder vor der Tür - für manche fast wie Weihnachten. Aber offenbar nicht für alle: Meiner jüngsten Umfrage zu Folge - gleichwohl nicht repräsentativ - interessieren sich nur 30% für die High End (6/20), während 70% diese Veranstaltung eher kalt lässt (13/20 zzgl. einem Umfrageteilnehmer, der angab, die High End nicht zu kennen). Sei´s drum!

Alle notwendigen Informationen zur High End 2011 gibt es auf den Seiten der High End Society. Leider musste ich dort lange suchen, bis ich das Ausstellerverzeichnis gefunden habe - warum das unter Presse => Presse Service High End => Markenverzeichnis versteckt wurde, ist mir nicht ganz klar...
  
 
  
 
Etliche Marken, die mich interessieren, sind nicht vertreten. So vermisse ich z.B. Dynamikks!, Funk Firm, Kondo, Audio Note, Sun Audio (Japan), Auditorium 23, J.C. Verdier,... zumindest habe ich sie in der Ausstellerliste nicht gefunden. Daher werde mir die lange Reise ans (aus meiner Sicht) andere Ende Deutschlands wohl schenken. Wer jedoch die High End besucht und tolle Fotos schießt von Röhrenverstärkern, Hochwirkungsgrad-Lautsprechern oder neuen, interessanten Plattenspielern, der kann mir diese gerne per Email an carsten.bussler@web.de senden - ich werde sie dann in einem Extra-Posting veröffentlichen.

Kleiner Tipp für alle, die ebenfalls nicht zur High End fahren: Auf der homepage der image hifi gibt´s unter "Messeberichte" stets tolle Bilderserien und Infos zu bedeutenden Veranstaltungen - das wird dieses Mal sicher nicht anders sein!

Donnerstag, 5. Mai 2011

Die Sun Audio Uchida SV-2A3 - der Gleichrichter AZ12

Die Sun Audio Uchida SV-2A3 wird mit dem Gleichrichter 5U4G ausgeliefert. Der Umbau auf die AZ12 erfolgte - wie die Umrüstung von 6SN7GT auf ECC40 beim Treiber - aus den gleichen Gründen: Die AZ12 ist im Gegensatz zur 5U4G sehr leicht und günstig in guter NOS Qualität zu bekommen.
 
Klanglich sind grundsätzlich keine Unterschiede zwischen 5U4G und AZ12 auszumachen. Aber gibt es Unterschiede zwischen verschiedenen AZ12-Derivaten? Als Probanden habe ich mir AZ12 von Osram, Telefunken, Siemens und Valvo besorgt - sowie als mögliches "Schmankerl" eine Valvo AZ12 mit Mesh-Anode.

Da der elektromechanische Aufbau bis auf marginale Unterschiede bei den verschiedenen Röhren nahezu identisch ist, erwartete ich keine Unterschiede - und sie traten auch nicht auf. Konnte man z.B. bei den unterschiedlichen ECC40-Typen noch Unterschiede erahnen, war´s hier vorbei: Alle vier "Standard-AZ12" klangen völlig identisch.

Bemerkenswert war jedoch, dass die Valvo AZ12 mit Mesh-Anode anders - besser - klang: Sie bietet eine minimal feinere Auflösung und etwas mehr "Fluss" in der Musik. Diese Effekte stellte ich fest, nachdem Familienmitglieder für mich nicht sichtbar den Gleichrichterröhrentausch vornahmen, um einen echten "Blindtest" durchführen zu können und um Suggestiveffekte auszuschließen. Zugegeben, die Unterschiede sind keine Welten, rechtfertigen aber durchaus den höheren Preis für AZ12 mit Mesh-Anode - allerdings könnte ich persönlich genauso gut ohne "Mesh" leben. Hier noch einige Bilder der AZ12:
 
 
 
Telefunken AZ12
 
 
 
Osram AZ12
 
 

 
Valvo AZ12
 
 
 
 
Siemens AZ12
 
 


 
Valvo AZ12 mit Mesh-Anode
 

Montag, 2. Mai 2011

5 amazing RCA Tube Improvements

Die Berühmtheit und Bedeutung von Röhren der amerikanischen Radio Corporation of America - kurz RCA - ist sicherlich vergleichbar mit der deutscher Telefunken-Röhren. Beide Marken haben Röhren hervorgebracht, die heutzutage (zu Recht oder Unrecht sei dahingestellt) unglaublich "gehypet" werden - mit entsprechenden Konsequenzen für die Preise der entsprechenden Röhren.
   
Sehr interessant sind immer wieder die damaligen Werbemaßnahmen, mit denen die Manufakturen ihre Röhren beworben haben. Gegenüber dem Telefunken-Werbespot aus den 1950er Jahren wirkt diese RCA-Werbung zwar etwas spröder - aber nachvollziehbar sind die Werbeargumente noch heute, finden Sie doch regelmäßige Bestätigung bzw. Anerkennung bei Kennern und Hifi-Enthusiasten: