Donnerstag, 30. Juni 2011

Die Triode RS 241

Klar, nachdem ich im vorherigen Post die RS 242 vorgestellt habe, ist die Vorstellung deren verwandter Type RS 241 obligatorisch. Diese Senderöhre bringt im Single-Ended-Betrieb mit einer Anodenverlustleistung von 15 Watt optimistische 4 Watt Ausgangsleistung und ist damit etwas leistungsfähiger als die RS 242.
 
Es ist auffällig, dass die "größere" RS 241 etwas häufiger angeboten wird als die "kleinere" RS 242. Im Folgenden einige Bilder aktueller Angebote aus dem Netz:
 
 
 
Telefunken RS 241, Bildquelle: ebay-Verkäufer "cipsnaj"
 
 
 
Telefunken RS 241, Bildquelle: ebay-Verkäufer "wege-high-fidelity"
 
 
 
Für die Wehrmacht gefertigte RS 241, Bildquelle: ebay-Verkäufer "audiotubes_de"
 
 
Weitere Hintergrundinfos und Bilder gibt es übrigens auf den Seiten von vt52.com und in Jogis Röhrenbude. Viel interessanter als die Röhre selbst ist die Frage nach Verstärkern, in denen die RS 241 eingesetzt wird. Bemerkenswert, dass ausgerechnet wieder in Indonesien ein findiger Entwickler sitzt, der diese deutsche Röhre liebend gern verbaut:
 
 
  
Mono-Endstufen mit Telefunken RGN 4004 Mesh Plate als Gleichrichter, einer 6J5 als Eingangsstufe, einer 12E1 als Treiber und der Telefunken RS 241 als Leistungsröhre von Tubelover Indonesia


 
   
Mono-Endstufen mit Treiberstufe nach Aikido ( 6SL7 und 6CG7) und der Telefunken RS 241 als Leistungsröhre von Tubelover Indonesia
 
 
   
Wunderschöne Stereo-Endstufe mit RS 241 und 10Y von Tubelover Indonesia - ich weiß leider nicht, welche der beiden Röhren als Treiber fungiert...
   
 
 
Und hier mal was Exotisches aus dem Klipsch-Forum: die RS 241 als Treiber für eine Eimac 75TL
 
 
 
Und für alle Interessierten hier wieder das Datenblatt...

Dienstag, 28. Juni 2011

Die Triode RS 242

Die Triode RS 242 ist eine direkt geheizte Röhre mit 12 Watt Anodenverlustleistung, sie liefert damit fette zwokomma... Watt Ausgangsleistung. Sie ist etwas kleiner als die Schwestertype RS 241, die recht ähnliche Parameter aufweist. Die RS 242 wurde z.B. in kleinen transportablen Sendern (bis 10 m Wellenlänge) verwendet.
 
In einigen Kreisen werden dieser Telefunken-Röhre geradezu magische klangliche Eigenschaften bescheinigt; ich persönlich konnte sie leider noch nicht hören. Sie ist inzwischen so rar, dass sie kaum noch aufzutreiben ist. Ein gematchtes Pärchen ist schon fast ein Ding der Unmöglichkeit und die Preise... nun, ein schwieriges Thema.
     

 
 
  
Obere beiden Bilder: RS 242 von Telefunken, Jahrgang 1943
 

   
Weitere Telefunken RS 242 aus den 1940ern; Bildquelle hier
   
 
 
 
Telefunken RS 242 aus alten Wehrmachtsbeständen; Bildquelle: Wikipedia
   
   
Umso schöner ist es, wenn jemand - so wie Tubelover Indonesia - auf Bestände zurückgreifen kann und mit dieser Röhre Verstärker baut. Zwei besonders bemerkenswerte möchte ich hier kurz zeigen:
   
 
  
Mono-Endstufe mit mit 5Z3 Gleichrichter, Telefunken RS 242 als Treiber (!) und der AD1 als Leistungsröhre; Bildquelle: Tubelover Indonesia
 
 
   
Stereo-Endstufe mit RGN 2504 oder RGN 2004 Gleichrichter, KC3 als Treiber und Telefunken RS 242 als Leistungstriode; Bildquelle: Tubelover Indonesia
 
 
    
Früher wurde die RS 242 z.B. im 1935 von Telefunken entwickelten Sendeempfänger Ase 211 eingesetzt; Bildquelle: dr-boesch.ch
   
 
 
Und jetzt noch schnell was zum Schmachten... einige RS 242 und RE 084 von Telefunken; Bildquelle hier
   
   
 
Das Datenblatt für alle Interessierten; Bildquelle: 6bm8.lab.free.fr

Samstag, 25. Juni 2011

DIY: Triode Dick´s page

Eine interessante DIY-Adresse ist Triode Dick´s page. Dick baut Röhrenverstärker - Endstufen, vorzugsweise mit der 300B, aber auch Line-Vorverstärker und RIAA-Stufen. Dick ist Niederländer und seine Website ist ebenfalls komplett auf Niederländisch. Macht aber nix, da Dick fast alle Projekte als separaten pdf-Download in englischer Sprache anbietet. Wer Niederländisch spricht, der hat natürlich sowieso kein Problem...

Hier eine kleine Auswahl seiner Werke - ein Besuch seiner Website lohnt sich allemal, auch für Nicht-DIY´ler!
 
 
 
Klassisch: 300B-Endstufe "Ceasar II"
 
 
 
Schön: Cleo V Line-Vorverstärker mit AZ1, D3a und Ba
 
 
 
Knuffig: RIAA-Phonoentzerrer "PhonoDude" mit 5755 und 6X4 Gleichrichter

Dienstag, 21. Juni 2011

Cheap Trick: DIY Gerätebasen mit Sorbothane-Absorbern

Insbesondere Röhrengeräte gewinnen deutlich an Klangqualität, wenn sie durch Gerätebasen "ruhig gestellt" werden, da z.B. durch Trittschall hervorgerufene Mikrophonieeffekte bei den Röhren minimiert werden (können). Es gibt etliche Hersteller am Markt, die entsprechendes Zubehör anbieten und ihren Gerätebasen oft wahre Wunderdinge zubilligen (es wird bisweilen kolportiert, sogar Schnittblumen hielten sich länger, wenn die Vase auf einer Gerätebasis stehe) - um im gleichen Atemzug Preise hierfür aufzurufen, die dem einen oder anderen die Kinnlade runterklappen lassen.

Bevor ich aber für ein - gleichwohl handwerklich hervorragend gefertigtes - "Brett" 500 € oder noch viel mehr(!) ausgebe, lohnt es, sich ein paar eigene Gedanken zu dem Thema zu machen. Grundsätzliches Ziel ist es, mechanische Schwingungsenergie durch eine Gerätebasis vom darauf beherbergten Gerät fernzuhalten. Da sich Schwingungen nicht aufhalten lassen und auch auf Stoppschilder wohl kaum reagieren würden, müssen diese mikrokinetischen in thermische Energien umgewandelt werden. Einige Hersteller füllen dafür die in ihren Basen integrierten Kammern z.B. mit Bleischrot oder Sand - diese "lose" Masse wandelt Schwingungsbewegungen durch Reibung in Wärme um. Andere Hersteller wiederum verwenden einfach einen Mix aus unterschiedlichen Materialien zur Herstellung einer Sandwich-Basis - das ist alles; wie ein solcher Sandwich allein ohne jede weitere Maßnahme wirklich wirksam funktionieren soll, ist mir ehrlich gesagt nicht ganz klar.

Grundsätzlich gilt: Je weniger Masse, desto weniger Energie kann gespeichert werden (welche bei "viel" Masse zeitverzögert ja doch wieder abgegeben würde; irgendwo muss sie ja bleiben). Daher sollte das Material einer Gerätebasis möglichst leicht und steif sein. Weiterhin eignet sich Sorbothane hervorragend zur Schwingungsdämpfung - was liegt also näher, als eine Gerätebasis z.B. aus 15 mm starkem Birkenmultiplex mit Sorbothane-Füßen zu verwenden? Bereits in einem anderen Posting hatte ich über die positiven Effekte von Sorbothane-Absorbern berichtet.
 
