Freitag, 29. Juli 2011

Open Baffle mit dem Breitbänder Seas FA22RCZ

Für mich ist der Seas FA22RCZ einer der interessantesten Vollbereichs-Breitbänder, der in letzter Zeit neu auf den Markt gekommen ist - und das zu einem äußerst attraktiven Preis. Es handelt sich um einen 20cm-Vollbereichs-Breitbänder mit ca. 93 dB/W/m Wirkungsgrad. Er verfügt über eine Nennimpedanz von 8 Ohm, die dank Kompensation über das Magnetsystem im Hochton kaum ansteigt, außerdem verläuft der Frequenzgang für einen 20cm-Breitbänder erstaunlich linear.


    
   
Damit ist es möglich, ihn filterlos laufen zu lassen und den Präsenzbereich über die Einwinkelung auf den Hörplatz "abschmecken" zu können. Außerdem stellt er mit seinen 8 Ohm Nennimpedanz, die bis 20 kHz nur ganz sanft auf 12 Ohm ansteigt (Leistungsaufnahme im HT!) sowie mit seinem guten Wirkungsgrad eine einfache Last für Single Ended Trioden dar.
     
     
Der Qts von 0,35 bei einer fs von 30 Hz prädestiniert ihn zwar nicht unbedingt für einen Open Baffle Einsatz, aber es gibt ja auch Alternativen zu Open Baffle... Darauf möchte ich jetzt noch nicht weiter eingehen - erst einmal soll er sich freispielen und einige "Dehnübungen" durchführen, bevor er in sein späteres, derzeit im Bau befindliches Testgehäuse umziehen darf.

Zum Einspielen reicht die bereits in einem früheren Post vorgestellte offene Schallwand, in der bislang der Ciare CH250 wohnte. Der flog raus, allerdings ist der Kreisausschnitt zu groß für den kleineren Seas-Treiber. Also musste ein Adapter her; hier aus 15 mm Birkenmultiplex.
    

Für die CNC-Fräse eine Sache weniger Minuten...
   
    
 
...und schließlich schnell verschraubt
   
Auf ein Anfasen der Adapterplatten sowie das Versenken der Chassis habe ich der Einfachheit halber verzichtet - es geht schließlich nur um´s temporäre Einspielen, nicht um eine langfristige Dauerlösung.
 
 
 
 
Bereits nach einigen Stunden Einspielzeit in der für den Seas eigentlich eher ungeeigneten Schallwand wird klar, dass dieser Breitbänder qualitativ in einer anderen Liga spielt als der Ciare CH250, dem die Schallwand zuvor eine Heimat bot - ja sogar absolut betrachtet ist der Seas ganz offensichtlich ein hervorragender Breitbänder! Exzellentes Auflösungsvermögen, eine sehr schöne Feindynamik und ein äußerst ausgewogener Stimmenbereich schrauben meine Erwartungshaltung deutlich in die Höhe hinsichtlich des Einsatzes der Seas-Treiber im Testgehäuse. Einziges Manko ist die fehlende Substanz im Keller - aber das ist eben der offenen Schallwand geschuldet.
 
Testgehäuse? Inspiriert durch die Breezer aus Klang und Ton enstand quasi als "Zwischenschritt" ein in wesentlichen Parametern abgewandelter Gehäuseentwurf. Dieser soll mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen als Basis für ein weiteres (später folgendes) Lautsprecher-Gehäuse dienen, welches dem Seas FA22RCZ schließlich eine perfekte "Arbeitsumgebung" bieten soll...
  
Stay tuned!

   
Crosslinks:
Hochwirkungsgradlautsprecher: Offenes Gehäuse mit Seas FA22RCZ - Simulation
Hochwirkungsgradlautsprecher: Offenes Gehäuse mit Seas FA22RCZ - Messungen

Dienstag, 26. Juli 2011

Follow-up: Die Triode VT-52

Kürzlich hatte ich von der Triode VT-52 berichtet. Nun bekam ich von Ulf W. - einem ganz offensichtlich begnadeten DIY´ler - einige Bilder seiner DIY VT-52 Monos zugeschickt. Nach weiterem Nachhaken kam (ein Teil) seine(r) komplette(n) DIY-Kette "zum Vorschein", die ich im Folgenden kurz zeigen und für sich selbst sprechen lassen möchte. Schließlich wurden Ulfs Schätzchen bereits von Roland Kraft in Hifi Tunes - Das Anlagenbuch umfassend gewürdigt...



