Donnerstag, 28. Juni 2012

Fidelity Magazin Nr. 2: AREA 51 von Roland Kraft

Heute kam per Post die zweite Ausgabe des neuen Magazins Fidelity. Neben den Berichten über die Silvercore-Monos 833C sowie den Integrierten Line Magnetic LM-210 IA besonders klasse: Die Kolumne "AREA 51" von Roland Kraft, in der er - ganz offensichtlich schwer mitgenommen von der letzten High End in München - auf seine Weise das Erlebte verarbeitet und mal wieder voll den Nagel auf den Kopf trifft.
 
 
Herrlich bissig entlarvt er Mißstände der High End Branche und spricht damit wohl vielen von uns aus der Seele. Ich habe bisweilen sehr geschmunzelt und mich einfach über diesen Beitrag gefreut! Ich werde jetzt einfach mal etwas jovial: danke, Roland!

Dienstag, 26. Juni 2012

Of Monsters and Men

Manchmal gibt es Ereignisse, die einen wirklich überraschen. Zum Beispiel, wenn man ein perfektes Lied zum ersten Mal hört und es einen "erwischt", einfach, weil der Song eben "funktioniert". Sicher ist das allein noch nicht allzu bemerkenswert - allerdings schon, wenn es im ZDF als Live-Auftritt vor dem Anpfiff eines Fußball-EM-Spiels passiert (Kroatien - Spanien), wo man doch eigentlich darauf eingestellt war, Olli Kahns geistige Ergüsse zu ertragen.
 
Tja, das kommt dabei raus, wenn im Autoradio nur noch NDR Info läuft, weil zum Zeitung lesen vor lauter Arbeit keine Zeit mehr bleibt. Und der letzte Blick in den Rolling Stone, den New Musical Express oder die Spex ist auch schon eine Weile her...
 
Ach so: Es geht um die isländische Band "Of Monsters and Men", die jüngst ihre in ihrem Heimatland bereits 2011 erschienene Album-Auskopplung "Little Talks" präsentierte. Sehr erfrischend (anders), irgendwie auch typisch isländisch und supersympathisch - schön, dass es nach Björk endlich einmal wieder ambitionierte Newcomer von der größten Vulkaninsel der Welt gibt.
 
 
Of Monsters and Men live in New York, Bildquelle: Wikipedia
   
Das Album  gibt es glücklicherweise auch als Vinyl-LP und erfüllt die durch den Live-Auftritt bei mir geweckten Erwartungen voll und ganz. In den 80er Jahren hätte man die Musik wohl in die Genre-Schublade "Indie-Rock mit Folk-Einschlag" gesteckt, was auch immer damals damit gemeint war (eigentlich bezog sich "Indie", also Independent, ja auf das Label - hingegen wurden damals selbst etliche bei Major-Labeln unter Vertrag stehende Bands als "Indie-Band" etikettiert, weil es eben en vogue war...).

Sei´s drum, diese junge Truppe verdient jedenfalls Aufmerksamkeit und sie wird sicher ihren Weg gehen - manchmal setzt sich selbst heute in Zeiten des unreflektierten Konsumzeitgeistes Qualität ja doch noch durch.
 
 
 Of Monsters and Men - My Head is an Animal

Mittwoch, 13. Juni 2012

Russische Röhren

Es ist mal an der Zeit, den hier und da offenkundigen "Mythos" US-amerikanischer Röhren (RCA, Sylvania, GE,...) zwar nicht gänzlich zu entzaubern, aber doch die Relationen etwas gerade zu rücken.

Es gibt etliche russische Röhren aus ehemaligen Militärbeständen, die ihre (klangliche) Sache hervorragend machen, den "Amis" hier so gut wie nicht nachstehen und vor allen Dingen durch eine Rausch- und Mikrophoniearmut bestechen, an die RCA & Co. kaum heranreichen.
   
  
6N9S (6H9C) = 6SL7
  
  
 
6H8C = 6SN7
  
   
Viele Verstärker verwenden die 6SL7(GT) oder die 6SN7(GT); oben abgebildet sind jeweils russische Äquivalente, deren Hersteller sich mir mangels fehlendem Aufdruck leider nicht erschließt - weder auf der Röhre noch auf der Schachtel. Allerdings ist jeweils eine auf das Glas oder den Sockel gedruckte Raute auffällig.

Diese Röhren gibt es bei einigen Anbietern aus Russland oder der Ukraine in der "Bucht" für einen geringen einstelligen Eurobetrag - pro Paar. Und bitte keine Vorbehalte bezüglich der Zuverlässigkeit bei Lieferung, Abwicklung etc. - hier habe ich bisher nur gute Erfahrungen gemacht. Außerdem positiv: Zollgebühren von weniger als 5 € fallen "unter den Tisch" und werden nicht erhoben.
 
 
5881 (6P3S-E) = 6L6GC
 
 
Als Alternative zu den inzwischen relativ raren und teuren amerikanischen 6L6GC bietet sich die 6P3S-E Röhre oben an. Auffällig ist der kurze "Sockelstumpf", der den Glaskolben nicht wie üblich umschließt. Klanglich einer RCA 6L6GC Grey Plate ebenbürtig, in Rausch- und Mikrophoniearmut wiederum besser - und das zu einem Bruchteil des für eine RCA aufgerufenen Preises (18,95 USD für ein gematchtes Pärchen)! Ein echter "most bang for the buck"...

Freitag, 1. Juni 2012

Perla Musica - Phonovorverstärker von bFly-audio

Kürzlich hatte ich hier zur Perla Musica von bFly-audio ja bereits allgemeine Infos und Einiges zur Technik geschrieben, so dass ich mir an dieser Stelle weitere Ausflüge hierzu erspare. Um dieser Phonostufe nun auf den musikalischen Zahn zu fühlen, wollte ich es mir nicht zu leicht machen: Zur besseren Einordnung standen Vergleiche zu anderen Phonostufen an; außerdem sollten verschiedene Plattenspieler unterschiedlicher Preisklassen zeigen, in wie weit Qualitätsunterschiede bei der Quelle transparent würden.
 
Für die Zusammenstellung weiterer Vergleichsgeräte klopfte ich im Bekanntenkreis an und sicherte mir nach mehr oder weniger intensiven Überredungskünsten ("Nein, nein, keine Sorge, ich behandele Deinen Plattenspieler wie ein rohes Ei...") einige "Fremdgeräte" (also: danke Lars, danke Michi!). So konnte die Perla Musica einerseits direkt gegen die Phonostufe meines DynaGroove Vorverstärkers sowie gegen die mit drei E83CC ähnlich bestückte E.A.R. 834 P antreten und andererseits abwechselnd mit einem Pro-Ject Debut III Esprit mit Ortofon VM Red, einem Rega RP3 (+TT PSU) mit Goldring 1042 sowie einem Garrard 301 mit SME 3009 und Ortofon VM Silver anbandeln.
     
      
Die Perla Musica habe ich gem. Empfehlung der schlüssigen Bedienungsanleitung durchgehend eingeschaltet gelassen, zumal der Röhrensatz von EH noch nicht eingebrannt war (bei teuren NOS-Röhren würde ich das allerdings nicht machen...). Passend zu dieser Philosophie sitzt der Netzschalter auf der Geräterückseite und stört nicht das schlichte, angenehme Gehäusedesign mit seinen ausgefrästen Schriftzügen und der Note, welche per im Gehäuseinneren befindlicher blauer LED Betriebsbereitschaft signalisiert. (Gibt es auf Wunsch optional eine röhrenaffine rot-orange LED, Herr Schäffer?! Nach Rücksprache versicherte mir der bFly-Chef nämlich, dass grundsätzlich auch andere verfügbare LED-Farben möglich sind!)
   
    
Erste Vergleiche der beiden über die Line-Eingänge mit der DynaGroove verbundenen externen Phonostufen (Perla Musica, E.A.R.) und der "Onboard-Phonostufe" der DynaGroove miteinander zeigten allerdings schnell, dass die Perla Musica in einer anderen Liga unterwegs ist als ihre beiden Gegenspieler - alles andere hätte mich ob der preislichen Differenz auch überrascht. Die E.A.R. spielte im Vergleich sehr dunkel nuanciert, zwar recht spielfreudig - zumindest mit den beiden Ortofon VM-Systemen, mit dem Goldring eher auch nicht - aber insgesamt nur mittelprächtig auflösend. Sorry, Folks - not my cup of tea. Mit der E.A.R. konnte ich mich so gar nicht anfreunden...
 
Länger konnte sich da schon "meine" mit zwei Sylvania 6SL7GT bewehrte DynGroove Phonostufe behaupten. Mit purer Spielfreude und schönen Klangfarben kommt der Groove (sorry für das flache Wortspiel) stets blitzschnell um die Ecke gefegt. Außerdem kann die DynaGroove Phonostufe durch ihren großzügig dimensionierten Raum, eine gewisse Leichtfüßigkeit und durch weit ausgedehnte Frequenzenden überzeugen. Lediglich in sehr komplexen, lauten Passagen kann bisweilen einmal ein leichter Kompressionseffekt für eine etwas eingeschränktere Übersicht sorgen.

   
Das alles kann die Perla Musica viel besser. Weit ausgeleuchtete Räume und eine authentische Größenabbildung der Instrumente mit viel Luft um die einzelnen Musiker herum sind die ersten Vorzüge, die sofort auffallen. Dabei fällt es trotzdem schwer, sich auf "Einzelereignisse" zu konzentrieren: Die Musik spielt einfach wie aus einem Guss. Insgesamt ist die Abstimmung im besten Sinne sehr neutral, d.h., es werden keine bestimmten Bereiche überbetont. Dabei ist die Perla nicht überanalytisch, löst aber dennoch sehr feinsinnig auf - eine sehr gekonnte Abstimmung auf dem schmalen Grat zwischen kühler Analytik einerseits und warmer Sanftmut andererseits. Insgesamt ist die Perla sehr leichtfüßig unterwegs (manch einer würde wohl "luftig" sagen), nimmt sich aber ansonsten angenehm zurück und versucht nicht, der Musik einen eigenen Charakter aufzuprägen. So profan es auch klingen mag, sie macht einfach das, was sie soll: Musik spielen - wohingegen manch andere Vorstufe eher Töne und Geräusche aneinander reiht wie ein fleißiger Arbeiter, dem Anmut und Kunstverständnis fehlen.
 
Weitaus spannender war es jedoch, verschiedene Plattenspieler mit unterschiedlichen Pick-ups an die Perla zu hängen. Die Qualitätsunterschiede der Zuspieler wurden extrem deutlich gemacht und ich gewann den Eindruck, dass diese Phonostufe niemals der limitierende Faktor war. Nach längerem Hören bin ich übrigens zu der Erkenntnis gelangt, dass mir die Kombi Rega RP3 (+TT PSU) mit Goldring 1042 besser gefiel als der Garrard 301 mit SME 3009 und Ortofon VM Silver. Ortofons VM-Serie ist ja ohnehin etwas spritziger als Goldrings 1000er-Serie; bisweilen traten hier kleine Härten auf, die ich am ehesten dem Ortofon Vinyl Master Silver zuordnete. Mit dem ebenfalls sehr neutralen Goldring 1042 klang es am ausgeglichensten, womöglich aber auch ein Hinweis auf die exzellenten Qualitäten des neuen Rega RP3 mit RB303-Arm.

Eine derartige Top-Performance hätte ich der guten, alten (ob ihres massenhaften Verbreitungsgrades auf mich jedoch bisweilen etwas "unsexy" wirkenden) ECC83 gar nicht zugetraut. Allerdings geht nach meinem Dafürhalten ein wesentlicher Anteil der beschriebenen Qualitäten auf das Konto des Netzteils mit seiner EZ90 Gleichrichterröhre. Ungeachtet harter technischer Betrachtungen haben Netzteile mit Röhrengleichrichtung nach meinen praktischen Erfahrungen gegenüber konventionellen Lösungen (schnelle Dioden, Schaltnetzteile,...) stets die Nase vorn.
 
Hätte ich ein Goldring 1042 Reference zur Hand gehabt, hätte ich dieses ebenfalls gerne ausprobiert, am liebsten mit einer noch "größeren" Laufwerk-Arm-Kombination. Sei´s drum, die Perla Musica beweist auch so bereits auf das Schönste, dass die bei einigen High-Endern verpönten MM-Tonabnehmer den vermeintlich besseren MCs im Grunde kaum nachstehen und man mit ihnen in Verbindung mit dieser Phonostufe sehr weit hinauf Richtung Ende der Fahnenstange klettern kann. Und das alles, obwohl ich noch nicht einmal meine Mullard M8137 "Blubberblasengläser" anstatt der fein selektierten ECC83 Gold-Pin von Electro Harmonix eingesteckt habe! (Zugegeben: mich hat´s ja in den Fingern gejuckt, aber ich hab´s gelassen, ehrlich!) Gleichwohl möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass der Entwickler der Perla Musica kein Verbesserungspotenzial durch Verwendung von NOS-Röhren mehr sieht. Und für alle MC-Besitzer gibt es ja auch noch die mit Übertragern ausgerüstete MC-Variante der Perla Musica.