Mittwoch, 25. November 2015

Breezer, Seas & Co.

Das Thema "Breezer" - dieser pfiffige Gehäuseentwurf aus der K+T - ist ja mittlerweile ein echter Dauerläufer geworden. Das Tolle an diesem Gehäuse ist: Du kannst an Treibern reinschrauben, was du willst, es funktioniert immer irgendwie. Meistens aber funktioniert es sehr gut, also mit Breitbändern natürlich. Vor einiger Zeit habe ich mir den Seas Exotic F8 X1-08 "vorgeknöpft", mehr dazu auch hier.

Dienstag, 10. November 2015

SET mit der 6B4G

EKo, ein alter Uchida-Weggefährte, hat sich jüngst bei mir gemeldet und über sein neuestes Projekt berichtet. Here we go:
 
"Ich darf Dir von meinem Verstärker berichten, der vom Start an sehr schön musikalisch klingt und einfach nur Spaß macht. Ich hatte es eine Zeit lang mit Transistorverstärkern versucht, aber ich wurde klanglich nie wirklich überzeugt und so ergab es sich, dass mein „Haus-und-Hof“ Schrauber Heinrich (baut seit gefühlten 40 Jahren hobbymäßig Röhrenverstärker und ist unheilbar röhreninfiziert) mir verschiedene von ihm gebaute Verstärker anbot. So kam ich zu diesem „Schmuckstück“. 
 
Da die Blechbearbeitung bekanntermaßen aufwändig und teuer sein kann, greift Heinrich gerne auf Bewährtes (z.B. aus China) zurück und gibt dem Verstärker eine neue Seele mit seiner Handschrift. Bei dem hier vorgestellten Verstärker handelte es sich mal um einen Sinovt / Raphaelite mit 6L6GC/KT66, 6G2P(6SQ7GT) und 5Z4G(GZ30) Bestückung. 

Der Verstärker wurde also direkt in China online erworben. Nach Erhalt wurde er gleich mal entkernt, was blieb, war zunächst nur der Blechbody mit ein paar Anbauteilen, die Übertrager und das Netzteil. Der Sinovt wurde beim Kauf natürlich schon mit dem Ziel des Umbaus ausgesucht und so wurde aus dem 6L6GC ein 6B4G SET Verstärker mit der uns bekannten von Uchida - Schaltung. Wir erinnern uns: die 6B4G ist im Prinzip eine 2A3, allerdings wird sie mit 6,3 Volt statt 2,5 Volt geheizt und hat einen anderen Sockel.

Die 6G2P(6SQ7GT) wurde durch 12SN7 ersetzt und und bei den Gleichrichtern kommen nun 5R4 / 5V4 Typen zum Einsatz. Die Frontplatte samt Drehknöpfen hat er ebenfalls ersetzt, das Gehäuse neu pulverbeschichtet, die Betriebs-LED ist nun auch nicht mehr so groß wie ein Suchscheinwerfer-Glubschauge und die Schrauben sind mittlerweile alle aus Edelstahl. Klassisches Design.

Innen hat sich auch sehr viel getan: gepaarte feine Bauteile mit einer Abweichung von max 1% sowie bessere Verkabelung. Für die Technikinteressierten: Die Anodenspannung wird mit einer Hybridgleichrichter-Schaltung erzeugt - positiv mit Röhre und negativ mit UF4007 Silizium-Dioden, weil kein Mittelabgriff der Anodenspannung-Wicklung vorhanden war. Der erste Elko nach dem Gleichrichter hat 15µF/450V gefolgt von der Original-Drossel. Die beiden Elkos waren 330µF und wurden auf 100µF verkleinert. Damit in der Vorstufe 12 Volt realisiert werden konnten, wurde ein zusätzlicher kleiner Trafo installiert. Insgesamt wurde natürlich auch die Betriebssicherheit erhöht! Im Betrieb wird er übrigens nur handwarm. Ansonsten blieben die 3 Line-Eingänge und die 4 bzw. 8 Ohm LS Anschlüsse.

