Samstag, 31. Dezember 2011

Vorbereitungen für den Silvesterabend

Nein, das ist natürlich keine Platte aus Vinyl, sondern aus Sicherheitsglas vom Hersteller Joseph Joseph (UK). Ein tolles Weihnachtsgeschenk meiner Kinder und ein wirklich nettes Gimmick zum Zubereiten, Servieren oder als Untersetzer - damit gehen die Silvestervorbereitungen doch gleich leichter von der Hand...
 
 
Ich wünsche Euch allen einen Guten Rutsch und alles Gute für das Jahr 2012!

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Die Sache mit zu viel Gain...

Die Sache mit der Eingangsempfindlichkeit ist eigentlich kein Problem der bisweilen hohen Eingangsempfindlichkeit von SET per se, sondern ein Problem von zu viel Gain in der gesamten Verstärkungskette. Viele aktuelle Vorverstärker haben einen sehr hohen Gesamtverstärkungsfaktor; so verfügen beispielsweise alle Audio Note (UK) Vorverstärker, mit denen ich sehr vertraut bin, in der Phonostufe 37 dB und in der Linestufe 23 dB, in Summe also 60 dB Gesamtverstärkung (entspricht Faktor 1000!). Vergleichbare Vorverstärker weisen hier ähnliche Größenordnungen auf.

Hintergrund ist die Entwicklung im Bereich der Hochpegelquellen, insbesondere seit dem Erscheinen der CD-Spieler: Diese haben in der Regel 2 V Ausgangsspannung - genug, um eine Endstufe sogar direkt anzutreiben. In den 70er-Jahren hatten Hochpegelquellen demgegenüber typischerweise nur zwischen 250 und 300 mV Ausgangsspannung, was auch die hohe Eingangsempfindlichkeit vieler SET erklärt - die meisten dieser Konzepte stammen ja aus dieser Zeit (danke für die Info, Thomas). Um die Pegelunterschiede zwischen Phono und Hochpegel etwas anzugleichen (ansonsten erscheint die Schallplatte nach Umschalten von CD auf den Phonoeingang bei gleicher Pegelstellung erheblich leiser), wird das Phonosignal nunmehr auf eben dieses Spannungsniveau angehoben. Die vorgenannten 37 dB Gain einer Phonostufe entsprechen einem U-Ratio (Verhältnis von Eingangs- zu Ausgangsspannung) von knapp 71. Ein typischer MM-Tonabnehmer generiert ein Ausgangssignal von ca. 4 mV, d.h., nach der RIAA-Entzerrung geht das Signal dann mit knapp 0,3 V in die Linestufe und kommt nach weiteren 23 dB Line-Gain (ca. Faktor 14) mit ca. 4 V aus dem Line-Ausgang... Viel zu viel für die für SET typische Eingangsempfindlichkeit von deutlich unter 0,5 V für Vollaussteuerung. Die Folge: Ein nicht praxisgerechter Regelbereich des Pegelstellers.
 
 
 
 
Nicht mehr Gain als nötig

Ich plage mich nun schon seit geraumer Zeit mit dem Umstand, durch die oben beschriebene Problematik keinen vernünftigen Regelbereich des Pegelstellers der Vorstufe zu haben. Viele japanische SET-Konzepte - so auch die Uchida - haben im Endstufeneingang Pegelsteller zur Anpassung der Eingangsempfindlichkeit. Damit wird aber nur das Eingangssignal stark gedämpft (und damit Energie vernichtet). Dass eine Position der Pegelsteller der Endstufe auf "9-10 Uhr" klanglich nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann, dürfte einleuchten. Was also tun?
 
Die zwischenzeitlich von mir erwogene Option, die ersten beiden Verstärkerstufen der Endstufe parallel zu schalten (Eingangs- und Treiberstufe - beide Systeme der ECC40) und damit eine Verstärkungsstufe "auszuschalten" - also weniger Gain in der Endstufe zu haben -, könnte weitere ungewollte Probleme zur Folge haben und löst das Problem nicht wirklich.
 
