Sonntag, 22. April 2012

Cheap, quick and dirty: Visaton BG 17 DIY-Wall-Transmissionline

Manchmal springt einen eine fixe Idee förmlich an und es fängt an, in den Fingern zu jucken. Dieses Mal wollte ich quasi als "Cheap Trick" einen kleinen Vollbereichsbreitbänder in ein kleines, flaches Gehäuse zur Wandmontage verpflanzen, z.B. für eine Zweitanlage in einem kleinen Raum. Die Gesamtkosten sollten so gering wie möglich ausfallen, einfach um einmal zu sehen, "was geht".
  
Ich stolperte über den Visaton BG 17 (8 Ohm) Treiber, im Netz übrigens für einen schon unverschämt günstigen Kurs erhältlich. Mit 93 dB @ 2,83 V und in Richtung Hochton nur leicht ansteigender Impedanz eine leichte Last für jede Triode. Sicherlich nicht perfekt linear und auch nicht mit extrem ausgedehntem Frequenzband gesegnet, aber hier braucht man wirklich nur ein kleines Auge zuzudrücken. Die TSP weisen eine Gesamtgüte von 0,74 aus bei einer Resonanzfrequenz von 120 Hz - hier kann man es ruhig mal mit einer TML probieren. Hier und da habe ich schon gelesen, ein Treiber solle für eine TML eine Gesamtgüte zwischen 0,25 und 0,4 haben - das halte ich nicht für sinnvoll, sondern eher eine Güte >0,45.
   
 
Die Abstimmfrequenz sollte minimal oberhalb der Resonanzfrequenz liegen, schließlich soll der arme kleine Treiber im Betrieb nicht aus dem letzten Loch pfeifen (= "heiße Luft" im Tiefton produzieren), sondern lieber straff und knackig klingen. Zudem wird die Wandmontage ehedem ein paar Dezibel im Tiefton draufpacken. Damit ergibt sich je nach Berechnungsansatz ein Volumen zwischen 10,6 und 11 l sowie eine Linelänge im Bereich zwischen 45 und 70 cm. Für das Verhältnis zwischen Anfangs- und Endquerschnitt wählte ich den "Goldenen Schnitt". Die Treiberposition ist bei ca. 1/3 der Linelänge am günstigsten, damit die Frequenzgangkurve im Tiefton nicht zu wellig wird.
 
Alles in allem keine ganz einfachen Randbedingungen, wenn sie denn alle erfüllt werden sollen, aber nach etwas Knobelei ergab sich (fast wie von selbst) die folgende skizzierte Lösung. Der Treiber sitzt also "quer" in der Line und verändert in diesem Bereich streng genommen den Linequerschnitt - ein der gewollt flachen Bauform geschuldeter Kompromiss, den ich achselzuckend zur Kenntnis nehme.
 
 
Der Treiber sitzt mittig im Gehäuse, der TML-Ausgang befindet sich seitlich unten. Beide LS sollten spiegelbildlich aufgebaut werden und die TML-Ausgänge jeweils in Richtung Seitenwand im Raum abstrahlen. Der Chassiskorb ist so flach, dass auf ein Einsenken des Chassis verzichtet werden kann. Die LS-Anschlüsse lassen sich sehr gut in der Mitte der Gehäuseunterseite positionieren. Auf eine Frequenzgangkorrektur via Filternetzwerk kann dank ausreichend linearem Frequenzgang verzichtet werden, insbesondere im wichtigen Stimmbereich ca. zwischen 100 Hz und 1 kHz verhält sich der Treiber vorbildlich.
 
Meine einzige Sorge war, dass der Baffle Step bei der gegebenen Gehäusebreite im Bereich um 800 Hz herum zuschlägt und hier ein paar Dezibel zu viel des Guten hinzufügt, allerdings sollte sich dieser Effekt bei dem flachen Gehäuse und gleichzeitiger Wandmontage nicht besonders stark ausprägen. Also wieder "Breitbänder pur", zudem handelt man sich ohne Korrekturnetzwerk keine unnötigen Wirkungsgradverluste oder "Achterbahnverläufe" bei Phase und Impedanz ein; die Triode wird es danken.
 
Um die Gehäuse einerseits möglichst leicht zu halten und andererseits dem "Cheap Trick" Gedanken zu frönen, verwendete ich (kostengünstige) stabverleimte Fichte - eine aus meiner Sicht sehr gut klingende Holzsorte, die beim Verarbeiten allerdings etwas zum Splittern neigt - hier ist entsprechende Vorsicht geboten.
 
 
Oben zu sehen: die Position des Dämpfungsmaterials (Bondum 800) - bloß nicht zu viel dämpfen! In das Element über den LS-Anschlüssen werden Löcher gepiekst, die LS-Kabel durchgezogen und diese dann an die Anschlussfähnchen gelötet. Erst danach wird das Bondumelement zurück in seine Position gebracht.
   
  
Jetzt fehlen noch das Finish, der Chassiseinbau, die Wandmontage und ein erster Hörtest. Dazu in Kürze mehr (hier im Follow-up, Follow-up II, Follow-up III).

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