VT-52 Mono-Endstufe mit Sylvania VT-52, Treiber D3a, Gleichrichter 5R4GY 
   
 

Innenleben der VT-52 mit Grid Choke



Vorverstärker mit 6C33 in SRPP-Schaltung






Leckere Hörnchen...


 
...und DIY Plattenspieler mit Magnetantrieb
 

Ulf hat alle seine Geräte selbst gebaut; röhrenmäßig favorisiert er ansonsten F2a/F2a11 und überhaupt Poströhren wie z.B. C3m, C3g, D3a, etc.

Vielen Dank, Ulf, für die tollen Bilder!

P.S.: Fast hätte ich es vergessen - schöne Grüße von Ulf an Thomas Mayer (VinylSavor).

Samstag, 23. Juli 2011

Viva Vinyl II: Funk Firm Vector 3 + F.XR II + OM 40 Super - lieber die Taube in der Hand als den Spatz auf dem Dach

Zunächst einmal möchte ich mich an dieser Stelle bei Volker Kühn von Black Forest Audio bedanken. Jeder in Deutschland vertriebene Funk Firm geht durch seine Hände: Arm und Tonabnehmer werden von ihm fachmännisch und penibel (vor)montiert und justiert. Außerdem legt er dem Paket einen Brief bei, in dem er empfiehlt, bzgl. der Lagerölgabe unbedingt mit ihm telefonisch Rücksprache zu halten, bevor der Spieler in Betrieb geht. Dieser Empfehlung bin ich vor einiger Zeit gerne gefolgt und unser Gespräch entwickelte sich zu einer längeren, sehr interessanten Fachsimpelei - und zwar nicht nur über den Funk Firm und dessen Besonderheiten bei der Lagerbuchse, dem Vector Drive und dem zähen Lageröl. Ein sehr kundenorientiertes Verhalten, das Lob und Anerkennung verdient!
 
So bestätigte mir Herr Kühn, dass mein Plattenspieler-Wandrack mit 12 mm Birkenmultiplex schon ziemlich ideal sei und 12 mm besser als 15 mm klängen (das entspricht auch genau meiner Erfahrung). Weiterhin empfahl er, die Spikes zwischen den beiden Ebenen zur Vermeidung von Resonanzen nicht auf Untersetzplättchen zu setzen, sondern direkt an die untere Holzplatte zu koppeln - was ich ebenfalls bereits seit geraumer Zeit so betreibe, weil es mich klanglich mehr überzeugt. Unter dem Strich ein beruhigendes Gefühl, sich nicht nur aufgrund eigener Ohren, sondern auch aufgrund ähnlicher Erfahrungen anderer auf dem richtigen Weg wähnen zu dürfen.

 
Jetzt aber zum eigentlichen Gegenstand dieses Posts. Dabei will ich gar nicht zu weit ausholen, über den Vector 3 von Funk Firm wurde schon viel geschrieben, z.B. hier im Magazin lp. Herr Arthur Khoubesserian - der Entwickler - ist ja nun ein durchaus streitbarer Zeitgenosse, dem einige sogar eine gesunde Portion Arroganz nachsagen; ich tue das nicht, denn ich kenne ihn ja gar nicht. Ich kenne nur seine Plattenspieler. Und seit ich sie kenne, gibt es für mich zu ihnen bis auf Simon Yorke keine Alternative. Vor vielen Jahren hatte ich erstmals im Hamburger Musikzimmer den Basis-Spieler Funk Firm "The Funk" mit einem Almarro 318B (an die Phonostufe erinnere ich mich nicht mehr) an einer Auditorium 23 SoloVox gehört und war total platt, wie gut der Funk Firm war. Und damit meine ich so richtig, richtig gut - so gut, dass er mein bis dato fest geordnetes Plattenspieler-Weltbild in seine Grundfesten erschütterte. Wie konnte ein so günstiger Spieler so fantastisch musikalisch klingen? Das hatte ich für 1,x k€ noch nie erlebt. Seitdem gingen mir die "Funks" nicht mehr aus dem Sinn, bis dieser hier schließlich bei mir einziehen durfte.
   