Warum 12SN7 Röhren? Ganz einfach: für 6SN7 Tuben werden zum Teil prohibite Preise aufgerufen und man weiß im Grunde nie, was man bekommt, sofern man nicht im seriösen Handel kauft, weiterhin gibt es von dieser Röhre auch Fälschungen und schlechte Nachbauten. Anders die 12SN7: Diese gibt es nur als alte originale Produktion, ist oftmals noch in NOS / NIB Qualität erhältlich und die Preise sind vergleichsweise niedrig. Für die 6B4G Triode gilt letztlich auch: Originale 6B4G Röhren sind im Vergleich zu alten 2A3 Tuben durchaus preiswert und in hoher Stückzahl erhältlich - klanglich stehen sie außerhalb jeglicher Diskussion. 

Ach ja, der Klang (speziell) dieses Verstärker ist, bedingt auch durch die von mir verwendeten 50er Jahre Röhren von Sylvania, Haltron und GE, ausgesprochen gut und braucht sich sicherlich nicht vor anderen teuren Produkten verstecken. Es hat sich irgendwie noch nicht rumgesprochen, aber nicht jeder Röhrenverstärker aus China ist ein „Chinakracher“. Das natürlich „mehr“ geht, hatte Heinrich (sich) mit diesem Verstärker bewiesen. Nun habe ich ihn :-)
 
Hier mal zwei Impressionen:"
  
 


Lieber EKo: Vielen Dank für den Bericht und die Bilder!

 
Nachtrag EKo vom 28.11.2015:
"Ich habe verschiedene Röhrenkombinationen testen können und musste feststellen, dass der kleine „Racker“ wie völlig selbstverständlich verschiedene Röhrenkombinationen deutlich herausarbeitet. Die folgende Darstellung gilt NUR für meinen Verstärker und ist nicht auf andere Verstärker zu übertragen. Das bitte nur zur Erklärung!
 
Folgende Röhren hatte / habe ich zur Verfügung:
 
Vorstufenröhren:
- 12SN7GT von GE (Baujahre 1952, 1955 und 1960, zivile und JAN),
- 12SN7GT von RCA und TungSol (beide 50er Jahre, grey glass und black glass)
 
Endstufenröhren
- JAN Sylvania aus 1952 
- Raytheon (vermutl. 60er Jahre) 

Gleichrichter:
- Mullard GZ32 
- JJ GZ34
- RCA 5R4GY (60er Jahre)
- Brimar CV729 von 1956,
- Mullard GZ32 (60er Jahre) 
- Chatham 5R4WGB
- GE 5R4GA

Ich glaube, ich hatte noch mehr Röhren zu Testzwecken zur Verfügung (Danke an Heinrich, der über eine umfangreiche Sammlung verfügt und mir die Tests möglich gemacht hat!!!), aber leider habe ich nicht alle Tests aufgezeichnet. Es mag dem technisch versierten und eher nüchtern argumentierenden Elektroniker fremd vorkommen, aber den deutlichsten Unterschied habe ich - ja… bei den Gleichrichtern ausmachen können. Physikalisch kann ich es nicht erklären, aber um es mal in „Musikhörers Worte“ zu fassen: Die Unterschiede sind eklatant.

Looser gibt es eigentlich nur einen: die JJ GZ34, die funktionierte nur. Sie klang räumlich flach und im Bass wenig strukturiert. 

Die „einfachen“ 5R4GY, 5Z4 und 5R4 Typen klangen sehr schön, insbesondere bei der Darstellung der Räumlichkeit, der Bühne und im Bass spielten sie schön und deutlich zeichnend. Die "Mash Potatos" spielten noch etwas räumlicher und strammer, die eigentlichen Winner waren aber die englischen Typen von Brimar und Mullrad. Es klang noch definierter, prägnanter und insbesondere die Darstellung der Bühne war viel dreidimensionaler. Ich hätte das so nie gedacht. 

Bei den Vorstufenröhren stellten sich die Typen von GE als echt Klasse heraus, die noch älteren Tungsol bzw. RCA (vermutliche Baujahre sind die Endvierziger oder frühen 50er Jahre) spielten mit deutlich mehr Druck.

Bei den Endröhren hatte ich leider nur zivile Raytheon und JAN Sylvanias zur Verfügung und da klangen die Sylvanias viel freier und lösten im Hochton deutlich feiner auf. Die Raytheon klangen da rauher und gröber. 

Ich möchte noch mal betonen, dass sich die Ergebnisse vieler Stunden des Hörens NUR auf meinen Verstärker beziehen! Die verwendeten Tuben klingen auf anderen Amps wahrscheinlich anders, sofern sie überhaupt nachvollziehbar sind."