Dienstag, 31. Januar 2012

11 tracks to check your speakers oder: High End ist, wenn´s (trotzdem) Spaß macht

Keine Sorge, hier soll es jetzt nicht um meine Musikpräferenzen gehen, jedenfalls nicht originär. Vielmehr geht es um die Frage, was denn eigentlich "High End" ist - oder sein kann. Unabhängig von der Branche wird unter High End im Allgemeinen das technisch Machbare, das "obere Ende der Fahnenstange" verstanden. Bei HiFi wird High End automatisch mit "teuer" gleichgesetzt. Und bisweilen erscheint es mir fast so, also verkauften sich Komponenten umso besser, je dicker das Preisschild ist, welches ein Gerät umgehängt bekommt - unabhängig vom tatsächlichen Wert. Dem Kunden muss nur das Gefühl von "Wertigkeit" vermittelt werden. Hauptsache, die Story stimmt, es wird ein wenig Bohei um die neueste, selbstverständlich revolutionäre Schaltung gemacht und ordentlich Chrom auf die Frontplatte gekleistert, dann kann auf dem Verkaufsschild ruhig das Acht- bis Zehnfache der Herstellkosten stehen. Wer glaubt, ich übertreibe maßlos, der sollte mal den einen oder anderen bekannten Lautsprecher durchkalkulieren. Und spätestens wenn dann ein 100 €-Vollbereichs-Treiberchen von Fostex in einer 4.000 €-Box (Stückpreis) steckt, wird´s grenzwertig...
   
Ups - merkt man, dass ich mich gedanklich schon auf das kommende Wochenende in Hamburg einstimme?! Sorry...
   
 
Um es mal klar auf den Punkt zu bringen: Ich habe kein Problem mit Produkten à la Silbatone - im Gegenteil (wären doch bloß alle Hersteller superteurer Komponenten so authentisch). Und womöglich würde ich mir solche Ausnahmeprodukte sogar anschaffen, wäre da nicht just diese kleine pekuniäre Unpässlichkeit meinerseits.
 
Allerdings finde ich es viel spannender, wenn ein preiswertes Gerät (das durchaus auch teuer sein kann) eine Performance hinlegt, die mich als Zuhörer fesselt, die einfach Spaß macht - denn das ist es doch, worum es beim Musik hören gehen sollte: um Spaß.
 
Und um den wahren Wert einer Komponente einschätzen zu können, teste ich bestimmt nicht, ob "die Auflösung der dritten Geige hinten rechts ein wenig differenzierter und eher gülden als silbrig" ist oder ob der Raum über einen halben Meter mehr virtuelle Tiefe verfügt. Ich lege einfach ein paar Tracks auf, bei denen bei mir der Funke überspringen muss - 11 Tracks, die für mich keine "Teststücke" sind, sondern morgen schon wieder ganz andere sein können... (Ich hege übrigens keinerlei Ressentiments gegenüber Jazz oder Klassik, aber Jazz ist einfach nicht mein Ding und Klassik, na ja, ok, ein paar Platten habe ich schon.)
   
1) Rio Reiser - König von Deutschland
Kein anderes Lied gibt dem - in jedem von uns steckenden - kleinen anarchischen Affen in mir so viel Zucker wie dieses. Herrliche Verballhornung eines Zeitgeistes, der sich leider bis heute hält und in krassem Kontrast steht zu den Zeiten, als es noch Politiker mit Format gab wie Helmut Schmidt oder Richard von Weizsäcker.
 
2) Michael Jackson - Beat it (Thriller)
Ich bin wahrlich kein Michael Jackson-Fan, aber anerkennenswert ist sein Lebenswerk allemal und dieser Song mit dem genialen Gitarrensolo von Eddie Van Halen ist wirklich klasse. By the way: Wer kann mir sagen, was das "Klopfen" kurz vor dem Gitarrensolo für ein Geräusch ist? (auf dem Album)
 
3) Run DMC feat. Aerosmith - Walk this way
Hier müssen die fetten Beats einfach richtig "kesseln". Ein echter Crossover-Song, derart witzig und originell wie kaum ein zweiter. Wenn der Lautsprecher nix taugt, humpelt der Bass einen halben Schritt hinterher.
  
4) Warsaw (Joy Division) - Failures
In der ursprünglichen Version von Warsaw klingt dieser Klassiker des (Post-)Punk gerade so, als liefe der Plattenspieler auf zu hoher Drehzahl. Wenn das der Fall ist, macht die Anlage alles richtig. (Die spätere Version nach der Umbenennung in "Joy Division" klingt da etwas braver.)
 
5) U2 - Desire
Äh... interessieren diese Ausführungen wirklich noch jemanden?! Ok, ich mache es also kurz:

6) Pogues - Summer in Siam (Hells Ditch)
7) Queen - Radio Ga Ga
8) Franky Goes To Hollywood - Power of Love
9) R.E.M. - All the way to Reno
10) Coldplay - Strawberry Swing (Viva la Vida)
11) Shout out louds - Tonight I have to leave it (Our ill Wills)

Auf Messen nehme ich meine Scheiben schon lange nicht mehr mit - da geht es mir einfach zu bierernst zu. Ganz selten ist´s spaßig, bisweilen erntete ich sogar schon böse Blicke oder Kommentare ob meiner Musikwünsche. Ich finde übrigens NICHT, dass aufgeregte Verständnislosigkeit angemessen ist, wenn man gerne mal Hells Bells von AC/DC über die 50 k€-Anlage hören möchte ("Das ist doch nicht audiophil!" - "Nee, aber wenn ich das teure Zeug kaufen soll, will ich verdammt nochmal wissen wie MEINE Musik darüber klingt!"). Wie ich das Wort "audiophil" inzwischen hasse... 
 
Gleichwohl diese Zeiten (aufgrund meiner, ähm,  Verweigerungshaltung? Sturheit? Resignation?!) also glücklicherweise für mich vorbei sind, gibt es immer noch genug Freaks (Neudeutsch: Nerds), die sich in angespannter Sitzhaltung auf der Stuhlkante selbst heute noch Ulla Meineckes furchtbare "Tänzerin" reinziehen und happy sind, wenn es "audiophil" klingt (ich weiß bis heute nicht, wie etwas "audiophil" klingt). Ich werde mich in Hamburg also überraschen lassen, welche "Tänzerinnen-Äquivalente" denn dort so auf den (Platten)Teller kommen. Auch ich habe Anfang der 1980er-Jahre diesen ganzen Mist geglaubt, der in den beiden (damaligen) Marktführer-HiFi-Magazinen propagiert wurde. Und ob Ihr es glaubt oder nicht, auch dieses Album mit vorgenanntem Lied steht bei mir sogar noch rum...

 
Also ganz ehrlich: Bei diesem Lied ist bei mir bisher noch nie auch nur das kleinste Fünkchen Emotion übergesprungen - auf keiner Anlage. Das Lied soll ja "audiophil" aufgenommen sein, allein - es nützt nichts, es ist wohl ganz einfach nicht mein Ding...
 
Vor etlichen Jahren habe ich mir einmal in einem Hamburger HiFi-Studio einen vielversprechenden, in der ernstzunehmenden Fachpresse gut beleumundeten Lautsprecher angehört. Partiell einmalig gut, nein, phantastisch (oberer Grundton bis oberer Mittelton) - allerdings im Bass- und Präsenzbereich unterbelichtet, da konnte auch die Regel 400.000 nicht mehr viel retten. Als der Händler mich nach meinem Eindruck fragte, antwortete ich denn auch ehrlich. Daraufhin entgegnete er mir sinngemäß:
 
"Ach, wissen Sie, wenn der Lautsprecher erstmal bei Ihnen Zuhause steht, hören Sie irgendwann sowieso andere Musik als jetzt - Kammermusik und Jazz in kleinen Besetzungen und so. Sie sind da jetzt wohl noch falsch konditioniert, denn wer so einem Lautsprecher gerecht werden will, sollte sich auch verantwortungsvoll auf ihn einstellen!"
 
Ich war sprachlos, denn DAS war wirklich das Schrägste, was ich in diesem Zusammenhang je gehört hatte...

Samstag, 28. Januar 2012

Adzam 2A3 Dual Monoplate

Also, da stand ich dieses Mal zunächst echt auf dem Schlauch. Eine 2A3 Dual Monoplate von "Adzam" - da konnte ich nichts mit anfangen. Auf der Schachtel war alles eindeutig auf Niederländisch, also habe ich ein wenig recherchiert und bin darauf gestoßen, dass es sich dabei um eine Marke von Philips handelt - nämlich "Mazda", nur eben rückwärts buchstabiert. Mit dem Autohersteller hat das nichts zu tun.
 
 
  

Nun hat Philips meines Wissens nie die 2A3 hergestellt, also muss es sich um relabelte 2A3 handeln. Die charakteristische schwarze Färbung des Kolbens deutet darauf hin, dass es sich um Ken-Rads handeln muss. Der Vergleich ist dann auch mehr als eindeutig.
  
  
  

Schöne Röhre, schöne Schachtel, klasse Klang und selten dazu - es gibt halt doch immer mal wieder kleine Überraschungen...

Dienstag, 24. Januar 2012

Auswertung: Leser-Poll zu Lautsprecher-Gehäusekonzepten

Vielen Dank für die rege Beteiligung am Leser-Poll! Stellt man die Anzahl der Teilnehmer (97) der Anzahl der Stimmen (150) gegenüber, so ergibt die Differenz eine Anzahl von 53 Mischkonzepten (es sei denn, jemand hat für seine Zweitlautsprecher mit abgestimmt - auch ok.). Ein Mischkonzept könnte z.B. ein FAST-System (Fullrange And Sub Technology) sein, bestehend aus einem Vollbereichsbreitbänder als Open Baffle und einem (wie auch immer) "behausten" Tieftöner, oder beispielsweise ein Mittelhochtonhorn zusammen mit einem Bassreflextieftöner, oder...
 
   
Lange zurück liegende DIY-Aktion von mir: FAST-System mit Breitbänder in einer hinten geschlossenen Schallwand (kein Open Baffle) und separatem Tieftöner (in geschlossenem Gehäuse); lief an einer EL34 Push-Pull recht anständig
   
Aber so genau will ich das gar nicht analysieren, sondern mir ging es ganz einfach darum, eine ungefähre Vorstellung davon zu bekommen, wie denn so gehört wird. Dabei habe ich kein repräsentatives Ergebnis erwartet, welches den bundesdeutschen Durchschnitts-Hifi-Hörer widerspiegelt, sondern im Ergebnis eine gewisse Affinität zu Röhren, insbesondere Trioden, erwartet. 97 Teilnehmer sind da schon eine gute Stichprobe.
 
    
Resonanzgehäuse (14/150)
Als Vorreiter für diesen Gehäusetyp darf sicherlich die Auditorium 23 Rondo gelten, gleichwohl hier lediglich ein altes, in Vergessenheit geratenes Prinzip aus einer besseren (Lautsprecher-)Zeit wiederbelebt wurde. Als RK diesen Lautsprecher 2000 in der image hifi vorstellte, hagelte es dem Vernehmen nach ja gepfefferte Kritik; inzwischen dürften sich viele derer, die damals am lautesten aufschrien, vom Saulus zum Paulus gewandelt haben...
Grundsätzlich dürfen dünnwandige Gehäuse hier nämlich schön mitschwingen, um dem Grundton-/Bassbereich zu etwas mehr Substanz verhelfen. High-Endern, die ihre Chassis am liebsten in ein Betongehäuse verpflanzen oder wenigstens zig weitere Lagen Damping zur "Gehäuseberuhigung" ins Gehäuseinnere ihrer Box kleben würden, kriegen hier natürlich die Krise. Ich jedenfalls mag Reso-Gehäuse sehr, weil der rückwärtige Schallanteil weitgehend genutzt und nicht "gekillt" wird. Wirkungsgrad ist eben durch nichts zu ersetzen als durch noch mehr Wirkungsgrad.

  
Open Baffle (23/150)
Erstaunt hat mich der hohe Anteil von Open Baffle schon. Vermutlich sind die meisten DIY´ler, die die potenziellen Schwierigkeiten dieses Konzepts (Dipolcharakteristik vs. Aufstellung, fehlender Tiefbass) gerne tauschen gegen schlackenlosen Klang, frei von Artefakten. Am besten filterlos, lernt man bei keinem anderen Konzept ein Chassis so gut kennen wie hier. Und ganz ehrlich: Es macht einfach riesig Spaß, ein Chassis per Adapter in eine Schallwand zu schrauben und einfach mal zu sehen, was dabei rauskommt (so wie hier oder hier); nirgends gibt´s mehr "Triode pur", wenn zur Verstärkung genutzt. Sehr informativ ist übrigens die Seite Dipol+.

Geschlossene Gehäuse (11/150)
"Früher" - für mich gefühlt in den 1980er-Jahren - gab es noch ziemlich viele Lautsprecher, die mit geschlossenen Gehäusen arbeiteten, inzwischen ist dieses Prinzip offenbar nicht mehr so populär. Ich bin ebenfalls kein großer Fan geschlossener Gehäuse, da vor allem der rückwärtige Schalleinteil nicht genutzt - also "verschenkt" - wird. Darüber hinaus wirkt das eingeschlossene Luftvolumen als Federkissen, welches dem Bewegungsdrang des Chassis einen Widerstand entgegenstellt; die Impulstreue leidet, die Einbauresonanz wandert deutlich nach oben... Obwohl einige gut gemachte geschlossene Lautsprecher subjektiv einen schönen Bass-Roll-Off haben - Freunde werden wir nicht mehr.
 
Bassreflex (31/150)
Wie erwartet bilden die "Bassreflexkisten" den größten Anteil. Simples Prinzip, simple Abstimmung, simples Ergebnis... nein, so gemein will ich es dann doch nicht formulieren. Ich habe durchaus schon gut abgestimmte BR-Boxen gehört, allerdings stört mich grundsätzlich der subjektiv langsame Tiefton, der immer etwas hinterherzuhumpeln scheint und auf Kosten präziser, fein federnder Auflösung eine bisweilen erdrückende, effekthaschende Wucht und Fülle in den Vordergrund stellt.
  
Transmissionline (8/150)
Das Transmissionline-Prinzip fristet m.E. zu Unrecht ein etwas stiefmütterliches Dasein (auch diese Kiste ist ja im Grunde eine TL). Es erfordert zwar einigen Aufwand bei der Abstimmung, bis es "passt" - aber wenn es passt, dann belohnt die TL mit schnellem, tiefen Bass und nutzt wenigstens einen Teil der rückwärtigen Schallenergie, ohne dem Chassis einen nennenswerten (Luft-)Widerstand entgegenzusetzen. Momentan habe ich da eine Idee für ein neues Projekt, aber es steckt leider noch ganz in den Anfängen.
 
Rearloaded Horn (19/150) / Frontloaded Horn (27/150)
Was soll ich Eulen nach Athen tragen? Ein erfreulich hoher Anteil hört mit Hörnern; Triode und Horn gehören sowieso zusammen. Ich mag Hörner, insbesondere Kugelwellenhörner, deren Dimensionen im Bassbereich (als frontloaded) ja dann doch gerne mal ambitionierte Ausmaße erreichen (können). Und "rearloaded" weist ein Basshorn prinzipbedingt (durch die Faltungen) ja oft gewisse Welligkeiten auf, was sich in der Praxis meistens als völlig unkritisch herausstellt. Der Wirkungsgrad von Hörnern ist ohnehin unschlagbar und für alle weiteren Infos gibt es ja den Hornloaded Audio Blog.

TQWT (12/150)
Die "Tapered Quarter Wave Tube" oder auch Voigt Pipe ähnelt in ihrer Charakteristik stark einer Bassreflexbox, ist (bei gleichem Chassis) jedoch größer und erlaubt i.d.R. eine tiefere, wenngleich im Pegel niedrigere Abstimmung mit besserem Impulsverhalten. Ich bin beim Nachbau eines TQWT-Bauvorschlags mal ziemlich enttäuscht gewesen, weshalb diese Boxen dann als Kaninchen-Lauftunnel endeten. Seitdem hatte ich mit TQWT nicht mehr viel am Hut, aber das kann sich ja auch wieder ändern...
 
