Freitag, 24. Februar 2012

DIY Monoblöcke: EL5/EF6/AZ1 in Triodenschaltung und im Ultralinearbetrieb

Auf dem Rückweg von der Veranstaltung Hörtest 2012 in Hamburg habe ich es endlich einmal geschafft, Björn einen schon länger geplanten Besuch abzustatten. Wurde ja auch wirklich langsam mal Zeit. Das Schöne war zudem, nach einer "Konsumentenveranstaltung" mit seinen immer wieder gleichen Konzepten anschließend durch selbst Gefrickeltes fernab vom langweiligen Mainstream herrlich geerdet zu werden. Und um zu erleben, dass dieses "Zeug" selbst den zigfach teureren Geräten der Veranstaltung klanglich deutlich überlegen ist und diesen frech eine lange Nase zu drehen im Stande ist.
 
Die Idee hinter den nun folgenden Monoblöcken war, einen SE-Amp mit einigen der ersten indirekt geheizten Pentoden aus der Vorkriegszeit zu bauen. Einfach nur so, um mal zu sehen, wie sich diese "Mehrgitter-Saurier" gegen Pentoden aus der "Neuzeit" schlagen. Und weil Björn einige AZ1, EL5 und EF6 Exemplare aus den 30er Jahren rumliegen hat, nahm das Vorhaben mit eben diesen Röhren Gestalt an.
    
   
Von links nach rechts: Gleichrichter AZ1, Endpentode EL5, Treiber EF6
    
      
 Spiegelbildlich aufgebaute Monoblöcke
 
Geplant war der Verstärker als reiner "Pentoden-Amp", allerdings stellte Björn beim Probeaufbau fest, dass die EL5 sowohl im Ultralinear-Mode als auch im Trioden-Mode deutlich besser klang - also baute er einen SE-Amp, bei dem man zwischen diesen beiden Betriebsarten der Leistungsröhre umschalten kann. Der schwarze Umschaltknopf befindet sich zwischen der Gleichrichterröhre und dem Elko-Block - es darf übrigens im Betrieb umgeschaltet werden!
   
     
Das Chassis besteht aus altem 2mm Kupferblech - auf ein Auffrischen wurde verzichtet, damit es passend zu den Röhren alt aussieht. Nach geschätzten ca. 30 Jahren "Ablagern" sollte sich seine "Körnung" bzw. die Struktur an den metallischen Korngrenzen nicht mehr weiter verändern - Freaks wie Kondo San hätten ihre wahre Freude... ;-)
  
Die Trafos sind von alten Dynacord-Amps, der Aufbau erfolgte passend zum alten Stil auf Lötleisten. Die einzigen "neuen" Teile sind die Elkos und Lundahl-AÜs.
    
  
Die verwendeten Ausgangsübertrager (Lundahl 1623) erlauben die Wahl zwischen drei Ul-Anzapfungen - der Abgriff bei 25% (von der Betriebsspannung aus gesehen) stellte sich als klanglich (und später auch messtechnisch) am günstigsten heraus. Die maximale Ausgangsleistung (bei 1% Gesamtklirr) beträgt bei der Triodenschaltung 2,5W, bei der Ultralinearschaltung 5W. Der Klirr ist dabei frequenzabhängig, und zwar liegt er  im Triodenmode erst ab ca. 60Hz unter 1% - da ist der UL-Mode deutlich besser (ca. 30 Hz). Aber mal ganz ehrlich: Etwas Klirr hat gutem Klang noch nie geschadet, gerade wenn es der "unschädliche" k2 ist. Und als 2A3 Maniac könnten mich im Zweifelsfall auch 5% Klirr nicht erschrecken...
  
Messwerte im Triodenmode: 
   
 
Frequenzgang Triodenmode
 
 
Klirr Triodenmode
 
 
Klirr über Frequenz (Triodenmode)
 
 
Messwerte im Ultralinearmode:
 
 
Frequenzgang UL-Mode
 
 
Klirr UL-Mode
 
 
Klirr über Frequenz (UL-Mode)
   
Klang-Charakter: Das ist wie immer eine sehr subjektive Angelegenheit. Erstaunlich, wie gut sich diese alten Kolben behaupten. Der Versuch, die EF6 durch die modernere C3g zu ersetzen war übrigens ein "Schuss in den Ofen". Sowohl klanglich als auch messtechnisch passt das Duo EF6/EL5 einfach perfekt zusammen. Beide Röhren wurden von ihren Entwicklern quasi füreinander geplant/gebaut bzw. aufeinander abgestimmt,  und das findet hier in der Praxis seine schöne Bestätigung. Viele behaupten, man solle  eine Leistungspentode mit einer Triode/triodisierten Pentode als Treiber-Röhre beschalten - das kann nach diversen Versuchsreihen als falsch ad acta gelegt werden.
 