Für meine Uchida und die Audio Note M1 Phono ist das in Größe der Gehäusegrundflächen zugeschnittene Holz im Baumarkt inkl. OSMO Dekorwachs und Pinsel eine 15 €-Angelegenheit; für die Absorber HK2 (für Audio Note) und P2+ (für Uchida) von bFly-audio sind ca. 50 € zu addieren - in Summe also überschaubare Kosten für zwei Gerätebasen. Wichtig: Die Absorber sollten auf die Geräte abgestimmt sein. Zu weiche Absorber werden von schweren Endstufen "platt gemacht" oder lassen das Gerät bei asymmetrischer Gewichtsverteilung im Gerät (wie meistens der Fall) in Schieflage geraten und sind damit wirkungslos - nicht ganz so schlimm, aber dennoch nicht ideal sind zu harte Absorber, die nur ein leichtgewichtiges Gerät tragen.
 
 
 
 
Jede Seite 2x streichen bei je 12 h Trockenzeit
 
 
Das Schöne am OSMO Dekorwachs ist, dass bei dünnem Auftragen von zwei Schichten trotz Deckung die Holzmaserung sichtbar bleibt. Nach dem (optionalen) Anstrich werden die Absorber auf die Oberflächen geklebt. Wichtig ist dabei, die Absorber so zu positionieren, dass sie sich direkt unter den Gerätefüßen befinden, mit diesen also quasi eine Achse bilden. Grund dafür ist, dass vermieden werden sollte, durch einen etwaigen Hebel zwischen Sorbothane-Fuß und Gerätefuß Restschwingungen in die Holzplatte einzuleiten. Durch den direkten Kraftfluss arbeitet die Sorbathane effektiver. That´s it!
 
  


 
   
 
Ich werde jetzt nicht runterbeten, dass diese einfachen Konstrukte die denkbar besten sind, man seine Anlage nicht wieder erkennt, der Klang dramatisch besser wird und ein Leben ohne sie fortan nicht mehr denkbar ist. Vielmehr habe ich inzwischen einfach gute Erfahrungen damit gemacht und festgestellt, dass insbesondere bei mikrophonieempfindlichen Röhren ein besonders positiver Effekt auftritt und sich partielles "Klingeln" nachvollziehbar deutlich reduziert (gegen Direktschall als Anregung sind die Basen natürlich wirkungslos).
  
Ohne einen direkten Vergleich durchgeführt zu haben, keimt bei mir zumindest nicht der Wunsch auf, Custom-made-Gerätebasen auszuprobieren. Die Investition von 65 € für zwei Gerätebasen dürfte sich kostenmäßig damit (in den meisten Fällen) im deutlich einstelligen Prozentbereich dessen bewegen, was für "Profi-Basen" fällig wäre. Die DIY-Lösung ist zudem individuell gestaltbar und durch die oben genannte ideale Positionierung der Absorber direkt unterhalb der Gerätefüße und die Anpassung des Absorbertyps an das jeweilige Komponentengewicht womöglich sogar effektiver als eine gekaufte Standardbasis.

Samstag, 18. Juni 2011

Hamburg, meine Perle - Michelle Records

Der erste Teil dieses Posting-Titels soll keine Analogie zur vom Partybarden Lotto King Karl stammenden Vereinshymne des inzwischen wieder einzigen Hamburger Fußball-Bundesligisten herstellen. Vielmehr geht es um Hamburg selbst. Hat man wie ich fast eine Dekade in der schönsten Großstadt Deutschlands gelebt, dann trägt man immer ein Stück dieser "Perle" in seinem Herzen. Mir haben Kiez und Schanze übrigens von je her stets näher gestanden als z.B. Eppendorf oder Blankenese, daher schlägt mein Herz natürlich für den FC St. Pauli... aber das nur so nebenbei (Ihr steigt wieder auf!).
  
