Dienstag, 30. Oktober 2012

Shit happens...

Dies war einmal eine Sylvania 2A3 Dual Monoplate mit voller Emission. Auch wenn es (zum Glück) nicht meine ist, da blutet das Herz!
 

Freitag, 26. Oktober 2012

Rega RP8 + Tonarm RB808 + TT PSU + Alpheta MC

Wenn ein Plattenspielerhersteller wie Rega einen neuen Dreher herausbringt, ist das immer eine Meldung wert, zumal wenn das Gerät in der firmeneigenen Hierarchie weit oben angesiedelt ist: Der neue Rega RP8 ist da!
  
 
Auffälligstes Merkmal ist die neue Skelettstruktur der Basis, welche aus einem Sandwich aus Phenolharz (außen) und einem Hartschaumkern aus Polyolefin besteht. Beide Materialien sind sehr leicht, dabei extrem steif und verfügen über unterschiedliche Eigenresonanzen, welche sich durch ihre Kombination quasi auslöschen.
 
 
Der Plattenteller besteht aus drei miteinander verklebten Glasschichten, wobei die einzelnen Schichten CNC-bearbeitet sind. Die Glasschichten sind nicht massiv, sondern konzentrieren ihre Masse durch ihre Ringstruktur weit außen, was für einen Schwungradeffekt und damit für höhere Gleichlaufstabilität sorgen soll.
  
 
Der neue Tonarm RB808 hat noch engere Lagertoleranzen und verfügt über einige weitere Detailverbesserungen. Auf Wunsch kann der Arm bereits ab Werk mit dem Alpheta MC Tonabnehmer ausgerüstet werden.
 
 
Wie auch beim RP6 gehört die Steuerelektronik TT PSU mit zum Lieferumfang. In Deutschland wird der RP8 voraussichtlich Ende November 2012 lieferbar sein. In der Basisversion ohne Tonabnehmer wird es den RP8 ab 2.490 € geben.
 
 
Alle Bilder stammen von der Rega Webseite.


Freitag, 19. Oktober 2012

Produkte, die die (HiFi-)Welt nicht braucht

Jetzt reicht´s, wirklich. Glaubte ich kürzlich in meinem Beitrag Über das Musikhören noch, der "Spirituelle" gehöre einer Randgruppe an, muss ich mein Urteil nun nach einigen Recherchen im Netz wohl revidieren. Ich stolperte über eine Fülle von Nonsens-Produkten, bei denen es augenscheinlich nur darum geht, potenzielle Kunden abzuzocken. Das Schlimme daran ist, dass es offenbar einen Markt für solche Produkte geben muss, folglich auch Kunden, die diesem Auswuchs der Scharlatanerie auf den Leim gehen (leider).
 
Dieser Sachverhalt ist womöglich eine periphere Folge unserer gesellschaftlichen Veränderung, in der sich die soziale Schere weiter und weiter auseinander bewegt: Die Mittelschicht bricht weg, immer mehr Menschen verfügen über sehr Wenig, andererseits gibt es eine wachsende Anzahl derer, die über ein außerordentliches Vermögen verfügen. Darum geht es mir hier aber gar nicht - ich bin weder Gesellschaftswissenschaftler noch Politiker, auch wenn ich hierzu eine Meinung habe. Des Pudels Kern scheint mir zu sein, dass eine stetig wachsende Personenzahl so viel Geld zur Verfügung hat, dass es Ihnen egal ist, wofür sie ihr Geld ausgeben, und sei es für vorgenannte Nonsens-Produkte. Ich betrachte den Sachverhalt im Folgenden aus der Sicht eines pragmatischen Ingenieurs, dem es gegen den Strich geht, dass einige schwarze Schafe der Branche womöglich nachhaltigen Schaden zufügen.
 
