Samstag, 3. Januar 2015

Schanze Hamburg - Save the Vinyl

Schanze ist die liebevolle Kurzbezeichnung von Hamburgs Stadtteil Schanzenviertel. Und wann immer ich es zeitlich ermöglichen kann, statte ich dieser Ecke Hamburgs einen Besuch ab - so wie gestern. Allerdings zieht mich in erster Linie nicht unbedingt dieser krude Suburban-Charme an, obwohl ich nichts gegen ihn habe. Dieses seit einigen Jahren gehypte Viertel wird ja mittlerweile von viel zu vielen wohlhabenderen Neo-Möchtegern-Szenisten bevölkert und bewohnt, was die Mieten für seine "Originale" häufig unerschwinglich werden lässt; eine sehr bedenkliche Entwicklung. Ungeachtet dessen gibt es aber weiterhin genug schräge Vögel hier - damit meine ich nicht, dass jemand Piercings, Kopftattoos, Sidecuts oder einen Tunnel im Ohr hat. Neben dem links-alternativen Publikum meine ich so richtig schräge Vögel; solche, denen man nachts nicht unbedingt auf der Straße begegnen möchte.

Das unterscheidet die Schanze beispielsweise wohltuend von St. Paulis Kiez. Wohingegen St. Pauli zur Popkultur mutiert, wo nur noch das schale Abbild längst vergangener Tage ständig (künstlich) neu inszeniert wird (von originaler Hans-Albers-Romantik jedenfalls keine Spur mehr), zeichnet sich das Schanzenviertel durch seine Authentizität aus. Aber ich schweife ab. Nein, vielmehr bin ich wegen der guten Plattenläden im Schanzenviertel hier.


Gerade einmal sechs S-Bahn-Minuten vom Hauptbahnhof entfernt (von Gleis 1/2, Linien S11/21/31) liegt die Station Sternschanze. Am Ausgang zweimal links gedreht, unter der S-Bahnbrücke hindurch und an der Susannenstraße rechts abgebogen, und schon ist man nach weniger als zwei Gehminuten mittendrin im Leben, bei dem der unbedarfte Stadttourist sich in einer völlig anderen Stadt wähnen würde.



  
Linke Hand eingangs der Susannenstraße, Hausnummer 21, liegt Championship Records. Kleiner Laden, sogar Klamotte gibt´s hier. 




Zugegeben, die Auswahl der im hinteren Bereich des Ladens befindlichen Plattenecke ist sehr übersichtlich und im Wesentlichen auf Indipendent beschränkt. Dem Fliesenspiegel nach zu urteilen befinden wir uns hier gerade in einem ehemaligen Treppenhausbereich - charmant! Wer auf der Suche nach einer bestimmten, längst vergriffenen Scheibe ist, könnte hier eventuell fündig werden. Faire Preise.

Wir setzen unseren Marsch die Susannenstraße entlang fort bis zum kreuzenden Schulterblatt. Sobald wir die Rote Flora sehen, biegen wir rechts ab.



Direkt gegenüber der Roten Flora, auf der so genannten Piazza befindet sich der Rekord Store. Schwerpunkt Hip Hop, Soul, Funk, Techno, Elektro. Zwar nicht so ganz mein Ding, aber sehr nette Mitarbeiter und übersichtlich sortiert. Coole Jungs "vom Fach", mit Leidenschaft dabei.




Ich schlendere weiter bis zum Ende des Schulterblatts, hier liegt Slam Records. Sehr große Auswahl, hier gibt es wirklich alles - von Klassik über Jazz bis Blues, Rock, Pop, Punk, Alternative... Angemessene Preise, super sortiert - der Mann weiß übrigens sofort aus dem Stegreif (ohne den PC bemühen zu müssen), ob er eine bestimmte Platte da hat oder nicht. Erstaunlich. Slam Records ist unbedingt einen Besuch wert!



Sogar altes High-End-Hifi im Schaufenster...




Nun geht es knapp zehn Gehminuten zurück bis ans andere Ende des Schulterblatts zu Zardoz. Ebenfalls gut sortiert, findet man hier auch die eine oder andere rare Scheibe, obwohl die Auswahl nicht ganz so groß ist wie bei Slam Records. Zum Teil durchaus ambitionierte Preise, Bücher gibt es hier auch. Ebenfalls immer einen Besuch wert - das äußerlich etwas schmuddelige Erscheinungsbild sollte einen nicht schrecken.




Mehr Stationen habe ich heute nicht geschafft. Zum Abschluss noch ins beste Café der Gegend: Herr Max. Alleine der originelle Name lässt den Besuch zur Pflicht werden.

Kommentare:

  1. Hi Carsten,
    sehr liebevolle Umschreibungen für die Schanze und ein ebenso wohlwollender und übersichtlicher Bericht über die Plattenläden. Slam Records ist wirklich immer einen Besuch wert und im Sommer macht die Schanze auch einen besseren Eindruck schon wegen der vielfältigen Strassencafe`s. Nochmal, toller Bericht, danke und gruß aus HH, Berthold

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  2. Moin Berthold,
    danke für Deinen freundlichen Kommentar! Ich habe in den 90er Jahren 7 Jahre in Hamburg gelebt, kenne Schanze, Kiez & Co. sehr gut und komme immer wieder gerne hierher. Im Sommer ist die Schanze natürlich "gefälliger", klar - aber zur jetzigen Jahreszeit auch irgendwie "originaler".
    :-)
    Gruß, Carsten

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