 
  
Der Funk Firm Vector 3 mit dem F.XR II-Tonarm und dem Ortofon OM 40 Super ist ein totales Fliegengewicht und im Prinzip den "Brettern" zuzuordnen, der aber im Bass derart kontrolliert, dabei dennoch extrem tief und ansatzlos-schnell agiert (mindestens so schnell wie der berühmt-berüchtigte "geölte Blitz"), dass alle mir bekannten Masselaufwerke (und das sind inzwischen schon einige) blass werden vor Neid. Ich muss dann immer an eingeschlafene Füße denken, wo andere von "Souveränität" und "Hintergrundschwärze" faseln - zum Gähnen langweilig. Der Funk hingegen ist sauschnell, schneller als alle mir bekannten Spieler und spielt dabei so extrem sauber und homogen - ohne das Klangbild zu zerfasern! - einfach "integrativ" und hochmusikalisch. So musikalisch ist kein mir bekanntes Masselaufwerk. Und diese wieselflinke Agilität erkauft er sich beileibe nicht durch vordergründige Hektik - er ist dabei einfach ganz locker und souverän.
 
 
Und der Arm? Der ist einfach genial und führt man sich seine Performance vor Augen Ohren, so muss man ihn einfach als Schnäppchen bezeichnen. Ich würde zwar nicht so weit gehen zu sagen, der F.XR II sei der beste Tonarm der Welt; mit Superlativen sollte man vorsichtig umgehen. Aber ich würde nicht widersprechen, wenn es jemand anderes behauptete. Starker Tobak, fürwahr, zumal er eigentlich "nur" auf einem 301er Rega-Arm basiert, mit diesem aber kaum noch etwas gemein hat. Weitere interessante, wirklich aufschlussreiche Infos über diesen Arm gibt es hier auf der Website von Funk Firm (klar, nicht wirklich objektiv, aber trotzdem sehr lesenswert).
 
Auf jeden Fall sieht er cool aus mit seinem dunkelroten Armrohr. Und die neuen Lager mit noch engeren Toleranzen gegenüber den originalen Lagern des 301er machen ihre Aufgabe ohrenscheinlich verdammt gut.
 
 
Der Tonabnehmer Ortofon OM 40 Super, der "von Haus aus" vormontiert ist, ergänzt den Arm kongenial. Ich bin übrigens ein MM-Fan. Viele High-Ender mögen die Nase rümpfen ob eines vermeintlich zu profanen, "billigen" MM-Systems - bei denen geht unter einem MC im vierstelligen Euro-Bereich nix. Quatsch, sage ich - ich spare mir nämlich den für MC notwendigen Step-up Transformer, den meine Röhren-Phonostufe zwingend braucht (sowie ein zusätzliches Kabel gleich mit). Und dass MC´s ob ihrer vermeintlich geringeren bewegten Masse (Spule) besser auflösen als MM´s (Magnet), halte ich für ein Gerücht. Wer einmal den Aufbau zwischen typischen MM´s und MC´s vergleicht, wird feststellen, dass sich die Mär von den größeren bewegten Massen der MM-Magnete gegenüber den MC-Spulen in den wenigsten Fällen aufrecht erhalten lässt. Die meisten MC´s klingen mir einfach zu dünn und "fisselig" (ich würde in 95% aller Fälle einem MC wohl stets ein Goldring G1042 (Reference) vorziehen, und wenn schon MC, dann das Denon DL-103). Beim Funk Firm kommt hingegen das Ortofon OM 40 Super zum Zuge: Der FritzGyger70-Schliff sorgt hier für eine extreme Auflösung bei grandioser Verzerrungsarmut - und zwar im Ergebnis nur deshalb, weil der Tonarm dieses Abtastvermögen des Pick-ups auch zu transportieren im Stande ist, sonst nützt das alles nämlich nichts.
 