Es ist schlicht unmöglich, an dieser Stelle in Gänze auf den ganzen Mist einzugehen, der da angeboten wird (und ich will diesem auch nicht mehr Platz als nötig einräumen), daher werde ich mich auf einige exemplarische Produkte beschränken. Ich werde mich hüten, die Produkte direkt zu verlinken, allerdings sind diese recht leicht zu "googlen". Ich werde nicht einmal mehr auf die diversen profanen Klangschälchen eingehen, die es an jeder Ecke gibt - durchaus vorstellbar, dass diese in der Tat durch Lautsprecherschall zum Resonieren angeregt werden. Und wem es gefällt, dass es für einen bis zu fünfstelligen Eurobetrag in seinem Hörraum via diverser Bronze-, Silber-, Gold- oder Platinschälchen ordentlich klingelt - bitteschön, ihr habt meinen Segen.
 
Besonders bemerkenswert fand ich aber eine "Klangschatulle", in die CDs auf eine darin befindliche, elektrisch leitende Schaumstoffmatte gelegt werden können. Mittels Erdungskabel mit der elektrischen Masse eines CD-Spielers verbunden, werde so die unerwünschte statische Aufladung der CD "entsorgt", die Fehlerkorrektur des CD-Spielers brauche weniger eingreifen und der Klang, nun... Beim Schließen des Schatullendeckels für fünf Sekunden werde das Klangbild voluminöser und die Klangfarben intensiver. Nach einer Schließzeit von zehn Sekunden sei gar eine gesteigerte Auflösung zu erwarten. Übrigens sollte beim "Entladevorgang" nicht versäumt werden, den Messingbeschlag des Deckels zu berühren - das unterstütze den Prozess. Außerdem sollte jede CD vor dem Abspielen einige Sekunden lang auf Fichtenholz gelegt werden, das bringe noch mehr klangliche Natürlichkeit. Ähnliche Effekte seien mit Bergkristallen zu erzielen - daher seien die Hohlräume der Klangschatulle mit eben solchen Steinchen befüllt. Diese sind zum Glück im Preis von 470 EURO bereits enthalten - na, da bin ich aber beruhigt. Leider höre ich keine CDs, sondern nur Vinyl. Aber eine größere Schatulle für unser schwarzes Gold folgt bestimmt bald für einen vierstelligen Betrag...
 
Ein anderes interessantes Produkt ist ein magischer Power-Animator - eine vollkommen neue und bahnbrechende Technologie. Er arbeite im "submolekularen Bereich", bewirke eine positive Beeinflussung von leitfähigen Materialien und wirke damit auf sämtliche von Netzstrom durchflossenen Kabel und Bauteile einer Audio Anlage. Gleichzeitig würden auf die mit dem Gerät verbundenen Stromkreise "energetische Informationsmuster" übertragen und verleihen der Musik natürliche Klangeigenschaften, und zwar durch „Harmonisierung der Leiterstruktur". Die kleine Kiste muss dazu nur an den Stromkreis angeschlossen werden, an dem auch die HiFi-Anlage hängt. Immerhin kann der Kunde das Zeug zwei Wochen kostenlos zu Hause testen, bevor er endgültig bis zu 2.500 EURO für alle möglichen Animatoren überweist. Eine handfeste Erklärung der technischen Wirkungsweise erhält der Kunde mit dem Kaufpreis aber nicht.
 
Und für all diejenigen unter Ihnen, für die Holzklötzchen, Harmonizer und Steinchen ein alter Hut sind, die erklimmen neue Sphären mit einem Produkt namens Hallograph. Zwei Dinger auf jeweils eigenem Ständer, die an eine mannhohe, überdimensionale Holzgabel erinnern (oder eher an eine hübsch gemachte Mistforke), werden hinter den Lautsprechern in den Raumecken positioniert und auf den Hörplatz ausgerichtet. Sie emittieren angeblich 180° phasengedrehten Schall und löschen so den von den Wänden reflektierten Fehlschall durch Interferenz aus. Oha! Na ja, dass diese Riesengabeln vermeintlich Reflexionen zweiten und n-ten Grades mindern und so das Klangbild deutlich zusammenhängender und räumlich gestaffelter entstehen lassen, erspare ich Ihnen. Für 1.600 Bucks aber ein echter Schnapper.
    
