Sonntag, 5. Februar 2012

Bericht: Norddeutsche HiFi-Tage Hörtest 2012 in Hamburg

Letztes Jahr gab´s noch nieselig-nasskaltes Hamburger Schmuddelwetter, dieses Mal knackige Minusgrade (-10°C) bei schönstem Sonnenschein - beste Voraussetzungen also, meine Gemütslage zu heben und einer vielversprechenden Veranstaltung entgegenzusehen. Voll schien es jedenfalls zu sein - das war mir spätestens klar, als ich am Sonntagmorgen eine Viertelstunde nach einem Parkplatz suchen musste.
     
 
Im Foyer herrschte denn auch rege Betriebsamkeit, es war zwar voll, aber noch nicht unerträglich. Im Wesentlichen waren die gleichen Aussteller wie im letzten Jahr da, dieses Mal auf fünf bzw. sechs Etagen verteilt, was das Gedränge etwas zu entspannen schien. So bin dann auch ebenso entspannt auf die Pirsch nach Neuheiten bzw. ansprechenden Vorführungen gegangen, was sich in der nun folgenden, höchst subjektiven Darstellung widerspiegelt.
 
Die deutlich gelungenste Vorführung war für mich Wall Audio mit seiner brandneuen 6C33-Monoendstufe Mod. 33, die im Verbund mit der Vorstufe Opus 88 spielte, welche ja kürzlich bei mir zu Besuch war.
    
  
Wall Audio Monoendstufe Mod. 33 mit der 6C33

    
Trenner & Friedl "Pharoah"
 
   
Entwickler Andreas Wall während einer Vorführung seiner Geräte
 
Andreas Wall, der Chef höchstselbst, führte seinen neuesten "Wurf" am Lautsprecher Trenner & Friedl Pharoah vor (nein, nicht "Pharao"). Die Kette spielte dynamisch, wuchtig, autoritär und dabei sehr, sehr spielfreudig auf - klasse! Die 6C33 ist ja nicht unbedingt eine einfach zu bändigende Röhre - aber wenn man´s richtig macht, kommen dabei 15 - 18 sahnemäßige Triodenwatt raus - so wie bei der Wall Audio Mod. 33.

Hannl führte seine Plattenwaschmaschinen vor und bewies, dass die Plattenreinigung auch absolut leise vonstatten gehen kann:
 
 
Beim Weiterschlendern über die Flure tönte aus einem Vorführraum doch tatsächlich - ich konnte es nicht fassen - Ulla Meineckes obligatorische Tänzerin, über die ich mich im vorigen Blog-Post noch echauffiert hatte und sie schien mir hinterherzutänzeln! Wer daraufhin einen geölten Blitz durch die Flure flüchten sah: Das war ich! Das darf doch nicht wahr sein, dachte ich...
 
Beim kurzen Verschnaufen am Ende eines Gangs stieß ich auf eine ganze Armee Rega-Plattenspieler und hielt kurz inne - der neue RP3?! Nein - der neue RP6, Nachfolger des Rega P5, der aber erst Ende Februar im Handel erscheint:
 

Rega P5-Nachfolger "RP 6" mit RB303-Arm (wie der RP3), im Vergleich zum RP3 aber mit anderem Zargenmaterial und...

  
...besonderem Glasteller
 
  
Erfreulicher Preis des neuen RP6 inkl. TT-PSU und Exact MM System
 
   
Den RP3 gab´s natürlich auch zu sehen
   
Klar, bei der AAA bin ich natürlich ebenfalls gewesen. "Röhrenprofessor" Uli Apel führte zu Tunern und Antennen in seinem Workshop aus und erfrischende Musik gab´s anschließend über die kleine, aber feine Kette ebenfalls: Einstürzende Neubauten! Endlich mal eine mutige, klanglich sehr überzeugende Vorführung von echten Auskennern!


 
Weiterhin hat mich die Vorstellung von E.A.R. klanglich sehr überzeugt, zumal hier eine sehr entspannte Atmosphäre herrschte - das war nicht überall so:
 



Ich habe zwar noch eine ganze Menge weiterer Bilder geschossen, aber ich möchte hier ungern zum x-ten Mal die "üblichen Verdächtigen" zeigen, zumal mich etliche Vorführungen etwas enttäuscht haben. Plattenspieler gab es eine ganze Menge (interessanter Geräte), Trioden und Hochwirkungsgradgeschichten waren jedoch für meinen Geschmack unterrepräsentiert.
 
