Dienstag, 27. November 2012

Gimmick: Adventskalender Radiobausatz

Ja, ja, meine Lieben denken halt immer an mich (und meine Figur): Nun habe ich anstatt eines Schokoladen-Adventskalenders einen Radiobausatz bekommen. Viel besser als Schokolade! Zumal Schoko-Adventskalender heuer ja sogar in dem Ruf stehen, dass die Schokolade mit aromatischen Mineralölen belastet sei - zumindest behauptet die Stiftung Warentest das.
 
 
Also lieber leicht verdaulicher Bastelspaß in 24 Schritten bis zum fertigen Ergebnis am Heiligen Abend. Eine wirklich witzige Idee - ich wusste bis dato tatsächlich nicht, dass es so etwas gibt.

 
Natürlich konnte ich nicht anders, als schon einmal heimlich die "1" zu öffnen und das Objekt meiner Begierde - das Chassis - herauszupulen. Da haben wir das Prachtstück: ca. 4 cm Durchmesser (Mitte Sicke - Mitte Sicke), 8 Ohm, Vollbereichsbreitbänder - was will man mehr, und wer wird da schon AlNiCo, schmale Korbstege & Co. verlangen?!


Das Ganze soll ohne Löten abgehen und wäre damit also auch für Fünfdäumlinge geeignet. Nur allzu dicke Wurstfinger sollte man nicht haben. Weihnachten gibt´s das fertige Ergebnis. Und dank umfassender, erstklassig gemachter Anleitung kann auch ein Elektronik-Nerd kaum noch etwas falsch machen - stay tuned!

Samstag, 24. November 2012

Perla Musica Phono-Pre von bFly-audio jetzt als SE-Version

Der von mir im Mai/Juni (vgl. hier und hier) vorgestellte Phono-Vorverstärker Perla Musica von bFly-audio wurde durch kleine Modifikationen optimiert. Sowohl durch eine verfeinerte Entkopplung/Dämpfung (Platinen und Gehäuse) als auch durch Verwendung noch hochwertigerer Bauteile in einigen Bereichen kommt sie nun zusätzlich zu den Ursprungsversionen der MM- und MC-Varianten als "SE"-Version (Special Edition) daher. Die "SE" spiele nun noch einen Tick dynamischer.
  
Das Bemerkenswerte dabei ist allerdings die neue Preisgestaltung. Die "SE"-Versionen gibt es zum (alten) Preis der ursprünglichen Versionen, diese wiederum wurden im Preis deutlich gesenkt:
   
Perla Musica MC "SE" - 3.550 €
Perla Musica MM "SE" - 2.950 €
Perla Muscia MC        - 2.550 €
Perla Muscia MM        - 1.950 €
 
Gehäusequalität, Aufwand beim Netzteil, Bauteilequalitäten und nicht zuletzt der vorzügliche Klang (für nunmehr 1.950 € in der von mir damals getesteten MM-Version!) erscheinen mir jedenfalls überaus attraktiv. Die "SE"-Versionen werden voraussichtlich ab Januar 2013 lieferbar sein.
 
   
 
 

Donnerstag, 22. November 2012

Simulationssoftware AJHorn

Wer regelmäßig Lautsprecher frickelt und - wie ich - kaum an einem (historischen) 20er Breitbänder vorbeikommt, ohne ihn in irgend eine Form von Gehäuse oder Schallwand zu schrauben, der braucht eine anständige Simulationssoftware. Sicherlich hat es so seine Reize, einfach drauf los zu bauen, zu probieren und ob der Ergebnisse Ideen zu verwerfen, sich zu ärgern oder auch freudig erstaunt die Augen (und Ohren) zu reiben. Aber trial and error kann auch sehr zeit- und kostenintensiv sein...
  
Angelesenes Grundwissen ist natürlich auch kein Hindernis. Wer einmal "zu Fuß" eine Transmissionline (TML) oder eine Hornkontur berechnet hat, der hat bereits eine Menge gelernt und kann schon ungefähr abschätzen, wohin die Reise geht - eine Garantie für ein anständiges klangliches Ergebnis ist das aber noch lange nicht. Im Netz gibt es zwar nützliche Simulations- und Rechentools for free, die bisweilen sogar recht anständige Ergebnisse liefern (können). Aber wenn es etwas mehr sein soll als die simpel zu berechnenden und klanglich oft profanen Ergebnisse (sorry!) einer geschlossenen Box oder einer Bassreflexkiste, dann stoßen solche Tools schnell an ihre Grenzen. Denn ventilierte Systeme wie TML oder Hörner sind nun einmal nicht mehr so ganz trivial zu berechnen.
 