Bandpass (0/150)
Tja, Bandpass-Gehäuse scheinen sehr aus der Mode gekommen zu sein. Ich erinnere mich an frühere Isophon-Lautsprecher, die dieses Prinzip nutzten. Persönlich habe ich jedoch kaum Hörerfahrungen hierzu.
 
Passivmembran (4/150)
Vor gefühlten Äonen hatte ich einmal eine Dynaudio 2.8, die als Zweiwegesystem für den Tiefmitteltöner ein gleich großes passives Chassis besaß. Die Passivmembran sollte der reinen Lehre nach zwar besser doppelt so groß sein wie der Tief(mittel)töner, aber das Prinzip funktionierte gut. Der Bass dieses Lautsprechers war sehr, sehr tief und wuchtig - wenn dem Verstärker nicht die Puste ausging, die Schutzschaltung ansprang oder gleich ganz abrauchte (wie damals meine selige Rotel-Endstufe). Aber da ich mir keinen Amp zulegen wollte, den man auch als Schweißgerät hätte nutzen können, musste dieses Wirkungradwunder irgendwann doch weichen...

Montag, 23. Januar 2012

Norddeutsche HiFi-Tage "Hörtest 2012" am 04./05. Februar im Holiday Inn, Hamburg

Am 04. Und 05. Februar 2012 finden in Hamburg im Holiday Inn wieder die Norddeutschen HiFi-Tage statt. Auf inzwischen fünf Etagen (2011 waren es nur drei) sind eine noch größere Vielzahl verschiedener Hersteller und Vertriebe vertreten als zuvor - ich deute diese deutliche (auch räumliche) Ausdehnung einfach mal dafür, dass sich die Veranstaltung inzwischen gut etabliert hat. Der Eintritt ist wieder frei - schön!

 
 

Natürlich werde ich auch wieder vorbeischauen - in erster Linie, um einige Bekannte zu treffen und sich auszutauschen. Ansonsten gehe ich dieses Mal ganz unvoreingenommen hin und lasse mich überraschen, was es so (Neues?) zu hören und zu sehen gibt.



Klar, Bilder werde ich auch schießen, eventuell schaffe ich es am Sonntagabend (05. Februar), hier schon Einiges zu zeigen.

Mittwoch, 18. Januar 2012

Hörerlebnis - Das Magazin für High Fidelity

Ich möchte hier ein Magazin in den Fokus rücken, welches von vielen Szene-Kennern zwar geschätzt wird, meines Erachtens allerdings viel zu wenig breitere Beachtung findet: das Hörerlebnis. Dafür mit ein Grund ist sicherlich der Umstand, dass es das Hörerlebnis in Deutschland, Österreich und der Schweiz zwar bei insgesamt ca. 60 Fachhändlern zu kaufen sowie direkt online beim Verlag als Abo gibt - aber an keinem noch so gut sortierten Kiosk.
 
Das Hörerlebnis erscheint quartalsweise und kommt stets im DIN A5-Format daher - als reiner Schwarz-Weiß-Druck (diese "Farbgebung" passt übrigens recht gut zu meinem Blog, finde ich). Das macht sicherlich einen großen Teil des speziellen Charmes dieses Magazins aus, dessen redaktionelle Wurzeln bis auf "DAS OHR" zurückreichen.
     
   
Das Besondere und heutzutage wirklich Außergewöhnliche an diesem Magazin ist jedoch, dass es völlig ohne Werbung auskommt - nicht eine einzige Seite, auf der die üblichen Branchengrößen ihre markigen Werbeslogans unter polierten, panzerdicken Chromfrontplatten platzieren! Sehr angenehm - das verdient große Anerkennung. Wer sich so unabhängig macht, der kann auch unabhängig (und ehrlich) über Geräte berichten und ist darüber hinaus nicht verpflichtet, Berichte über sowieso wohlbekannte Geräte aus dem Portfolio von Branchenprimus "X" bringen zu müssen, nur weil dieser die dicksten Anzeigen schaltet. Und wird andererseits auch mal ohne Scheu über feine Produkte kleiner Hersteller berichten, die in anderen Magazinen keinerlei Beachtung finden - weil sie nicht über ein entsprechendes Werbebudget verfügen, das es ihnen erlaubt, sich einen Bericht zu "erkaufen" und diese Geräte darüber hinaus womöglich in der Lage sind, den "Großen" mehr als nur am Zeug zu flicken...

Aber es soll ja hier um das Hörerlebnis gehen - keine weiteren Seitenhiebe also, versprochen. Meine erste "Leseerfahrung" habe ich in Ausgabe 23 gemacht, irgendwann Ende der 1990er-Jahre also. In besonderer Erinnerung ist mir hier der Bericht "Dreamteam" von Heiko Ambroz geblieben - ein 18 (!) Seiten langer Beitrag über eine Kette der damaligen MusicConnection, bestehend aus den Dynavox 2.5.3 Lautsprechern, More Fidelity Röhrenverstärkern und einem Horstmann und Petter "Ullysses" Laufwerk. Dieser Bericht hat mich dann später bewogen, mir eine ähnliche Kette aufzubauen (Dynavox 2.1, More Fidelity Musiqa No. 1, 2 u. 3) - bereut habe ich es nie, im Gegenteil, die geschilderten Eindrücke konnte ich sehr wohl bei mir zu Hause in ähnlicher Form bestätigen. Darüber hinaus war es der Startschuss für mich in die Welt der Trioden, insbesondere der 2A3...