Die Monos klingen sehr rein, fast wie eine akustische Lupe und erinnern am ehesten an die TFK-Studio-Endstufen V69. Sie sind absolut still - trotz der Wechselstromheizung. Bei klassischer Musik und bei Stimmen sollte man in den Trioden-Mode schalten, dagegen klingt bei Rock-Pop der UL-Mode etwas spritziger - eben wie man es von Pentoden kennt.
 
Und wer jetzt basteln möchte - hier ist der Plan:


P.S.:
Derzeit ist als nächstes Projekt auf Basis dieser Erfahrungen ein Amp mit den direkt geheizten End-Trioden 4624/E707 in Planung. Gesucht wird noch eine Gleichrichter-Röhre für die nötigen 800V...
Außerdem wird als "direkter Ableger" ein Nachfolger mit C3g/EL12N/EYY13 aufgelegt.
 
P.P.S.:
Vielen Dank, Björn!

Mittwoch, 22. Februar 2012

In eigener Sache: "Uschi" for sale

Nach langem Hadern habe ich mich entschieden, einen neuen Besitzer für meine "Uschi" zu suchen. 2A3 Maniac ohne 2A3-Amp?! Gemach, gemach. Die 2A3 wird meinem Röhren-Portfolio erhalten bleiben, allerdings sind mir in letzter Zeit einige interessante DIY-Konzepte über den Weg gelaufen (nicht nur 2A3!), die mich schlicht begeistert haben und die ich nun weiter verfolgen werde. Aber dazu in Kürze mehr.
 
Hier zunächst der Link zur Auktion:
 
 
Die Uchida kommt mit 2x Valvo ECC40, 1x Valvo AZ12 (alle kaum gelaufen) sowie 2x Sovtek 2A3 Monoplate (nur für Testzwecke genutzt und daher quasi neu) daher. Wer sich für "Uschi" interessiert und noch Fragen über den Angebotstext hinaus hat, kann sich natürlich gerne bei mir melden.

Sonntag, 19. Februar 2012

Die Triode Valvo M 1550

Hier geht´s mal um einen echten Brocken von Triode, über die sich im Netz keine Informationen finden lassen, jedenfalls habe ich trotz einiger Bemühungen keine relevanten Hinweise oder Bilder gefunden: Es geht um die Triode Valvo M 1550.

Sie wurde in den 1930er-Jahren z.B. für Stadionbeschallungen verwendet und verfügt über eine Anodenverlustleistung von 500 Watt. Damit lassen sich - entsprechender Aufwand vorausgesetzt, den ich mir gar nicht näher ausmalen mag - bis zu gut 100 Watt Ausgangsleistung realisieren (na ja gut, vielleicht doch "nur" 80 Watt). Single Ended. Class A.
 
 
Valvo M 1550; Höhe ca. 28 cm, also knapp so hoch wie ein DIN A4-Blatt!
 

Close-up
 
 
Größenvergleich zur 845
 

Datenblatt Valvo M 1550
 
Ob sich überhaupt mit vertretbarem Aufwand ein Audioverstärker mit der M 1550 umsetzen lässt, vermag ich momentan nur schwer einzuschätzen. Außerdem braucht es davon schon deren zwei; wer also eine Valvo M 1550 irgendwo herumliegen hat und diese loswerden möchte, wende sich einfach vertrauensvoll an mich (siehe Impressum).

Donnerstag, 16. Februar 2012

Nachschlag: Röhrenlebensdauer, Röhrenverschleiß, Röhrenverbrauch, Röhrenalterung

Kürzlich hatte ich ja bereits über das Thema Röhrenlebensdauer, Röhrenverschleiß, Röhrenverbrauch, Röhrenalterung berichtet - hier nun also ein kleiner Nachschlag. Sollte es noch eines Beweises bedürfen, dass die von mir vorsichtig geschätzten Lebensdauern durchaus plausibel bis konservativ angenommen sind, hier ist er:
   

Eine Valvo C3m als Versuchsröhre für die Post, die nach 122.424 Betriebsstunden (!) immer noch die Anforderungen für den Betrieb dieser Röhre erfüllt.

Mein Dank geht an Björn, der mir dieses Dokument zur Verfügung gestellt hat!

Montag, 13. Februar 2012

FIDELITY - Your Equipment. Your Music.

Bei Holger lief ja unter Rauschen im Blätterwald bereits eine muntere Diskussion zu Cai Brockmann und Roland Kraft, die beide die image hifi kurzfristig verlassen haben. Auf Nachfrage wurde mir bestätigt, dass beide "relativ plötzlich" die image hifi verlassen haben und sich dem Aufbau eines "fachfremden Magazins" widmen. Dabei handelt es sich um FIDELITY - Your Equipment. Your Music. Was "fachfremd" in diesem Zusammenhang bedeuten soll, erschließt sich mir zwar nicht, allerdings deutet der Titelzusatz "Your Equipment. Your Music." darauf hin, dass die Leser in gewissem Maße mit eingebunden werden.
      
    
Inzwischen sind auch die Kürzel der Mitarbeiter auf deren Website zu finden sowie eine rückwärts laufende Uhr, die verrät, dass es in 74 Tagen losgehen soll, ich mutmaße mal, dass es sich um den Termin der Erstveröffentlichung handelt.
 
Ich freue mich jedenfalls schon und wünsche gutes Gelingen!
 
Bis zum 26. April gibt es übrigens ein "Early-Abo"-Formular unter earlyabo@fidelity-magazin.de

   
Nachtrag zu den Autoren/Mitarbeitern (ohne Gewähr):
CB = Cai Brockmann
ZC = Ziad Chama
JS = Jürgen Schröder
WD = Winfried Dulisch
MEO = ?
MR = Michael Rassinger
UH = Uwe Heckers
PDAG = Prof. Dr.-Ing. Anselm Goertz
IS = Ingo Schulz
MV = Michael Vrzal
CV = Claus Volke
RK = Roland Kraft
SZ = Steffen Zilles
HL = ?
HJS = Hans Jürgen Schaal
VR = ?
SD = ?
MF = ?

Samstag, 11. Februar 2012

Canadian Marconi 2A3 (JAN, 1945)

Jeder, der sich auf die Suche nach "echten" NOS 2A3 Röhren macht, stellt fest, dass die Quellen langsam aber sicher versiegen. Klar, in der "Bucht" werden ständig welche angeboten, allerdings aus bisweilen zweifelhaften Quellen mit oftmals "geschönten" Angaben und nicht mehr wirklich "NOS".
 
Wer sich also noch ein mehr als anständiges, gematchtes NOS-Pärchen als Reserve hinlegen möchte und dafür nicht allzu tief in die Tasche greifen will, der schaue sich einmal auf der Seite tubes.rs um.
   

   
Für ein gematchtes Pärchen Canadian Marconi 2A3 von 1945 in Originalschachteln werden 175 USD aufgerufen; inkl. Versand und Zoll landet man also bei ca. 180 €. Sehr fair, finde ich. Dem Vernehmen nach hat Dragan Nikolic noch ca. 10 Pärchen im Bestand.

Donnerstag, 9. Februar 2012

Kleiner Nachschlag zum Hörtest 2012

Ok, ok, ich hab´s verstanden, ich war tatsächlich wohl etwas geizig mit Bildern, also gibt es hier einen kleinen Nachschlag. Aber eigentlich sind Holgers Bilder sowieso um Klassen besser...
 
 
Einen Tuner von Magnum Dynalab (ich glaube, es ist der MD 90T) gab´s etwas versteckt zu sehen. Ich mag die Dinger - klar, weil sie mit Röhren laufen... Außer im Auto komme ich leider sowieso nie zum Radiohören, aber wenn ich mir einen Tuner anschaffen würde, wär´s ein Magnum Dynalab.
 

Nicht gerade als Wirkungsgradwunder bekannt, dennoch interessant und auch "aktiviert" erhältlich: Lautsprecher Ohm Walsh AE 5000 IS.


Simon Yorke gab´s natürlich auch wieder zu hören - hier herrschte reger Andrang. Was mir erst später aufgefallen ist: Man beachte das Wandelement rechts des Plattentellers! Das wird doch wohl nicht...
 


Weitere Rega-Plattenspieler waren natürlich ebenfalls vertreten. Oben der Klassiker P9, unten zwei quietschbunte P3-24 - die wird es laut Auskunft des Vertriebs weiterhin parallel zum Nachfolger RP3 geben.



Eine ebenfalls hochanständige Vorführung gab es bei H.E.A.R. mit einem sehr interessanten Plattenspieler - leider kann ich zum Modell nichts weiter sagen. Vorgeführt wurde mit Acapella Lautsprechern.

Sonntag, 5. Februar 2012

Bericht: Norddeutsche HiFi-Tage Hörtest 2012 in Hamburg

Letztes Jahr gab´s noch nieselig-nasskaltes Hamburger Schmuddelwetter, dieses Mal knackige Minusgrade (-10°C) bei schönstem Sonnenschein - beste Voraussetzungen also, meine Gemütslage zu heben und einer vielversprechenden Veranstaltung entgegenzusehen. Voll schien es jedenfalls zu sein - das war mir spätestens klar, als ich am Sonntagmorgen eine Viertelstunde nach einem Parkplatz suchen musste.
     
 
Im Foyer herrschte denn auch rege Betriebsamkeit, es war zwar voll, aber noch nicht unerträglich. Im Wesentlichen waren die gleichen Aussteller wie im letzten Jahr da, dieses Mal auf fünf bzw. sechs Etagen verteilt, was das Gedränge etwas zu entspannen schien. So bin dann auch ebenso entspannt auf die Pirsch nach Neuheiten bzw. ansprechenden Vorführungen gegangen, was sich in der nun folgenden, höchst subjektiven Darstellung widerspiegelt.
 
Die deutlich gelungenste Vorführung war für mich Wall Audio mit seiner brandneuen 6C33-Monoendstufe Mod. 33, die im Verbund mit der Vorstufe Opus 88 spielte, welche ja kürzlich bei mir zu Besuch war.
    
  
Wall Audio Monoendstufe Mod. 33 mit der 6C33

    
Trenner & Friedl "Pharoah"
 
   
Entwickler Andreas Wall während einer Vorführung seiner Geräte
 
Andreas Wall, der Chef höchstselbst, führte seinen neuesten "Wurf" am Lautsprecher Trenner & Friedl Pharoah vor (nein, nicht "Pharao"). Die Kette spielte dynamisch, wuchtig, autoritär und dabei sehr, sehr spielfreudig auf - klasse! Die 6C33 ist ja nicht unbedingt eine einfach zu bändigende Röhre - aber wenn man´s richtig macht, kommen dabei 15 - 18 sahnemäßige Triodenwatt raus - so wie bei der Wall Audio Mod. 33.

Hannl führte seine Plattenwaschmaschinen vor und bewies, dass die Plattenreinigung auch absolut leise vonstatten gehen kann:
 
 
Beim Weiterschlendern über die Flure tönte aus einem Vorführraum doch tatsächlich - ich konnte es nicht fassen - Ulla Meineckes obligatorische Tänzerin, über die ich mich im vorigen Blog-Post noch echauffiert hatte und sie schien mir hinterherzutänzeln! Wer daraufhin einen geölten Blitz durch die Flure flüchten sah: Das war ich! Das darf doch nicht wahr sein, dachte ich...
 
Beim kurzen Verschnaufen am Ende eines Gangs stieß ich auf eine ganze Armee Rega-Plattenspieler und hielt kurz inne - der neue RP3?! Nein - der neue RP6, Nachfolger des Rega P5, der aber erst Ende Februar im Handel erscheint:
 

Rega P5-Nachfolger "RP 6" mit RB303-Arm (wie der RP3), im Vergleich zum RP3 aber mit anderem Zargenmaterial und...

  
...besonderem Glasteller
 
  
Erfreulicher Preis des neuen RP6 inkl. TT-PSU und Exact MM System
 
   
Den RP3 gab´s natürlich auch zu sehen
   
Klar, bei der AAA bin ich natürlich ebenfalls gewesen. "Röhrenprofessor" Uli Apel führte zu Tunern und Antennen in seinem Workshop aus und erfrischende Musik gab´s anschließend über die kleine, aber feine Kette ebenfalls: Einstürzende Neubauten! Endlich mal eine mutige, klanglich sehr überzeugende Vorführung von echten Auskennern!


 
Weiterhin hat mich die Vorstellung von E.A.R. klanglich sehr überzeugt, zumal hier eine sehr entspannte Atmosphäre herrschte - das war nicht überall so:
 



Ich habe zwar noch eine ganze Menge weiterer Bilder geschossen, aber ich möchte hier ungern zum x-ten Mal die "üblichen Verdächtigen" zeigen, zumal mich etliche Vorführungen etwas enttäuscht haben. Plattenspieler gab es eine ganze Menge (interessanter Geräte), Trioden und Hochwirkungsgradgeschichten waren jedoch für meinen Geschmack unterrepräsentiert.
 
Alles in allem dennoch eine sehr gelungene, gut organisierte Veranstaltung, die an Bedeutung zu gewinnen scheint und zukünftig einen festen Platz im Pflichtterminkalender einnehmen wird. Wo sonst hat man Gelegenheit, so viele Bekannte, Freaks und Kenner der Materie zu treffen und sich intensiv auszutauschen? Und mal ganz ehrlich - das Quatschen und Kaffeetrinken macht doch sowieso viel mehr Spaß, als in klanglich deutlich beeinträchtigenden Hotelzimmern zu versuchen, die wahren Qualitäten einer Komponente zu ergründen - das ist m.E. nämlich ein Ding der Unmöglichkeit...