  
Hatte ich erwähnt, dass ich derzeit selbst an einem Gravitations-Animator auf Basis des Higgs-Bosons arbeite? Dieser wird dann Ihren Plattenspieler zu nie geglaubter Performance animieren. Sollte ich diese in Teilen gefährliche Entwicklungsarbeit überleben, werde ich Ihnen ein Produkt anbieten können, dass Sie vom Hocker hauen wird - so locker und luftig wird Ihnen das Klangbild erscheinen. Hier fließen Erkenntnisse aus der Arbeit des CERN ein, so dass ich selbstredend zur Verschwiegenheit hinsichtlich der technischen Wirkungsweise verpflichtet bin. Da ich aber nur am Wohl des Kunden interessiert bin und nicht an meinem eigenen Geldbeutel, bin ich bemüht, den Endpreis für Sie als Kunde nach Möglichkeit vom derzeitig kalkulierten sieben- auf einen sechsstelligen Eurobetrag zu drücken - das Gerät wird jeden Cent wert sein. Stay tuned!

Nachtrag vom 26.10.2012:
Ausgerechnet in der heute erschienenen Ausgabe 6/2012 der Fidelity besprechen sowohl Ingo Schulz als auch Roland Kraft oben erwähnte Klangschatulle in der Rubrik "Area 51". Zufälle gibt´s...
 
 

Montag, 15. Oktober 2012

Ohne Röhre: Nuforce Icon Amp

Beim Bau von Lautsprechern besteht häufig die Notwendigkeit, diese in den verschiedensten Räumlichkeiten - auch in staubigen, für Röhrenverstärker bisweilen unwirtlichen Werkstattumgebungen - "schnell mal eben" zu testen. Dafür ist eine Röhre nicht nur oft zu schade, sondern auch einfach zu schwer und zu empfindlich, also musste eine Alternative her - hier bot sich der Nuforce Icon Amp an. Aber dazu im Folgenden mehr.

In meinem high-fidelen "Früher" - Ihr "Früher" mögen die 1970er-Jahre gewesen sein, für die Jüngeren unter Ihnen vielleicht die 1990er- oder 2000er-Jahre, für mich waren es die frühen 1980er-Jahre - war die Verstärkerwelt viel einfacher. Die zumeist japanischen, mit allem Schnick und Schnack ausgestatteten transistorisierten Geräte im Ein- und Aufsteigersegment folgten innerhalb einer Produktlinie klaren Bezeichnungen, die nicht selten mit der Nennleistung oder dem Preis korrelierten. Oberhalb dessen war eine überschaubare Anzahl fetter Boliden US-amerikanischer, europäischer oder eben asiatischer Provenienz angesiedelt, deren äußeres Erscheinungsbild oft geeignet war, ein deutliches Mehr an Klangqualität zu suggerieren (obschon Preis und daran gekoppelte Ambitionen nicht selten eine eher hinkende Liaison eingingen). Wirklich lässige Zeitgenossen hingegen stellten sich einen puristischen britischen Class A-Amp hin, auch wenn der nach 500 Betriebsstunden schon mal abrauchte... Und Röhrenverstärker? Nur die mutigsten unter den Hi-Fi-Redakteuren wagten es damals überhaupt, für diese Gerätschaften eine Lanze zu brechen. So war das damals. Oder so ähnlich, jedenfalls in meiner Wahrnehmung.

Heute ist alles anders, viel komplizierter: Jedes Gerät hat einen ausgefallenen, häufig der Sagen- oder Götterwelt entliehenen Namen; es gibt passive Vorstufen, Vollverstärker-Hybride, Schaltverstärker, Verstärker in SMD-Technologie, Röhrenverstärker allerorten (sowie deren chinesische Replikate) - oder auch Class D-Verstärker. Dieser recht jungen Spezies zugehörig ist auch der Proband, um den es hier geht: der Nuforce Icon Amp.
   