 
Wirkt sehr effektiv und gehört zum Entkopplungskonzept des Funk Firm: Ein O-Ring aus Gummi, in dem ein Sorbothane-Element positioniert wird, auf dem wiederum der Kugelfuß der Plattenspielers ruht. Die Meinung, dass Sorbothane grundsätzlich zum Entkoppeln nicht soo schlecht ist, hatte ich ja u.a. schon hier vertreten.
 
 
Um es kurz zu machen: Dieser Spieler ist zwar nicht mehr ganz "billig", für mich aber völlig alternativlos - ein ganz klarer Fall von "Most-Bang-for-the-Buck". Und nur mal so nebenbei bemerkt: Das Design ist für meinen Geschmack einfach der Oberhammer - wie langweilig nehmen sich dagegen die Chrom- und Acryl-Trutzburgen aus, die sich Neureichs Sohn zum Protzen hinstellt! Fünf Kilogramm Gewicht pro 1.000 € sollten es bei Plattenspielern schon sein, nicht wahr; wie hätten Sie´s denn gern - geschnitten oder am Stück?! Wir wissen es besser und stellen uns eine der coolsten Musikmaschinen hin, die man für Geld und gute Worte kaufen kann... für mich ist der Funk Firm die Taube in der Hand. Ach ja: ein hervorragendes Phonokabel mit Erdungskabel ist fest montiert - keine Experimente möglich, macht nix. Diese Maschine, so viel steht jedenfalls fest, verlässt mein Haus nur noch über meine Leiche. Punkt. Äh, oder doch auch im Tausch gegen den Funk Firm Saffire II ?! Bestimmt! Und wie war das noch mit Simon Yorke...?!

P.S.: Wer sich übrigens einen Rega Planar 3-24 bzw. den neuen RP3 anschaffen möchte, der sollte sich vorher unbedingt das Basismodell von Funk Firm, den kleinen "The Funk" als potenzielle Alternative anhören. Interessantes Duell - dachte ich. Aber das auch nur mal so am Rande.

P.P.S.: Sollte bei mir wider erwarten dieses "Da-geht-doch-noch-mehr"-Gefühl aufkeimen, werde ich mir den Saffire II anhören. Womöglich wäre das das schnelle Ende meines Sparschweins und eine ebenbürtige Alternative zum Simon Yorke...

P.P.P.S.: Wer glaubt, ich bekäme für diese Lobhudelei auf Funk Firm von irgendwem auch nur einen müden Cent, der irrt (genausowenig übrigens wie für die "Werbung" hier im Blog (Billboard)).
Ich finde die Funk Firms wirklich einfach so gut. Meines Erachtens führt der sicherlich nicht gänzlich verkehrte Ansatz vieler Hersteller nach dem Motto "Maschinenbau goes Plattenspieler" irgendwann nicht mehr weiter. Präzisionsmechanik hin oder her - noch engere Toleranzen, noch mehr Masse... wo soll das hinführen?! Der Audiophile hat das gute Gefühl, viel für sein Geld bekommen zu haben - viel Masse zum Speichern von Schwingungsenergie, gleich einem Energiereservoir, welches diese Energien unkontrolliert zeitverzögert wieder freisetzt. Und auch die engsten Lagertoleranzen führen zu Resonanzen aufgrund von Mikroreibung - wie genial nimmt sich dagegen das Funk Firm-Konzept des kreiselnden Plattentellers aus!

Mittwoch, 20. Juli 2011

Blog-Post Nr. 100: TQWT-Gehäuse als Kaninchen-Lauftunnel

Dies ist also mein 100. Blog-Beitrag, und das nach einem guten halben Jahr "Bloggerei". Zeit für eine kurze Zwischenbilanz: Durchschnittlich ein Beitrag ca. alle zwei Tage - dieses "Tempo" ist auf Dauer defintiv zu hoch.
  
Dabei sorge ich mich weniger um zukünftige Themen - diese drohen zumindest derzeit noch nicht auszugehen. Allerdings bin ich schwerpunktmäßig zu sehr am Thema Röhren und Verstärker hängen geblieben - hier werde ich mich zukünftig disziplinieren (müssen), der Themenvielfalt wegen die Bereiche Plattenspieler und Lautsprecher mehr in den Fokus zu rücken. Dennoch werde ich am Thema Röhren & Co. nicht gänzlich vorbeikommen - und viele Bloginhalte ergeben sich spontan schlicht "von selbst".
  