 
 
Blick auf Hamburgs Binnenalster
 
 

    
Hamburgs Rathaus
 
 
Aber natürlich geht es nicht um Fußball, sondern konkret um ein Hamburger Plattengeschäft, nämlich um Michelle Records. Bei meinen doch mehr oder weniger regelmäßigen Besuchen Hamburgs geht die Familie shoppen - und ich stöbere in "meinen" Plattenläden. Da ist der Besuch von Michelle Records, seit einer gefühlten Ewigkeit im Gertrudenkirchhof 10 mitten im Zentrum ansässig, für mich als erste Anlaufstelle obligatorisch.
   
 
  
Michelle Records im Gertrudenkirchhof 10 in der City Hamburgs
 
 
  
Unscheinbare Fassade...
   
 
   
Viva Vinyl!
   
   
Ich kann nicht genau sagen, wie viele Platten ich im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte aus diesem Plattenladen geschleppt habe - es sind unzählige. Dabei rechne ich Michelle Records hoch an, dass sie die Vinyl-Fahne stets hoch gehalten haben und dieses weiterhin tun. Keine Neuerscheinung, die man hier nicht bekäme!

Genauso wichtig ist für mich der persönliche Kontakt. Klar, man kann heutzutage viele Schallplatten in Online-Shops bestellen - aber das ist doch ziemlich unpersönlich. Bei Michelle Records bekomme ich bei Bedarf auch Tipps, welche Neuerscheinungen meinem Geschmack entsprechen könnten; so habe ich z.B. überhaupt erst die Shout out louds kennen gelernt. Neben neuen Platten quer durch alle Stilrichtungen gibt es dort auch eine Auswahl 2nd-hand Platten.
   
   
  
Zwei meiner heutigen Erwerbungen
  
  
Wer also mal in Hamburgs City unterwegs ist, sollte Michelle Records unbedingt einen Besuch abstatten, es lohnt sich. Ach ja, und für alle, die auf guten Klang nicht so viel Wert legen, gibt es dort natürlich auch CD´s.

Donnerstag, 16. Juni 2011

Die Triode VT-52

Die Triode VT-52 - nicht zu verwechseln mit der Pentode VT52 - entspricht der 6A3 bzw. 45 special bzw. der 2C45. Im Grunde ist die VT-52 die Nachfolgerin bzw. höherwertige Militärversion der 45 (nicht zu verwechseln mit der 45A); es gibt sie in den Varianten mit 6,3 und 7 V Heizspannung. Bei einer Verlustleistung von 15 Watt liefert sie damit zwischen 2 und 2,5 Watt Ausgangsleistung. Diese nicht ganz einfache Systematik und noch viel mehr zu dieser Röhre wird jedoch viel besser erklärt auf der interessanten, besuchenswerten Seite VT52.com - beschäftigen wir uns also nicht näher mit solchen Kleinigkeiten...
 
 
 
VT-52
 
 
 
VT-52 von Sylvania; Bildquelle: tctubes.com
   
 
     
Raytheon VT-52; Bildquelle: VT52.com
   
   
Interessanterweise sieht die Box-Anode der Raytheon VT-52 den Anoden meiner Raytheon 2A3 Doppelbox- oder auch -kastenanode sehr ähnlich; hier schlägt sich offenbar ein grundlegender Designgedanke Raytheons nieder:
   
   
   
Doppelboxanode meiner Raytheon 2A3
   
   
Besonders populär ist diese Röhre nicht gerade bei den Verstärker-Manufakturen (dafür umso beliebter bei DIY´lern), wohl weil es diese Röhre nicht unbedingt wie Sand am Meer gibt. Yamamoto hat z.B. die Stereo-Endstufe A-010 damit gebaut - ob es auch diesen Verstärker von Yamamoto bei Jac Music als Kit gibt, weiß ich gar nicht. Yamamotos Design gefiel mir optisch schon immer überaus gut.

 
   
Yamamoto A-010 mit der VT-52; Bildquelle: Yamamoto
 

Einen anderen DIY VT-52 Verstärker habe ich auf 6moons.com gefunden:
 
 
 
VT-52 (DIY) von Komuro; Bildquelle: 6moons.com
   
 
Falls also jemand zufällig einen VT-52 sein Eigen nennt (DIY oder custom made) - zugesandte Bilder werden von mir gerne veröffentlicht.