Daher mein Appell an dieser Stelle, sich doch einfach mal näher mit dem Hörerlebnis auseinanderzusetzen - es hat es verdient.

Freitag, 13. Januar 2012

Röhrenlebensdauer, Röhrenverschleiß, Röhrenverbrauch, Röhrenalterung

´Wie lange hält denn eine gute NOS-Röhre, und wann sollte ich sie spätestens tauschen? Verschlechtert sich irgendwann der Klang?´ Fragen, die ich hin und wieder gestellt bekomme, die ich mir früher selbst gestellt habe und auf die es doch keine eindeutigen Antworten gibt. Allerdings kann man sich der Wahrheit recht gut annähern, zumindest werde ich es mal versuchen.

Röhrenlebensdauer
Zunächst muss unterschieden werden zwischen Kleinsignalröhren (also Treiber- oder Eingangsröhren), Leistungsröhren und Gleichrichterröhren. Frühere Herstellerangaben oder Angaben in einschlägiger Literatur gestanden Leistungsröhren wie z.B. der 2A3, 300B oder anderen Trioden eine Lebensdauer von 1.000 bis 3.000 Stunden zu, natürlich auch stark abhängig von der Röhrentype selbst. Kleinsignalröhren hingegen lagen (bzw. liegen) da schon in der Größenordnung zwischen 5.000 und 10.000 Stunden, Gleichrichterröhren sogar deutlich darüber.

Nun ist die Lebensdauer einer Röhre stark abhängig davon, bei welchem Arbeitspunkt sie betrieben wird. Betreibe ich eine 300B beispielsweise in einer Schaltung bei einem Arbeitspunkt, der die Röhre am Rande ihrer Möglichkeiten "würgt" und ihr bis zu 8 oder 9 Watt abverlangt, wird diese 300B sicherlich nicht viel älter als 1.000 Stunden werden. Lasse ich sie in einer "konservativen" Schaltungsumgebung laufen und hole nicht mehr als 5-6 Watt aus ihr raus, schafft eine alte WE 300B gewiss auch 8.000 bis 10.000 Betriebsstunden - mindestens. Das ist ähnlich wie bei einem Automotor: Der Motor eines Langstreckenfahrzeugs, das regelmäßig 110 oder 120 km/h fährt, hält auch länger als der gleiche Motor, der ständig im hohen Drehzahlbereich bei 160-200 km/h läuft. Gleiches gilt äquivalent natürlich auch für Kleinleistungs- und Gleichrichterröhren: 12.000 respektive 20.000 Stunden sind bei guten NOS-Röhren schon drin.
 
Hintergrund einer geringeren Röhrenlebensdauer ist, dass die Emissionsschicht der Kathode bei zu hohen Spannungen überproportional beansprucht wird: Die emittierten Elektronen werden durch zu hohe Spannungen förmlich aus der Emissionsschicht gerissen und reißen dabei mikroskopisch kleine, winzigste Teile der Emissionsschicht mit sich. Die Emissionsschicht verbraucht sich viel schneller.
 
Leider gibt es für diese Zahlen meines Wissens keine belastbare Datenbasis - wer misst schon die kumulierte Betriebsdauer seiner Röhren - und veröffentlicht diese Daten?! Ich kenne jedenfalls niemanden. Allerdings habe ich gestaunt, als ein Bekannter - beileibe kein "High Ender", sondern selbsternannter "Musikfan" -, mir Folgendes glaubhaft versicherte. Seit 18 Jahren spielt eine (0/8/15-)Endstufe mit ihrer ersten RCA 2A3 in seiner Kette und er denke nicht im Entferntesten an (irgend)einen Geräte- oder Röhrentausch ("Wenn ich mit so´m Schickimicki anfange, bastel´ ich doch nur noch rum statt Musik zu hören. Läuft doch alles! Omas Dampfradio lief früher auch Jahrzehnte lang - da ha´m wa nie was gewechselt."). Ersatzröhren hat er keine - nie gehabt. Also Emission gemessen - 56 mA, ca. 93% der NOS-Specs. Bei geschätzten 300 Stunden Betrieb pro Jahr ("Im Schnitt pro Tag knapp ´ne Stunde!") wären das bereits ca. 5.400 Stunden, die die RCA "auf dem Anodenblech" hat! Ich habe ihm gesagt, in 18 Jahren (also Anfang 2030) messen wir die Röhren wieder...
 
Aber: Wann ist denn die Lebensdauer einer Röhre "beendet" - und was passiert dann mit ihr? Nichts. Die Röhre verlässt bei ungefähr der Hälfte ihrer Emission(sfähigkeit) gem. Spezifikation den so genannten "Gutbereich" und sollte gewechselt werden - ich empfehle allerdings bei einer 2A3 spätestens bei 40-45 mA Emission (66-75%) einen Wechsel; dann wirkt sie in meinen Ohren bereits etwas "schlapp". Allerdings funktioniert der Röhrenverstärker dann immer noch. Und ich behaupte einfach mal, dass viele "High Ender" es nicht einmal merken würden, wenn ihre Röhren nur noch 20% ihrer Nennemission hätten...
  
Verbrauch, Verschleiß, Alterung?
Röhren verschleißen nicht, sie verbrauchen sich. Sie altern nicht, aber sie werden älter. Klingt spitzfindig, weil viele im Verbrauch ein Synonym für Verschleiß sehen (vice versa), aber: Auch, wenn viele in der Röhre ein Verschleißteil sehen, wird die Emissionsschicht lediglich "verbraucht" (wie z.B. beim Auto das Wasser für die Scheibenwischer), aber nicht "verschlissen" (wie z.B. Bremsscheiben oder Reifen).