Vielmehr werde ich mich bemühen, die Beiträge inhaltlich gehaltvoller zu gestalten und dafür die Anzahl der Posts zu reduzieren. Einige Themen haben jedoch eher informativen Charakter und eignen sich daher weniger zum "Breitwalzen"; auf andere wiederum würde ich inzwischen hingegen ganz verzichten.
  
Um einerseits Verständnis für diese Sichtweise zu wecken und andererseits als kurze "Drohgebärde" aufzuzeigen, wie flach das Niveau werden könnte, folgt nun ein bereits vor längerer Zeit angedeuteter Beitrag, der sich nirgendwo besser unterbringen lässt als hier:
 
 
TQWT-Gehäuse als Kaninchen-Lauftunnel

"Flöckchen", ein kleiner Zwergwidder, hat offenbar Gefallen gefunden am ausgeschlachteten TQWT-Gehäuse. Schön, dass eine eher unglückliche Gehäusekonstruktion - zweckentfremdet - auf diese Weise doch noch "Anklang" findet...
 
 

  
  
Ok, solche Beiträge sollen eher nicht die Regel werden. Daher bleibt mir, mich an dieser Stelle bei allen zu bedanken, die mehr oder weniger regelmäßig auf meinem Blog vorbeischauen - demnächst gibt´s wieder gehaltvoll(er)e Beiträge!

P.S.: Kritik und Anregungen sind selbstverständlich jederzeit willkommen.

Freitag, 15. Juli 2011

Viva Vinyl: Von Schwabblern, Brettern und Bohrinseln - (m)eine kleine Historie

Ganz klar: Das Thema "Turntable" ist bislang in meinem Blog eindeutig unterrepräsentiert. Nicht, dass ich an Plattenspielern keine Freude hätte - im Gegenteil (ich besitze seit vielen Jahren - oder ist das Jahrzehnt schon voll? - auch keinen CD-Spieler mehr und bin diesbezüglich in der Tat starrsinnig, borniert und belehrungsresistent)! Es ist nur so, dass ich mit meinem Spieler derart zufrieden bin, dass mir auf Jahre, vielleicht sogar auf Jahrzehnte nicht der Gedanke an einen "Aufstieg" kommen wird. Denn nach meinem Funk Firm Vector 3 kommt für mich eigentlich nur noch ein Simon Yorke in Betracht, gegen den sich mein Sparschwein aber (noch) heftig zur Wehr setzt...

Aber der Reihe nach, ich möchte zunächst mit einem kleinen Ausflug in einige Stationen meiner Turntable-Historie starten, bevor es im übernächsten Post um meinen Funk Firm geht.
 
Im Grunde lässt sich die Plattenspielerwelt ganz grob in drei Grundtypen gliedern: Es gibt die ziemlich aus der Mode gekommenen "Schwabbler", weiterhin natürlich die schlanken "Bretter" und schließlich die gravitätischen "Sumos", oder auch "Bohrinseln" genannt - letztere häufig derart chromblitzend, als sei die primäre Intention des Entwicklers das Blenden des Besitzers gewesen...

"Schwabbler" z.B. sind irgendwie cool. Mein alter Thorens TD146 Mk V war so einer. Spießiges, aber damals gängiges Design, einfach, robust, solide und im besten Sinne preiswert - er war seinen Preis einfach (mehr) als Wert. Klanglich gut, ohne dass man je die Chance hatte, durch Tweaks, Pick-ups oder sonstwas irgendwie so richtig in den Klanghimmel zu gelangen, dorthin, wo die Glocken hängen. Aber er war einfach okay und hat Spaß gemacht. Gerade (Wieder-)Einsteigern sind solche Spieler m.E. sehr zu empfehlen - robust, einfach in der Handhabung, weitgehend aufstellungsunkritisch - man kann einfach (fast) nichts falsch machen.
  
