Dienstag, 24. Januar 2012

Auswertung: Leser-Poll zu Lautsprecher-Gehäusekonzepten

Vielen Dank für die rege Beteiligung am Leser-Poll! Stellt man die Anzahl der Teilnehmer (97) der Anzahl der Stimmen (150) gegenüber, so ergibt die Differenz eine Anzahl von 53 Mischkonzepten (es sei denn, jemand hat für seine Zweitlautsprecher mit abgestimmt - auch ok.). Ein Mischkonzept könnte z.B. ein FAST-System (Fullrange And Sub Technology) sein, bestehend aus einem Vollbereichsbreitbänder als Open Baffle und einem (wie auch immer) "behausten" Tieftöner, oder beispielsweise ein Mittelhochtonhorn zusammen mit einem Bassreflextieftöner, oder...
 
   
Lange zurück liegende DIY-Aktion von mir: FAST-System mit Breitbänder in einer hinten geschlossenen Schallwand (kein Open Baffle) und separatem Tieftöner (in geschlossenem Gehäuse); lief an einer EL34 Push-Pull recht anständig
   
Aber so genau will ich das gar nicht analysieren, sondern mir ging es ganz einfach darum, eine ungefähre Vorstellung davon zu bekommen, wie denn so gehört wird. Dabei habe ich kein repräsentatives Ergebnis erwartet, welches den bundesdeutschen Durchschnitts-Hifi-Hörer widerspiegelt, sondern im Ergebnis eine gewisse Affinität zu Röhren, insbesondere Trioden, erwartet. 97 Teilnehmer sind da schon eine gute Stichprobe.
 
    
Resonanzgehäuse (14/150)
Als Vorreiter für diesen Gehäusetyp darf sicherlich die Auditorium 23 Rondo gelten, gleichwohl hier lediglich ein altes, in Vergessenheit geratenes Prinzip aus einer besseren (Lautsprecher-)Zeit wiederbelebt wurde. Als RK diesen Lautsprecher 2000 in der image hifi vorstellte, hagelte es dem Vernehmen nach ja gepfefferte Kritik; inzwischen dürften sich viele derer, die damals am lautesten aufschrien, vom Saulus zum Paulus gewandelt haben...
Grundsätzlich dürfen dünnwandige Gehäuse hier nämlich schön mitschwingen, um dem Grundton-/Bassbereich zu etwas mehr Substanz verhelfen. High-Endern, die ihre Chassis am liebsten in ein Betongehäuse verpflanzen oder wenigstens zig weitere Lagen Damping zur "Gehäuseberuhigung" ins Gehäuseinnere ihrer Box kleben würden, kriegen hier natürlich die Krise. Ich jedenfalls mag Reso-Gehäuse sehr, weil der rückwärtige Schallanteil weitgehend genutzt und nicht "gekillt" wird. Wirkungsgrad ist eben durch nichts zu ersetzen als durch noch mehr Wirkungsgrad.

  
Open Baffle (23/150)
Erstaunt hat mich der hohe Anteil von Open Baffle schon. Vermutlich sind die meisten DIY´ler, die die potenziellen Schwierigkeiten dieses Konzepts (Dipolcharakteristik vs. Aufstellung, fehlender Tiefbass) gerne tauschen gegen schlackenlosen Klang, frei von Artefakten. Am besten filterlos, lernt man bei keinem anderen Konzept ein Chassis so gut kennen wie hier. Und ganz ehrlich: Es macht einfach riesig Spaß, ein Chassis per Adapter in eine Schallwand zu schrauben und einfach mal zu sehen, was dabei rauskommt (so wie hier oder hier); nirgends gibt´s mehr "Triode pur", wenn zur Verstärkung genutzt. Sehr informativ ist übrigens die Seite Dipol+.

Geschlossene Gehäuse (11/150)
"Früher" - für mich gefühlt in den 1980er-Jahren - gab es noch ziemlich viele Lautsprecher, die mit geschlossenen Gehäusen arbeiteten, inzwischen ist dieses Prinzip offenbar nicht mehr so populär. Ich bin ebenfalls kein großer Fan geschlossener Gehäuse, da vor allem der rückwärtige Schalleinteil nicht genutzt - also "verschenkt" - wird. Darüber hinaus wirkt das eingeschlossene Luftvolumen als Federkissen, welches dem Bewegungsdrang des Chassis einen Widerstand entgegenstellt; die Impulstreue leidet, die Einbauresonanz wandert deutlich nach oben... Obwohl einige gut gemachte geschlossene Lautsprecher subjektiv einen schönen Bass-Roll-Off haben - Freunde werden wir nicht mehr.
 
Bassreflex (31/150)
Wie erwartet bilden die "Bassreflexkisten" den größten Anteil. Simples Prinzip, simple Abstimmung, simples Ergebnis... nein, so gemein will ich es dann doch nicht formulieren. Ich habe durchaus schon gut abgestimmte BR-Boxen gehört, allerdings stört mich grundsätzlich der subjektiv langsame Tiefton, der immer etwas hinterherzuhumpeln scheint und auf Kosten präziser, fein federnder Auflösung eine bisweilen erdrückende, effekthaschende Wucht und Fülle in den Vordergrund stellt.
  
Transmissionline (8/150)
Das Transmissionline-Prinzip fristet m.E. zu Unrecht ein etwas stiefmütterliches Dasein (auch diese Kiste ist ja im Grunde eine TL). Es erfordert zwar einigen Aufwand bei der Abstimmung, bis es "passt" - aber wenn es passt, dann belohnt die TL mit schnellem, tiefen Bass und nutzt wenigstens einen Teil der rückwärtigen Schallenergie, ohne dem Chassis einen nennenswerten (Luft-)Widerstand entgegenzusetzen. Momentan habe ich da eine Idee für ein neues Projekt, aber es steckt leider noch ganz in den Anfängen.
 
Rearloaded Horn (19/150) / Frontloaded Horn (27/150)
Was soll ich Eulen nach Athen tragen? Ein erfreulich hoher Anteil hört mit Hörnern; Triode und Horn gehören sowieso zusammen. Ich mag Hörner, insbesondere Kugelwellenhörner, deren Dimensionen im Bassbereich (als frontloaded) ja dann doch gerne mal ambitionierte Ausmaße erreichen (können). Und "rearloaded" weist ein Basshorn prinzipbedingt (durch die Faltungen) ja oft gewisse Welligkeiten auf, was sich in der Praxis meistens als völlig unkritisch herausstellt. Der Wirkungsgrad von Hörnern ist ohnehin unschlagbar und für alle weiteren Infos gibt es ja den Hornloaded Audio Blog.

TQWT (12/150)
Die "Tapered Quarter Wave Tube" oder auch Voigt Pipe ähnelt in ihrer Charakteristik stark einer Bassreflexbox, ist (bei gleichem Chassis) jedoch größer und erlaubt i.d.R. eine tiefere, wenngleich im Pegel niedrigere Abstimmung mit besserem Impulsverhalten. Ich bin beim Nachbau eines TQWT-Bauvorschlags mal ziemlich enttäuscht gewesen, weshalb diese Boxen dann als Kaninchen-Lauftunnel endeten. Seitdem hatte ich mit TQWT nicht mehr viel am Hut, aber das kann sich ja auch wieder ändern...
 
Bandpass (0/150)
Tja, Bandpass-Gehäuse scheinen sehr aus der Mode gekommen zu sein. Ich erinnere mich an frühere Isophon-Lautsprecher, die dieses Prinzip nutzten. Persönlich habe ich jedoch kaum Hörerfahrungen hierzu.
 
Passivmembran (4/150)
Vor gefühlten Äonen hatte ich einmal eine Dynaudio 2.8, die als Zweiwegesystem für den Tiefmitteltöner ein gleich großes passives Chassis besaß. Die Passivmembran sollte der reinen Lehre nach zwar besser doppelt so groß sein wie der Tief(mittel)töner, aber das Prinzip funktionierte gut. Der Bass dieses Lautsprechers war sehr, sehr tief und wuchtig - wenn dem Verstärker nicht die Puste ausging, die Schutzschaltung ansprang oder gleich ganz abrauchte (wie damals meine selige Rotel-Endstufe). Aber da ich mir keinen Amp zulegen wollte, den man auch als Schweißgerät hätte nutzen können, musste dieses Wirkungradwunder irgendwann doch weichen...

Kommentare:

  1. Habe Erst-, Zweit- und Drittlautsprecher eingearbeitet (Elektrostat, Geschlossen, Rearloaded) aber alles Einwegelautsprecher!!!
    Dieses Prinzip ist mir wichtiger als die Art der Tonerzeugung.
    Experiment: Tuner zwischen zwei Sender aufs Rauschen eingestellt un dann mal gehört was aus welchem Chassis kommt.
    Da Frage ich mich meiner Meinung nach zurecht, was so ein Mehrwegekonstrukt erst mit Musik anstellt, wenn es noch nicht einmal kohärent ein Rauschen abbilden kann:-))

    Gruß Georg

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  2. Auch ich habe mit Rearloded-horn und open Baffle abgestimmt.
    Bei dem Horn handelt es sich um das Jerichohorn mit Visaton BG20
    Breitbänder und einem aufgesetzten Kugelwellenhorn als Superhochtöner.
    Die offene Schallwand ist jeweils mit Saba Greencones bestückt und direkt ganz unten (knapp über Fußboden) befindet sich als Bassunterstützung jeweils ein Grundig Multioktav 360.Bei einer Aufstellung zur Länge des Zimmers in einem Verhältnis Rückseite ein Drittel,Vorderseite zwei Drittel,kann von zuwenig Bass absolut keine Rede mehr sein!
    Welche Kombination sich besser anhört kann man nicht sagen,Beide machen richtig spaß,soll heißen Luftigkeit im Hochton,schöne breite,tiefe Bühne und richtig Knackiger,druchvoller Bass.
    Betrieben wird das Ganze mit 6P15P Pseudotrioden-Parallel-Eintakt-Endstufen mit einer Ausgangsleistung von ca. 2,5 Watt.

    Gruß Martin

    Ps.:Mach bitte weiter so mit Deiner Wunderschönen Seite!

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  3. Hallo Martin,

    danke für Deinen Kommentar und Dein Lob - werd´ mir Mühe geben!

    Gruß,
    Carsten

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