Nach intensivem Austausch mit Uli Apel (danke, Uli!) bin ich nun soweit, einfach eine reine RIAA-Stufe direkt an die Endstufe zu klemmen. TA ab ca. 2,5 mV Ausgangsspannung reichen aus, um die notwendigen 150 mV für eine Vollaussteuerung der Endstufe zu produzieren. Die Eingangspegelregler der Endstufe fungieren dann als Lautstärkeregler, die Endstufe quasi als Vollverstärker. Das Verhältnis von Ausgangsimpedanz RIAA-Stufe (<5 kOhm) zu Eingangsimpedanz Endstufe (100 kOhm) von >20 ist dabei noch ok.

Sobald ich fundierte praktische Erkenntnisse gesammelt habe, werde ich wieder berichten.

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Fröhliche Weihnachten und einen Guten Rutsch ins neue Jahr!

Ich wünsche allen Lesern besinnliche und vor allen Dingen stressfreie Weihnachtstage. Das Jahr neigt sich dem Ende, das Blog wird ein Jahr alt und jede Menge neuer Ideen warten darauf, aufgeschrieben - "gebloggt" - zu werden. Bisweilen ist die Zeit mein ärgster Feind - wäre sie nicht so gnadenlos, wären tiefschürfendere, umfassendere Berichte möglich, als es mir bislang gelang. Aber wie immer zählen keine Ausreden!
    
     
Zu Hause steht alles im Zeichen des Weihnachtsfests - ob die Familie allerdings meinen Beitrag zum Baumschmuck durchgehen lassen wird, ist derzeit noch ergebnisoffen. Aber es wird gemunkelt, dass der Weihnachtsmann evtl. Röhren unter den Baum legen wird... Sollte sich das bewahrheiten, werde ich zu gegebener Zeit berichten.
   
 
In meinem Refugium allerdings hat die Familie kein Mitspracherecht hinsichtlich der Weihnachtsdeko! Ok, und auf der Endstufe Staub putzen könnte ich auch mal wieder.

Samstag, 17. Dezember 2011

Die Sache mit der Eingangsempfindlichkeit...

Wer im Laufe seines Hifi-Lebens bereits einige Vor- und Endstufen miteinander kombiniert hat, wird es sicherlich kennen: Bereits auf "8 bis 9 Uhr" des Pegelreglers an der Vorstufe brüllt einen die Musik aus den Boxen derart laut an, als wolle sie einen Föhn ersetzen. (Das passiert einem sicher nicht bei "Leisesprechern" mit 8x dB/W/m Wirkungsgrad, aber solche Fehlkonstruktionen möchte ich an dieser Stelle bewusst außer Betracht lassen.)
 
Bei der erstmaligen Inbetriebnahme meiner Sun Audio Uchida erlebte ich genau den beschriebenen Effekt. Wie im Grunde alle Single Ended Trioden (SET) japanischer Provenienz verfügt auch die Uchida über (klanglich unbedenkliche, aber praktische) Eingangspegelregler - dreht man diese "zu", so lässt sich das Problem abmildern, jedoch nicht lösen. Schließlich dienen diese Eingangspegelregler zum Ausgleich etwaiger Kanalunterschiede als eine Art Balanceregler (und sei es, um raumakustische Effekte auszugleichen) bzw. haben die Funktion, einen optimalen Regelbereich des Vorverstärkers zu ermöglichen. Dass die Eingangspegelregler der Endstufe dazu allerdings ihrerseits auf "9 Uhr" stehen, ist sicherlich nicht im Sinne des Erfinders. Was läuft also falsch?
 
 
Spezifikationen der Sun Audio Uchida; Quelle: Sun Audio Japan
 
Die meisten Vorstufen liefern Ausgangsspannungen zwischen 1 und 2 V; die Eingangsempfindlichkeit der Uchida liegt jedoch bei 0,15 V für Vollaussteuerung. Das bedeutet  also, dass selbst bei Vollaussteuerung vom 1,5 V-Signal der Vorstufe noch 90% "vernichtet" werden, gleichbedeutend mit einer Herabsetzung des Signals um 20 dB! Es wird noch grausamer: Wer hört schon dauerhaft (oder jemals) bei "Vollgas"? Niemand. In der Praxis klingen SET ideal, wenn sie im Bereich zwischen 10 und 25% ihres Volllastbereichs laufen - mit Lautsprechern zwischen 92 und 96 dB/W/m dürfte das in den meisten Hörumgebungen auch der Bereich sein, in dem sie von ihren Besitzern betrieben werden. Bei 10% der Nennleistung verliere ich also nochmal 20 dB, in Summe also 40 dB meines Eingangssignals... Klanglich förderlich ist das sicher nicht.
 