     
     
Thorens TD 146 Mk V
     
     
"Schwabbler" sind technisch gesehen aber doch limitiert - sehr viel weiter kommt man in meinem Augen Ohren mit "Brettern" - obwohl diese auch nicht mehr als "Schwabbler" kosten (müssen). Meine Bretter-Ära begann gefühlt vor Äonen mit einem Linn Basik mit Akito-Arm und K9 Pick-up. Folierte Zarge, technisch simpel, drei dicke Gummifüße, ziemlich cooler Arm und ein richtig gutes MM-System: Ich habe ihn geliebt und bereue bis heute, ihn jemals verkauft zu haben...
 
 
  
Linn Basik + Akito + K9
 
 
Zurück ins Hier und Jetzt: In der Klasse bis ca. 400 € ist für mich heuer ganz klar der Pro-Ject Debut III Esprit der Spieler schlechthin und den Einstiegsofferten von Rega sogar vorzuziehen. Er hat mir in meiner Test-, Werkstatt- und Probieranlage stets treue Dienste geleistet:
   
   
   
Pro-Ject Debut III mit Ortofon VinylMaster Red
   
   
Bereits an anderer Stelle in diesem Blog habe ich mich darüber ausgelassen, was mit dem Pro-Ject Debut III Esprit geht, daher möche ich mich jetzt nicht wiederholen. Und in der Klasse bis ca. 1.000 € + X ging für mich bisher nichts über einen Rega Planar 3-24.
 
Bei meinem alten RPM6 von Pro-Ject, wenngleich kein richtiges "Brett", muss ich im Nachhinein zugestehen, dass das eher nicht so der tolle Spieler war; vielleicht lag´s aber auch mit am Sumiko. Unruhiger Lauf, Motorgeräusche, spitze Höhen - auf Dauer war das nix und er kam in Sachen Homogenität auch nicht an den kleinen Debut III Esprit heran, den ich mir erst später für meine "Bastel- und Testanlage" zugelegt hatte! Aber das nur mal so am Rande.
   
   
   
Pro-Ject RPM6 mit Sumiko Blue Point No. 2
   
   
Tja, jetzt kämen also schließlich noch Masselaufwerke. "Sumos" bzw. "Bohrinseln" habe ich aber nie besessen - aus gutem Grund: Ich mag sie einfach nicht, weil sie so träge sind. Platine Verdier ist noch ok, kann mich aber auch nicht restlos in Sachen Tempo und Anschlagsdynamik überzeugen und meinen absoluten Lieblingsspieler möchte ich eigentlich nicht den klassischen Masselaufwerken zurechnen, obwohl er diesen streng genommen wohl hinzugerechnet werden müsste: Simon Yorke ist für mich einfach der klangliche Gipfel und damit absolut unantastbar, aber das ist ein anderes Thema. Wesentlich ist für mich die Erkenntnis, dass die Natur, müsste sie einen Plattenspieler "bauen", keinesfalls ein Masselaufwerk am Ende des darwin´schen Evolutionsprozesses hervorbrächte - das wird jedem, der sich einmal eingehender mit dem Wissenschaftszweig Bionik befasst hat, augenblicklich klar werden. Masselaufwerke wären - wie die Dinosaurier - längst ausgestorben. Masse speichert Schallenergie und gibt diese zeitverzögert wieder ab - Garant für verwaschene Impulswiedergabe, genau wie bei Lautsprechern übrigens auch.
  
Nein, die Natur - da bin ich mir völlig sicher - würde es so lösen wie Funk Firm. Eigentlich hatte ich vor einiger Zeit mit einem Rega Planar 7 geliebäugelt. Und Rega steht bzw. stand für mich in der Klasse bis, sagen wir einmal ca. 4.000 oder 5.000 € mit seinem großen, herrlich unspektakulären Understatement-Spieler Planar 9 völlig konkurrenzlos da. Und auch der "7er" braucht(e) in seiner Preisklasse niemanden zu fürchten - bis der Funk Firm Vector 3 kam. Aber um den geht´s ja erst in meinem übernächsten Post.