 
Form follows function: Schlichtes Design, reduziert auf ein puristisches Minimum
  
Die Class D-Technologie ist längst fester Bestandteil der Hi-Fi-Szene, alle Kinderkrankheiten wie z.B. erhöhte Rauschneigung oder sensibles Reagieren auf niedrige Impedanzen sind bei modernen Geräten weitgehend ausgemerzt und der hohe Wirkungsgrad um die 90 Prozent erfüllt freilich jede Energieeffizienz-Verordnung. Fast scheint es, als hätte diese Technik Transistor & Co. nicht nur aufgemischt, sondern längst rechts überholt...

Bei dieser mit Pulsweitenmodulation arbeitenden Verstärkertechnik handelt es sich übrigens nicht um Digitalverstärker, wie das Class D (wie digital) vordergründig nahelegt. Die Amplitude des analogen Eingangssignals wird stufenlos erfasst und in Rechtecksignale ("Pulse") umgesetzt. Diese Pulse haben alle die gleiche Höhe, aber eine unterschiedliche, stufenlose Länge - damit sind die Signale immer noch analog, weil sie nicht quantisiert, also nicht gerastert sind. Nach der Verstärkung werden die Pulse des Ausgangssignals per Tiefpassfilter, welches üblicherweise gleich knapp oberhalb von 20 kHz ansetzt, eliminiert und übrig bleibt das verstärkte, analoge Signal. Doch genau hier liegt eine Achillesferse dieser Technik: Das passive Tiefpassfilter benötigt eine feste Abschlussimpedanz, die aber durch die Lautsprecherimpedanz natürlich nie gegeben ist. Daher hängt vor allem im Hochtonbereich der Frequenzgang des Verstärkers von der Lautsprecherimpedanz ab.

Nun ist Nuforce keine Unbekannte mehr, und einigen Geräten der kalifornischen Schmiede werden geradezu sagenhafte klangliche Eigenschaften nachgesagt. Eine technische Besonderheit bei Nuforce ist, dass man einen Weg gefunden hat, den Lautsprecher bzw. dessen Impedanz mit in die Tiefpassfilterschleife einzubeziehen und sich so der vorgenannten Achillesferse zu entledigen, sprich: Der Frequenzgang des Verstärkers ist unabhängig von der Lautsprecherimpedanz. Grund genug also, auch den bereits seit geraumer Zeit am Markt vertretenen kleinsten Spross der Familie endlich einmal genauer unter die Lupe zu nehmen!

Der Icon Amp gehört zur sogenannten Desktop-Serie der Kalifornier und ist damit scheinbar eher darauf ausgelegt, für gewissen Wohlklang am Arbeitsplatz oder auf dem heimischen Schreibtisch denn im Wohnzimmer zu sorgen. Und was kann man wohl schon für gut 200 € erwarten...?! Nun, als Anschlusswunder wird das kleine Kästchen auch kaum durchgehen. Es verfügt lediglich über einen Hochpegeleingang - immerhin anständige, vergoldete RCA-Buchsen. Ausgangsseitig nimmt der Verstärker Bananas in Richtung Lautsprecher auf, bis auf die Buchse für das Netzteil war es das dann auch schon auf der Rückseite des Gerätes. Auf der Vorderseite befindet sich lediglich der Lautstärkeregler - that´s all, Folks.
   
 
Kein Anschlusswunder...
   
  
Kompakter geht´s nimmer – das Gerät ist kaum größer als das Netzteil
    
Wer – wie ich - nicht mehr als eine Signalquelle betreibt bzw. für den vorgesehenen Zweck benötigt, wäre ja dennoch ausreichend bedient und dürfte sich über einen Verstärker freuen, der bei senkrechter Aufstellung per Standfuß einen extrem geringen Platzbedarf aufweist. Nur bitte keine schlauchdicken Kabel verwenden, denn sonst wird das kleine, leichte Kerlchen womöglich glatt vom Rack gezogen. Da der Icon Amp 18 Watt Nennleistung an acht Ohm bereitstellt, scheidet lautsprecherseitig die Stromsäuferfraktion selbstredend aus; gut 90 dB Empfindlichkeit pro Watt und Meter sollten es da schon sein.

