Dienstag, 21. April 2015

Höchst Empfindlich: Lautsprecher mit 20er SABA Blackcones

Lautsprecher sind das wichtigste Glied einer (Musik)Wiedergabekette. Das wichtigste Element bei der Musikwiedergabe an sich ist und bleibt immer noch der Hörraum, dessen Anteil am Gesamtergebnis ich bei ca. 50% sehe. Die anderen 50% liegen bei der - genau - "Wiedergabekette". Das Wort klingt (un)schön abstrakt, nicht wahr?! Wie auch immer, lassen wir einmal Kabelgedöns & Co. außer Betracht, besteht unsere Kette aus Quelle, Verstärker und Lautsprecher. Und eben jene Lautsprecher bestimmen das Gesamtergebnis der Kette an sich zu (mindestens) 60%, Quelle und Verstärker liegen m.E. bei jeweils höchstens 20%. So gesehen machen die Lautsprecher also 0,5 x 0,6 = 30% am Gesamtergebnis aus. Wer dieser Betrachtung folgend also seinen Hörraum klug gestaltet und sich anständige Hochwirkungsgradlautsprecher hinstellt, hat schon 80% der Ernte eingefahren... Mit halbwegs anständigem Verstärker und brauchbarer Quelle kann gar nicht mehr viel schiefgehen. Im Folgenden soll es daher endlich mal wieder um Hochwirkungsgradlautsprecher gehen.

Hochwirkungsgradlautsprecher sind nicht der Königsweg im Lautsprecherbau, sondern der einzig zulässige. Alles unterhalb von grenzwertigen 91-92 dB ist Schrott. Weiterhin sind ausschließlich Vollbereichsbreitbänder zulässig. Ohne Filter, Saugkreise oder ähnlichem Unsinn selbstverständlich. Zweiweglösungen? Frequenzweichen? Pfui! Allenfalls per Kondi nach unten hin begrenzte zusätzliche Hochtöner, die einen Vollbereichs-BB zu einem so genannten 1,5-Weger ergänzen, sind akzeptabel.

Nennt mich borniert, engstirnig oder verbissen - ich wähne mich in dieser Hinsicht durchaus Götz Wilimzigs Philosophie verbunden (vgl. auch hier). Fürderhin sehe ich es persönlich hier und da mittlerweile sogar noch ein wenig kompromissloser: Bassreflexlösungen gehen gar nicht, und auch mit Hörnern habe ich mittlerweile so meine liebe Not... Ein BB gehört in ein Horn?! Nee, also wirklich... Ein BB, der "untenrum" auf die Hilfe eines Horns angewiesen ist, taugt eben nix. Open Baffle-Lösungen oder Gehäuse mit hinreichend großen Ventilationsöffnungen für den akustischen Kurzschluss, die aufgrund ihrer Größe nicht mehr in die Kategorie Bassreflexöffnung fallen, sind akzeptabel. Oder eben auch noch Transmissionlines - eine Bauform, die völlig zu Unrecht ihr stiefmütterliches Dasein fristet.

Nachdem ich also mein engstirniges Dogma kurz umrissen habe, kann ich für die zwei bis drei verbliebenen Leser ganz entspannt weiter schreiben. Moin Jungs, wir sind jetzt unter uns!
  
  
  
  
  

  
Man nehme: SABA Blackcones (hier: 5298U8, Tigges Magnet und 5238U8, Magnetfabrik Dortmund - "Fünföhmer", aber nützt ja nix), wenn gerade zur Hand. Klar, Ausschlachten ist mal wieder angesagt, natürlich per se Frevel schlechthin. Sei´s drum... Das Ensemble wird mit einem 2,2 µF WIMA MKP4 gekoppelt.

Sei´s drum die Zwote: Das Ganze findet eine neue Heimat in einer Bassreflexkiste (ausgerechnet!), und zwar nach einem Entwurf von Götz Wilimzig. Allerdings keine völlig profane typische Kiste mit unsäglich langem Bassreflexrohr, welches (auch klanglich) eher an eine Luftpumpe erinnern würde. Sondern es handelt sich um eine Kiste aus Tonholz in Wandstärken zwischen 10,5 und 9 mm. Hier lohnen durchaus Versuche mit unterschiedlichen Wandstärken, wobei tendenziell doch eher 9 mm vorzuziehen sind. Mit Tonholz meine ich Klangholz, welches sich für den Musikinstrumentenbau eignet. Wer das Thema ein wenig vertiefen möchte, kann das hier auf Wikipedia tun.
 

Vorbilder:
    

Bildquelle: Jogis Röhrenbude, aus dem Buch "Höchst Empfindlich" von Dr. Götz Wilimzig & Rüdy Gysemberg


   
Bildquelle: Jogis Röhrenbude, aus dem Buch "Höchst Empfindlich" von Dr. Götz Wilimzig & Rüdy Gysemberg


Wer mag, kann natürlich zum Schluss ein wenig mit Dämmmaterialien experimentieren. Ich würd´s lassen, spart Zeit und Frust: Warum mit dem dicken Hintern wie ein Elefant im Porzellanladen alles wieder umschmeißen, was man zuvor so schön aufgebaut hat?! 
(Edit: Eventuell lohnt sich ein Ausprobieren von Dämmstoffen doch, da nicht unbedingt "gedämmt", sondern "gefiltert" wird. Kleiner, aber feiner Unterschied...)

Wer sich hierauf einlässt, ist ohnehin schon längst aus dem Kinken des Mainstream getreten und wird belohnt mit einer Musikwiedergabe, die so meilenweit vom typisch-blöden Hifi-Geschisse (sorry!) entfernt ist, dass man im Standard-High-End-Zirkel ohnehin als Aussätziger gilt.

Uns Verrückte (hallo, Thomas!) ficht das natürlich kein Stück an, wir setzen unser zufrieden-dümmliches Grinsegesicht auf und hören einfach glücklich MUSIK.

Kommentare:

  1. Dogmen, lieber Carsten, sind ein Problem. Weil ein Zeichen von Engstirnigkeit und Intoleranz. Ich find's sehr erfreulich, dass du deinen persönlichen Königsweg für das Thema Musikwiedergabe gefunden hast, das können nur wenige von sich behaupten.
    Es stünde dir aber gut zu Gesicht, nicht alle anderen Varianten des Themas mit einer solchen Geringschätzigkeit abzuwatschen - es gibt nämlich durchaus gute Gründe dafür, Musik nicht mit Breitbändern in Resokisten zu konsumieren. Jedes Lautsprecherprinzip hat seine Stärken und Schwächen; jeder gewichtet die daraus resultierenden klanglichen Unterschiede anders. Das nicht zu akzeptieren, ist auch nichts anderes als "Lautsprecherrassismus".

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    1. Hallo lieber Holger,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Vielleicht ist es mir in meinem Beitrag nicht gelungen, das "Augenzwinkern" deutlich genug herauszuschälen. Die "klare Kante" von mir hat nicht zum Ziel, alle anderen Prinzipien abzuwatschen. Gleichwohl bediene ich mich hier durchaus des Instruments polemischer Koketterie, um zu versuchen, über Jahrzehnte manifestierte und konditionierte Sichtweisen im Lautsprecherbau aufzuknacken und zu zeigen, dass es auch andere Wege gibt.
      Ich persönlich konsumiere auch gar nicht ausschließlich über Resokisten mit „historischen“ Treibern - moderne Treiber reizen mich tatsächlich viel mehr. Bitte glaube mir: Ich bin wahrlich kein "Lautsprecherrassist"!
      ;-)

      Gruß, Carsten

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