Montag, 5. März 2012

Was ist dran am Goldenen Schnitt?

Der Goldene Schnitt bezeichnet das Teilungsverhältnis in zwei ungleiche Teile, wobei sich der kleinere Teil zum größeren Teil verhält wie der größere zur Summe beider Teile. Dieses Verhältnis beträgt etwa 1 : 1,618 und wird als besonders harmonisch empfunden. Der Goldene Schnitt kommt häufig in der Natur vor (z.B. Hahnenfußblatt, Schachtelhalm, Eichenblatt, Proportionen des menschlichen Körpers,...). Da dieses Teilungsverhältnis offenbar als sehr "angenehm" empfunden wird, findet es insbesondere in Kunst und Architektur Anwendung.
 
  
Quelle: Wikipedia
 
Aber was hat das alles nun mit HiFi zu tun? Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass vor allem die Marketingabteilungen einiger HiFi-Manufakturen den Goldenen Schnitt für sich entdeckt zu haben scheinen und als (gar nicht mehr so) neue Sau durch´s Dorf treiben - ohne zu verstehen, welchen Effekt man durch die Anwendung des Goldenen Schnitts tatsächlich erzielt bzw. erzielen kann. (Aber das ist ja auch egal, schließlich scheinen gerade HiFi-Freaks besonders empfänglich zu sein für Phänomene, die sich einem nicht auf den ersten Blick erschließen und wenn es ein wenig nebulös bleibt, verkauft es sich noch besser (Stichwort "Enhancing", Klangschalen, "magische", harmonisierende Lacke...)).
 
Während die drei letztgenannten Stichworte ein klarer Fall für die Abteilung Bullshit-Alarm sind, verbergen sich hinter dem "Prinzip" des Goldenen Schnitts klar technische Merkmale, die in der Akustik positive Effekte nach sich ziehen können. Hier lohnt sich insbesondere die Betrachtung von Hörräumen, Hör- und Lautsprecherpositionen sowie der Größenverhältnisse von Lautsprechergehäusen.
 
Beispielhaft möchte ich kurz das Thema Hörräume beleuchten, wobei Details wie verwendete Baustoffe, Asymmetrien, Einrichtung etc. der Einfachheit halber außer Betracht bleiben - ich nehme daher einen homogenen, quaderförmigen und leeren Hörraum an. Durch Schallquellen bilden sich zwischen parallelen Wänden stehende Wellen aus - die so genannten "axialen Raummoden". (Damit es nicht zu kompliziert wird, gehe ich auf tangentiale und obelique Raummoden nicht weiter ein.)


Raummodenberechnung; Quelle: sengpielaudio

Ich nehme nun fiktive Raumverhältnisse an, die im Verhältnis 1 : 1,618 stehen, und zwar 2,80 m Raumhöhe, 4,53 m Raumbreite und 7,33 m Raumlänge. Damit werden die Anforderungen des Goldenen Schnitts erfüllt. Bei Eingabe dieser Werte berechnet das Raummoden-Tool bei sengpielaudio.com die axialen Raummoden bis einschließlich zur 9. Harmonischen für alle Raumlängen. Bei näherer Betrachtung wird klar, dass alle Harmonischen der drei Raumlängen extrem gleichmäßig verteilt sind! Stehende Wellen, die ja grundsätzlich als unangenehm empfunden werden, treten also nicht "gehäuft" bei bestimmten Frequenzen auf und sorgten dadurch womöglich für extreme Frequenzüberhöhungen.
 
Das Prinzip des Goldenen Schnitts verdient in bestimmten Fällen durchaus Beachtung, ist aber sicherlich kein Allheilmittel bei schlecht ausgelegten Lautsprechern oder miserabel klingenden Hörräumen (deren Größenverhältnisse sich im Nachhinein mit vertretbarem Aufwand eh´ nicht ändern lassen).
 
Dieses Thema soll schlichtweg als Anregung dienen. Wer also praktische Erfahrungen bei der Anwendung des Goldenen Schnitts bzgl. HiFi hat - nur zu, Kommentare sind sehr erwünscht!

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