Mittwoch, 29. April 2015

AcousticPlan Aruna: 300B/310A-Amp jetzt in Serienproduktion


Ganz selten gibt es sie, diese Momente, wo du plötzlich völlig angefixt bist und total fasziniert von einem Hifi-Gerät. Mein begrenztes Erinnerungsvermögen lässt mich trotz Einschränkungen locker fünf Jahre ungetrübt in die Vergangenheit blicken und ich kann mich nicht erinnern, in dieser Zeit von einer Hifi-Komponente einmal so fasziniert gewesen zu sein wie vom AcousticPlan Aruna. Passiert ist es auf den Hamburger Hifi-Tagen 2015, wie der am Thema Interessierte hier nachlesen kann.

Ein paar Tage sind ja seitdem vergangen und Claus Jäckle, Aruna-Entwickler und Mastermind hinter der Fa. AcousticPlan, hat laut eigenem Bekunden schon mit der Produktion angefangen und hofft, nächste Woche die ersten Geräte ausliefern zu können. Die erste Serie ist so gut wie ausverkauft, gleich startet die Produktion einer weiteren Serie  von (immer) 10 Stück.


Der Preis liegt bei EURO 8.800,- inkl. MwSt. Das ist schon mal ein Wort und sicher kein Sonderangebot aus der Grabbelkiste, derlei Gedanken verbieten sich bei einem Gerät dieser Güte aber ohnehin. Mit Blick auf vergleichbare Konkurrenzprodukte (die bei der 300B derzeit allerdings sehr überschaubar sind) möchte ich diesen Preis sogar vergleichsweise günstig und erfreulich weit entfernt von Künstlerhonoraren nennen. Hinweis: In diesem Preis sind selbstredend keine Western Electric Originale enthalten, denn allein diese würden preislich ja in der Größenordnung des Amps liegen...

Die Schaltung des Aruna entspricht ganz "klassisch" der WE91A Schaltung (ohne die erste 310A Stufe) - was man halt so macht mit einer 300B und einer 310A. Die Röhren haben eine Gleichstromheizung, was den Restbrumm im Vergleich zu Wechselstromheizungen weiter minimiert. Die HV-Siebung erfolgt teilweise mit Ölpapierkondensatoren mit kleinen Werten, um den Gleichrichter zu schonen. Dafür gibt´s viel Eisen: Kernquerschnitt (Größe & Form) sowie Wicklungsaufbau des Ausgangsübertragers entsprechen dem WE171A. Claus (Jäckle) hat mir verraten, dass hier die meiste Entwicklungszeit (und damit auch der Großteil der Entwicklungskosten) drinsteckt. Dabei wird der Frequenzgang insgesamt nicht durch den Ausgangsübertrager bestimmt, sondern durch die Kopplung der 310A mit der 300B. 


Was ich persönlich besonders erfreulich finde ist die Tatsache, dass die Verlustleistung der 300B klein gehalten wird, um die 300B zu schonen - der Connaisseur möchte schließlich mit seinen WE-Originalen hören und dabei sicher sein, dass seine Pretiosen nicht gegrillt werden... Also stehen 6 Watt Ausgangsleistung zur Verfügung, wohingegen andernorts schon einmal bis zu 8 oder 9 Watt aus der 300B gequetscht werden. Völliger Unsinn, denn diese 2-3 Watt "Mehr" an Leistung sind de facto rein akademischer Natur und spielen in der Praxis keine Rolle. (Und mal ehrlich: Wer braucht mit anständigen Lautsprechern schon mehr als 6 echte Trioden-Watt?!)

Verbaut wurden weiterhin fast nur Kohlemassewiderstände, Folienkondensatoren mit echter Metallfolie und Elkos im Netzteil nach alter Machart, noch echt made in Germany. Die Gehäuse sind aus gefrästen und geschliffenen Aluminiumplatten, nicht vergleichbar etwa mit den heuer oft üblichen "Blechkisten".


Technische Daten:
  • 2 x 6 Watt Ausgangsleistung
  • Eingangsempfindlichkeit 0,7 V für Vollaussteuerung
  • Eingänge einzeln mit 6 dB abschwächbar
  • Ruheströme der 300B und der 310A über das Display ablesbar (wie bei WE91A)
  • umschaltbar von Vollverstärker auf Endstufe
  • Tape-Ausgang
  • zwei Ausgangsimpedanzen: 4-12 Ohm und 16-25 Ohm
  • Lautstärkeregelung mit Relais


Ich bin ja eigentlich nicht so sehr zu haben für Kraftausdrücke, aber jetzt muss es einfach mal raus: ein saugeiler Verstärker! Dir lieber Claus, danke ich für all die Informationen und ich wünsche Dir viel (geschäftlichen) Erfolg mit diesem Sahneteil!

Bevor ich es vergesse: Auf Klangbeschreibungen verzichte ich an dieser Stelle ganz bewusst. Dem Vernehmen nach wird das aber bestimmt schon zeitnah nachgeholt werden, und zwar von der (amtlich zuständigen) Röhrenkoryphäe schlechthin in Deutschland...

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