Dienstag, 28. Februar 2017

Tube Porn: RCA Cunningham Radiotron 2A3 Single Plate

Langsam wird es Zeit, ein wenig zu den Wurzeln dieses Blogs zurückzukehren und die 2A3 endlich wieder etwas mehr in den Mittelpunkt zu rücken. Für mich gibt´s zur 2A3 Single Plate (oder auch Mono Plate) einfach keine Alternative (was ich lange ahnte und im tiefsten Inneren auch wusste, hat sich über die Jahre mehr und mehr im Bewusstsein manifestiert). Allen Experimenten mit anderen Konzepten und anderen Röhren(typen) zum Trotz habe ich endlich meinen Frieden geschlossen mit "meiner" Uchida in einem Setup, in dem die Sache mit der Eingangsempfindlichkeit und die Sache mit zu viel Gain einfach kein Thema mehr sind. Hierzu später an anderer Stelle vielleicht mehr.

Im "Hier und Jetzt" stand konkret die Überlegung an, ein Parallel-Single-Ended Konzept in Form von zwei Mono-Endstufen umzusetzen, die eingangsseitig eine 6SN7GT, als Treiber eine 6V6GT und via Interstage Transformer zwei anzutreibende parallele 2A3 Single Plates bekommen sollten. (Als Gleichrichter vielleicht eine 5U4G, die in dieser Umgebung allerdings fast schon als untere sinnvolle Grenze anzusehen wäre - Stichwort Leistungsmanagement). In der Konsequenz bedeutet das natürlich außerdem, sich mal eben schnell ein sauber gematchtes Quad 2A3 Single Plates besorgen zu müssen, ein leider nicht ganz einfaches und zudem kostspieliges Unterfangen... 

Vorgenannte Hürde zu nehmen könnte - neben einigen anderen positiven Effekten - unter anderem gleichwohl bedeuten, sich einen etwas besseren Dämpfungsfaktor zu erschleichen; der Leistungsgedanke hingegen spielt hierbei übrigens keine Rolle (bei knapp 5 Watt Ausgangsleistung reißt du eben auch keine Bäume aus). Aber ich hatte in meiner Naivität die Rechnung natürlich ohne den Wirt gemacht bzw. ohne den ausgewiesenen Röhren-Guru, mit dem ich mich zu diesem Konzept intensiv austauschte. Und dessen Einwände, die mich schnell auf den Boden der Tatsachen zurückholten, möchte ich im Folgenden kurz stichwortartig umreißen:

Sich im PSE-Betrieb aufaddierende (relativ hohe) Anodenkapazitäten, damit komplexe "umzuschaufelnde" Lasten für den Treiber, notwendiges extrem gutes Matching der vier 2A3 (fast unmöglich bei Single Plates), Erfordernis gleichen Alterns der vier 2A3 (definitiv unmöglich), sich aufaddierender Klirr der Trioden, weshalb man eigentlich keine PSEs ohne Gegenkopplung sieht (Teufelszeug). Schönen Dank, mein Freund...

Derart ernüchtert fiel es mir freilich sehr viel leichter zu akzeptieren, dass ich mir auch nach mehreren Monaten intensiver Suche und Abklappern "meiner" Röhren-Quellen einen Korb nach dem anderen einfing auf der Suche nach dem Heiligen Gr... - ähm - auf der Suche nach dem 2A3 Single Plate-Quad. Paare, klar, die gibt´s hin und wieder und diese ließen sich schließlich ihrerseits matchen. Aber hey, was für ein Aufwand für einen derart ungewissen Ertrag...

Und weil die Geschichte, dessen Nukleus meine krude PSE 2A3 Single Plate-Idee war, hier erst so richtig losgeht, erlaube ich mir, diesen (hier anonymen) Freund direkt zu zitieren, ganz einfach, weil es so lesenswert ist:

"... Viele der üblichen Schaltpläne für solche Dinger (=PSE) lösen die Probleme nicht, das sieht man dann u. a. am eingeschränkten Frequenzgang. Ein kräftiger Treiber ist wichtig, am besten womöglich durch einem Step-down Interstage, um die Treiberimpedanz runter zu kriegen. Doch die Geschichte hat halt noch mehr Probleme…

Ich persönlich finde Push-Pull mit reinen Trioden inzwischen besser (hab hier auch einen sehr alten Shindo-PP mit WE421, der ein Wunder ist). Richtig gemacht, heben sich im Trioden PP geradzahlige Verzerrungen auf und der Klirr des Treibers bestimmt den Klang. Ist der Treiber richtig designt, heben sich mit der Endstufe auch ungeradzahlige auf und du bekommst einen blitzblanken Amp ohne GK - so was sollte man mal gehört haben.