 
Das bringt mich - endlich - zur Simulationssoftware AJHorn, mit der ich seit längerem arbeite und die für mich inzwischen ein völlig unverzichtbares Werkzeug geworden ist. Anders als der Name suggeriert, lassen sich hiermit nicht nur Hörner berechnen - aber natürlich auch: Frontloaded mit geschlossener oder ventilierter Rückkammer, mit oder ohne Absorberkammer, Rearloaded mit oder ohne Absorberkammer, mit zweitem Treiber, parabolisch, konisch, exponentiell, hyperbolisch, oktalhyperbolisch, geometrisch, Taktrix,... Es gibt einfach nichts, was sich nicht simulieren ließe!
 
Aber AJHorn - inzwischen in der Version 6 - "kann" auch klassische TML in allen Varianten, Bandpassgehäuse - und, ja, selbst geschlossene Gehäuse oder Bassreflexgehäuse. Die Bedienung ist kinderleicht, die gesamte Menüführung sehr übersichtlich und wirklich alle erdenklichen Parameter wie Treiberposition, Menge des Dämpfungsmaterials usw. werden berücksichtigt. Das erstklassige Handbuch trägt übrigens wesentlich zum schnellen Einstieg bei. Was man natürlich weiterhin benötigt, sind die Thiele Small Parameter (TSP) des Treibers der Wahl. AJHorn verfügt bereits über eine große Datenbank, aber die meisten Breitbänder fernab vom Mainstream fehlen natürlich. Kein Problem, die wichtigsten TSP werden manuell eingegeben - wenn man sie denn zur Hand hat. Das ist bei historischen Treibern oft nicht der Fall; alte Datenblätter indizieren womöglich den ursprünglichen Parametersatz, aber ob der wohl noch stimmt... (also: selbst messen!).
 
Allerdings sollte man sich nicht verrückt machen und sklavisch noch der dritten Nachkommastelle hinterherjagen - meiner Erfahrung nach führen selbst Abweichungen von gut 5% bei den wesentlichen TSP noch nicht zu nennenswerten Unterschieden im simulierten Frequenzgang. Wer schon einmal die Herstellerangaben sowie die Angaben der gemessenen TSP in Klang + Ton und Hobby Hifi für ein und den selben Treiber miteinander verglichen und simuliert hat, kann das nachvollziehen. Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Passive Frequenzweichen lassen sich natürlich auch "einbauen" (simulieren) - wenn man es denn möchte.
  
 
Der Screenshot oben zeigt beispielsweise das Ergebnis für einen 20 cm Breitbänder, den ich virtuell in eine Transmissionline gepflanzt habe. Hier habe ich tatsächlich zunächst "zu Fuß" die TML grundsätzlich ausgelegt und dann per AJHorn optimiert. Dabei zeigt der schwarze Verlauf im oberen Diagramm die Simulation bei freier Aufstellung im Raum, die rote Kurve bei Aufstellung an der Wand und die grüne Kurve bei Aufstellung in einer Raumecke (unten ist der Impedanzverlauf).
 
Der Treiber hat ab dem Mittelton eine mittlere Empfindlichkeit von 95 dB/W/m, welche er bis möglichst weit in den Keller wenigstens ausgewogen und so linear wie möglich halten sollte. Irgendwo zwischen dem schwarzen und dem roten Verlauf - also ca. bei 30 - 40 cm Abstand zur Rückwand - scheint mir das Ideal zu liegen, wo der Frequenzgang im Raum bis ca. 45 Hz (-3 dB) runtergehen sollte. Wer glaubt, ich habe die Frequenzverläufe nachträglich geglättet, irrt: Zu Beginn der Simulation sah der Verlauf TML-typisch wie ein zerklüftetes Gebirge mit abenteuerlichen Tälern aus, aber durch teilweise unerwartete Maßnahmen in der Gehäusekonstruktion ergab sich schließlich der dargestellte Verlauf.
 
Im Moment hat dieser Lautsprecherentwurf den Projektnamen "Supersonic", ich hoffe, ich finde in den Wintermonaten (Anfang kommenden Jahres) Zeit, diesen Lautsprecher auch einmal zu bauen. Vollbereichs-BB, filterlos, 95 dB/W/m, gar nicht mal soo klein, aber auch noch nicht riesig - ideal für kleine Trioden-Eintakter also. Und wenn man berücksichtigt, wie exakt die Simulation mit AJHorn ist (wie K+T und HH in schöner Regelmäßigkeit immer wieder bestätigen können), dann wächst die Vorfreude weiter...
 
Vorher kommt aber erst einmal Weihnachten und wer noch ein Geschenk für einen Lautsprecher-Frickler sucht, der verschenke doch einfach AJHorn. Für rund 120 € inkl. Handbuch jeden Cent mehr als wert und wer glaubt, ich hätte irgend einen Vorteil durch diese Lobhudelei oder das Programm gar umsonst bekommen, der irrt. Ich finde AJHorn wirklich einfach genial und möchte es jedem dringend empfehlen, der selbst hin und wieder Lautsprecher baut. Danke, Herr Jost, für diese tolle Entwicklung!

Mittwoch, 21. November 2012

Über die Zukunft von Printmedien

Vergangene Woche hat die Frankfurter Rundschau Insolvenz anmelden müssen, nun hat das Hamburger Verlagshaus Gruner & Jahr offenbar beschlossen, die Financial Times Deutschland einzustellen sowie die Wirtschaftszeitschriften Impulse und Börse Online zu verkaufen. Marktexperten prognostizieren ein "Massensterben" im Bereich der Printmedien innerhalb der nächsten zehn Jahre, insbesondere im Bereich von Nischenthemen besetzenden Fachmagazinen. Gleichwohl die vorgenannten Publikationen mit dem Thema Hifi kaum etwas am Hut haben, so muss einem schon Angst und Bange werden - gerade Verlage, die das Thema Hifi besetzen, dürften es nicht unbedingt leicht haben. Was das Aussterben "unserer" Publikationen für unser Hobby zur Folge hätte, mag ich mir gar nicht ausmalen.
 
Die Ursachen für das heutzutage schwierige Marktumfeld mag vielfältige Ursachen haben, aber ganz wesentlich scheinen mir zwei Aspekte im Zusammenhang mit dem Internet zu sein: das facettenreiche, meist kostenlose Informationsangebot im Netz für potenzielle Leser sowie die sehr späte, bisweilen immer noch sehr reservierte Öffnung der Verlage gegenüber dem Medium Internet.
 
 
In meiner Jugendzeit, als ich mir die ersten Hifi-Magazine kaufte, waren am Horizont noch nicht einmal annähernd die Grundzüge des heutigen Internets zu erahnen. Ich bin von je her an Magazine aus echtem Papier gewöhnt und würde auch heute nicht auf die Haptik raschelnden Papiers verzichten wollen. Gleichwohl kann ein Verlag inzwischen langfristig nur Erfolg haben, wenn er neue, junge Leser an seine Publikation bindet und sie dort "abholt", wo sie sich aufhalten: im Internet. Was nichts anderes heißt, dass die Zukunft in für (Tablet) PCs geeigneten elektronischen Formaten der Zeitschriften liegt! Der eine oder andere Netzauftritt ist ja bereits sehr vielversprechend, ersetzt aber nicht die elektronische Ausgabe als pdf oder im für den App Store geeigneten Format (einige Verlage bieten ihr Magazin ja bereits als pdf-Download an - sogar günstiger als die gedruckte Ausgabe).
 
Und uns konservativen Papierfreunden stünde es hin und wieder gut zu Gesicht, sich nicht ständig über die ach so hohen Preise für die Magazine aufzuregen und den vermeintlich hohen Anteil an Werbung anzuprangern - mir kommt das ehrlich gesagt schon zu den Ohren heraus. Heutige Publikationen werden nun einmal wesentlich über Werbung finanziert und weniger über den Verkaufserlös. Einzig den hohen Anteil getesteter Geräte, die auch im Heft beworben werden, empfinde ich hin und wieder als "auffällig", insbesondere mit Blick auf die Meinungsunabhängigkeit und ehrliche Berichterstattung.
 
Ein gutes Magazin hat aber eben seinen Preis, und der ist gerade bei zweimonatiger Erscheinungsweise absolut zu verschmerzen - und an die Raucher gerichtet: Selbst die teuersten Magazine kosten nicht einmal so viel wie drei Schachteln Zigaretten. Wär´s nicht besser, lieber mit dem Rauchen aufzuhören?!

Freitag, 16. November 2012

Gehäuse für Röhrenverstärker

Die Schaltung für den nächsten Röhrenverstärker steht, die NOS-Röhren sind bereits ausgemessen und gematcht, die Übertrager geordert - und das Gehäuse? Rumbrutzeln mit dem Lötkolben ist eine Sache, aber ohne geeignete Maschinen und passendes Werkzeug ein Gehäuse herzustellen eine andere. Von der Stange gibt´s passende Gehäuse nicht und selbst umfunktionierte alte Schaltkästen aus Metall müssten noch Ausschnitte für Trafo, Übertrager und Röhren bekommen. Außerdem werden Sie Ihren Traum vom Design im Steampunk-Style bei Ihrer besseren Hälfte eh´ nicht durchsetzen können und Varianten mit Holzzargen oder gar Holzapplikationen sind Ihnen dann doch einfach zu weichgespült. Was also tun?
  

 
Vielleicht setzen Sie sich einfach einmal mit Zbigniew Wittmann (z.wittmann@gmail.com) aus Görlitz in Verbindung. Seine Internetseite ist noch in der Entstehung, aber "Zbig" fertigt nach Ihren Vorgaben auf CNC-Maschinen Verstärkergehäuse aus 1 mm Stahlblech. Gehäuseteile, Bohrungen und Ausbrüche sind exakt gelasert und die Oberfläche ist pulverbeschichtet. 3 mm starke Frontplatten aus Aluglattblech können per Sublimationsdruckverfahren beschriftet werden.
 

 
Die Kundenvorgaben werden von Zbig in ein Auto-CAD System eingepflegt und dem Kunden zur Kontrolle und Freigabe vor Fertigungsbeginn elektronisch übersandt (Formate .dwg, .edrw, .pdf, .ai oder .jpg - je nach Wunsch).

Dienstag, 13. November 2012

Psvane 2A3-T

Womöglich kennt der eine oder andere die Marke Psvane noch nicht. Hervorgegangen ist Psvane (u.a.) aus einem harten Kern ehemaliger Shuguang-Mitarbeiter, der insbesondere für die Produktion der höherwertigen "Black Bottle" Treasure Serie der Chinesen verantwortlich war - Argwohn à la China-Böller ist hier also nicht unbedingt angebracht. Nach einigen internen Querelen hat diese Truppe Shuguang dann verlassen und zusammen mit einigen anderen Audiophilen außerhalb Chinas Psvane ins Leben gerufen; seit November 2011 ist Psvane eigenständig. Wer sich für die Details interessiert, liest einfach hier weiter.
  
   
Psvane gliedert seine Röhrenproduktion in drei Serien. Die "Hifi Serie" stellt den preisgünstigen Einstieg dar, der Kunde darf hier wohl eher Standardqualität erwarten - warum nicht. Die höherwertige (und höherpreisige) "T Serie" ist quasi als MkII-Version der früheren "schwarzkolbigen" Shuguang Treasure Z Serie zu sehen. Sie umfasst derzeit fünf Röhrentypen:  KT88, 300B, 2A3, 6CA7 und 6SN7 (CV181). Die recht neue "Western Electric Replica Serie" stellt die Toplinie der Chinesen dar - hier hat Psvane sich auf die Fahnen geschrieben, ausschließlich 100%-ige 1:1 Replika aufzusetzen. Derzeit findet sich lediglich die WE 300B als einziges Mitglied dieser Serie auf der Psvane Website wieder, dem Vernehmen nach sind aber weitere Röhrentypen in der Testphase. Offenbar streben die Chinesen ernsthaft an, ausschließlich hinreichend geprüfte Qualität auf den Markt zu bringen. Wie ernsthaft dieses Streben ist, mag man womöglich aus der Zusammenarbeit im Bereich 300B mit Line Magnetic ableiten. Immerhin greift Line Magnetic auf Psvanes Know How und Können zurück, vermutlich sind die 300B-Derivate von Line Magnetic und von Psvane identisch. Ich finde, das Ansinnen des originalgetreuen Nachbaus verdient wirklich Anerkennung.
 
Nach diesem kurzen Ausflug soll es endlich um die Psvane 2A3-T gehen:
  
  
 
(Bildquellen: Psvane & Tube Amp Doctor)
 
Die zur T Serie gehörige 2A3-T (wer hätte das gedacht!) kommt in einer schmucken, ausgeschäumten Box und individuellen Messprotokollen daher - hübsch gemacht! Ob die vergoldeten Sockel wirklich klanglich relevant sind oder hier eher die "Bling-Bling-Klientel" bedient wird, mag jeder für sich selbst bewerten - ich hätte schwarze Sockel jedenfalls bevorzugt. Pechschwarz und matt. Aber die schwarz gefärbten Kolben mit den hübschen Psvane-Logos darauf gefallen mir ausgesprochen gut und auch die vergoldeten Pins gehen in Ordnung.
 
Allein die Info, ob die Dinger klanglich was taugen, muss ich schuldig bleiben. In Deutschland sind die Psvane 2A3-T über Tube Amp Doctor für 309 € pro gematchtes Paar erhältlich. Wer mit diesen Röhren schon Erfahrungen gesammelt hat - Kommentare sind herzlich willkommen!

Sonntag, 11. November 2012

Emission Labs 2A3-Mesh

Wer heuer ein anständiges Pärchen 2A3 als NOS (New Old Stock) sucht, hat es inzwischen verdammt schwer. "Echte" NOS sind so gut wie nicht mehr zu finden. Meistens stammen die als NOS deklarierten Pärchen aus Beständen, wo sich die Frage geradezu aufdrängt, ob die Röhren nicht doch schon einmal im Sockel eines Amps gesteckt haben... Klar, NOS-Specs werden selbst nach längerem Betrieb noch erfüllt, die Kontaktstifte "aufgehübscht", ab in eine weiße Schachtel mit draufgeklebten (ausgedachten?) Messwerten - mit New Old Stock hat das freilich nicht mehr viel gemein. Unversehrte Originalschachtel, jungfräuliche Röhre - Fehlanzeige. Das als vermeintliches Qualitätsmerkmal inflationär und meistens im falschen Kontext verwendete Kürzel "NOS" hat längst seinen Wert verloren.
 
Aber dennoch muss man als 2A3-Fan bar des Nachschubs alter Originale nicht gleich den Kopf in den Sand stecken. Auch ist es nicht nötig, auf leidlich anständige Sovteks oder immer noch kursierende, berühmt-berüchtigte China-Kracher zurückzugreifen. Bereits seit langer Zeit gibt es die Emission Labs 2A3-Mesh, die ich ehrlich gesagt aus Ignoranz bislang links liegen gelassen hatte.
 
  
(Bildquelle: emissionlabs.com)
 
Die Emission Labs 2A3-Mesh halten sich sehr genau an die elektrischen Originalspezifikationen. Mechanisch hingegen gibt es freilich einige Besonderheiten: Die Röhre ist als Monoplate ausgeführt. Sie verfügt dennoch über 15 Watt Anodenverlustleistung, wie die Dualplate-Derivate "alter" Ausführung und sie ist damit für ca. 3,5 Watt Ausgangsleistung gut. Zum Vergleich: "Alte" 2A3 Monoplates "schaffen" nur ca. 2,3 - 2,5 Watt Ausgangsleistung. Eine weitere Spezialität der Emission Labs ist die partielle Ausführung des Anodenblechs als Mesh-Anode. Emission Labs bedient sich hier des Hypes um Röhren mit Mesh-Anoden und spricht seinen Röhren zu, dass dadurch etwas "Magisches" mit dem Klang geschehe - ich lasse das einfach einmal unkommentiert stehen.
 
 
(Bildquelle: emissionlabs.com)
 
EML gibt an, besonderes Augenmerk auf Mikrophoniearmut gelegt zu haben. So seien Röhre und Sockel mit einen speziellen Gummi verklebt. Ich halte die Emission Labs 2A3-Mesh für ein ausgesprochen interessantes 2A3-Derivat, welches eine echte Alternative zu alten Originalen sein könnte. In Deutschland gibt es diese Röhren bei Jacmusic für ca. 450 € für ein gematchtes Pärchen. Überhaupt habe ich Jac (van de Walle) stets als höchst zuverlässigen Röhren-Dealer kennengelernt und früher bereits die eine oder andere ("echte"!) NOS bei ihm gekauft. Achtung: Die 2A3-Mesh ist nicht zu verwechseln mit der ebenfalls von EML gefertigten 2A3-S, welche nicht die originalen 2A3-Specs aufweist.