Samstag, 11. Juni 2011

Happy 100, image hifi !

Liebe image hifi,
 
Ihr werdet 100 - herzlichen Glückwunsch! Nein, nicht 100 Jahre alt, so bucklig seid Ihr dann ja doch noch nicht, sondern am 17. Juni 2011 erscheint Eure 100. Ausgabe. Trotz - oder gerade wegen - diverser (Ver-)Änderungen im Laufe der Zeit könnt Ihr Euch rühmen, Euch stets treu geblieben zu sein. image hifi ist einfach anders und hebt sich (immer noch) wohltuend vom Mainstream-Einheitsbrei unserer bisweilen zu besseren Werbezeitschriften mutierten Hifi-Gazetten ab, die von der Industrie vor ihren Karren gespannt werden. Dass auch Ihr auf Werbe- bzw. Anzeigengelder angewiesen seid, ist klar - dennoch gewinnt man nicht nicht den Eindruck, Ihr würdet die Produkte derer mit den größten Anzeigen in Eurem Heft bevorzugt über den grünen Klee loben. Gut so!
 
Unvergessen bleibt für mich die Vorweihnachtszeit 1994, als ich den Weihnachtsbummel unterbrach und beim kurzen Abstecher zum Bahnhofs-Kiosk wie elektrisiert eine neue Hifi-Zeitschrift in den Händen hielt: image hifi! Auf dem Cover befanden sich die Konterfeie meiner "Helden" aus der just eingestampften, seligen HIFI exklusiv, welche fortan nur noch als Schatten ihrer selbst in deutlich abgespeckter Form zum inhaltlichen Bestandteil der STEREO wurde. Da wart Ihr also wieder, um für mich ausgetretene Hifi-Pfade zu verlassen und über das zu berichten, was sich links und rechts davon befand - das waren vorgezogene Weihnachten!
  
 
  
Erste Ausgabe: image hifi Nr. 1 (1/1995)
   
 
Von den sieben "Gründungsautoren" sind noch Roland Kraft und Uwe Kirbach (wieder) dabei. Werner Höglmaier und Jürgen Egger sind leider viel zu jung verstorben - unvergessen der "
Schlüssellochreport" von Jürgen Egger, dem Hifi-Rocker, Single Malt Fan, Anti-High-Ender, 1. FC Nürnberg-Fan und herrlich geerdeten, bissig-witzigen Querulanten unter den Autoren. Und über das, was Roland Kraft für die Röhren- und Hochwirkungsgrad-Lautsprecherszene getan hat, brauchen wir wohl nicht mehr viele Worte verlieren. Seine diversen tollen Röhren- und Hochwirkungsgradspecials (zusammen mit Cai Brockmann) haben wesentlich zu meinem heutigen Verständnis von guter Musikwiedergabe beigetragen und mich dadurch ein Stück weit mit geprägt. Vielen Dank dafür!
 
In der Ausgabe 100 - die Abonnenten als Privileg ja schon heute in Händen halten dürfen - besprecht Ihr wieder einige (aus meiner Sicht) interessante Geräte: Nagra 300B-Push-Pull-Endstufe, Jadis JP 80 MC Signature Vorverstärker, Audreal MT-3 Röhren-Vollverstärker, Allnic T-2000 Röhren-Vollverstärker oder Klipsch Cornwall III - sehr gelungen! Schön, dass sich das gesamte Team auch einmal vorstellt und der Leser nunmehr Gesichter zu den Namen hat.
 
 
   
Jubiläumsausgabe: image hifi Nr. 100, erscheint am 17. Juni am Kiosk
     
   
Also, liebes image hifi Team, alles Gute für die nächsten 100 Ausgaben, bleibt Euch weiterhin treu und, nein, keine echte Kritik, eher eine kleine Bitte, den Fokus wieder mehr auf (für die meisten von uns) bezahlbarere Single-Ended-Trioden und Röhrenvorverstärker (wie z.B. von J.C. Verdier in Ausgabe 99) zu richten anstatt auf solche im deutlich fünfstelligen Bereich... Das hinterlässt doch auch bei Euch nur Tränen, wenn schmucke 25k€-Röhren-Pretiosen wieder zurückgeschickt werden müssen, nicht wahr, Roland?!
 
Viele Grüße aus dem Norden,
Carsten
(2A3 Maniac)
   
P.S.:
Das Essay Jahrmarktbudenzauber auf S. 118/119 ist das Erfrischendste zum Thema Scharlatanerie, was ich seit Langem gelesen habe!

Donnerstag, 9. Juni 2011

Audio Note M1 Phono (neu) vs. Audio Note M2 Phono (15 Jahre alt)

Für mich sollte ein Röhrenvorverstärker stets einen Phonozweig mit integriert haben - natürlich auch "röhrig" ausgeführt und nicht als Alibivariante mit IC´s oder sonstigen Grausamkeiten. Im Laufe etlicher Jahre waren bei mir diverse Röhrenvorverstärker zu Hause, z.B. von Welter, Raphael Audio (Orthophonic) oder More Fidelity (Music Connection). Sie alle fanden ihren Meister irgendwann in einem gebrauchten Audio Note M2 Phono, der klanglich meinen Geschmack voll traf und auch heute noch in dieser Hinsicht grundsätzlich zu überzeugen vermag.

Der M2 schien mir zuletzt aber doch etwas in die Jahre gekommen zu sein, inzwischen hat er bereits 15 Lenze auf dem Buckel bzw. auf den Bauteilen. Kleine Zipperlein hier und da waren nicht mehr zu leugnen und der Gedanke lag nahe, den Vorverstärker bei Audio Note auf Herz und Nieren überprüfen und einer Revision unterziehen zu lassen. Die dafür avisierte Kostengröße ließ dieses Unterfangen jedoch als nicht sinnvoll erscheinen, stand es in keiner sinnvollen Relation mehr zum Kauf eines neuen Modells aus dem aktuellen Audio Note-Portfolio. 
 
 
  
 
Mein alter Audio Note M2 Phono: Die Schrift (Bild oben) verrät dem Kenner, dass es sich um ein älteres Semester handelt. Auf dem Bild unten ist gut zu erkennen, dass sich die Eingänge - anders als heute - noch an der Gehäuseseite befinden. Sinn und Zweck war eine möglichst große Entfernung zum Netztrafo; in den heutigen AN-Pres schirmt ein Trennblech den Trafo, was die Positionierung der Eingänge auf der Rückseite erlaubt.
Oben links die Phono-Stufe mit 4 x ECC83, unten links die Line-Stufe mit 2 x ECC83 und unten mittig die 6X5 Gleichrichterröhre. Klarer Fall also: Es handelt sich um SRPP-Stufen (Shunt Regulated Push Pull). Diese Gegentaktschaltung mit zwei Triodensystemen in Serie liefert eine hohe Verstärkung, einen (im Vergleich zu Anodenfolgern) geringen Ausgangswiderstand und einen sehr niedrigen Klirr - eine  Gegenkopplung ist hier nicht nötig. So weit so gut, doch der Haken: Die Röhren müssen sehr penibel gematcht und die SRPP-Stufen elektrisch extrem sauber designt sein. Ansonsten droht - wie bei meiner M2 - der "Motorboating-Effekt", für den SRPP-Stufen berühmt-berüchtigt sind: Selbst ohne Anliegen eines Phono-Signals - sogar bei abgezogenen Phono-Steckern - begannen die BB-Chassis ab Pegelreglerstellung "14 Uhr" extrem zu pumpen. Besorgnis erregende Hübe der Chassis, verbunden mit einem lauten "Bubb bubb bubb" mit gefühlten 25 Hz, ca. dreimal pro Sekunde... In der Praxis war das zwar irrelevant und alle Bauteile waren gem. Prüfung ok, aber für mich stand fest, dieser M2 wird ersetzt!
 