Es gibt aus Japan eine alte Schaltung, die so eine Kompensation sogar Single ended macht mit einer ABC1 und einer AD1; das sind dann 1,2 % Klirr bei 3 Watt ohne GK, eine Rarität unter SEs. Hatte das mal auf einem Brett gebaut mit EbIII, hörte sich super an. Meine SE RE604 mit RE134 Treiber und Zwischen-ÜTs laufen bei Vollast (hüstel, 1,3 Watt) mit 1,3% Klirr ohne GK (Angebermodus: aus). Und das meiste im Spektrum verursachen die ÜTs, die nämlich auch hübsch ungeradzahlig klirren, was dir in der Trioden-Gemeinde aber keiner so laut sagt…

Langer Rede kurzer Sinn: Ich selber würde mir von einer 2A3-PP (mit Ruhestrom-Einstellung für jede Röhre, also am besten mit aktiver Gittervorspannung) am meisten versprechen, so was wurde in der Frühzeit gerne und oft mit PP-Interstage als Phasendreher gebaut. Selber hab ich das noch nicht probiert; in der japanischen Szene gabs da aber früher mal viel von … Merke: SE ist keine Religion, sondern war eine Wiederentdeckung schönen geradzahligen Klirrs durch Highender, die zu viel Audio Research, Mark Levinson und Jadis gehört hatten. Und genau so entdecken sie justament den Breitbänder und den Koax wieder und das Horn. Und in ein paar Jahren werden die üblichen Verdächtigen behaupten, sie hättens erfunden.

Gute Vorbilder für feine PPs sind auch die frühen Western-Electric-PPs mit reinen Trioden, die manchmal aber auch noch einen anderen bösen Trick beinhalten, der seit den 40er Jahren in Vergessenheit geraten ist. Hervorgekramt hat das schließlich Lynn Olsen, aber es funktioniert nur mit Zwischen-ÜTs und Stromquellen, die auch in Form von Spulen da sein dürfen. Schau dir die Schaltungen mal an …. unter Nutshell High Fidelity. Das ist mit das Klügste, was ich seit 30 Jahren gesehen habe und weit weg vom langweiligen Mainstream.

Ich hab das auch mehrmals gebaut und erforscht (das war mein Hobby über die letzten 5 Jahre) wobei man mit kleinen Trioden und kleinen Leistungen unkomplizierter bleiben und sich mehr an den WE-Urschaltungen von 1918 - 1930 orientieren kann. Der Witz ist: die hatten es damals besser verstanden als wir. Und du darfst nicht vergessen, dass die Röhren-Geschichte seit 1940 aufwärts in erster Linie Einsparungen anstrebte und eben nicht besseren Klang. Ich habe Fachbücher, wo 1950 alte Ingenieure beklagen, wie schlecht sich „moderne“ Verstärker anhören - sie hatten die Trioden-PPs noch im Ohr, vom wirtschaftlichen Standpunkt aus damals ein Wahnsinn. 

Und dann ist es so verlaufen, dass die meisten Röhrenverstärker, die wir heute bauen, die schlechteren Röhrenverstärker mit den schlechteren Röhren sind … Tiefer eingedrungen in die Materie stellst du fest, dass die reine, alte, ursprüngliche Lehre ein PP mit Trioden und Eingangs- und Zwischen-ÜT ist. Und damit sind wir wieder bei den frühesten WE-Amps, die freilich schlechtere Kondensatoren, aber bessere ÜTs hatten, als wir heute. Es gibt Leute, die haben alte WE Eisen auseinandergerisssen und gemessen. Und siehe da, die messen sich verdammt gut und haben Super-Kerne …. Jetzt weißt du, warum für das Zeug heute Unsummen bezahlt werden. ..."

Tja, alles klar soweit?! Inzwischen dürfte sogar sonnenklar sein, dass ich von der Idee der PSE mit der 2A3 Single Plate Abstand genommen habe. Klingt ja auch im Stereobetrieb ganz ordentlich, die Uschi. Ohne Interstage, dafür mit profanem Koppel-Kondi. Und überhaupt - welch Frevel, gleich vier statt nur zwei 2A3-Single-Plate-Röhren zu verheizen. Teuer und selten genug, die Dinger. Und schließlich dient mir Uschi auch einfach als Spielzeug, als Röhrenbetriebsstätte, die es mir erlaubt, dem Tube Rolling zu frönen. Und weil ich mich jedes Mal wieder wie ein kleines Kind an Weihnachten freue, wenn ich - so wie heute! -  solch ein perfekt gematchtes Paar im Bestzustand vom Zollamt abholen darf:









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