Alles in allem dennoch eine sehr gelungene, gut organisierte Veranstaltung, die an Bedeutung zu gewinnen scheint und zukünftig einen festen Platz im Pflichtterminkalender einnehmen wird. Wo sonst hat man Gelegenheit, so viele Bekannte, Freaks und Kenner der Materie zu treffen und sich intensiv auszutauschen? Und mal ganz ehrlich - das Quatschen und Kaffeetrinken macht doch sowieso viel mehr Spaß, als in klanglich deutlich beeinträchtigenden Hotelzimmern zu versuchen, die wahren Qualitäten einer Komponente zu ergründen - das ist m.E. nämlich ein Ding der Unmöglichkeit...

Kommentare:

  1. Nette Bilder und Eindrücke :-) Nur die 6C33 Endstufe ist nichts besonderes, schon gar nicht vom äußeren Erscheinungsbild. Sowas gab es schon vor fast 20 Jahren von Welter (WT500) und in zig nachbausicheren Selbstbauversionen (fertig natürlich auch) und bedeutend schöner seit Jahren im Netz (Jogis Röhrenbude unter Leserbriefe z.B.) Schwer zu bändigen ist die nicht, braucht nur etwas mehr Spannungshub am Gitter (um die 220Vss) und bei 60 Watt max. Anodenverlustleistung sind 18 Watt in Class A Eintakt auch kein Thema und nichts besonderes ;-) 15-18 Watt gehen sogar gerade eben noch mit ner 300B an 2k Last und am Limit mit 450V und 80mA... Gruß Dirk

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  2. Hallo Dirk,

    ich kenne die Welter WT500 sehr wohl, dennoch finde ich es berichtenswert, wenn jemand, der sein Handwerk versteht, mit der 6C33 einen neuen Monoblock baut und ich darüber hinaus trotz gewisser Einschränkungen bzgl. des Hörraums eine erstklassige Vorführung genießen darf.

    300B: Wer 15-18 Watt aus einer 300B holt und diese dabei förmlich verglühen lässt, gehört m.E. bestraft - solch eine Schaltung eignet sich vielleicht für Chinakracher (auch hier darf man über die Sinnhaftigkeit diskutieren), aber bestimmt nicht für Cetron oder Western Electric...

    Gruß,
    Carsten

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  3. Ja, verstehe ich doch und weiß ich ja alles selber ;-) Nur ist es nichts neues in dem Sinne und erst recht nichts besonderes. Wenn man seit Jahren selber baut, weiß man(n), was z.T. "dahinter" steckt oder als "Neuerfindung" angepriesen wird, teilweise schon zum lachen... Die 6C33 als Audiotriode ist mittlerweile halt alt wie der Wald und nur mit ner anderen Treiberstufe etc. erfindet keiner das Rad neu ;-) Hier wird auch nur mit Wasser gekocht. Das 300B Beispiel war nur zum Vergleich bzgl. möglicher Leistung. Klar hält die so nicht lange :-)
    Gruß Dirk

    P.S.:Wäre das nicht so weit von mir entfernt (Hamburg Hifi Tage etc.), wäre ich auch mal mitgekommen. Falls ich dieses Jahr wieder Urlaub an der Nordsee mache...vielleicht ja mal Cuxhaven (war jetzt 5x in Norddeich, das reicht:-)) und wir machen eine Hörsession :-)

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  4. Hallo Dirk,

    ich hab´s ja auch nicht böse gemeint. Ist inzwischen ja auch fast ein Ding der Unmöglichkeit, mit Röhren was völlig Neues aus dem Hut zu zaubern - es kochen eben alle nur mit Wasser, womit auch sonst?!

    Gruß,
    Carsten

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  5. Hi Carsten,

    ist halt so ähnlich wie in einem anderen Blog von dir, in dem du die 100.- Fostex Treiberchen in einer 4000.- Box selber als grenzwertig erwähnst :-) Erwähnenswert ist das alles aber immer und ich finde es gut, daß es solche Blogs wie diesen hier gibt (und auch mal Diskussionen). Man findet sich doch sehr häufig hier wieder...ich muß da nur an "Testsieger", "Mainstream-Gazetten" und "doch nie zufrieden", wie du es nennst, denken...es ist so. Nur "Normalsterblichen" kannste das nicht verklickern ;-)

    Gruß Dirk

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  6. was meint ihr zum Lautsprecher? klingt der nicht völlig anders als alles andere?
    Markus

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