Donnerstag, 14. Juli 2011

Follow-up: 19 x Fivre 2A3 in der Bucht - ohne Gebot beendet

Es hat mich nicht wirklich überrascht, dass das Angebot von 19 Fivre 2A3 in der Bucht ohne Gebot geblieben ist (vgl. auch diesen Post). Mit 3.390 € Startpreis zzgl. 99 € Versand hätte eine Fivre 2A3 mindestens 183 € gekostet - dafür gibt es andernorts mit etwas Glück bereits ein gematchtes NOS-Pärchen (z.B. Sylvania). Für die Fivre hingegen wurden keinerlei Messwerte (Emission, Steilheit) geliefert - es hätte schon eine Portion Mut dazu gehört, für solche Röhren quasi ein "blindes" Gebot abzugeben.
 
   
  
  
Die Schmerzgrenze beim Kauf aller 19 Röhren en bloc - vorausgesetzt, sie sind alle einwandfrei und ungebraucht bei voller Emission von 60 mA - liegt m.E. bei max. 120 € pro Röhre. Ich bin mir sicher, die Röhren werden wieder angeboten, ggf. später sogar paarweise auftauchen. Also Augen auf in der italienischen Bucht - Fivre 2A3 sind inzwischen extrem selten.

Sonntag, 10. Juli 2011

Just like heaven

Ich habe lange mit mir gehadert, ob ich grundsätzlich über Musik und Platten schreiben soll. Ich frage mich - interessiert das irgend jemanden, welche Musik ich höre?! Vermutlich nicht. Zumal jede vorgestellte Scheibe immer nur einen Mosaikstein eines großen, bunten Gesamtbilds darstellt.
 
Dennoch - ich kann nicht anders als kurz über "Just like heaven" von The Cure zu berichten - eine kultige Maxi-Single aus dem Jahr 1987, die mir beim Stöbern in der Plattensammlung eher zufällig wieder in die Hände fiel. Ein sehr kurzweiliger Gute-Laune-Titel der kultigen New-Wave-Popper um den exzentrischen Robert Smith und einer der fröhlichsten ("poppigsten") von The Cure überhaupt, der mir in der Maxi-Version besonders gut gefällt. Für mich der musikalische Lichtblick dieser Band Ende der 1980er Jahre, deren Songs sonst eher eine düstere Grundstimmung vermitteln.
 
 

 
 
Noch viel besser als das Original und einer der besten jemals eingespielten Gitarren-Rock-Songs überhaupt ist allerdings die Coverversion von J. Mascis (Dinosaur Jr.). Als der amerikanische Gott des unprätentiösen, straighten Independent-Gitarren-Rocks mit seinen in seiner Frühzeit oftmals sägenden, schrammeligen Riffs sich der Interpretation dieses Stücks angenommen hat, schuf er wahrlich ein Meisterwerk. Vermutlich dürfte diese Coverversion hierzulande nicht allzu vielen bekannt sein; sie wurde vom US-Indi-Label SST Records veröffentlicht.
 
 

 
 
Das Cover gibt übrigens einen optischen Hinweis darauf, was den Hörer erwartet. Vorsicht, Besitzer von Tonabnehmern à la Koetsu & Co.: Die Rückseite eignet sich nicht zum Abspielen...

Donnerstag, 7. Juli 2011

Update: Brummabgleich bei der Sun Audio Uchida

Bereits vor wenigen Monaten hatte ich hier den Brummabgleich nach einem Wechsel der 2A3 bei der Sun Audio Uchida beschrieben. Das ist zwar nicht wirklich schwierig, aber dennoch etwas umständlich zu bewerkstelligen - und für Tuberoller wird es schnell zum Kreuz. Und darauf zu hoffen, die neu eingestöpselten Röhren hätten keine neue Symmetrierung der Heizspannung nötig weil die Einstellung des Trimmpotis evtl. auch bei ihnen passen könnte - Pustekuchen! Murphys Gesetz schlägt gnadenlos zu, es brummt nach meiner Erfahrung stets mehr als mit den zuvor entfernten Röhren...

Als ich kürzlich mit Robert Graetke (Analog Tube Audio) darüber diskutierte, verriet er mir, dass er bereits seit einiger Zeit an einer Lösung arbeitete. Nun ist quasi die Beta-Version fertig und kann demnächst in Serie gehen! Ich freue mich, sie hier schon mal vorstellen zu dürfen:

 



  
Am Röhrensockel der 2A3 (oder 300B - die Lösung ist natürlich unabhängig von der Endtriode) befindet sich unter dem Gehäuseblech ein kleines Rändelrad, welches direkt das Symmetrierpoti für die Heizspannung steuert. Es ist übrigens auch für dickere Wurstfinger genug Platz zwischen Rändelrad und Röhrensockel...
  