Das Paradoxe: Die meisten SET-Konzepte laufen dreistufig, d.h. sie verfügen über eine Eingangsstufe, eine Treiberstufe und über die Ausgangs- oder Leistungsstufe mit ihrer (Leistungs-)Triode. Jede Stufe verfügt über ihren eigenen Verstärkungsfaktor. Das Signal, von dem am Eingang der Endstufe bis zu 99% vernichtet wurden, wird jetzt wieder verstärkt... Unterm Strich ein ähnlicher Effekt wie der, der beim Betrieb eines LS mit einem Wirkungsgrad von 92 dB/W/m passiert: Auch hier werden immerhin noch 99% des an den LS-Klemmen ankommenden Eingangssignals in Wärme umgewandelt...
 
Was also tun?
Die niedrige Eingangsempfindlichkeit ist ein Charakteristikum der SET-Konzepte. Eine Audio Note Vindicator z.B. hat eine Eingangsempfindlichkeit von 250 mV. Frühere SET von Günter Welter waren da beispielsweise viel praxisgerechter ausgelegt: Sie verfügten über Eingangsempfindlichkeiten von 0,7 V (2A3), 0,6 V (300B) oder 0,5 V (EBIII).
 
Im Falle meiner Uchida wäre eine sinnvolle Maßnahme, auf eine Verstärkerstufe zu verzichten. Ein Triodensystem der ECC40 bildet die Eingangsstufe, das zweite die Treiberstufe - man könnte beide Triodensysteme parallel schalten, sollte dann nur auf anständig symmetriertes Matching beider Systeme in der ECC40 achten. Ich muss wohl mal mit Robert über einen Umbau sprechen...
 
P.S.:
Jedwedem Ansinnen in Richtung des Einsatzes eines Spannungsteilers (egal, ob in der Vor- oder Endstufe) ist eine Absage zu erteilen, hieße es doch, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben...
Einen schönen Grundlagenartikel zum Thema Gain, Headroom and Power hat Thomas Mayer auf seinem Blog geschrieben.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

hifi tunes – „Das Lesebuch“

"Das Lesebuch" von hifi tunes ist jetzt für 30,- € erhältlich. Wer also noch ein Weihnachtsgeschenk sucht – und sei es, für sich selbst – der schaue sich den Inhalt auf der hifi tunes Website einfach mal näher an. Laut Aussage der IMAGE Verlags GmbH ist "Das Lesebuch" bereits fertig gedruckt und kann ab sofort ausgeliefert werden. Die Beiträge sind für Besteller/Abonnenten natürlich wie immer ebenfalls online lesbar. Pflichtlektüre!
  
 
hifi tunes - "Das Lesebuch"

Samstag, 3. Dezember 2011

Follow-up: Röhrenvorverstärker Wall Audio Opus 88

Nach dem "Warm-up" jetzt das "Follow-up": Nachdem der Opus 88 von Wall Audio einige Zeit in meiner Kette gelaufen ist, gibt es hier nun weitere Infos. Das Gerät kostet 3.600 € und hat eine Lieferfrist von zwei bis drei Wochen. Das Schöne: Auf Anfrage bietet Wall Audio auch NOS-Röhrensätze für das Gerät an. Da ich persönlich an dem mir zur Verfügung gestellten Gerät nicht "rumfummeln" wollte, habe ich auf das Einstöpseln eigener NOS-Röhren verzichtet und es mit dem ausgelieferten Röhrensatz betrieben (EH, JJ, Tesla).
  
Der bereits zuvor erwähnte Hi-Z Output, der eine Anpassung an die Eingangsempfindlichkeit der Endstufe erlaubt (vor allem bei SET interessant), wird über das Lautstärkenpoti geregelt. Ich habe allerdings den (nicht regelbaren) Lo-Z Output genutzt und die Anpassung über die Potis an meiner Uchida vorgenommen.
   