 
 
 
Der Blick in die aktuelle, nach oben offene Preisskala von Audio Note offenbart, dass der Vorverstärker Audio Note M2 Phono fast doppelt so teuer ist wie der M1 Phono, wobei letztgenannter preislich durchaus noch zur "auf-dem-Teppich-bleiben"-Kategorie gezählt werden darf. Wesentlichster Unterschied zwischen beiden Geräten ist das Röhrennetzteil des M2, wo der M1 "nur" über ein - gleichwohl sehr gutes - Standardnetzteil verfügt.

Sei´s drum, einige Hörvergleiche haben gezeigt, dass bereits der aktuelle M1 voll auf der Höhe und meinem altgedienten, "urigen" M2 klanglich mindestens ebenbürtig ist. Also habe ich meinen 15 Jahre alten M2 gegen den aktuellen M1 ersetzt - und höre mindestens genauso gut! Für mich gibt es in der 2.000 €-Klasse keinen besseren Vorverstärker als den Audio Note M1 Phono.
 
 
 
 
Was am M1 besonders gefällt: Er hat im Bass und im Grundton ebenfalls diesen wohligen, den Hörer vereinnahmenden "Audio Note-Punch", wie ich es gerne nenne. Ich gebe zu, dass ich vor längerer Zeit nach diversen Besprechungen von Audio Note-Komponenten durch Cai Brockmann in image hifi und hifi tunes nicht nur neugierig, sondern zu einem kleinen Audio Note Fan geworden bin, was auch zur Anschaffung des M2 geführt hat - zuvor stand Audio Note eher nicht so sehr in meinem Fokus.

Im Röhrenbuch von hifi tunes wurde 2006 der Vollverstärker Audio Note Oto SE besprochen. Das ist insofern interessant, als dieser quasi einen M1 als Vorverstärkerzweig integriert hat. Cai Brockmann schrieb damals:
"Der hier vorgestellte Oto SE Phono bietet serienmäßig ein zweifellos sehr hohes Klangniveau, was auch für die optionale, perfekt abgeschirmte und mechanisch entkoppelte MM-Phonostage gilt. In jedem Fall – ob mit privater, nahezu unbezahlbarer Edelbestückung oder nicht – besitzt der Verstärker einen klanglichen Grundcharakter, den ich als „typisch Audio Note“ erkenne: Hier paart sich musikalische Integrität mit emotionaler Ansprache, der Verstärker lässt einfach niemanden kalt."
Das möchte ich für den M1 Phono in gleicher Weise so stehen lassen und vielleicht noch ergänzen, dass er hin und wieder ebenfalls "vor lauter Begeisterung die Bassbacken aufbläst" (Brockmann) - damit ergänzt er meine Uchida schon kongenial, steht die 2A3 doch nicht eben in dem Ruf, ein gnadenloses Bassmonster zu sein.

Ein sehr praktisches Feature besitzt der M1 zudem mit seinem Feedback-Schalter auf der Rückseite, welcher die Verstärkung im Phono-Betrieb zwischen 54 und 60 dB umzuschalten erlaubt. Das ist z.B. bei nächtlichem Leisehören interessant, um die Pegelsteller an der Endstufe nicht zu weit zurückdrehen zu müssen (damit der Charakter der Endstufe im Klang auch noch erkennbar bleibt) und dennoch einen vernünftigen Regelbereich am Vorverstärker zu haben.
 
Demnächst werde ich im Zusammenhang mit der Audio Note M1 Phono noch einige Gedanken über die Röhren verlieren sowie über sternförmige Erdung zum Vorverstärker und das Kurzschließen ungenutzter Eingänge.
 
Crosslinks:
Audio Note M1 Phono: Die Röhren

Dienstag, 7. Juni 2011

Mumien, Monstren, Mutationen

Ich werde keine Namen nennen. Ich werde hier auch keine Bilder zeigen. Aber wer sich die in meinem Blog oder auch auf den Seiten der image hifi gezeigten Bilder von der High End 2011 in München ansieht, der muss sich doch zwangsläufig fragen: Wer soll sich das Zeug - allen voran die vielen Lautsprecher-Monster - in sein Wohnzimmer stellen? Dabei will ich gar nicht mal über den Preis reden; dass gutes Hifi seinen Preis hat, steht ja außer Frage.
 