Komfortabler geht´s nimmer und diese Lösung ist für mich eine echte Option. Wann und zu welchem Preis Robert den Umbau anbietet, steht derzeit noch nicht genau fest, perspektivisch aber noch diesen Sommer. Weitere Infos über Analog Tube Audio.
 
Follow up:
Lösung zum Brummabgleich bei der Sun Audio Uchida von Analog Tube Audio

Mittwoch, 6. Juli 2011

19 x Fivre 2A3 in der Bucht

Also, da könnte ich ja fast schwach werden... allein - was soll ich mit 19 Fivre 2A3?! Die alle zu verbrauchen, wird mir zu Lebzeiten wohl kaum gelingen (obwohl: Vielleicht werde ich ja 120 Jahre alt - ohne Schwerhörigkeit, versteht sich). Außerdem habe ich genug 2A3-Röhren, auch Fivres. Aber... dieser verdammte Haben-Wollen-Reflex! Wie eine Sucht. Es ist eine Sucht. Definitiv. Und diese süßen, schicken Schachteln... Aber ich bleibe standhaft. Noch...
 
Oh - ich liebe Fivre, erwähnte ich das schon? Ich glaube, ja. Wer seinem Verlangen beim Anblick der Bilder unten nachzugeben in Erwägung zieht, der schaut einfach mal hier vorbei. Dem Vernehmen nach sind die Röhren nur en bloc abzugeben. Und hier hatte ich bereits dargestellt, dass die Fivre 2A3 m.E. eine der besten 2A3 ist - und für mich die beste 2A3 in "Standard-Bauform" überhaupt.
 
 
 
19 auf einen Streich...
 
 
   
... Fivre 2A3 Dual-Plate

Sonntag, 3. Juli 2011

Audio Note Vindicator - es muss ja nicht immer eine Uchida sein...

Nachdem ich hier bereits eine kleine Liste mit m.E. interessanten SET zusammengestellt habe, ist es an der Zeit, diese um einige Geräte aus dem Audio Note (UK) Portfolio zu ergänzen. Denn obwohl ich selbst ja bereits mein zweites Vorverstärker-Modell von Audio Note (M2 Phono, M1 Phono) in Betrieb habe, kam mir nie der Gedanke, meine Uchida 2A3 gegen eine SET von Audio Note tauschen zu wollen und ich denke, dabei wird es auf absehbare Zeit auch bleiben.
 
Das soll aber nicht heißen, dass nicht auch andere Mütter schöne Töchter haben - grundsätzlich finde ich Audio Notes "Level Three" Stereo-Endverstärker Conqueror (300B), Paladin (45) und Vindicator (2A3) sehr interessant. Hohe Fertigungsqualität, gebotene Technik und Haptik rechtfertigen grundsätzlich die Preise von Audio Note Geräten - das Level-System sorgt zusätzlich für eine gewisse Transparenz.
 
 
   
Audio Note Vindicator mit 5R4GY Gleichrichter, 6SL7GT Treiber und 2A3 im Ausgang
 
 
 
Schmale Front wie eine Mono-Endstufe...
   
   
   
...dafür ein langer Lulatsch!
 
 
Bei kaum einer anderen Marke wird der Kettengedanke so konsequent gelebt wie bei Audio Note. Nicht zuletzt deshalb gibt es mindestens einen mir bekannten Zeitgenossen, der - als Besitzer einer Audio Note M1 Line Vorstufe - seine Uchida 2A3 verkauft und sich eine Audio Note Vindicator angeschafft hat... Hochverrat gegenüber der Uchida? I wo! Ich sehe das nicht so verbissen und berichte demnächst Näheres zur Vindicator, die optisch übrigens sehr gut zum M1 von Audio Note passt:
 
 
 
Audio Note M1 in silberner Ausführung
  
  
Crosslink: