Dienstag, 11. November 2014

Unverhofft kommt oft: Quad RCA (JAN CRC) 2A3 (Gray Plate)

Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul - so lautet ein landläufiges Sprichwort. Ich tat es natürlich trotzdem. Ein Bekannter, dem ich ein wenig bei der Suche nach NOS-Röhren behilflich war, überließ mir zum Dank freundlicherweise seine alten Gläser. "Alt" ist dabei relativ zu sehen, schließlich waren diese vier als NOS erworbenen Röhren dem Bekunden nach erst 30-40 Stunden in einer Push-Pull-Anordnung in Betrieb und ein Kanal "humpelte" bereits bzw. klang "kaputt". Der kleine polemische Teufel in mir raunte natürlich sogleich sein "Ist doch klar, wieder so ein olles Push-Pull-Dingens..." durch den Kopf und wie immer in diesem Fall war ich geneigt, ihm ohne Widerrede zuzustimmen. Aber dieses Mal wollte ich mich zunächst doch um etwas mehr Objektivität bemühen.

 

Also wanderten alle vier Protagonisten nacheinander in den Adaptersockel eines Neuberger RPM 375 um zu zeigen, was sie denn noch so auf der Kathode haben. Und wen auf dem folgenden Bild die 300B-Karte irritiert, der hat natürlich grundsätzlich Recht, liegt aber trotzdem daneben: Die Pins zur Voreinstellung sind die gleichen (manchmal siegt die Faulheit eben, ergo: "falsche" Karte bleibt stecken). Anodenspannung 250V, Gittervorspannung -45V und Heizspannung 2,5V - alles richtig eingestellt, alles klar.


Der Sollwert für (NOS) 2A3 beträgt 60 mA statische Emission; natürlich gibt es hier einen gewissen akzeptablen Toleranzbereich. Diese vier verfügen über 63, 52, 52 und 42 mA - das ist dann doch irritierend. Die Röhre mit 63 mA Emission erfüllt locker das NOS-Kriterium (gleichwohl bereits in Gebrauch und damit natürlich kein new old stock mehr). Die "Partnerröhre" des Push-Pull-Kanals hat - und das nach ca. 30-40 Stunden Betrieb, wohlgemerkt - nur noch 42 mA Emission! (Ich persönlich tausche eine 2A3 aus, sobald die Emission nur noch zwischen 45 und 50 mA liegt.) Das ließe nur folgende Schlüsse zu: a) Der Dealer hat Ausschuss als NOS verkauft (unwahrscheinlich, da m.E. seriös) oder b) der Verstärker(kanal) hat ein Problem (= einen Defekt). Letztlich muss die Antwort offen bleiben, da ich den Verstärker nicht kenne.

Die beiden Röhren des anderen Kanals haben zwar identische Emissionswerte und damit dürfte auch deren Steilheit (Verhältnis von Anodenstromänderung zur Gitterspannungsänderung) ungefähr gleich sein; die Symmetrie der Bauteile ist in PP-Anordnungen schließlich essentiell. Allerdings verwundert das niedrige Niveau von nur noch 52 mA Emission. Letztlich bleibe ich etwas ratlos zurück und ich kann mich nur in Mutmaßungen verlieren.

(Einschub: Normalerweise würde ich darauf tippen, dass die Röhren "unterheizt" wurden, sprich: Die Heizspannung ist (war) mindestens 15% zu niedrig. Entegegen der immer noch weit verbreiteten Meinung schadet nämlich eine z.B. um 5-10% zu hohe Heizspannung eigentlich nicht. Eine Überheizung begünstigt die Abdampfung von metallischem Barium aus der äußeren Kathodenschicht und sollte daher vermieden werden, da die Emissionsfähigkeit zwar nicht leidet, aber die Kathode verschleißt.
Eine um 10% oder mehr zu niedrige Heizspannung hingegen reduziert die Emissionswerte sehr schnell. Eine zu niedrige Heizspannung hat eine zu niedrige Kathodentemperatur zur Folge. In der emittierenden Barium-/Bariumoxidschicht kommt es daraufhin zu einer Verlangsamung des elektrolytischen Prozesses und die Oberfläche verarmt an reinem Barium - ein irreversibler Prozess.)


Hier für alle ganz Peniblen noch ein altes Bild mit der "amtlichen" 2A3-Karte auf dem Neuberger (habe ich in einem alten Blog-Post von mir gefunden...):


Eigentlich sehr schöne Röhren, von denen zumindest zwei quasi ein gematchtes Pärchen ergeben und ihr Dasein noch sehr gut in einem Werkstattverstärker fristen könnten.


Ach ja, bevor ich es vergesse: Wer z.B. alte Röhren von Opas Dachboden sein Eigen nennt und nicht weiß, wie oder wo er die Dinger entsorgen soll - immer her damit, meine Adresse steht im Impressum...

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