Das Alter einer Röhre ist vollkommen egal - sie "altert" nicht in dem Sinne, dass sie schlechter wird. Das einzig Kritische ist die zunehmende Gefahr, dass sich das Vakuum verschlechtert und Gas in den Kolben tritt. Das kann dann so aussehen, wenn es im Betrieb ionisiert:
 


Obere beiden Bilder: RCA 2A3



Obere beiden Bilder: Sylvania 2A3 Dual Monoplate
 
Allerdings besitzen einige NOS-Röhren anfänglich eine leichte bläuliche Illumination und damit gewisse Gaseinschlüsse. Das ist nicht weiter kritisch, weil dieses Gas durch das Getter gebunden wird, nach ca. 50-100 Stunden (also nach der so genannten "Einbrennphase") verschwindet diese Illumination meist. Verschwindet die Illumination danach nicht, ist die Röhre i.d.R. unbrauchbar. Es reicht (zum Erreichen der vorgenannten 50-100 Stunden), den Röhrenverstärker entsprechend lange eingeschaltet zu lassen - es muss dabei nicht durchgehend Musik laufen. Ansonsten gehören Röhrengeräte nach dem Musikhören stets ausgeschaltet! Der britische Röhrengeräte-Vollsortimenter Audio Note empfiehlt in seinen Manuals zu den Vorverstärkern, diese stets eingeschaltet zu lassen, so würden die Röhren vom Ein- und Ausschaltstress verschont und ein Wechsel der Röhren würde erst nach 5 Jahren fällig (gleichbedeutend mit weit über 40.000 Betriebsstunden für die Kleinleistungsröhren). Das ist - sorry, AN - natürlich Bullshit: Um seine Röhren zu schonen und aus Gründen des Umweltschutzes gehören nicht genutzte Geräte einfach ausgeschaltet.

Sonstiges im Umgang mit Röhren
Nur kurz und auf die Schnelle (dieses Posting ist sowieso schon viel zu lang):
  • Kontaktstifte reinigen, um einen guten elektrischen Kontakt zu gewährleisten. Aber niemals mit Kontaktspray, sondern so wie hier beschrieben.
  • Röhren mindestens 5 Minuten warmlaufen, dann erst Musik spielen lassen. In den ersten 20 Minuten nur moderate Lautstärken "fahren".
  • Häufiges Ein- und Ausschalten vermeiden. Erst bei absehbaren "Musikpausen" von über einer Stunde den Röhrenverstärker ausschalten, sonst lieber durchlaufen lassen.
  • Mechanische Erschütterungen warmer/heißer Röhren vermeiden.
  • Keinen Anfall bekommen, wenn sich kleine lose Glassplitter im Kolben befinden. Durch thermische Ausdehnung der Drähte im Inneren der Röhre können mal kleine Glasteilchen abplatzen. Normalerweise harmlos.
  • Lose Röhrensockel: I.d.R. ebenfalls harmlos. Röhre stets am Sockel ein- und ausstecken, niemals am Glaskolben ziehen oder drücken. Im Laufe der Jahrzehnte kann sich der zwischen Glaskolben und Sockel befindliche Zementkleber mal etwas lösen, der Kolben lässt sich dann leicht nach links oder rechts drehen. Vorsicht: So können die Verbindungsdrähte zu den Kontaktstiften beschädigt werden!
  • Für ausreichende Belüftung der Röhren sorgen (gerade Endverstärker gehören also nicht ins enge Rack) - sonst droht der Hitzetod.

Dienstag, 10. Januar 2012

Lautsprecher: Leser-Poll zu Gehäusekonzepten

Um in meinen Beiträgen zukünftig besser auf Leserinteressen eingehen zu können, habe ich ein Leser-Poll zu Lautsprechergehäusekonzepten gestartet (siehe rechte Sidebar). Mich interessiert ganz einfach, nach welchem Prinzip Ihre/Eure Lautsprecher arbeiten. Mehrfachnennungen sind möglich, da einige LS ggf. unterschiedliche Konzepte in sich vereinen.
     
    
Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass die meisten LS mit Bassreflex arbeiten - nicht unbedingt ideal für Röhren-Eintakter. Jedes Gehäusekonzept hingegen kann - gekonnt ausgelegt - außergewöhnlich gute, mittelmäßige oder grottenschlechte Ergebnisse liefern. Dabei hat jedes Konzept seine Vor- und Nachteile, gleichwohl ich persönlich für SET bestimmte Gehäusearten präferiere. Als die schwierigste Aufgabe erweist sich bei der Realisierung eines gewünschten Gehäusekonzepts oft die Suche nach einem guten Chassis mit geeigneten TSP (Thiele Small Parameter). Erfreulicherweise hat mir kürzlich mein Besuch bei SpectrumAudio diesbezüglich sehr weitergeholfen - ein bestimmtes Chassis wartet quasi darauf, von mir verbaut zu werden. Aber dazu in einiger Zeit mehr, momentan stehen erstmal Rechenläufe per Simulation an.

Jedenfalls würde ich mich über eine rege Beteiligung an der Umfrage freuen.
Vielen Dank!
 
Hier geht´s zur Auswertung.

Montag, 9. Januar 2012

The Smiths

Anfang der 1980er-Jahre - Teenagerzeit. The Cure und U2 waren die einzigen im Freundeskreis geduldeten Mainstream-Bands, vielleicht noch Queen, The Pogues, Ramones. Ian Curtis hatte sich vor nicht allzu langer Zeit das Leben genommen (1980) und unsere Kultband Joy Division war damit inzwischen Geschichte. Über die Folgeband New Order der drei verbliebenen Bandmitglieder hüll(t)en wir lieber den Deckmantel des Schweigens. Die Musikzeitschrift Spex war unsere Bibel und es wurde blind alles gekauft, was auf den Labels Rough Trade oder 4AD erschien. So war das damals, Anfang/Mitte der 1980er-Jahre.

Und dann - irgendwann 1984 - erschien das namenlose Debutalbum von The Smiths, welches meinen musikalischen Horizont um Welten zu erweiterten schien und mir vor Begeisterung die Kinnlade runterklappte. Ein gitarrenlastiger Sound, der sich so völlig von allem unterschied, was ich bislang kannte.
 
       
The Smiths (Debutalbum, 1984)
  
Sozial- und gesellschaftskritische, ironische und bisweilen provokante Texte, derart zynisch und bissig, dass sie in strengem Kontrast zu Morrisseys charismatisch-melodiösem Gesang standen (stehen). Meine neuen Helden waren geboren! Ich hörte The Smiths rauf und runter. Das ging sogar soweit, dass einer meiner Campingurlaube Mitte der 1980er in Spanien im Grunde nach folgendem Malheur gelaufen war: Campingplatz, Wolkenbruch, Zelt abgesoffen, im Zelt schwamm mein Sony Walkman DD-100 "Boodo Khan" (ich werde ihn nie vergessen...) samt Smiths-Cassetten. Alles hin. Ich war drei Tage untröstlich und hätte glatt nach Hause fahren können.
  
   
The Smiths - The World Won´t Listen (Kompilation, 1986)
    

The Smiths - Strangeways, Here We Come (letztes Studioalbum, 1987)
 
Für mich sind The Smiths bis heute eine der besten und bedeutendsten Musikbands überhaupt, die wie kaum eine zweite (außer den Beatles und den Rolling Stones vielleicht) den Musikstil vieler späterer Gruppen maßgeblich geprägt und beeinflusst hat.
 
Bis heute habe ich ihre Musik nicht "über" - sie scheint sich einfach nicht abzunutzen, Songs wie Bigmouth Strikes Again können mich immer wieder begeistern. Das Besondere an der Musik der Smiths ist weiterhin, dass sich mit ihr hervorragend die Qualitäten von Hifi-Ketten ausloten lassen. Fehlt den Gitarren ihr stählerner Glanz und ihre gewisse charakteristische Härte, ist die Kette womöglich zu euphonisch, geht der Breitbänder vielleicht "nicht weit genug rauf". Na ja, und 2A3 und Morrisseys Gesang, das scheint irgendwie sowieso immer perfekt zusammen zu passen.
 
Übrigens gibt es inzwischen die Sammelbox "Complete", die die vier Studioalben der Smiths sowie das Livealbum "Rank" und die drei Kompilationen "Hatful of Hollow", "The World Won´t Listen" und "Louder Than Bombs" enthält. Damit hat man eigentlich alles, was jemals von The Smiths erschienen ist, einige Lieder sind auf den Alben und den Kompilationen natürlich doppelt. Kostenpunkt: ca. 150 €.

Donnerstag, 5. Januar 2012

Neulich bei SpectrumAudio

Lange schon hatte ich es mir vorgenommen, endlich habe ich es geschafft: ein Besuch bei Wolfgang Vollstädt/SpectrumAudio. Schließlich ist er bei mir gleich fast um die Ecke. Herr Vollstädt ist für mich der Breitbandexperte schlechthin, der mir bislang telefonisch schon viele hilfreiche Tipps zu Breitbändern gegeben hat. Momentan habe ich einige neue Ideen für Breitbandlautsprecherkonzepte, die auf ihre Umsetzung warten - da ist der eine oder andere Input natürlich immer sehr willkommen.

Als ich seinen Hörraum - Laggerraum(?), Breitbänder-Museum(?), Eldorado für Breitband-Junkies(?) - betrat, war ich zunächst förmlich erschlagen: So ziemlich jeder jemals gebaute Breitbänder befindet sich mindestens einmal bei ihm im Regal! Alte Supravox, AEG, Siemens, Philips, und, und, und... Nach eigenem Bekunden hat Herr Vollstädt seine Sammelleidenschaft über die Jahrzehnte intensiv ausgelebt, bis es (fast) nichts mehr zum Sammeln gab. Ich kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und hätte natürlich am liebsten gleich das eine oder andere "Schmankerl" stibitzt.
 



Fender Signature Speaker Model D120F von James B. Lansing


Natürlich hat er auch alle aktuellen Breitbänder im Programm sowie ein Pärchen eines "alten Bekannten", dessen Zukunft mir nach dem Tod von Bernard Salabert im Mai 2011 nicht ganz klar ist:


PHY-HP H21 LB15

   
Nachdem ich meinen mitgebrachten "Fragenkatalog" zu geplanten Projekten mit Wolfgang Vollstädt "durchgeackert" hatte, wurde mir übrigens klar, dass die eine oder andere meiner Ideen vielleicht überdenkenswürdig ist und es sogar mir bis dato unbekannte Treiberalternativen gibt, die mich echt von den Socken gehauen haben. Mehr wird an dieser Stelle aber (noch) nicht verraten.
 
Herr Vollstädt hat im Übrigen auch ein "Röhrenherz" und weiß genau um die Belange von Röhrenverstärkern. Die gekonnte Abstimmung von Treiber, Gehäuse(konzept) und Verstärker aufeinander ist schließlich essenziell für das spätere Ergebnis und gerade die Belange von Trioden-Eintaktern erfordern ja "leichte Lasten"...
 

Supravox 215 Signature Bicone mit zwei unterstützenden 15-Zöllern als Open Baffle
 



   
Herr Vollstädt liefert nicht nur so ziemlich jeden Breitbänder, sondern auch ganze Bausätze und alles, was man für den Lautsprecherbau benötigt. Darüber hinaus bot er mir an, mich bei/mit AJ Horn bei der Auslegung eines geplanten Gehäuses zu unterstützen. Das nenne ich Service!

Ich kann nur jedem, der den Bau eines Lautsprechers plant, dringend empfehlen, sich vertrauensvoll an Herrn Vollstädt zu wenden. Ich erlaube mir aus gegebenem Anlass noch ein Wort in eigener Sache an alle Schnäppchenjäger "da draußen":
 
In Zeiten des world wide web sind Waren immer und überall verfügbar, etliche Tools helfen dabei, stets das günstigste Angebot ausfindig zu machen. Wer sich nun von jemandem wie Herrn Vollstädt beraten lässt, dann aber Chassis und Materialien woanders "im Netz" kauft, um "Dreieurofuffzich" zu sparen, begeht Beratungsklau! Mir ist diese heutzutage verbreitete  "Geiz-ist-geil-" oder Schnäppchenmentalität jedenfalls zutiefst zuwider.
Damit sage ich gar nicht, dass Spectrum Audio teurer wäre als andere Anbieter. Aber jeder benötigt zum Überleben eine gewisse Marge, und Kleinunternehmen wie SpectrumAudio können sich bisweilen nur schwer gegen Großunternehmen, Konzerne oder Ketten behaupten. Nur bekommt man bei Letztgenannten eben nicht diese einmalige Beratung!

Ich möchte mich an dieser Stelle jedenfalls herzlich bei Herrn Vollstädt bedanken - das war nicht mein letzter Besuch!

Sonntag, 1. Januar 2012

RCA JAN CRC 2A3 / VT-95 Black Plate

Bereits vor knapp einem Jahr habe ich hier ein Pärchen RCA 2A3 vorgestellt, welches sich vor allem durch extreme Störgeräuscharmut auszeichnet(e). Lediglich eine leichte "Grobkörnigkeit" bei der Auflösung, die ich ihr damals attestierte, schien sie eher auf der "zackigen" denn auf der seidig-flüssigen Klangseite anzusiedeln. Dieses Manko hat sich im Laufe der Zeit im weiteren Spielbetrieb gelegt und es scheint fast so, als sollte ich mich doch noch zu einem RCA-Fan entwickeln. Schließlich hat Weihnachten dafür gesorgt, dass das folgende Pärchen seinen Weg zu mir gefunden hat:
    
 
 Inzwischen sehr seltene VT-95 Militärvariante der 2A3 von RCA
 
 
 Produktionscode aus den 1940er Jahren
 
 
Elektrisch perfekt gematcht mit einer Toleranz von ca. 2% bei Emission und Steilheit innerhalb der NOS-Kriterien; dafür (klanglich irrelevante) mechanische Unterschiede: links Doppel-D Getter, rechts einfach ausgeführt sowie unterschiedliche Aufhängungen an den oberen Glimmerplättchen
   
 
In der Uchida nach der Symmetrierung der Heizspannung
 
Das Augenfälligste - insbesondere im Vergleich zum für die US Navy produzierten Pärchen RCA Radiotron CRC 2A3 - ist die völlige Abwesenheit jeglicher bläulicher Illumination. Überhaupt kein Bereich, der auf im Kolben  befindliche Gase schließen ließe, die sich im Betrieb stets durch ihre Ionisierung verraten. Dabei sind diese Gaseinschlüsse in den seltensten Fällen mit bloßen Auge zu erkennen - dafür braucht es schon in völliger Dunkelheit Makro-Fotos mit sehr langer Belichtungszeit.
   



 
Nach einer Einbrennzeit von ca. 50 Stunden offenbaren sich grundsätzlich fast die gleichen, bereits beschriebenen typischen RCA-Qualitäten. Allerdings kommt diese 2A3 mit einem nicht so prominenten, sondern etwas disziplinierteren Bassbereich daher: straff, farbig federnd und druckvoll, aber nicht in der fast überambitioniert wirkenden Form der US Navy-Variante. Dafür ist im Mittel-Hochtonbereich die zuvor latent vermisste Seidigkeit bei gleichzeitiger Strahlkraft auch in den Höhen in einem Maße vorhanden, die ich einer RCA in der Form nicht zugetraut hätte.
 
Scheint fast so, als sei diese VT-95 ein ganz besonderes klangliches Schmuckstück. Meine zugegeben bisweilen latent vorhandenen Vorurteile RCA 2A3 gegenüber muss ich wohl revidieren; es scheint fast so, als gäbe es zwischen den unterschiedlichen RCA-Derivaten durchaus Unterschiede bei gleichzeitig stets wiedererkennbarem Grundcharakter.

Um es einmal deutlich auf den Punkt zu bringen: Es muss nicht immer eine (2A3) Monoplate sein - dieses 2A3-Pärchen transportiert bereits ein derart konzentriertes Destillat typischer 2A3-Tugenden, dass kein Wunsch nach "mehr" aufkommt.