Das durchschnittliche deutsche Wohnzimmer hat eine Größe von 22 qm, wie von der Hamburger Werbeagentur Jung von Matt 2004 ermittelt wurde, daran dürfte sich bis heute kaum etwas geändert haben. Ich behaupte jetzt einmal, ohne etwaige Wahrscheinlichkeits-/Verteilungskurven zu bemühen, dass ca. 98% aller Musik-Enthusiasten in Deutschland, unabhängig ob in Mietwohnung oder Eigenheim zu Hause, über ein Wohnzimmer von maximal 35-40 qm Größe verfügen dürften. Womöglich kein spartanisch möbliertes Loft, sondern mit "stinknormaler" Einrichtung. Für wen also wird diese Vielzahl an Riesen-Lautsprechern in der Größe von Einbauküchen entwickelt und hergestellt?!
  
 
Sicher, als Top-of-the-Line-Produkt, einfach um mal zu zeigen wo der Hammer hängt, haben solche Gerätschaften durchaus ihre Berechtigung. Aber mir fehlt die breite Auswahl "wohnraumtauglicher", gerne auch etwas größerer röhrentauglicher (Stand-)Lautsprecher mit hohem Wirkungsgrad - aber bitte nicht größer als ein mittlerer Kühlschrank.

Also, liebe Entwickler, besinnt euch auf eure Wurzeln und auf das, worum es bei Hifi geht - um wohlklingende Komponenten, die sich in die heimischen vier Wände integrieren lassen.

Montag, 6. Juni 2011

AXPONA - Audio Expo North America in NYC, 24./25. Juni 2011

Für diejenigen, die am 24. oder 25. Juni 2011 zufällig gerade in New York unterwegs sein sollten und sich von der High End München erholt haben, bietet sich der Besuch der kleinen, aber feinen AXPONA (Audio Expo North America) an. Im Affinia Hotel in Manhatten präsentieren sich - welch Wunder - (nicht nur) etliche US-amerikanische Marken, die bei uns eher nicht so im Fokus stehen.


Zwar steht die AXPONA nicht unbedingt im Verdacht, ein Eldorado für Röhren- und Horn- bzw. Breitbandfans zu sein. Aber einige abgedrehte Sachen darf man schon erwarten. So z.B. die gegenkopplungsfreien 200 Watt-Push-Pull-Mono-Monster 833TNT von Audio Power Labs mit der 833C Senderöhre. Eine Triode mit 4.000 V Anodenspannung, 300 W Verlustleistung und 10 A Heizstrom - wer damit eine Push-Pull-Endstufe baut, will es wirklich wissen...


Oder wie wäre es mit der 500 Watt-OTL-Endstufe MA-3 von Atma-Sphere...
 
 
Und wenn die Erkenntnis reift, dass es die Baumarktleiste doch nicht mehr bringt, dann kann sicherlich Stradivari Audio Designs weiterhelfen - zumindest für das US-Stromnetz...
 

Samstag, 4. Juni 2011

Pete Millett's DIY Audio pages

Wer einen guten Verstärker braucht (brauchen wir ja alle), der kauft sich einen, der den besten Kompromiss zwischen eigenem Anspruch und verfügbarem Budget erfüllt. Oder man baut ihn sich selbst - maßgeschneidert für die eigenen Bedürfnisse - wenn man kann. Pete Millet kann´s auf jeden Fall. Auf seiner Website zeigt er eine Vielfalt seiner bisherigen DIY-Projekte - einige der interessantesten möchte ich hier kurz vorstellen und animieren, seine Seite mal zu besuchen.
 
 
  
VHF Doppel-Tetrode 829B als Pseudo-Triode geschaltet
   
 
   
VHF Doppel-Tetrode 829B; Bildquelle: The National Valve Museum
 
 

829B Amp von oben; lecker: Ausgangsübertrager von Tango



Darf natürlich nicht fehlen: aufwändige 300B

  
 
Beam Power Pentode 813 als Pseudo-Triode