Was der Nuforce dann allerdings zu leisten im Stande ist, lässt mich bisweilen erstaunt die Kinnlade runterklappen: Er verfügt über ein ausgesprochen ausgedehntes Frequenzspektrum an beiden Enden, steigt tief in den Keller und erklimmt mühelos höchste Frequenzgipfel. Diese Wahrnehmung mag ein Stück weit dem Umstand geschuldet sein, dass ich eher Röhren-konditioniert bin und Single Ended Trioden im direkten Vergleich in dieser Disziplin womöglich doch etwas limitiert sind. Gerade im Basskeller besticht der Icon Amp durch straffe Kontrolle und Schnelligkeit – tiefe Töne gibt er mit Akkuratesse und Substanz wieder, bläht sie aber niemals auf, sondern liegt tendenziell ganz leicht auf der schlanken Seite. Dem farbig-federnden Bassbereich einer guten Triode setzt er einen schlackenfreien Tiefgang entgegen.

Bei Rockmusik besitzen scharf angerissene Gitarrensaiten den richtigen stählernen Glanz („mit ordentlich Fleisch“); dabei verfügt der Nuforce über ein sehr hohes Auflösungsvermögen, ohne jedoch analytisch zu sezieren. Feinste Details und nuancierte Strukturen in der Musik kontrastieren vor einem rabenschwarzen Hintergrund - hierfür scheint mir das sehr geringe Rauschniveau ein ganz wesentlicher Grund zu sein. Der Icon Amp spielt wie aus einem Guss, lässt mich Platte um Platte auflegen und stellt sich völlig in den Dienst der Musik. Hier wird nichts geschönt, nichts weggelassen oder hinzugefügt – von Euphonie keine Spur. Gut so! Dabei ist dieser Kalifornier alles andere als langweilig, sondern er „spielt“ die Musik im besten Sinne des Wortes.

Eine interessante technische Eigenart - womöglich charakteristisch für die Class D-Technik - möchte ich nicht unerwähnt lassen: Bringt man diesen Verstärker nahe an seine Leistungsgrenze (was mit wirkungsgradstarken Lautsprechern allerdings fast unmöglich ist, ohne einen Gehörschaden davonzutragen), passiert - nichts. Wo ein Transistor bereits ins "Clipping" geht und eine Röhre nur noch für pfützenflache Dynamik gut ist, lässt dieser Class D-Amp immer noch die Muskeln spielen. Erst ganz am Ende seiner Reserven bricht er abrupt ein und klingt dann etwas harsch, leiser, beengter. Rein subjektiv scheint er damit die zur Verfügung stehende Leistung in Form eines größeren nutzbaren Headrooms einfach besser auszunutzen.

Was aber kann diese kleine Ikone nicht? Nun, das letzte bisschen Souveränität und eine richtig große Bühne fehlen ihr dann doch. Das war bei diesem Preisniveau auch nicht zu erwarten. Geschenkt, sage ich, um gleichsam folgende Relativierung hinterherzuschicken: Wer die Anschaffung eines vielfach teureren Verstärkers - ganz gleich, ob Röhre, Transistor oder was auch immer - plant, der möge sich diesen Nuforce unbedingt im direkten Vergleich anhören. Die Chancen auf herunterklappende Kinnladen stehen ziemlich gut.

Wer den Nuforce Icon Amp für seinen originären Einsatzzweck verwendet – als Verstärker für eine kleine Schreibtischanlage – wird kaum ein besseres Gerät zu diesem Kurs finden, freilich wirft er so Perlen vor die Säue. Vielmehr erlaubt der Icon Amp für lange Zeit (vermutlich weit länger als gedacht!) sehr zufriedenes Musikhören, wenn bei begrenztem Budget der Großteil zunächst besser in Quelle und Lautsprecher investiert wird. Nicht zu vergessen die diebische Freude, wenn man ihn im Bekanntenkreis flugs aus der Tasche zaubert und er in fremden Setups für Erstaunen oder sogar Tränen in den Augen sorgt, indem er selbst gestandenen Größen hier und da mal kräftig in den ach so high-fidelen Allerwertesten tritt.