   
Phonoboard:
Die MM-Eingangsimpedanz beträgt praxisgerechte 47 kOhm bei 2,5 mV max. Output. Wall Audio bietet aber Stecker für die "Load"-Buchsen mit verschiedenen Widerständen zur Anpassung des MM-Eingangs an. Ich habe meinen Funk Firm Vector 3 mit dem Ortofon OM 40 Super problemlos ohne weitere Anpassung direkt an den MM-Eingang angeschlossen.
 
Der MC-Gain beträgt 0,25 mV max. Output bei einer Eingangsimpedanz ab 3 Ohm. Die im MC-Zweig vorhandenen Übertragerdosen haben ein Verhältnis von 1:10.
 
  
Glühendes Quartett, von links nach rechts: Gleichrichter EZ80, nachfolgend DC-Stabilisator mit 6C19P (Leistungstriode), EF80 (Gleichspannungsverstärker), ECC83 (Referenzspannung, Fehlerkorrektur).
 
 
Schön: EF80
 
Nach dem Einschalten sind die Ausgänge zunächst noch stumm, ein Lämpchen auf der Front signalisiert das ca. 30 Sekunden dauernde "Muting", in der sich die Röhren zuerst "akklimatisieren" und ihre Kathoden in Ruhe vorheizen dürfen - Röhren schonend!
 
Das ausgelagerte Netzteil macht sich positiv bemerkbar, es gibt nicht das geringste Trafobrummen, alles ist mucksmäuschenstill - sehr gut! Im Leerlauf ist weiterhin zu konstatieren, dass das Rauschniveau sehr niedrig ist.
   
     
Röhren-Romantik...   
 
     
...aber bei Licht sieht man besser!
   
   
Hochwertige Bauteile: 1:10 MC-Übertrager, Mundorf Caps, Oil Caps
 
Nach ca. 20 Stunden war das frisch gefertigte Gerät einigermaßen eingespielt und die Röhren eingebrannt. Hauptcharaktereigenschaft des Opus 88 ist nach meinem Eindruck eine stark ausgeprägte Neutralität. Das gesamte Frequenzspektrum wird homogen beackert, gleichwohl ist es tendenziell etwas heller ausgeleuchtet als beispielsweise bei Audio Note-Vorverstärkern (M1, M2), die dafür einen latent etwas fett(er)en Oberbass bieten. Geschmackssache!
 
Feinste klangliche Verästelungen und Details werden sehr präzise wiedergegeben, ohne überanalytisch daherzukommen. Dabei baut der Opus 88 das Klangbild nicht unbedingt aus der Mitte heraus auf. Im Keller überzeugt ein substanzieller, dennoch klarer und präziser Bassbereich. Rhythmusgefühl, Tempo - alles passt! Stimmen kommen gut durchhörbar und fein aufgelöst, dabei ohne klebrigen Zuckerguß. Weiter möchte ich meine Klangbeschreibungen gar nicht ausführen: Sie sind grundsätzlich stets subjektiv und stark von der eigenen Kette, dem Hörraum und der gespielten Musik geprägt bzw. abhängig. Mir hat der Opus 88 jedenfalls außerordentlich gut gefallen.
 
Mit dem Opus 88 kommt endlich einmal wieder ein "richtiger" Vorverstärker daher - nämlich einer mit (klasse) Phonoteil. Ich kann reinen Hochpegelvorverstärkern rein gar nichts abgewinnen und nicht verstehen, warum manche Hersteller überhaupt auf ein Phonoteil verzichten. Zudem tummelt sich der Opus in einer preislich attraktiven Klasse, in dem es nicht viele vergleichbare Geräte gibt.
  
Von mir gibt´s für den Opus 88 jedenfalls eine dicke Empfehlung. Jeder, der auf der Suche nach einem Vorverstärker bis ca. 5.000 € ist, für den ist die Inaugenscheinnahme des Opus 88 Pflicht! Herr Andreas Wall ist übrigens ein sehr freundlicher, rühriger Durchblicker seines Fachs, der mir viele interessante Infos und Einblicke in sein Gerät gewährte und dem ich dafür an dieser Stelle besonders danken möchte.