 
Der Icon Amp als Röhren-Killer also? I wo! Gegen den Charme einer feinen Triode kann die Class D-Technik dann doch nichts ausrichten, zumindest ich bin dagegen immun... Aber deshalb sind Seitenblicke hier und da ja dennoch erlaubt, und sei es nur, um die eigene Einordnung der Röhrentechnik einmal einem Update zu unterziehen.

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Bohei um Bowei - oder was?

Animiert durch Holgers Post Alles billig - oder was? habe ich ein Bild aus der Bucht geklaut, um den Missstand der Produktpiraterie, des unerlaubten Nachbaus von Replika (besser: Fälschungen!) und des damit einhergehenden Preisdumpings an einem konkreten Beispiel festzumachen.
 
Wer sich in der Bucht umschaut, findet den "Bowei 2A3C", der nichts anderes ist als eine billige Kopie einer Sun Audio Uchida 2A3. Preis: 390 € - das sind gerade einmal 11% dessen, was eine "originale" Sun Audio Uchida 2A3 beim offiziellen Europavertrieb (audio-life.nl) kostet! Standort: Hongkong. Das Kalkül des Herstellers/Anbieters ist klar: Dem Interessierten soll durch das identische Aussehen gleiche Qualität zum Schnäppchenpreis suggeriert werden.
   
 
Bowei 2A3C - Fälschung einer Sun Audio Uchida 2A3
 
Dass hier keine Übertrager von Tamura verbaut sind und zweifelhafte Röhren zum Einsatz kommen, dürfte klar sein. Auch die sonstige Bauteil- und Fertigungsqualität stimmt bei einem Blick unter das Bodenblech nachdenklich. Ein Bekannter - und ernstzunehmender Röhren- und Boxenfrickler dazu! - hat sich zwei dieser Dinger doch tatsächlich bestellt und mir berichtet. Und angeblich sollen sie gar nicht mal so schlecht klingen, zumindest ließe sich keinesfalls auf einen Preis von 390 € schließen.
 
Nun ist Ideenklau nicht allein moralisch verwerflich, sondern bringt den Entwickler des "Originals" darüber hinaus womöglich um einen Teil seines Umsatzes (bis hin zum Ruin). Stellt man die kritische Frage, wie ein solches Gerät, gleichwohl qualitativ sehr "abgespeckt", zu einem Neuntel des für das Original aufgerufenen Preises hergestellt und mit Marge verkauft werden kann, lässt dies nur einen Schluss zu: Auf die kostenträchtige Einhaltung von Umweltschutzrichtlinien und Sicherheitsvorschriften wird verzichtet und in der Fertigung werden Hungerlöhne gezahlt. Und ich als Konsument soll bewusst getäuscht werden.
 
Wer sich dieser Entwicklung entgegenstellen will, dem bleibt nur eins: konsequent zu handeln - Finger weg von solchen Produkten!

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Grundlagen: Wirkungsgrad von Lautsprechern

Bereits mehrfach habe ich auf die Vorteile von Hochwirkungsgradlautsprechern hingewiesen und sogar die These aufgestellt, alles unter 92 dB/W/m tauge nichts (dazu stehe ich weiterhin). Und das hat zu allerletzt damit zu tun, dass insbesondere Röhrenverstärker auf hohe Wirkungsgrade bei Lautsprechern angewiesen sind - nach meiner Erfahrung unterschlagen Stromsäufer viele Details und eignen sich nicht zum Leisehören.
 
Kürzlich bin ich auf den Seiten des Online Magazins HIFI Statement Netmagazine auf den interessanten Artikel von Jürgen Saile Grundlagen: Wirkungsgrad von Lautsprechern gestoßen, der Wasser auf meine Mühlen ist und den ich unbedingt zum Lesen empfehlen möchte.
 
 
Aber auch sonst lohnt ein Besuch der Seite, vor allem die Grundlagenartikel und die "Klangbibliothek" sind m.E. gut gemacht.